Bewegung ist die grundlegende kindliche Betätigungsform und gleichzeitig ein Medium des Kindes um Erfahrungen zu gewinnen und sich auszudrücken. Das Kind entdeckt die Welt durch Bewegung und ergreift Schritt für Schritt so von ihr Besitz. Die kindliche Lebenswelt hat sich in den letzten Jahren jedoch zunehmend verändert, was dazu führt, dass Kindern der aktive Umgang mit ihrer Lebenswelt immer mehr verwehrt wird. Wie kann die motorische Entwicklung, spezifischer die Entwicklung des freien Gehens als Fortbewegungsart, in der Arbeit mit Krippenkindern fördernd begleitet und beeinflusst werden?
Zur Beantwortung dieser Frage wird zunächst der Begriff der motorischen Entwicklung definiert. Außerdem wird die Bedeutung der Bewegung für verschiedene Entwicklungsbereiche aufgezeigt und der Verlauf der grobmotorischen Entwicklung anhand von theoretischen Erkenntnissen mehrerer Autoren skizziert.
Darauf folgt ein kritischer Vergleich zwischen dem BayBEP, seiner Handreichung für Kinder unter drei Jahren, und den Forschungen und Erkenntnissen Emmi Piklers zum Thema Bewegungsentwicklung. Schließlich werden die Positionen dieser beiden richtungsweisenden pädagogischen Werke aufgeführt in Bezug auf die Themen Bewegungsentwicklung, das zugrundeliegende Bild des Kindes, die Entwicklungsziele, sowie die Umsetzung einer erfolgreichen Bewegungsentwicklung in der pädagogischen Praxis.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Thematik
1.1. Einleitender Gedanke und Themenbegründung
1.2. Aufbau der folgenden Arbeit mit zentraler Fragestellung
2. Bewegungsentwicklung
2.1. Begriffsbestimmung „Motorische Entwicklung“
2.2. Bedeutung von Bewegung für die kindliche Entwicklung
2.2.1. Bedeutung der Bewegung für die Entwicklung des Selbst
2.2.2. Bedeutung der Bewegung für die Kognitive Entwicklung
2.2.3. Bedeutung der Bewegung für die Soziale Entwicklung
2.3. Verlauf der grobmotorischen Entwicklung von der Geburt bis zum „sicheren Gehen“
3. Bayerischer Bildungs- und Erziehungsplan
3.1. Bild vom Kind
3.2. Bewegungsentwicklung im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan
3.3. Anforderungen an die Pädagogische Praxis
4. Dr. Emmi Pikler
4.1. Das Bild vom Kind
4.2. Bewegungsentwicklung
4.3. Anforderungen an die Pädagogische Praxis
5. Kritischer Vergleich – Erkenntnisse und Prognose für die Zukunft
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bewegungsentwicklung von Krippenkindern ab der Geburt bis zum sicheren Gehen und vergleicht dabei die Empfehlungen des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans (BayBEP) mit den pädagogischen Erkenntnissen der Kinderärztin Dr. Emmi Pikler, um förderliche Ansätze für die tägliche Praxis abzuleiten.
- Vergleich zwischen staatlichen Bildungsstandards und dem Pikler-Ansatz
- Bedeutung der autonomen Bewegungsentwicklung für die Persönlichkeitsbildung
- Die Rolle der „vorbereiteten Umgebung“ in der Krippenpädagogik
- Kritische Reflexion über die Einflussnahme durch pädagogisches Fachpersonal
Auszug aus dem Buch
Bewegungsentwicklung
Es ist die angeborene Fähigkeit jedes Kindes sich richtig zu bewegen (Pikler 2013, 22). Eine autonome, das bedeutet eine vom Kind aktiv und ungestört, ohne das Eingreifen eines Erwachsenen, vollzogene Bewegungsentwicklung fördert den Aussagen Piklers nach ganzheitlich und belegt so auch den Einfluss auf andere Entwicklungsbereiche.
Sie beschreibt jede einzelne Bewegung des Kindes während der ersten zwei Jahre als eigene Entwicklungsgeschichte, welche im Gesamten aufeinander aufbauen.
Jede einzelne Bewegung ist hier wörtlich gemeint, denn Emmi Pikler hat die gesamten Meilensteine einer Bewegungsentwicklung beim Kind durch ihre eigenen Forschungen und Erkenntnisse im Säuglingsheim über Niederschrift und Fotos, sowie gezeichnete Abbildungen der einzelnen Bewegungen und Positionen, in einer Fülle festgehalten, die bis dahin in Fachliteratur nicht vorzufinden war. Die einzelnen Positionen und Bewegungen von der Geburt bis zum sicheren Gehen sind so genau beschrieben, dass ihre Wiedergabe den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde und so liegt der Fokus auf den Übereinstimmungen und Unterschieden mit dem aufgezeigten Verlauf der Bewegungsentwicklung unter dem Kapitel 2.3. Der erste große Unterschied liegt in der von allen Autoren vorgenommenen Differenzierung der Entwicklung in Bauch- und Rückenlage. Pikler bezweifelt, dass die psychische und motorische Entwicklung günstig beeinflusst wird, wenn der Säugling ab dem Zeitpunkt der Geburt passiv vom Erwachsenen in die Bauchlage gebracht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in die Thematik: Die Einleitung begründet die Themenwahl, definiert die Bewegungsentwicklung als zentrales Element der Krippenarbeit und formuliert die Forschungsfrage.
2. Bewegungsentwicklung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Motorik, ihre Bedeutung für die Selbstentwicklung, Kognition und Soziales sowie den Verlauf grobmotorischer Meilensteine.
3. Bayerischer Bildungs- und Erziehungsplan: Es wird analysiert, wie der BayBEP die kindliche Entwicklung konzeptioniert und welche Anforderungen er an die Gestaltung von Bildungsangeboten in der Krippe stellt.
4. Dr. Emmi Pikler: Dieses Kapitel stellt das pädagogische Lebenswerk von Dr. Emmi Pikler dar, insbesondere ihren Fokus auf Autonomie, respektvollen Umgang und die Bedeutung der „vorbereiteten Umgebung“.
5. Kritischer Vergleich – Erkenntnisse und Prognose für die Zukunft: Das Fazit stellt die theoretischen und praktischen Unterschiede zwischen BayBEP und Pikler gegenüber und gibt Impulse für eine zukunftsorientierte, entwicklungsfördernde Praxis.
Schlüsselwörter
Bewegungsentwicklung, Krippenpädagogik, Emmi Pikler, Bayerischer Bildungs- und Erziehungsplan, Autonomie, Selbstwirksamkeit, Grobmotorik, Kindertagesbetreuung, Entwicklungsförderung, Frühpädagogik, Motorik, Bindungserfahrung, Beobachtung, Lernprozesse, Vorbereitete Umgebung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bewegungsentwicklung von Kindern unter drei Jahren in institutionellen Betreuungskontexten und setzt sich kritisch mit unterschiedlichen pädagogischen Ansätzen auseinander.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die motorische Entwicklung, die Rolle der pädagogischen Fachkraft, die Gestaltung der Umgebung sowie die kindliche Autonomie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, auf Basis eines Vergleichs zwischen dem BayBEP und dem Pikler-Ansatz zu untersuchen, wie die tägliche Krippenarbeit die Bewegungsentwicklung von Kindern bestmöglich und fördernd unterstützen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die theoretische Erkenntnisse und fachliche Leitlinien analysiert und in einen kritischen Vergleich setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Bewegungsentwicklung, die Analyse der staatlichen Vorgaben (BayBEP) und die Darstellung der spezifischen Theorien von Dr. Emmi Pikler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Bewegungsentwicklung, Krippenpädagogik, Autonomie, BayBEP und Emmi Pikler.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Dr. Emmi Pikler vom BayBEP?
Während der BayBEP stärker zielorientiert und teils angebotsorientiert arbeitet, betont Pikler konsequent die autonome, ungestörte Bewegungsentwicklung ohne aktive Eingriffe durch Erwachsene.
Welche Bedeutung kommt der „vorbereiteten Umgebung“ nach Pikler zu?
Die vorbereitete Umgebung ist ein fundamentales Element, das es dem Kind ermöglicht, aus eigener Initiative heraus motorische Erfahrungen zu sammeln, ohne dass die Pädagogin korrigierend oder instruierend eingreift.
Warum hinterfragt die Autorin die Mitsprache von Krippenkindern?
Aufgrund des sehr jungen Alters der Kinder und der eingeschränkten Ausdrucksmöglichkeiten hinterfragt sie kritisch, inwieweit eine echte, partizipative Mitgestaltung bei der Raumgestaltung in der Praxis tatsächlich möglich ist.
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- Melanie Furthmair (Author), 2017, Motorische Entwicklung bei Dr. Emmi Pikler und im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/469406