Psychoanalyse und Abwehrmechanismen. Darstellungen von Otto Fenichel und Wolfgang Loch


Seminararbeit, 1997

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1 Die Abwehrmechanismen bei Otto Fenichel
1.1 Sublimierung
1.2 Pathogene Abwehr
1.2.1 Verleugnung
1.2.2 Projektion
1.2.3 Introjektion
1.2.4 Verdrängung
1.2.5 Reaktionsbildung
1.2.6 Ungeschehenmachen
1.2.7 Isolierung
1.2.8 Regression
1.3 Affektabwehr
1.3.1 Blockierung (Verdrängung) von Affekten
1.3.2 Aufschub von Affekten
1.3.3 Affektverschiebung
1.3.4 Affektäquivalente
1.3.5 Reaktionsbildungen gegen Affekte

2 Die Abwehrmechanismen bei Wolfgang Loch - ein Vergleich
2.1 Definition
2.2 Verdrängung
2.3 Symptombildung
2.4 Vollständige und totale Verdrängung
2.5 Vorstadien der Abwehr

3 Ein Problemfall

Literatur

Vorwort

In der vorliegenden Seminararbeit beschäftige ich mich mit einem speziellen Gebiet der Neurosenlehre, den Abwehrmechanismen. Ich behandle dieses Thema, da diese Vorgänge im alltäglichen Leben gut beobachtbar sind. Nachdem ich aufgrund meines Studiums meine Interaktionspartner intensiv beobachte und ihre Aktionen und Reaktionen psychologisch zu deuten versuche, beschäftigt mich das Thema Abwehrmechanismen besonders.

In meiner Arbeit vergleiche ich zwei Autoren – Otto Fenichel und Wolfgang Loch – bezüglich ihrer Ausführungen zu Abwehrmechanismen. Dazu fasse ich unter Punkt 1 die Aussagen von Fenichel zusammenfassen und stelle im 2. Kapitel dar, inwiefern sich Lochs Ausführungen davon unterscheiden. Zum Abschluss führe ich ein Fallbeispiel zum behandelten Thema an.

1 Die Abwehrmechanismen bei Otto Fenichel

(vgl. FENICHEL 1974, S. 201-238)

Fenichel beschreibt die Abwehrmechanismen im 1. Band seiner psychoanalytischen Neurosenlehre. Zuallererst unterscheidet er zwischen einer erfolgreichen und einer erfolglosen Abwehr. Die pathogene Abwehr, die bei Neurosen auftritt, gehört zur erfolglosen Abwehr. Hier können Triebregungen keine Abfuhr finden. So bleibt im Unbewussten eine Spannung bestehen. Dauert diese Spannung länger an, können die gesamten Umstände zu einem Ausbruch führen. Ist die Abwehr pathogener Art, ruft sie beim Betroffenen verkrampftes Verhalten hervor, wiederholt sich immer wieder, erlaubt nie eine vollständige Entspannung und verursacht Ermüdungserscheinungen. In Folge werden die Abwehrmechanismen detailliert beschrieben.

1 .1 Sublimierung

Der Begriff der Sublimierung bezeichnet keinen spezifischen Mechanismus, sondern charakterisiert unterschiedliche erfolgreiche Abwehrmechanismen, z.B. den Wechsel von Passivität zu Aktivität. Allgemein kann gesagt werden, dass hier unter dem Einfluss des Ich Triebziel oder -objekt verändert werden, ohne eine adäquate Abfuhr zu blockieren. Sublimierte Triebregungen gelangen an die Oberfläche, während dies mit den anderen Triebregungen nicht geschieht. Die ursprüngliche Triebregung verschwindet. Somit wird freies Handeln ermöglicht. Es kommt zu einer Desexualisierung, wodurch die Befriedigung des Ich nicht länger offensichtlich triebhaft ist.

Das Objekt der Sublimierung sind prägenitale Bestrebungen. Wurden diese verdrängt, bleiben sie im Unbewussten und können nicht sublimiert werden.

Die Sublimierung ist durch Zielgehemmtheit, Desexualisierung, eine vollständige Absorbierung eines Triebes durch seine Folgewirkungen und eine Veränderung innerhalb des Ich gekennzeichnet. Sie hängt nach Sigmund Freud sehr eng mit der Identifizierung im Kindesalter zusammen. Sie kann infantile destruktive Impulse bekämpfen und auflösen.

1.2 Pathogene Abwehr

Im Weiteren setzt sich der Autor mit der pathogenen Abwehr auseinander. Das Verhalten bei auftretenden Konflikten entscheidet darüber, ob sie normal oder pathologisch verlaufen. Jene Triebanteile, die in der Kindheit mit Abwehrhaltungen zusammenstießen, sind von der Möglichkeit einer Abfuhr laut Fenichel ausgeschlossen. Die abgewehrten Triebe üben Druck aus. Nachdem sie nicht direkt abgelassen werden können, nehmen sie jede Gelegenheit zu indirekter Abfuhr wahr und verschieben ihre Energie auf Triebregungen, die assoziativ mit ihnen verknüpft wird (Abkömmling). Fenichel meint, alle pathogenen Abwehrhaltungen und Psychoneurosen würden in der Kindheit wurzeln.

1.2.1 Verleugnung

Die Realität wird verleugnet, wenn sie unangenehm erscheint oder schmerzhafte innere Wahrnehmungen auftreten. Als Beispiel bringt Fenichel u.a. die Aussage eines Patienten, der über eine Person in einem seiner Träume sagt: „Ich weiß nicht, wen die Person in meinem T raum darstellt; gewiß handelt es sich nicht um meine Mutter.“ (S. 207.) Das bedeutet, dass der Patient spürt, dass die Person seine Mutter ist, ist aber noch in der Lage, das zu verleugnen.

Solange das Ich schwach ist, behält es seine Tendenz, zu verleugnen. Nur im Falle schwerer Funktionsstörungen der Realitätsprüfung (Psychosen) behalten ernsthafte und wichtige Verleugnungen bei Erwachsenen die Oberhand. Neurotiker weisen die Eigenschaft auf, dass das Ich in einen Oberflächenteil, der die Wahrheit kennt, und einen tieferen Teil, der sie verleugnet, gespalten ist. Obwohl sie die Wahrheit kennen, handeln sie eventuell als existiere sie nicht.

Das Ich sucht oft nach Ersatzvorstellungen, den Deckerlebnissen. Dabei durchsucht es seinen Vorrat an Erinnerungen und Bildern, die es seinem Bewusstsein als Ersatz anbieten kann. Beim sogenannten Dèja-vu-Erlebnis ist eine Verdrängung bereits abgeschlossen und das Ich will nicht an das Verdrängte erinnert werden.

1.2.2 Projektion

Projektion ist ein Abkömmling der ersten Verneinung und beinhaltet das Bestreben, eine Distanz zwischen sich und dem betreffenden Objekt zu schaffen. Sie ist ein wesentlicher Teil der frühen Entwicklungsstufe des Ich, wo alles Lustvolle als zum Ich gehörig erfahren wird. Alles Schmerzhafte wird als Nicht-Ich erfahren. Solange die Trennungslinie zwischen Ich und Nicht-Ich noch nicht scharf gezogen ist, können die Mechanismen des Lust-Ichs zur Abwehr durch das Ich eingesetzt werden. Anstößige Triebregungen werden dann an anderen anstatt an einem selbst wahrgenommen.

Führt die Entwicklung der Libido zu einer Überbesetzung der Ausscheidungsfunktionen, können diese als physisches Modell der Projektion dienen. Am stärksten ist sie bei der Paranoia ausgebildet.

1.2.3 Introjektion

Sie dient der Triebbefriedigung. Sie ist der Prototyp einer Wiedererlangung der Allmacht beim Kind, die zuvor auf die Erwachsenen projiziert wurde. Es findet eine Einverleibung statt.

1.2.4 Verdrängung

Die Verdrängung besteht aus einem unbewussten absichtlichen Vergessen oder einem Nichtbewusstwerden innerer Bestrebungen oder äußerer Ereignisse, die mögliche Ver- suchungen oder Bestrafungen für oder bloße Anspielungen auf verbotene Triebansprüche darstellen. In der eigentlichen Verdrängung bleibt das Verdrängte aus dem Unbewussten heraus wirksam.

Konflikte entstehen, wenn neue Erfahrungen auftreten, die mit dem zusammenhängen, was zuvor verdrängt wurde. Dann bildet sich eine Tendenz dazu, das neue Ereignis als Gelegenheit zum Ausbruch zu verwenden. Das Verdrängte tendiert dazu, seine Energie auf das Ereignis zu verschieben und in einen Abkömmling zu verwandeln. Gelegentlich ist dieser Vorgang erfolgreich.

Die Verdrängung ist der Hauptmechanismus der Hysterie. Sie drückt eine Haltung aus, bei der das verpönte Ding behandelt wird, als ob es nicht da wäre.

Das Motiv der Verdrängung ist, das Verdrängte vom Zugang der Motilität fernzuhalten. Verdrängung wird nicht ein für allemal geleistet, sondern verlangt eine ständige Verausgabung von Energie, um die Verdrängung aufrechtzuerhalten, während das Verdrängte ständig ver- sucht, einen Ausweg zu finden.

1.2.5 Reaktionsbildung

Reaktionsbildung scheint die Folge und Absicherung einer bereits hergestellten Verdrängung zu sein. In ihr tritt die Gegenbesetzung manifest auf und ruft eine definitive Veränderung der Persönlichkeit hervor. Die Person nimmt eine Haltung ein, die der ursprünglichen genau entgegengesetzt ist. So empfindet der Betroffene, dass die Gefahr ständig vorhanden ist (Zwangsneurotiker).

1.2.6 Ungeschehenmachen

Es wird etwas realiter durchgeführt, was tatsächlich oder nur magisch das Gegenteil von etwas anderem ist, das vorher wirklich oder in der Einbildung vollzogen wurde. Die zweite Handlung stellt eine genaue Umkehrung der ersten dar (Zwangsneurose), als müsste die erste Tat ungeschehen gemacht werden. Dies funktioniert nach dem Prinzip Schuld und Sühne.

1.2.7 Isolierung

Hier tritt eine Gegenbesetzung auf. Die Wirksamkeit besteht darin, dass voneinander getrennt gehalten wird, was in Wirklichkeit zusammengehört (z.B. zeitliche oder räumliche Abstände). Somit wird eine Handlung von der Möglichkeit getrennt, auf eine andere einzuwirken.

In unserer Kultur ist eine häufig auftretende Isolierung die Trennung der sinnlichen und zärtlichen Komponenten der Sexualität. Das ist eine Folge der Verdrängung des Ödipus- komplexes. Bei der Hassliebe werden in der Phantasie die beiden widersprechenden Gefühle gespalten und auf zwei verschiedene Personen aufgeteilt.

1.2.8 Regression

Wenn der Mensch eine Versagung erlebt, sehnt er sich meist nach früheren Lebenszeiten, in denen er lustvollere Erfahrungen machen konnte, und nach früheren Formen der Befriedigung, die vollständiger waren. Bei der Regression verhält sich das Ich passiver als bei anderen Mechanismen. Sie scheint durch Triebe in Gang gebracht zu werden. Voraussetzung ist eine schwache Organisation des Ich.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Psychoanalyse und Abwehrmechanismen. Darstellungen von Otto Fenichel und Wolfgang Loch
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Institut für Psychologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
1997
Seiten
15
Katalognummer
V469342
ISBN (eBook)
9783668949485
ISBN (Buch)
9783668949492
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sublimierung, Verleugnung, Projektion, Introjektion, Verdrängung, Reaktionsbildung, Ungeschehenmachen, Isolierung, Regression, Affekte, Symptombildung, Psychoanalyse, Psychotherapie, Otto Fenichel, Wolfgang Loch, Abwehr, Neurosen, Neurosenlehre, Abwehrmechanismen
Arbeit zitieren
Nadja I. Wieczorek (Autor), 1997, Psychoanalyse und Abwehrmechanismen. Darstellungen von Otto Fenichel und Wolfgang Loch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/469342

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