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Progressive Pfingstkirchen und sozialer Aufstieg

Die Ethnographie „Global Pentecostalism:The New Face of Christian Social Engagement” von Donald E. Miller und Testunao Yamamori vor dem Hintergrund Webers protestantischer Arbeitsmoral

Title: Progressive Pfingstkirchen und sozialer Aufstieg

Term Paper (Advanced seminar) , 2019 , 15 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Henriette Boysen (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Diese Hausarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der protestantischen Arbeitsmoral und der Sozialarbeit der sogenannten progressiven Pfingstbewegung. Grundlage ist die Ethnographie „Global Pentecostalism, The New Face of Christian Social Engagement“ von Donald E. Miller und Tetsunao Yamamori, die 2007 erschienen ist. Miller und Yamamori untersuchen Pfingstgemeinden, deren Schwerpunkt nach eigenem Bekunden in der Sozialarbeit besteht. Das nennen sie „Progressive Pentecostalism“.

Diese Richtung der Pfingstbewegung wächst überwiegend im globalen Süden: dort errichten die Gemeinden Krankenhäuser, machen Sozialarbeit mit Straßenkindern und betreiben Schulen. Miller und Yamamori schlussfolgern aus ihren Beobachtungen, dass diese Bewegung positive Auswirkungen auf die soziale Realität der Gläubigen habe. Das machen sie unter anderem am sozialen Aufstieg der Gemeindemitglieder fest. Hier äußere sich unter anderem der „Geist des Kapitalismus“, wie ihn Max Weber vor mehr als hundert Jahren in seinem Werk „Die protestantische Ethik“ beschrieben hat.
Für mich ergibt sich hiermit die Frage, inwiefern die Orthodoxie der Progressive Pentecostalism tatsächlich in der Tradition der protestantischen Ethik steht.

Zunächst werde ich mit dem kapitalistischen Geist befassen und ihn beschreiben. Danach geht es darum, inwiefern die Progressive Pfingstkirche diesen Geist reproduzieren und welche Elemente sich in der Darstellung des Progressiven Pfingstbewegung durch Miller und Yamamori ausmachen lassen. Im weiteren Verlauf möchte ich meine Befunde bewerten und untersuchen, wie sich die Argumentation Webers fortführen lässt auf andere lebensweltliche Praxen, die die progressiven Pfingstkirchen durchführen. Abschließend möchte ich mich kritisch mit den im Buch verwenden Begrifflichkeiten auseinandersetzen und einen Ausblick geben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kapitalistischer Geist und protestantische Ethik

3. Progressive Pfingstbewegung

3.1. Der protestantische Geist in progressiven Pfingstkirchen

3.2. Ein gottgefälliges Leben und individuelle Transformation

4. Kritik an der Anwendung Webers Protestantischer Ethik als Evolutionismus

5. Schlussfolgerungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der protestantischen Arbeitsmoral nach Max Weber und der Sozialarbeit innerhalb der sogenannten „Progressive Pentecostalism“-Bewegung im globalen Süden, um zu analysieren, ob die individuelle Transformation der Gläubigen zu einer Verfestigung kapitalistischer Strukturen beiträgt.

  • Analyse der Weberschen „protestantischen Ethik“ und ihrer Übertragbarkeit auf den modernen Kapitalismus.
  • Charakterisierung der „Progressiven Pfingstbewegung“ und deren sozialer Engagementformen.
  • Untersuchung der individuellen Lebensführung und Transformation als Motor für ökonomischen Aufstieg.
  • Kritische Reflexion über evolutionistische Denkmuster bei der Anwendung westlicher Entwicklungsmodelle auf den globalen Süden.

Auszug aus dem Buch

3.2. Ein gottgefälliges Leben und individuelle Transformation

Der Lebensstil, den sich die Pfingstbewegung für ihre Gläubigen vorstellt, lässt sich im Sinne eines guten Lebens mit den Vorstellungen der Puritaner vergleichen:

For Pentecostals, being a “new creature in Christ” means that one does not drink alcohol, gamble, engage in illicit sex, or waste one´s time and money on frivolous activities. Stated positively, one is and transparent in all personal and business relations, one works diligently at whatever God commands one to do, one is a responsible parent and loving spouse, and one act compassionately toward all people, both within the Christian fold and outside of it, attempting to follow the example of Jesus. (Miller 2007: 164)

Das Individuum muss sich gut verhalten: dementsprechend preisen die Pfingstgemeinden seinen Mitgliedern die Chancen auf ein besseres Leben durch eine Verhaltensänderung (Miller 2017:32). Daraus erwächst dann die soziale Transformation. Die soziale Transformation passiert bei den Progressiven Pfingstlern auf ganz individueller Ebene. So wird dem einzelnen angepriesen, dass sich sein Leben deutlich verbessern könne. (Miller 2017:32) Diese Beobachtung stimmt überein mit Webers Gedanken zur Entwicklung des modernen Kapitalismus. Der moderne Kapitalismus sei nicht das geplante Werk mächtiger Herrscher, sondern das Ergebnis sinnvollen Handelns von Individuen innerhalb konkreter Kontexte (Weber 2017:298). Somit wird gesamtgesellschaftliche Transformation als Ergebnis individuellen Handelns verstanden. Der Antrieb wird nicht „von oben gesteuert“, sondern verhält sich wie eine Art Grasswurzelbewegung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Forschungsinteresse an der Verknüpfung von protestantischer Ethik und der Sozialarbeit innerhalb der Progressiven Pfingstbewegung auf Basis der Ethnographie von Miller und Yamamori dar.

2. Kapitalistischer Geist und protestantische Ethik: Dieses Kapitel erläutert Max Webers Kernthesen zur protestantischen Arbeitsethik, der Bedeutung der Prädestinationslehre und der Rationalisierung der Lebensführung für die Entstehung des modernen Kapitalismus.

3. Progressive Pfingstbewegung: Hier wird das Konzept des „Progressive Pentecostalism“ als eine Form der Pfingstbewegung definiert, die sich durch aktive Sozialarbeit im globalen Süden auszeichnet, ohne dabei politische Systemreformen anzustreben.

3.1. Der protestantische Geist in progressiven Pfingstkirchen: Dieser Abschnitt analysiert die Parallelen zwischen der pfingstkirchlichen Ethik der harten Arbeit und den von Weber beschriebenen protestantischen Werten, die den ökonomischen Erfolg fördern.

3.2. Ein gottgefälliges Leben und individuelle Transformation: Es wird dargelegt, wie die Forderung nach einem disziplinierten, asketischen Leben beim Individuum zu einer sozialen Transformation und verbesserten Aufstiegschancen führt.

4. Kritik an der Anwendung Webers Protestantischer Ethik als Evolutionismus: Die Arbeit übt Kritik an der unreflektierten Übertragung westlicher Entwicklungsbegriffe und Weberscher Theorien auf den globalen Süden, die ethnozentristische und evolutionistische Strukturen reproduzieren könnten.

5. Schlussfolgerungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und regt an, die Progressive Pfingstbewegung zukünftig als potenzielles Gegenmodell zum Neoliberalismus zu untersuchen.

Schlüsselwörter

Progressive Pfingstbewegung, Max Weber, protestantische Ethik, Kapitalismus, soziale Transformation, Globaler Süden, Sozialarbeit, Askese, individuelle Handlungsmacht, Entwicklung, Religion, Ethnozentrismus, Evolutionismus, Arbeitsethik, Religionssoziologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Max Webers Theorie der protestantischen Ethik und der modernen Sozialarbeit in progressiven Pfingstkirchen im globalen Süden.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Themenfelder umfassen Religionssoziologie, die Geschichte des Kapitalismus, die Entwicklungspraxis christlicher Gemeinden sowie kritische Ansätze der postkolonialen Theorie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu analysieren, ob die individuelle, religiös motivierte Transformation in Pfingstkirchen systemische Auswirkungen hat, die den kapitalistischen Aufstieg fördern, und dies kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der Auswertung bestehender ethnographischer Literatur (insb. Miller und Yamamori) und soziologischer Klassiker (Max Weber) basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des kapitalistischen Geistes, die Darstellung der Pfingstbewegung als sozial engagierte Akteurin und die kritische Auseinandersetzung mit entwicklungstheoretischen Implikationen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind die „Progressive Pfingstbewegung“, der „Geist des Kapitalismus“, „individuelle Transformation“ und die Kritik am „Evolutionismus“.

Wie unterscheidet sich die progressive Pfingstbewegung von klassischen Pfingstkirchen?

Die progressive Pfingstbewegung zeichnet sich durch den Fokus auf aktive Sozialarbeit vor Ort und ein Engagement für die Lebensumstände der Gemeindemitglieder aus, während sie sich von rein apokalyptischen oder unpolitischen Haltungen abgrenzt.

Welche Rolle spielt Bildung für den sozialen Aufstieg in den untersuchten Gemeinden?

Bildung wird als wesentlicher Teil der individuellen Transformation gesehen; durch den Verzicht auf Konsumgüter (z.B. Alkohol) können Ressourcen in die Bildung reinvestiert werden, was besonders für junge Frauen die Aufstiegschancen erhöht.

Warum wird die Anwendung von Webers Theorie kritisch hinterfragt?

Die Autorin kritisiert, dass Webers Theorie oft als universaler Maßstab für Entwicklung genutzt wird, was zu einem ethnozentrischen Blick auf den globalen Süden führt und lokale Eigenheiten ignoriert.

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Details

Title
Progressive Pfingstkirchen und sozialer Aufstieg
Subtitle
Die Ethnographie „Global Pentecostalism:The New Face of Christian Social Engagement” von Donald E. Miller und Testunao Yamamori vor dem Hintergrund Webers protestantischer Arbeitsmoral
College
University of Leipzig  (Ethnologie)
Course
Religion, Ritual, Performanz
Grade
1,7
Author
Henriette Boysen (Author)
Publication Year
2019
Pages
15
Catalog Number
V468977
ISBN (eBook)
9783668945906
ISBN (Book)
9783668945913
Language
German
Tags
Max Weber Kapitalistischer Geist Arbeitsethik Sozialer Süden Globale Pfingstbewegung Global Pentecostalism Donald E. Miller Testunao Yamamori The New Face of Christian Social Engagement
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Henriette Boysen (Author), 2019, Progressive Pfingstkirchen und sozialer Aufstieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468977
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