Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Kommunen EU-Fördergelder erlangen können, welche Fördermöglichkeiten bestehen und welche Hürden eine Antragstellung mit sich bringt.
Die Europäische Union wird auf eine harte Probe gestellt. Blickt man auf die letzten acht Jahre zurück, wird deutlich, wie schwer sie es hat. Phänomene wie die als "Eurokrise" bezeichneten Banken-, Schulden-, Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008, das BREXIT-Referendum in Großbritannien oder der Aufstieg des Front National in Frankreich und vieler europakritischer Parteien in anderen EU-Staaten zeigen, dass eine Krise der nächsten folgt.
Fokussiert man die Probleme, mit der die EU zu kämpfen hat, gerät schnell in Vergessenheit, dass das politische und das Rechtssystem der EU sich im Alltagsgeschäft auch in den letzten zehn "Krisenjahren" als robust erwiesen und bewährt hat.
Blickt man auf die Ziele der Union, findet man beispielsweise neben der "Förderung des Friedens" und der "Eindämmung sozialer Ungerechtigkeit" als weiteres wichtiges Ziel die "Förderung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung", zu dem auch die Ausschüttung von Fördermittel für verschiedene Projekte gehört. Auf dieses Ziel, die damit zusammenhängenden Aktivitäten der EU und ihre konkreten Auswirkungen auf kommunaler Ebene werde ich in meiner Proseminararbeit genauer eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Europapolitische Aktivitäten von Kommunen
3. Erfolgsbedingungen der Drittmitteleinwerbung in Sindelfingen
3.1 Eingeworbene Fördermittel der letzten 10 Jahre
3.2 Erfolgsfaktoren für die Drittmitteleinwerbung in Sindelfingen
3.2.1 Das Europabüro der Stadt Sindelfingen
3.2.2 Stadtverwaltung und andere kommunale Akteure
3.2.3 Aufbau von Netzwerken
4. Fazit und Ausblick: Von der Fördermitteleinwerbung zum politischen Akteur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert die europapolitischen Aktivitäten der Stadt Sindelfingen mit einem besonderen Fokus auf die Strategien zur erfolgreichen Einwerbung von EU-Projektmitteln und der Bedeutung kommunaler Netzwerkarbeit.
- Analyse der EU-Förderlandschaft und ihrer Anforderungen an Kommunen.
- Untersuchung der Erfolgsfaktoren für Drittmitteleinwerbungen am Beispiel Sindelfingen.
- Die Rolle des Europabüros als zentraler Dreh- und Angelpunkt der Aktivitäten.
- Bedeutung von Vernetzung und aktiver Lobbyarbeit auf europäischer Ebene.
- Reflektion des Wandels von rein finanzieller Mittelakquise hin zu politischem Engagement.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Das Europabüro der Stadt Sindelfingen
Das Ziel des Europabüros der Stadt Sindelfingen ist es, die Bürgerinnen und Bürger sowie die Stadtverwaltung europafit zu machen und möglichst viele Vorteile für die Stadt und ihre Einwohner zu erwirken. Netzwerkarbeit, Fördermittelakquise und Informationsweiterleitung sollen helfen, die positiven Seiten eines geeinten Europas aufzuzeigen und zu nutzen.
Das Europabüro ist im ersten Dezernat (Soziales, Verwaltung und Wirtschaftsförderung) angesiedelt. Der Leiter des Dezernats ist Oberbürgermeister Dr. Vöhringer. Die Abteilung „Internationale Angelegenheiten“ ist dem Hauptamt untergliedert. Für das Europabüro hat die Stadt Sindelfingen 2,75 Stellen geschaffen. Koordiniert wurde das Europabüro von Martin Horn. Der Nachfolger steht noch nicht. (Stand: 23. Juli 2018).
Durch die „Europaaffinität“ des Oberbürgermeisters und die Einsicht, dass die Entscheidungen aus Brüssel immer mehr Einfluss auf das kommunale Leben nehmen, gründete man am 1. Januar 2008 das Europabüro. Vorab warb Herr Dr. Vöhringer beim Besuch der baden-württembergischen Kommunen des Gemeinderats nach Brüssel David Linse, der damals Leiter des Büros der baden-württembergischen Kommunen war, ab. Die Aufgaben waren klar: Das Europabüro sollte von den Angeboten der Europäischen Union profitieren und als zentrale Informationsquelle dienen. Außerdem positionierte sich Sindelfingen damit für Europa, was für die Standortentwicklung wichtig war, denn heute findet der Wettbewerb nicht mehr zwischen Böblingen (Nachbargemeinde Sindelfingens) und Sindelfingen statt, sondern auch auf nationaler und europäischer Ebene. Jedoch war das Europabüro nie unumstritten. Es gab auch Gemeinderäte, die der Auffassung waren, als es etwa um die Unterzeichnung der Sustainable Development Goals (SDG) ging, dass man erstmal seine eigenen Probleme lösen sollte, bevor man sich um internationale Dinge kümmert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, wie Kommunen trotz der EU-Krisen erfolgreich Fördermittel akquirieren können, und begründet die Wahl Sindelfingens als Fallbeispiel.
2. Europapolitische Aktivitäten von Kommunen: Das Kapitel bietet einen Überblick über die Rolle von Kommunen im EU-Mehrebenensystem und erläutert die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten sowie die administrativen Herausforderungen bei der Antragstellung.
3. Erfolgsbedingungen der Drittmitteleinwerbung in Sindelfingen: Hier werden die konkreten Projekte Sindelfingens beleuchtet sowie die entscheidenden Faktoren wie das Europabüro, die Verwaltung und die Vernetzung analysiert.
3.1 Eingeworbene Fördermittel der letzten 10 Jahre: Dieser Abschnitt gibt Einblicke in die praktischen Fördererfolge Sindelfingens in Bereichen wie Umwelt, Integration und Jugendaustausch.
3.2 Erfolgsfaktoren für die Drittmitteleinwerbung in Sindelfingen: Dieses Kapitel identifiziert die Notwendigkeit von Zeit, Sorgfalt und spezifischen Kenntnissen als Basis für erfolgreiche Förderanträge.
3.2.1 Das Europabüro der Stadt Sindelfingen: Die Funktion des Büros als Informations- und Koordinationsstelle für europäische Themen wird hier detailliert dargestellt.
3.2.2 Stadtverwaltung und andere kommunale Akteure: Es wird erörtert, wie Fortbildung und die Einbindung der Verwaltung zum Erfolg der EU-Arbeit beitragen.
3.2.3 Aufbau von Netzwerken: Die Bedeutung von internationalen Mitgliedschaften und persönlichen Kontakten für die Wirksamkeit kommunaler Interessenvertretung wird verdeutlicht.
4. Fazit und Ausblick: Von der Fördermitteleinwerbung zum politischen Akteur: Die Arbeit resümiert den Wandel Sindelfingens von einer rein profitorientierten Förder-Akquise zu einem aktiven, politisch vernetzten Akteur auf europäischer Ebene.
Schlüsselwörter
Sindelfingen, Europabüro, EU-Fördergelder, Drittmittelakquise, Kommunalverwaltung, Europaaffinität, Netzwerkarbeit, Projektförderung, Interessenvertretung, Fördermittel, Stadtverwaltung, Eurotowns, EU-Mehrebenensystem, Standortmarketing, Integrationsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Proseminararbeit untersucht, wie die Stadt Sindelfingen durch gezielte europapolitische Aktivitäten EU-Fördermittel erfolgreich einwirbt und welche strukturellen Bedingungen dies ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Drittmittelakquise, dem Aufbau eines spezialisierten Europabüros, der Bedeutung von Netzwerken und der Einbindung der städtischen Verwaltung in europäische Entscheidungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Erfolgsfaktoren zu identifizieren, die Sindelfingen zu einem Vorbild bei der Einwerbung von EU-Projektgeldern gemacht haben, und den Wandel der Stadt zum politischen Akteur nachzuzeichnen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Sekundärliteraturanalyse sowie qualitativen Experteninterviews mit Mitarbeitern der Stadt Sindelfingen, um die internen Abläufe und Erfolgsstrategien zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen der kommunalen Europapolitik die praktischen Beispiele für eingeworbene Fördergelder und die drei identifizierten Erfolgsfaktoren (Europabüro, Verwaltung, Netzwerke) ausführlich analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Sindelfingen, Drittmittelakquise, Europabüro, Fördermittel, Netzwerkarbeit und die Rolle der kommunalen Verwaltung im EU-Kontext.
Wie wichtig ist der Gemeinderat für die EU-Arbeit in Sindelfingen?
Laut der Untersuchung spielt der Gemeinderat bei der direkten Akquise eine eher geringe Rolle, ist jedoch entscheidend für das Verständnis der Relevanz der EU-Arbeit „im Rathaus“ und unterstützt die entsprechenden Initiativen der Verwaltung.
Welche Bedeutung hat das Europabüro für die Vernetzung der Stadt?
Das Europabüro fungiert als Dreh- und Angelpunkt, der Informationen aus Brüssel filtert, die Stadt „europafähig“ macht und die aktiven Netzwerke zu anderen Kommunen und europäischen Akteuren aufrechterhält.
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- Michael Marquart (Author), 2018, Die europapolitischen Aktivitäten Sindelfingens. Wie können EU-Fördergelder gewonnen werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/469089