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HIV/AIDS-Prävention in Entwicklungsländern als globale Herausforderung: Eine institutionenökonomische Analyse

Title: HIV/AIDS-Prävention in Entwicklungsländern als globale Herausforderung: Eine institutionenökonomische Analyse

Diploma Thesis , 2003 , 94 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Julia Fleckenstein (Author)

Business economics - Miscellaneous
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1. Problemstellung, Zielsetzung und methodisches Vorgehen
Die HIV/AIDS Epidemie stellt eine globale Notlage dar. Ihr Ausmaß ist gewaltig: Zwanzig Millionen AIDS-Tote, 42 Millionen HIV-Infizierte weltweit. Ihre Auswirkung ist auf allen Ebenen der Gesellschaft verheerend: das Leid des Einzelnen, die Kosten und der Verlust für die Gemeinschaft, die Schwächung der Nation und das soziale und wirtschaftliche Entwicklungshemmnis der Weltgemeinschaft, um nur einige Beispiele zu nennen. Ein Handlungsbedarf ist dringend geboten.

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Bereitstellung von HIV/AIDS-Prävention auf einer internationalen Ebene auseinander. Obwohl die Verantwortlichkeit für die Gesundheit, den Wohlstand und die Sicherheit der Bevölkerung hauptsächlich den einzelnen Staaten obliegt, sind die Rahmenbedingungen und damit die Möglichkeiten, dieser Verpflichtung nachzukommen, zunehmend durch globale Prozesse bestimmt. Dies trifft in besonderem Maße auf die HIV/AIDS-Problematik zu, die wie keine andere Krankheit multifaktorielle Auswirkungen für die Weltbevölkerung hat. Das zentrale Thema der Arbeit ist, die zwischenstaatlichen Abhängigkeiten und die Anreize zur Kooperation bei der Bereitstellung eines gewissen Präventionsniveaus im eigenen Land sowie bei der Unterstützung der Prävention in finanziell schwachen Nationen (Entwicklungsländern) aufzudecken. Das Präventionsniveau bestimmt sich dabei nach der Quantität und Qualität der national „konsumierten“ Präventionsmaßnahmen. Unabhängig von ethischen Forderungen an reiche Nationen, deren altruistische Pflicht es sein solle, der globalen AIDS-Bedrohung den Kampf anzusagen und auch arme, unter HIV/AIDS stark leidende Länder zu unterstützen, wird hier ein ökonomischer Standpunkt eingenommen. Basierend auf der Annahme, dass ein jeder rational handelnde Akteur nur nach den für ihn gültigen Anreizen handelt, kann eine Kooperation nur bei entsprechenden individuellen Nutzenerwartungen entstehen. Diese sollen hier offen gelegt und unter Zuhilfenahme des spieltheoretischen Instrumentariums systematisch in ihrer Abhängigkeit analysiert werden. Es soll gezeigt werden, dass auf der Basis von Transparenz bezüglich der Handlungsoptionen und Nutzenerwartungen der Eigennutz der Nationen durchaus ausreichend sein kann, um eine effiziente Allokation der knappen Ressourcen in der globalen HIV/AIDS-Prävention zu erreichen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung, Zielsetzung und methodisches Vorgehen

2. AIDS Prävention als globale Herausforderung

2.1. Medizinische und epidemiologische Fakten von HIV/AIDS und Prävention

2.2. Sozio-ökonomische Konsequenzen von HIV/AIDS

2.3. Globalisierung und HIV-Verbreitung

2.4. Nationale AIDS-Prävention als globales öffentliches Gut

3. Struktur der Verhaltensanreize

3.1. Grundlagen

3.1.1. Verhaltensmodell der Akteure

3.1.2. Pareto-Konzept als Beurteilungskriterium

3.1.3. Analyseinstrument Spieltheorie

3.2. Die Beziehung von Industrie- zu Entwicklungsländern

3.2.1. Spielkonstruktion

3.2.2. Spielanalyse

3.3. Die Beziehung der Industrieländer untereinander

3.3.1. Spielkonstruktion

3.3.2. Spielanalyse

4. Kooperatives Verhalten

4.1. Grundlagen

4.1.1. Kollektives Handeln und internationale Kooperation

4.1.2. Dynamische und kooperative Spiele

4.2. Die Beziehung von Industrie- zu Entwicklungsländern

4.2.1. Harmonie und Koordination bei Einkommensgleichheit

4.2.2. Transfergestaltung bei Einkommensunterschieden

4.3. Die Beziehung der Industrieländer untereinander

4.3.1. Das dynamische Lösungskonzept

4.3.2. Das kooperative Lösungskonzept

4.3.3. Kooperationsfördernde Rahmenbedingungen

5. Institutionelle Mechanismen

5.1. Internationale Institutionen: Ordnungsrahmen, Regimes und Organisationen

5.2. Gestaltungsprinzipien

5.3. Global Health Governance

6. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die internationale Bereitstellung von HIV/AIDS-Prävention aus einer institutionenökonomischen Perspektive, mit dem primären Ziel, die zwischenstaatlichen Abhängigkeiten und Kooperationsanreize mittels spieltheoretischer Modelle zu untersuchen, um effiziente Allokationsmechanismen für knappe Ressourcen aufzuzeigen.

  • Spieltheoretische Modellierung zwischenstaatlicher Anreizstrukturen
  • Klassifizierung der HIV/AIDS-Prävention als globales öffentliches Gut
  • Analyse der Nord-Süd-Beziehungen sowie der Kooperationsdynamiken unter Industrieländern
  • Evaluation institutioneller Mechanismen und Governance-Strukturen für den globalen Gesundheitsschutz

Auszug aus dem Buch

2.1. Medizinische und epidemiologische Fakten von HIV/AIDS und Prävention

Im Jahre 1981 wurde in den USA erstmals die Krankheit AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome, zu deutsch: Erworbenes Immunmangelsyndrom) beschrieben. Sie stellt das Endstadium einer Infektion mit dem Humanen Immundefizienzvirus (HIV) dar, welches das Immunsystem angreift und so weit zerstört, dass sich der Körper nicht mehr gegen verbreitete Erreger schützen kann. In der Folge sterben die Patienten an Infektionen mit opportunistischen Keimen, die für Menschen mit normal funktionierendem Immunsystem meist harmlos sind, oder entwickeln bestimmte tödliche Tumore.3 Der Verlauf der Krankheit lässt sich in drei Phasen unterteilen. Nach einigen Wochen mit Grippe-ähnlichen Erscheinungen folgt die asymptomatische Phase, welche zwischen zwei bis 20 Jahre andauern kann. Schließlich folgt das volle Krankheitsbild AIDS mit schwerwiegenden klinischen Symptomen.4 In der langen Latenzzeit, in der die Infizierten keine subjektiven Anzeichen einer Ansteckung verspüren, aber bereits kontagiös sind, steckt ein großes Potential für die Übertragung des Virus. Die klinische Diagnose bei Eintritt von AIDS ist schwierig, da das Krankheitsbild sehr variabel ist und nur wenige Leitsymptome bekannt sind.5

Die Prävention (Krankheitsverhütung) zielt darauf ab, eine gesundheitliche Schädigung zu verhindern. Es wird zwischen Primär-, Sekundär und Tertiärprävention unterschieden. Die Primärprävention ist die „Vermeidung exogener Schädigungen oder die Verhinderung oder Verringerung eines personengebundenen Risikos“6. Nach Eintreten einer präklinischen Schädigung setzt die Sekundärprävention durch die „Verhinderung des Fortschreitens eines Krankheitsfrühstadiums durch Früherkennung und –behandlung"7 an. Die Tertiärprävention ist der Versuch, die Folgeschäden bei bereits eingetretenen klinischer Krankheit abzumildern. Da AIDS bislang nicht heilbar ist und die Fortschritte bei der Entwicklung einer ursächlichen Therapie oder eines Impfstoffes noch wenig Anlass zur Hoffnung für die nahe Zukunft geben, kann bei der Bekämpfung von HIV/AIDS in erster Linie nur auf Präventionsmaßnahmen zurückgegriffen werden. In Beispielen bestätigte sich bereits die hohe Effektivität und Effizienz einzelner wissenschaftlich fundierter Präventionsmaßnahmen.8

Zusammenfassung der Kapitel

1. Problemstellung, Zielsetzung und methodisches Vorgehen: Einleitung in die globale HIV/AIDS-Problematik und Erläuterung des spieltheoretischen, institutionenökonomischen Analyserahmens.

2. AIDS Prävention als globale Herausforderung: Darstellung der medizinischen Fakten, sozio-ökonomischen Folgen und Einordnung der Prävention als globales öffentliches Gut.

3. Struktur der Verhaltensanreize: Analyse der nationalen Anreize zur Bereitstellung von Prävention mittels spieltheoretischer Grundmodelle.

4. Kooperatives Verhalten: Untersuchung von Mechanismen zur Überwindung ineffizienter Anreizstrukturen durch Kooperation und Transferzahlungen.

5. Institutionelle Mechanismen: Erörterung der Rolle von Institutionen und Governance-Strukturen bei der Implementierung globaler Lösungen.

6. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Plädoyer für eine globale Allianz zur effektiven Bekämpfung der HIV/AIDS-Epidemie.

Schlüsselwörter

HIV/AIDS, Prävention, Institutionenökonomie, Spieltheorie, Globales öffentliches Gut, Kooperation, Nord-Süd-Transfer, Anreizstrukturen, Global Governance, Pareto-Effizienz, Neue Politische Ökonomie, Entwicklungsländer, Industrieländer, Epidemie, Gesundheitsökonomie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Bereitstellung von globaler HIV/AIDS-Prävention durch Nationalstaaten unter dem Aspekt ökonomischer Anreizstrukturen und internationaler Kooperation.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der spieltheoretischen Modellierung zwischenstaatlicher Abhängigkeiten, der Analyse von Marktversagen bei öffentlichen Gütern sowie institutionellen Lösungskonzepten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu belegen, dass transnationale Kooperation bei der HIV/AIDS-Bekämpfung durch Eigeninteresse motiviert werden kann, sofern die Spielregeln und Anreize entsprechend gestaltet sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird der theoretische Rahmen der Neuen Institutionenökonomie und Neuen Politischen Ökonomie genutzt, insbesondere formale spieltheoretische Analyseinstrumente.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Anreizstrukturen für Präventionsleistungen (Abschnitt 3) und erörtert Wege zur Kooperation durch dynamische Modelle und institutionelle Mechanismen (Abschnitte 4 und 5).

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Spieltheorie, Global Public Goods (GPG), institutionelle Mechanismen, Kooperation, Weakest-Link-Beziehung und Pareto-Effizienz.

Welche Rolle spielt der Nord-Süd-Transfer?

Der Transfer wird als notwendige Strategie diskutiert, um bei ungleicher Einkommensverteilung ein effektives, globales Präventionsniveau durch eine Budgetumverteilung zu erreichen.

Wie unterscheidet sich die "Weak-link" von der "Weakest-link" Beziehung?

In einer weakest-link Beziehung bestimmt das am wenigsten engagierte Land das globale Sicherheitsniveau, weshalb für andere Länder kaum ein Anreiz besteht, über das Niveau des schwächsten Gliedes hinaus zu investieren.

Warum sind Institutionen für die HIV-Bekämpfung entscheidend?

Institutionen reduzieren Transaktionskosten, schaffen Transparenz und koordinieren Erwartungen, wodurch sie in anarchischen internationalen Systemen Kooperation erst ermöglichen.

Welchen Stellenwert haben NGOs in dieser Analyse?

Nichtregierungsorganisationen werden als Ergänzung staatlicher Bemühungen hervorgehoben, da sie durch ihre Zivilnähe spezifische Effizienzvorteile bei der Umsetzung von Präventionsmaßnahmen besitzen.

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Details

Title
HIV/AIDS-Prävention in Entwicklungsländern als globale Herausforderung: Eine institutionenökonomische Analyse
College
University of Bayreuth  (Gesundheitsökonomie)
Course
Studiengang Gesundheitsökonomie
Grade
1,0
Author
Julia Fleckenstein (Author)
Publication Year
2003
Pages
94
Catalog Number
V46875
ISBN (eBook)
9783638439619
ISBN (Book)
9783638707947
Language
German
Tags
HIV/AIDS-Prävention Entwicklungsländern Herausforderung Eine Analyse Studiengang Gesundheitsökonomie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Fleckenstein (Author), 2003, HIV/AIDS-Prävention in Entwicklungsländern als globale Herausforderung: Eine institutionenökonomische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46875
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