Suggestopädie im Spanischunterricht


Hausarbeit, 2005

46 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Definitionen

2. Die Suggestopädie im erziehungswissenschaftlichen Kontext

3. Die Grundlegung der Suggestopädie

4. Aufbau des menschlichen Gehirns
4.1 Was passiert beim Lernen im menschlichen Gehirn
4.2 Lerntypen: Lernen mit allen Sinnen
4.3 Das Gedächtnis: Assoziatives Verknüpfen

5. Die Unterrichtsmethode Suggestopädie
5.1. Spezielle Merkmale der Suggestopädie.
5.1.1 Die Rolle des Lehrenden
5.1.2 Die „Infantilisierung“ des Lernenden
5.1.3 Lernen im Zustand der Pseudopassivität
5.1.4 Die Lernumgebung

6. Der suggestopädische Kreislauf
6.1 Der suggestopädische Kreislauf nach Lozanov
6.2 Der suggestopädische Kreislauf nach Schuster/ Gritton
6.2.1 Die Vorbereitungsphase
6.2.2 Die Präsentationsphase
6.2.2 Die Übungsphase

7. Der suggestopädische Kreislauf anhand eines praktischen Beispiels für den Spanischunterricht
7.1. Die Entspannungsphase
7.2 Die Präsentationsphase der UE Barcelona
7.3. Die Erarbeitungsphase in der UE

8. Hinweise für den Lehrer

9. Reflexion

10. Literatur

1. Einleitung

„Erstes und letztes Ziel unserer Didaktik soll es sein, die Unterrichtsweise aufzuspüren und zu erkunden, bei welcher die Lehrer weniger zu lehren brauchen, die Schüler dennoch mehr lernen in den Schulen weniger Lärm, Überdruss und unnütze Mühe herrsche, dafür mehr Freiheit, Vergnügen und wahrhafter Fortschritt; in der Christenheit weniger Finsternis, Verwirrung und Streit, dafür mehr Licht, Ordnung, Friede und Ruhe .“ ( vgl. Comenius, „Didactica magna“, 1960, Seite 9)[1]

Ziel dieser Hausarbeit ist es einen Überblick über die Unterrichtsmethode Suggestopädie zu bekommen, um sie besser einordnen zu können und sie vielleicht als eine Anregung zu nutzen, um seinen Unterricht abwechslungsreicher und phantasievoller zu gestalten.

Die Unterrichtsmethode „Suggestopädie“ nutzt Aspekte der Suggestion und ungewöhnliche Wege der Stoffpräsentation zur Beschleunigung des Lernvorgangs. Viele der Einzelelemente dieser Methode sind schon bekannt, aber Dr. Georgi Lozanov vom Forschungsinstitut für Suggestologie in Sofia war anscheinend der erste, der all diese Elemente zu einer Lehrmethode kombiniert hat.

Die Kombination dieser Methode möchte ich in meiner Hausarbeit vorstellen.

1.1. Definitionen

Verschiedene Begriffe möchte ich zu Beginn definieren:

1. Suggestologie: Suggestologie ist ein von Lozanov (1978) geprägter Begriff, der Lehre und Untersuchung von Suggestion in ihren theoretischen und praktischen Aspekten meint.
2. Suggestopädie: Suggestopädie ist ein ebenfalls erstmals von Lozanov benutzter Begriff, der den Einsatz von Suggestion zur Verbesserung des Lernens und der Erziehung beinhaltet.
3. Superlearning: Superlearning ist ein von Ostrander und Schroeder[2] (1979) eingeführter Begriff, der sich auf beschleunigte Lernmethoden wie SALT und Suggestopädie bezieht. In den deutschsprachigen Ländern werden die Begriffe "Superlearning" und "Suggestopädie" zunehmend synonym gebraucht. Insbesondere gilt dies für den Begriff "PLS-Superlearning", der durch den Bremer Psychologen Klaus G. Hinkelmann geprägt wurde.

Ich werde in meiner folgenden Hausarbeit „ Suggestopädie als Unterrichtsmethode“ die Begriffe Superlearning und Suggestopädie damit es nicht zu Unstimmigkeiten kommt als Synonyme verwenden.

2. Die Suggestopädie im erziehungswissenschaftlichen Kontext

Die Absicht, die Suggestopädie im erziehungswissenschaftlichen Kontext zu sehen, besteht darin ihr einen Platz in der Pädagogik zu geben. Es geht darum zu zeigen, dass so gut wie alle suggestopädischen Prinzipien nichts Neues sind, sondern schon ihren Platz in der Pädagogik haben, ob es der Einbezug des ganzen Körpers ist oder das spielerische Lernen, ob es die Rolle der Lehrerin oder des Lehrers ist und ihr Bezug zu den Kindern und Jugendlichen.

Einige Elemente des suggestopädischen Unterrichts stammen zum großen Teil aus den Erziehungswissenschaften wie z.B. bei Montessorie immer wieder vom Lernen mit allen Sinnen gesprochen wird oder bei Singer[3] und Comenius.

Dabei tritt Johann Amos Comenius ( 1592-1670), letzter Bischof der böhmisch-mährischen Brüdergemeinde und der „Klassiker der neuzeitlichen Pädagogik“, man verdankt ihm eine Bildungstherorie, eine erste didaktisch fundierte Schultheorie sowie Schulbücher und didaktische Hilfsmittel zur Unterstützung von erziehungs- und unterrichtstheoretischen Überlegungen, besonders hervor, weil er fast alle Merkmale suggestopädischen Unterrichts schon vor etwa 350 Jahren gefordert hat.

Sein Grundsatz lautet:

Omnes omnia omnino; Omnino, das heißt alles soll von Grund auf, ganzheitlich, mit Blick auf Wesentliche gelernt werden

3. Die Grundlegung der Suggestopädie

Die ersten Ansätze der Suggestopädie wurden in Bulgarien zu Beginn der 60 er Jahre von dem bulgarischen Psychiater Dr. Georgi Lozanov entwickelt und 1966 erstmals der bulgarischen Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Arzt und Psychotherapeut Dr. Georgi Lozanov legte den Grundstein für die Suggestopädie. Dr. Lozanov hatte bereits in den 40 er Jahren auf seinen Reisen das Phänomen des "Supergedächtnisses" (Hypermnese) bei Fakiren und Yogis entdeckt.
Seine Messungen der Hirnströme, der Herzschlagfrequenz und des Atemrhythmus ergaben, dass die Personen während ihren geistigen Höchstleistungen körperlich und mental völlig entspannt waren. Daraus schloss er, dass bei dieser Art von Entspannung ein erhöhtes Maß an Informationen aufgenommen und verarbeitet werden kann. Dabei kam er zu der Erkenntnis, dass verlangsamte Körperabläufe und eine ebenso verlangsamte Darbietung des Lernstoffs erhebliche Steigerungen der Lern- und Gedächtnisleistung verursachen können.

Während seiner Arbeit als Psychotherapeut kam Lozanov zu der Erkenntnis, dass es eine Anzahl unveränderlich gleicher Faktoren gibt, die einer erfolgreichen Psychotherapie zugrunde liegen, unabhängig von der benutzten Methode.“ Diese Faktoren bezeichnete Lozanov als „suggestiv“.

Die Anwendung seiner suggestopädischen Erkenntnisse auf die Pädagogik, nannte Lozanov „Suggestopädie“. Eine Lern- und Lehrmethode, die aus den Erkenntnissen der Gehirnforschung aufgebaut ist.

Jeder Kommunikationsprozess weist bewusste und unbewusste Anteile auf, wobei Lozanov die unbewussten Anteile als „Suggestion“ bezeichnet. Der häufig gesehene Begriff Suggestion, wird von Lozanov im Sinne der englischen Bedeutung des Begriffs „to suggest“ als anregen, vorschlagen, nahelegen verstanden. Negative Vorstellungen beispielsweise von der Mühseligkeit des Lernens, der Begrenztheit des Gedächtnisses und der geringen intellektuellen Leistungsfähigkeit, können durch Desuggestionen abgebaut werden.

Innere Lernbarrieren führen dazu, dass mentale Reservekapazitäten nicht genutzt werden und unser Gehirn nur zu einem geringen Prozentsatz von etwa 7% ausgelastet ist. Positive Suggestionen werden gezielt eingesetzt, um die Lernenden von einengenden Selbstkonzepten, Wertvorstellungen und Ängsten zu befreien und das außergewöhnliche Potenzial des Gedächtnisses zu nutzen.

Dr. Lozanov wusste aus der Antike, dass Werke mit beispielsweise 200 Versen auswendig gelernt wurden. Diese Verse wurden mit Musik unterlegt und Lozanov führte Versuche mit europäischer Musik durch, wobei sich langsame Stücke aus instrumenteller Musik des 17. und 18. Jahrhunderts geeignet erschienen. Die Barock- Musik, die bei entsprechender Ausführung der

langsamen Sätze etwa 60 Schläge pro Minute aufweist und einer normalen ruhigen Puls- Frequenz von etwa 60 Schlägen die Minute entspricht, übt eine beruhigenden Effekt aus.

Gleichzeitig stellt sich bei den Lernenden ein rhythmisches und ruhiges Atmen ein. Bei dieser entspannten Form des Lernens lernt man in einem Zustand tiefer geistiger und körperlicher Ruhe und Ausgeglichenheit. Dieser Zustand wird Alpha-Zustand genannt, weil er durch das Auftreten von langsamen Alpha-Gehirnzellen gekennzeichnet ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung: 3.1: Beta-Alpha Wellen[4]

Beim Lernen im entspannten Zustand werden die Nervenimpulse ungehindert weitergeleitet, die Informationen können besser fließen und bleiben so leichter im Gedächtnis. Stress und Anspannung beeinträchtigen die Weiterleitung von Nervenimpulsen während des Lernvorgangs und führen zu Lernblockaden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung: 3.2. Nervenimpuls[5]

Schon vor einigen Jahren konnten Neuropsychologen zeigen, dass die beiden Hälften des menschlichen Gehirns unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Die linke Hälfte ist vorwiegend für das vorhandene logisch-abstrakte Denken zuständig, die rechte Hälfte für das kreativ-assoziative Denken, für die Träume, Bilder und Phantasien.

Beim Lernen nach traditionellem Muster wird meist vorwiegend die linke Gehirnhälfte angesprochen. Die Möglichkeiten der rechten Hälfte bleiben dagegen weitgehend ungenutzt. Lozanov schätzte, dass deshalb nur etwa 10% der vorhandenen geistigen Energien genutzt werden. Die Suggestopädie möchte das Potential beider Hälften des menschlichen Gehirns in gleicher Weise aktivieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung: 3.3. Nutzung der rechten und linken Gehirnhälfte[6]

Frederic Vester hat bereits in den 70er Jahren in seinem Buch "Denken, Lernen, Vergessen" einige grundlegende Erkenntnisse über die Funktionsweise des Gehirns und die daraus folgenden Konsequenzen für das Lernen aufgezeigt. Die beiden Hemisphären des Gehirns haben unterschiedliche Funktionen: Die linke Hemisphäre arbeitet überwiegend logisch-analytisch, während die rechte Hemisphäre mehr intuitiv-emotional und künstlerisch-kreativ vorgeht. Beim konventionellen Lernen wird hauptsächlich die linke Gehirnhälfte angesprochen. Große Teile des Gehirns bleiben im Lernprozess also ungenutzt und was noch wesentlich problematischer ist, Lernende, die überwiegend mit der rechten Gehirnhälfte arbeiten, können mit rational-analytisch vorgetragenen Unterrichtsinhalten wenig anfangen, da sie die Informationen nicht entsprechend aufnehmen können. In den vergangenen Jahren hat die Gehirnforschung viele Fortschritte gemacht und viele neue Erkenntnisse gewonnen. So ist das Hemisphärenmodell in dieser Form nicht mehr haltbar. ( Abb.3.3) Die Ergebnisse der neueren Gehirnforschung zeigen, dass unser Gehirn sehr viel komplexer strukturiert ist, als früher

3. Die Grundlegung der Suggestopädie

angenommen. Dennoch ist es sinnvoll, dieses Modell als „Hilfsmittel“ weiter zu verwenden, denn wichtig ist vor allem, dass die Möglichkeiten des Gehirns besser genutzt werden und dass es offensichtlich für viele Menschen von Vorteil ist, wenn auch intuitiv-emotionale, bildhafte und kreative Aspekte beim Lernen einbezogen werden.

Lernprozesse müssten also dementsprechend gestaltet werden..

4. Aufbau des menschlichen Gehirns

Die 2,5 m2 große Oberfläche des Großhirns, die Hirnrinde (Kortex) ist nur wenige Millimeter dick und wird von den gebildet, die zu vielen verschiedenen Zentren für Denken, Fühlen, Sehen, Hören, Erinnern und so weiter zusammengefasst sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung: 4.1. Aufbau des menschl. Gehirns[7]

Links auf dem Bild erkennt man die Aufgabenfelder des Gehirns, rechts wird gezeigt, dass der Hörsinn zwar ein Zentrum hat, aber auch in 11 weiteren Hirnbereichen vorhanden ist.

Entscheidend für das Funktionieren unseres Gehirn s ist jedoch nicht die Schwerpunktbildung für bestimmte Fähigkeiten in bestimmten Teilen des Gehirns, sondern die Fähigkeit des Gehirns viele Gehirnabschnitte zeitlich parallel miteinander zu vernetzen und gleichzeitig verschiedene Informationsspeicher und -filter (Ultra-Kurzzeitgedächtnis, Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis mit Bewertung nach sachlicher und gefühlsmäßiger Bedeutung aufgrund unserer Erfahrung) zu benutzen.

Das Gehirn besitzt ca. 14 - 15 Milliarden Gehirnzellen (Neuronen), von denen jede einzelne 1000 bis 10.000 Kontaktstellen (Synapsen) mit anderen Neuronen hat und das über diese ca. 100 Billionen Synapsen, die beliebig kombiniert werden können, ständig auf elektrischem und elektro-chemischen Weg über Botenstoffe (Neutransmitter) Signale ausgetauscht werden.

Der Vergleich unseres Gehirns mit einem Computer wäre vielleicht interessant, er muss aber eindeutig zu Gunsten unseres Gehirns ausgehen, da der Computer als Maschine nur nach vorgegebenen Programmschemata arbeiten kann, der Mensch mit seinem Gehirn jedoch kreativ denken, abstrahieren und nach Fakten, Gefühlen und Erfahrungen bewerten und entscheiden kann, wie er mit allen Informationen umgehen will.

[...]


[1] Riedel: Persönlichkeitsenfaltung und Suggestopädie, 1995, Seite 27,( 1. Seite der Didactica magna von Comenius)

[2] Ostrander Sheila und Schröder Lynn

[3] Kurt Singer, Psychoanalytiker und Professor für Schulpädagogik an der Universität München. Nach Singer sollte Schulangst immer im Zusammenhang mit Schulschwierigkeiten gesehen werden.

[4] http://pls-lernstudio.com/super.htm

[5] http://pls-lernstudio.com/super.htm

[6] http://pls-lernstudio.com/super.htm

[7] http://www.netschool.de/ler/delese1.htm#l102

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Suggestopädie im Spanischunterricht
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Unterrichtsmethoden
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
46
Katalognummer
V46945
ISBN (eBook)
9783638440202
Dateigröße
1309 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Doppelter Zeilenabstand
Schlagworte
Suggestopädie, Spanischunterricht, Unterrichtsmethoden
Arbeit zitieren
Nicole Witte (Autor), 2005, Suggestopädie im Spanischunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46945

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