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Semiotik und Wissenschaftstheorie bei Charles Sanders Peirce

Title: Semiotik und Wissenschaftstheorie bei Charles Sanders Peirce

Seminar Paper , 1997 , 18 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Elmar Korte (Author)

German Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics
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Summary Excerpt Details

Schon seit der griechischen Antike gibt es die Lehre von den Zeichen. Auch der Terminus Semiotik wird seitdem verwendet, um diese zu bezeichnen. Die Vorsokratiker, die Sophisten und Platon entwickelten erste semiotische Untersuchungen und Entwürfe, welche von Aristoteles fortgesetzt und systematisiert wurden. Weitere erweiterte Zeichenkonzeptionen finden sich bei den Stoikern, bei den Epikureern, bei Augustinus, bei der mittelalterlichen Scholastik und bei den Philosophen des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Zeichenlehre war demnach während der gesamten Philosophiegeschichte Gegenstand philosophischer Untersuchungen. Den Stellenwert einer selbständigen Wissenschaft erlangte die Semiotik dann im 19. Jahrhundert durch den amerikanischen Logiker, Mathematiker, Naturwissenschaftler und Philosophen Charles Sanders Peirce. Peirce, der als Hauptbegründer der modernen Semiotik gilt, war der Überzeugung, daß die Semiotik als Fundamentalwissenschaft Grundlage sei für Logik und Ling
uistik. Dieser hohe Stellenwert der Semiotik bei Peirce ist leicht einzusehen, wenn man eine grundlegende These seiner Theorie betrachtet: Denken ohne Zeichen sei nicht möglich, alles Denken sei notwendig „Denken in Zeichen“ (C. P.: 5. 251).
Der Universalitätsanspruch der Semiotik war für Peirce aber nicht nur von wissenschaftlicher Bedeutung. Aus folgender autobiographischer Notiz läßt sich entnehmen, daß Peirce auch im alltäglichen Leben von der ständigen Präsenz zeichentheoretischer Erwägungen vereinnahmt war:

It has never been in my power to study anything,- mathematics, ethics, metaphysics, gravitation, thermodynamics, optics, chemistry, comparative anatomy, astronomy, psychology, phonetics, economic, the history of science, whist, men and women, wine, metrology, except as a study of semeiotic. (Hardwick 1977: 85ff.)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundzüge der Peirceschen Semiotik

2.1 Die triadische Struktur des Zeichens

2.1.1 Der „sign“-Pol der Zeichentrias

2.1.2 Der „objekt“-Pol der Zeichentrias

2.1.3 Der „interpretant“-Pol der Zeichentrias

3. Wissenschaftstheorie – Deduktion, Induktion und Abduktion

3.1 Besonderheiten der Abduktion

3.2 Der Prozeß des Schließens – Verknüpfung von Abduktion, Deduktion und Induktion

4. Semiosis und Abduktion – der unendliche Prozeß der Abduktion

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Konzepte der Zeichentheorie von Charles Sanders Peirce und deren enge Verknüpfung mit seiner wissenschaftstheoretischen Konzeption der logischen Schlussformen, insbesondere der Abduktion. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit das semiotische Modell von Zeichen und Bedeutung den Rahmen für wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung und unendliche Semiosis bildet.

  • Die triadische Struktur des Zeichens (Zeichenmittel, Objekt, Interpretant)
  • Differenzierung der logischen Schlussformen: Deduktion, Induktion und Abduktion
  • Die Rolle der Abduktion als zentrales Element der wissenschaftlichen Hypothesenbildung
  • Die Konzeption der unendlichen Semiosis als Prozess der Wissenserweiterung

Auszug aus dem Buch

3.1 Besonderheiten der Abduktion

Peirce fragt sich unter anderem, wie man die psychologischen Gegebenheiten, die bei der wissenschaftlichen Hypothesenbildung eine Rolle spielen, beschreiben könnte. Diese Frage ist für Peirce von besonderem Interesse, da die Abduktion die „einzige Art von Schlußfolgerung (ist), die eine neue Idee entstehen läßt“. Nicht ein konzentriert-themenorientiertes Nachdenken ist das geeignete Umgehen mit einem Problem, sondern eine relativ gelassene, entspannte Abwendung von rationalen Gedankengängen. Peirce bezeichnet dieses unkontrollierte Nachsinnen als play of musement. Der erste Schritt besteht aus einer weitgefächerten Rezeption von Impressionen, welche aber bald in aufmerksame Beobachtung und überlegtes Nachsinnen übergeht. Je spezieller die Beobachtungen und Erwägungen dann werden, desto mehr kann von einer Verwandlung in wissenschaftliches Studium gesprochen werden. Der entscheidende Schritt, in dem aus der noch unkontrollierten Beobachtung eine neue Hypothese entsteht, wird als Blitzstrahl, der in das Denken der Forscher fährt, beschrieben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel verortet die Semiotik historisch und stellt Peirces Anspruch dar, die Semiotik als Fundamentalwissenschaft für Logik und Linguistik zu etablieren.

2. Grundzüge der Peirceschen Semiotik: Hier werden das triadische Zeichenmodell sowie die verschiedenen Unterkategorien von Zeichenmittel, Objektbezug und Interpretationsformen detailliert erläutert.

3. Wissenschaftstheorie – Deduktion, Induktion und Abduktion: Das Kapitel klassifiziert die drei logischen Schlussformen und verdeutlicht deren unterschiedliche Rollen anhand des bekannten Bohnen-Beispiels.

4. Semiosis und Abduktion – der unendliche Prozeß der Abduktion: Dieses Kapitel verknüpft die Zeichentheorie mit der Erkenntnistheorie und erläutert den Prozess der unendlichen Semiosis im Rahmen der wissenschaftlichen Wissenserweiterung.

Schlüsselwörter

Semiotik, Charles Sanders Peirce, Zeichentrias, Repräsentamen, Interpretant, Deduktion, Induktion, Abduktion, Hypothesenbildung, Semiosis, Logik, Wissenschaftstheorie, Erkenntnisgewinnung, Symbol, Ikon

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Zusammenhänge zwischen Peirces Zeichentheorie und seiner Logik, mit einem spezifischen Fokus auf die Funktionsweise wissenschaftlicher Schlussfolgerungen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die triadische Struktur des Zeichens sowie die methodischen Grundlagen der Abduktion als kreatives Moment der Forschung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Peircesche Semiotik als Fundament wissenschaftlicher Erkenntnisbildung darzulegen und die Notwendigkeit der Abduktion für Innovationen aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Rekonstruktion von Peirces Werken durch eine Auswertung der Primär- und Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der triadischen Zeichenstruktur, eine Differenzierung logischer Schlussweisen und die Synthese dieser Elemente zur Theorie der unendlichen Semiosis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Semiotik, Abduktion, Zeichen, Interpretant, Schlussformen und der wissenschaftliche Erkenntnisprozess.

Was unterscheidet die Abduktion von anderen logischen Schlüssen?

Im Gegensatz zu Deduktion und Induktion ist die Abduktion die einzige Schlussform, die die Entstehung einer tatsächlich neuen Idee ermöglicht und somit wissenschaftliche Innovation begründet.

Wie definiert Peirce das "play of musement"?

Es bezeichnet ein unkontrolliertes, entspanntes Nachsinnen, das als psychologische Voraussetzung für den kreativen Funken der Hypothesenbildung dient.

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Details

Title
Semiotik und Wissenschaftstheorie bei Charles Sanders Peirce
College
RWTH Aachen University  (Germanistisches Institut)
Course
Zeichentheorie
Grade
sehr gut
Author
Elmar Korte (Author)
Publication Year
1997
Pages
18
Catalog Number
V46884
ISBN (eBook)
9783638439701
ISBN (Book)
9783640351022
Language
German
Tags
Semiotik Wissenschaftstheorie Charles Sanders Peirce Zeichentheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elmar Korte (Author), 1997, Semiotik und Wissenschaftstheorie bei Charles Sanders Peirce, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46884
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