Gesundheitsförderung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF). Was ist kultursensible Pflege?


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2017
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Einleitung
1.2 Methodik

2 Überblick aktuelle Praxis
2.1 Prävalenz psychischer Störungen
2.2 Versorgungs- und Behandlungssituation

3 Psychische Belastungen
3.1 Faktoren psychischer Belastungen
3.2 Überprüfung von Häufigkeit und differenziellen Einflüssen

4 Rolle der sozialen Unterstützung
4.1 Auswirkung auf die psychische Gesundheit
4.2 Auswirkung auf die Akkulturation

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einführung

1.1 Einleitung

In dieser Hausarbeit wird das Thema „Kultursensible Pflege“ behandelt. Dieses Thema ist in Bezug auf die derzeitige Flüchtlingssituation hochaktuell. Der Verfasser verfolgt diese Thematik bereits seit dem Jahr 2015, in diesem Jahr erreichte die Anzahl der Flüchtlinge innerhalb der letzten 20 Jahre ihr Maximum. Zudem hatte der Verfasser persönlichen Kontakt zu Flüchtlingen aus Afghanistan und Syrien bei seiner aktiven Mithilfe im Rahmen der Flüchtlingshilfe des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) in seiner Heimatgemeinde Graben-Neudorf und wurde so auf die Probleme aufmerksam.

Weltweit fliehen jedes Jahr mehrere Millionen Menschen, darunter viele Kinder, aus ihren Heimatländern vor Krieg und Verfolgung. Laut UNICEF hat sich die Zahl von Kindern und Jugendlichen, die allein als Flüchtlinge oder Migranten unterwegs sind, seit 2010 fast verfünffacht. In Europa stellten 2015 und 2016 rund 170.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einen Asylantrag (UNICEF 2017: 3). Viele Flüchtlingskinder verlassen ihre Heimat, um Gewalt, Krieg, Not und Diskriminierung zu entkommen. Sie erleben auf der Flucht traumatische Ereignisse. Auffällig ist, dass dabei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge häufiger von traumatischen Erfahrungen berichten als von Eltern begleitete Flüchtlingskinder. Dies belegen auch Oppedal und Idsoe. Die Autoren betonen hierbei, dass die psychische Problematik auch noch Jahre nach erfolgreicher Migration in dieser Personengruppe verstärkt bestehen bleibt (Oppedal/Idsoe 2015: 1).

Diese hohe Zahl und auch die kulturelle Verschiedenheit der unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge stellen große Herausforderungen in der Versorgung dar. Eine gesundheitliche Versorgung, ebenso im Hinblick auf psychische Erkrankungen, ist nicht nur ein Recht von Flüchtlingskindern, sondern auch eine wichtige Voraussetzung für Bildungs- und Integrationserfolge (Metzner at al. 2016: 642).

Diese Hausarbeit behandelt im Folgenden die Problematik der Versorgung von unbegleiteten minderjährigen Ausländern und Flüchtlingskindern mit traumatischen und psychischen Störungen, da dieses Thema das besondere Interesse des Verfassers geweckt hat. Zum Herangehen an das Thema wurde als zentrale Frage die Frage „Weshalb ist die Anfälligkeit für psychische Krankheiten bei unbegleiteten Flüchtlingskindern besonders hoch und wie werden Betroffene unterstützt?“ ausgewählt. Für eine Verbesserung der Lebensqualität und Gesundheit der Flüchtlingskinder sowie für die Akkulturation, das Gelingen der Eingliederung in die Gesellschaft im Gastland, ist dieses Thema von großer Wichtigkeit.

Bei den Hilfsangeboten sind zudem Probleme wie Sprachbarrieren, Ablehnung und Misstrauenshaltung der einheimischen Bevölkerung, hohe Integrationsanforderungen, ethnische Konflikte, soziale Isolation sowie finanzielle und bürokratische Schwierigkeiten zu berücksichtigen. Diese stellen eine Herausforderung an die Versorgung dar. Durch das noch lückenhafte Wissen zum Gesundheitsstand der Flüchtlinge aufgrund der oft komplexen Beschwerden gewinnen die Ansätze der kultursensiblen Pflege und Diagnostik wenig Berücksichtigung.

Vorhandene empirische Studien zeigen, dass minderjährige unbegleitete Flüchtlinge ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen haben, da sie etwa doppelt so viele traumatische Erlebnisse hatten wie begleitete Minderjährige. Eine effiziente und frühzeitige Behandlung der Traumafolgestörungen reduziert die spezifischen Beeinträchtigungen der Flüchtlingskinder, fördert deren Integration und senkt zugleich die Gesundheitsfolgekosten (Metzner at al. 2016: 650).

Der Verfasser legt den Schwerpunkt seiner Annotation daher auf die Versorgungssituation psychisch kranker unbegleiteter Flüchtlingskinder im Hinblick auf die Akkulturation.

1.2 Methodik

Bei der Bearbeitung der vorliegenden annotierten Bibliographie wurde zuerst nach der Problemstellung der kultursensiblen Pflege gesucht. Eine Recherche erfolgte in öffentlichen Suchmaschinen. Dabei kristallisierte sich die Frage, ob Menschen mit einem Migrationshintergrund in Gastländern ausreichend medizinisch versorgt werden können. Die Suche wurde in der Hochschulbibliothek mit FILIP konkretisiert. Erste Ergebnisse zeigten, dass Traumatisierung und psychische Erkrankungen Folge der Flucht sind und hier ein besonderer Behandlungsbedarf bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen besteht.

Recherchiert wurde im Juli 2017 über die Suchmaschinen Google Scholar und PubMed, das Erscheinungsjahr wurde auf die letzten fünf Jahre beschränkt. Die deutschen und englischen Schlüsselwörter für die systematische Suche lauteten: Kultursensible Pflege, Migranten, Flüchtlinge, Flüchtlingskinder, minderjährige Flüchtlinge, minderjährige Ausländer, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Trauma- und psychische Erkrankungen, psychische Auffälligkeiten, psychische Gesundheit, Versorgung, Depression, posttraumatische Stresssymptome, posttraumatische Belastungsstörungen, Hilfsangebote für Flüchtlingskinder, Akkulturation, cultur-sensitive diagnostics, refugees, refugee children, mental health, acculturation, culture competence, discrimination, unaccompanied refugee minors, unaccompanied minor asylum-seekers, depression, post-traumatic stress symptoms, trauma, trauma-related disorders.

Nach erfolgter Durchsicht und Klassifizierung der gefundenen Literatur wurde der Fokus auf Publikationen gerichtet, die unbegleitete minderjährige Flüchtlinge thematisieren und drei aussagekräftige Quellen ausgewählt.

Die erste Quelle ist ein wissenschaftlicher Artikel aus der Monatsschrift „Kinderheilkunde“ von Mannhart und Freisleder. Dieser Artikel beschreibt die Traumatisierung bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und deren Behandlung. Bei der zweiten Quelle handelt es sich um eine Originalarbeit von Rücker et al., in der psychische Belastungen bei unbegleiteten minderjährigen Ausländern anhand einer Studie untersucht werden. Die letzte Quelle ist eine auf Englisch verfasste, skandinavische Studie von Oppedal und Idsoe. Diese beschreibt die Rolle der sozialen Unterstützung bei der Akkulturation und der psychischen Gesundheit von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden.

Alle drei Quellen weckten das Interesse des Verfassers, da sie teils mit unterschiedlichen Behandlungsmethoden das Ziel einer Verbesserung der psychischen Gesundheit von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen hatten und eine hohe Relevanz zur Bearbeitung des Themas gegeben war. Daher wurden die bereits oben aufgeführten, folgenden drei Quellen annotiert: Mannhart und Freisleder (2017), Rücker et al. (2017), Oppedal and Idsoe (2015).

Auf die kombinierte Verwendung der weiblichen und männlichen Sprachform wurde zur besseren Lesbarkeit verzichtet. Personenbezeichnungen gelten ausnahmslos für beiderlei Geschlecht.

Das Fazit reflektiert die beschriebenen Standpunkte und knüpft an aktuelle Probleme in der gegenwärtigen Versorgung an.

2 Überblick aktuelle Praxis

2.1 Prävalenz psychischer Störungen

Die hohe Zahl der begleiteten und unbegleiteten Flüchtlingskinder, die in den letzten Jahren und Monaten nach Deutschland gekommen sind, ist eine große Herausforderung für diverse Hilfssysteme unseres Landes. Laut statistischem Bundesamt kamen 2015 rund 42.300 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland. Die Mehrzahl (bis zu 97%) der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge hat traumatisches vor und während der Flucht erlebt und oftmals Kriegserfahrungen gemacht (Witt et al. 2015: 211).

Zudem ist diese Gruppe im Vergleich zu begleiteten Flüchtlingskindern besonders starken Belastungen ausgesetzt, da sie bei allen Problemen auf sich selbst gestellt ist. Diese Kinder müssen alleine flüchten, manche verlassen ihr Heimatland nach dem Tod der Eltern oder werden auf der Flucht von diesen getrennt. Sie fliehen vor Krieg, familiärer Gewalt, Konflikten, Katastrophen oder Armut und sind ohne die Unterstützung erwachsener Bezugspersonen häufig Gefahrensituationen und Übergriffen während der Flucht ausgesetzt. Sie sind schutzlos bei Übergriffen, bei illegaler Flucht, erfahren häufig Schwierigkeiten in Flüchtlingslagern, geraten in Gewaltsituationen bis hin zur Vergewaltigung (Mannhart/Freisleder 2017: 39).

Durch die schrecklichen Erlebnisse in ihrem Heimatland und auf der Flucht sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereits psychisch hoch vorbelastet. wenn weitere Schwierigkeiten im Exilland wie Wohnungswechsel, fehlende soziokulturelle Orientierung, unsicherer Aufenthaltsstatus, fehlende Zukunftsperspektive, Heimweh oder große Angst um die zurückgelassene Familie hinzukommen. Diese fortlaufenden Traumatisierungsprozesse erschweren die Entwicklung sowie die Integration. Die Zeit nach der Ankunft im Gastland und die dortige Situation ist daher für traumatisierte Flüchtlingskinder von großer Relevanz für ihre psychische Stabilität und ihren weiteren Lebenslauf (Mannhart/Freisleder 2017: 40).

Wenn psychische Erkrankungen frühzeitig behandelt werden, ist dies eine Basis zur gelungenen Integration der betroffenen unbegleiteten Flüchtlingskinder und verhindert so einen chronischen Krankheitsverlauf (Mannhart/Freisleder 2017: 47).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Gesundheitsförderung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF). Was ist kultursensible Pflege?
Hochschule
Hochschule Fulda
Veranstaltung
Gesundheitswissenschaftliches Arbeiten und Denken
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V468680
ISBN (eBook)
9783668946781
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesundheitsförderung, flüchtlingen, pflege
Arbeit zitieren
Daniel Hornung (Autor), 2017, Gesundheitsförderung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF). Was ist kultursensible Pflege?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468680

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