Im Jahr 2003 wurden in Deutschland 810.706 Gewerbebetriebe angemeldet, wobei 678.439 der Gewerbetreibenden angaben, einen Betrieb neu gründen zu wollen. Darunter befanden sich 164.885 Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Substanz und 513.554 Kleinunternehmen oder Nebenerwerbsbetriebe. Den Gewerbeanmeldungen standen 516.067 Betriebe gegenüber, die ihr Gewerbe 2003 völlig aufgaben.
Die Gesamtzahl der Gewerbeanmeldungen, die seit 1998 stetig zurückgegangen ist, hat sich im Jahre 2003 um 12,1 % gegenüber dem Vorjahr 2002 erhöht. Die Erhöhung der Gewerbeanmeldungen ergibt sich vorwiegend aus der Zunahme von Gründungen von Kleinunternehmen, wie z.B. Ich-AG´s und Nebenerwerbsbetrieben. Nach Schätzungen für das 1. Halbjahr 2004 stiegen die Gewerbeanmeldungen gegenüber dem 1. Halbjahr 2003 um 16,3 %.
Wie sich am Trend der Statistik von Existenzneugründungen erkennen lässt, bleibt diese Anzahl verhältnismäßig hoch. Zündende Geschäftsideen müssen also vorhanden sein, trotz pessimistischer Stimmungs- und Wirtschaftslage in Deutschland. Ob diese Neugründungen von Erfolg gekrönt sein werden, oder wie lange sie existieren, dazu liegen noch keine Erfahrungswerte vor.
Eine Existenzgründung ist vor allem dann erfolgreich, wenn sie wohlüberlegt und sorgfältig geplant wird. Planen bedeutet, künftige Ereignisse gedanklich vorwegzunehmen, somit ist Planung ein Vorgang, der hohe Anforderungen an die Vorstellungskraft stellt.
Deshalb sollten alle Gedanken schriftlich niedergelegt werden. Dafür eignen sich besonders Checklisten (Beispiel einer Checkliste, siehe Anlage I), in denen auftretende Probleme systematisch abgearbeitet oder noch einmal überdacht werden können.
In jeder Phase der Existenzgründung wie der Orientierungsphase, der Planungsphase und der Realisierungsphase sollten solche Überprüfungen durchgeführt werden. Eine Existenzgründung ist somit ein kontinuierlich zu überprüfender Prozess. Entscheidungen müssen deshalb permanent auf persönliche Anforderungen - wie z.B. Finanzierung und/oder Kapitalbegrenzung -und äußere Bedingungen - wie z.B. Kundenverhalten - kontrolliert werden. Dies sollte auch geschehen, wenn eine Existenzgründung erfolgreich war und sich am Markt etabliert hat.
Nur 5 Prozent aller Existenzgründungsideen in Deutschland sind wirklich neu, erfolgreiche Gründer sind in der Regel nicht Erfinder, sondern Innovateure. Es wird auf Existierendes zurück gegriffen, bereits Vorhandenes wird neu entdeckt.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
1. Einleitung
2. Voraussetzungen an den Gründer für eine Existenzgründung
2.1 Persönliche Voraussetzungen
2.1.1 Seelische und geistige Voraussetzungen
2.1.2 Körperliche Voraussetzungen
2.1.3 Partnerschaftliche/familiäre Voraussetzung
2.2 Unternehmerische Voraussetzungen
2.2.1 Fachliche Fertigkeiten
2.2.2 Kaufmännische und betriebswirtschaftliche Fähigkeiten
3. Chancen und Risiken der Selbständigkeit
3.1 Chancen der Selbständigkeit
3.1.1 Möglichkeiten hinsichtlich der persönlichen Lebensumstände
3.1.2 Möglichkeiten hinsichtlich der wirtschaftspolitischen Lage
3.2 Risiken der Selbständigkeit
3.2.1 Rechtsbeziehungen im Innen- und Außenverhältnis
3.2.2 Finanzplanung
3.2.2.1 Finanzmittelplanung
3.2.2.2 Finanzierungsplanung
3.2.3 Absicherung der Existenz
3.2.3.1 Persönliche Absicherung
3.2.3.2 Betriebliche Absicherung
4. Wahl der Rechtsform
4.1 Einzelunternehmen
4.1.1 Einzelunternehmung
4.1.2 Freie Berufe
4.2 Personengesellschaften
4.2.1 Gesellschaft bürgerlichen Rechtes (GbR)
4.2.2 Partnerschaftsgesellschaft (PartG)
4.2.3 Offene Handelsgesellschaft (OHG)
4.2.4 Kommanditgesellschaft (KG)
4.2.5 GmbH & Co. KG
4.3 Kapitalgesellschaften
4.3.1 Gesellschaft mit beschränkter Haftung
4.3.2 Kleine Aktiengesellschaft
5. Staatliche Förderung
5.1 Allgemeine staatliche Fördermittel
5.2 Spezifische Fördermittel für innovative Geschäftsideen
5.3 Spezifische Fördermittel, bezogen auf die Situation des Gründers
5.2.1 Förderung von Existenzgründern aus der Hochschule
5.2.2 Förderung von Existenzgründern aus den Freien Berufen
5.2.3 Förderung von Existenzgründern aus der Arbeitslosigkeit
6. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Aspekte der Existenzgründung in Deutschland, wobei der Fokus auf den persönlichen und unternehmerischen Voraussetzungen sowie den damit verbundenen Chancen und Risiken liegt. Ziel der Arbeit ist es, einen umfassenden Leitfaden für angehende Gründer zu erstellen, der bei der Wahl der passenden Rechtsform unterstützt und einen Überblick über die verfügbaren staatlichen Fördermöglichkeiten ohne Berücksichtigung steuerlicher Aspekte bietet.
- Analyse der persönlichen, seelischen und fachlichen Eignung eines Existenzgründers.
- Evaluation von Risikofaktoren und deren proaktive Minimierung durch Planung.
- Vergleich verschiedener Rechtsformen unter Berücksichtigung von Haftung, Leitungsbefugnis und Kapitalbedarf.
- Darstellung staatlicher Förderprogramme zur Unterstützung in der Gründungsphase.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Möglichkeiten hinsichtlich der wirtschaftspolitischen Lage
Wie schon seit Jahren zu beobachten ist, wird der Produktionsfaktor Arbeit immer weniger nachgefragt. Unternehmen wollen Kosten sparen und reorganisieren ihr Unternehmen. Viele Unternehmen „verschlanken“ ihre Organisationsstruktur und Stellen werden abgebaut. Bestimmte Tätigkeiten werden außerhalb des Betriebes verlagert, wie beispielsweise die Buchhaltung, Schreib und Kopierarbeiten und Werbung. Dies wird Outsourcing genannt. Unternehmen, die sich spezialisiert haben, erledigen diese Aufgaben mit besonderen spezifizierten Maschinen und Arbeitskräften.
Nach einer Hochrechnung verdienen nur 10% von ca. 39 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland ihr Geld als Selbständige. Dies zeigt, dass noch ein großes Potential für Existenzgründungen besteht. Neue Formen und Organisationsstrukturen sind gefragt. Eine „klassische“ Erwerbstätigkeit vom Beginn des Berufslebens bis zum Ruhestand wird in Zukunft die Ausnahme sein.
Hier liegt die Chance der Selbständigkeit. Durch Beobachten des Marktgeschehens können latente Bedürfnisse oder Trends aufgespürt werden, um neue Marktlücken zu entdecken. Der potentielle Gründer muss durch Konkurrenz-, Kunden-, und Standortanalysen sein Potential einschätzen können, um sich auf scheinbar gesättigten Märkten vom harten Verdrängungswettbewerb der Wettbewerber zu differenzieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel gibt einen statistischen Überblick über die Existenzgründungszahlen in Deutschland und erläutert die Bedeutung einer sorgfältigen Planung für den langfristigen Erfolg.
2. Voraussetzungen an den Gründer für eine Existenzgründung: Hier werden die notwendigen seelischen, körperlichen und fachlichen Kompetenzen eines Gründers sowie betriebswirtschaftliche Basiskenntnisse detailliert beleuchtet.
3. Chancen und Risiken der Selbständigkeit: Das Kapitel analysiert die Motive der Gründung sowie die verschiedenen Risikofaktoren, inklusive Finanz- und Liquiditätsplanung.
4. Wahl der Rechtsform: Es werden die Kriterien zur Wahl der Rechtsform für Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften systematisch dargelegt.
5. Staatliche Förderung: Dieses Kapitel erläutert verschiedene Förderinstrumente für Existenzgründer, unterteilt in allgemeine Mittel, Innovationsförderung und spezielle Zielgruppenförderung.
6. Zusammenfassung: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammengefasst und die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Gründungsprozesses betont.
Schlüsselwörter
Existenzgründung, Selbständigkeit, Unternehmensgründung, Businessplan, Rechtsformwahl, Personengesellschaft, Kapitalgesellschaft, staatliche Fördermittel, Finanzplanung, Liquidität, Marktanalyse, Haftung, Risiko, Unternehmertum, Existenzgründungszuschuss.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den Voraussetzungen, Chancen und Risiken einer Existenzgründung in Deutschland und bietet eine Orientierungshilfe für die Wahl der Rechtsform und die Nutzung staatlicher Förderungen.
Welche zentralen Themenfelder deckt das Dokument ab?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Profil des Gründers, der systematischen Planung des Geschäftsvorhabens, der Auswahl der geeigneten Unternehmensform sowie den verfügbaren finanziellen Unterstützungsleistungen durch den Staat.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gründern eine Entscheidungsgrundlage zu bieten, um ihr Vorhaben fundiert zu planen, Risiken zu minimieren und staatliche Fördermittel effizient zu nutzen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer strukturierten Darstellung betriebswirtschaftlicher Planungskriterien und gesetzlicher Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung der Eignung des Gründers, die Analyse der Marktchancen und Risiken, die detaillierte Gegenüberstellung von Rechtsformen und eine fundierte Übersicht über staatliche Förderprogramme.
Welche Schlagworte charakterisieren den Inhalt?
Die zentralen Schlagworte sind Existenzgründung, Rechtsform, Businessplan, Finanzplanung und staatliche Förderung.
Wie spielt die Finanzplanung eine Rolle für das Scheitern einer Gründung?
Laut der Arbeit ist eine mangelhafte Finanzplanung eine der Hauptursachen für das Scheitern einer Existenzgründung. Sie betont die Notwendigkeit von Liquiditäts- und Rentabilitätsplänen, um Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden.
Welchen Stellenwert nimmt die Rechtsformwahl ein?
Die Wahl der Rechtsform ist eine strategische Entscheidung, die nicht nur Haftungsfragen und Mitbestimmung regelt, sondern auch die Kreditwürdigkeit und den Zugang zu Kapital maßgeblich beeinflusst.
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- Dipl.-Betriebswirtin (FH) Verena Bronold-Hoffmann (Author), 2005, Existenzgründung. Chancen und Risiken der Selbständigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46938