George W. Bush ist seit seiner ersten Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika aus den Medien nicht mehr wegzudenken. Der umstrittene Ausgang der Stimmenauszählung scheint wie ein Startschuss medialer Auseinandersetzung mit seiner Person gewesen zu sein. Seine Aussagen, seine Stilblüten, seine Offenheit und nicht zuletzt auch seine Religiosität haben ihn auf unterschiedliche Weise in den Medien erscheinen lassen. Der Bush-Interessierte wird von relevantem Bildmaterial aus Zeitschriften, Zeitungen und dem Internet geradezu überschüttet. Gerade Letzteres bietet eine unüberschaubare Menge an Bildgut. Was liegt also näher als George W. Bushs Person vor seinem visuellen Hintergrund zu untersuchen. Gegenstand dieser Arbeit ist es, Aufnahmen von George W. Bush näher zu betrachten und ihn als mediale Figur vor dem Hintergrund seiner politischen Führung zu analysieren. Wie wird der Präsident in den Medien präsentiert? Weisen diese Bilder Merkmale seiner Politik auf? Sagen sie dem Betrachter etwas über seine Person? Um Antworten auf diese Fragen zu finden wurden zwei Arten von Bildmaterial untersucht. Nach einer kurzen Einführung über psychische Prozesse beim Bildverstehen wird das Bildmaterial in journalistische Aufnahmen und satirisches Bildgut aufgeteilt. Während journalistische Aufnahmen gewissen Normen unterliegen, lassen sich für satirisches Bildmaterial so gut wie keine Regeln aufstellen, da sie alle Medien einbeziehen dürfen. So werden ein parodiertes Filmplakat, Comic-Strips und auch eine digital veränderte Aufnahme als satirische Beiträge untersucht. Auch dem Faktor Politik wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet, denn politische Bilder entfernen sich immer weiter davon, eine zufällige Momentaufnahme zu sein, sondern werden zunehmend von einer speziellen Berufsgruppe inszeniert. Am Ende stellt sich die Frage, mit welchen Mitteln die jeweiligen Bilder ihr Ziel erreichen.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
VORWORT
PROZESS DES BILDVERSTEHENS
Mentale Modelle
Nicht-kognitive Prozesse
Der ikonische Code
Bild und Bildproduzent
JOURNALISTISCHE BILDER
EINFÜHRUNG
GEORGE W. BUSH UND JOHN KERRY
„Die Freiheit führt das Volk“ an von Eugène Delacroix
„American Gothic“ von Grant Wood
BUSH UND DIE RELIGION
Im Vergleich: Treffen im Oval Office
Bush und der Papst
Spin Doctors
SATIRISCHE BILDER
EINFÜHRUNG
BUSH UND DAS INTERNET
BUSH ALS FILMHELD
BUSH IM COMIC
Exkurs: Physiognomik
BUSH ALS SUPERHELD
Osama bin Laden
Uncle Sam
BUSH UND DIE BILDUNG
„America – A patriotic primer“
Die Freiheitsstatue
Bildung
SCHLUSSBETRACHTUNG
JOURNALISTISCHE BILDER
SATIRISCHE BILDER
BILDER UND POLITIK
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die mediale Darstellung des US-Präsidenten George W. Bush durch die Analyse von journalistischem und satirischem Bildmaterial. Das Hauptziel besteht darin, zu eruieren, wie Bush in den Medien präsentiert wird, ob diese Bilder Merkmale seiner politischen Führung widerspiegeln und ob sie dem Betrachter ein authentisches Bild seiner Person vermitteln können.
- Psychologische Grundlagen der Bildrezeption und des Bildverstehens
- Unterscheidung zwischen journalistischen (informierenden) und satirischen (kritisierenden) Bildern
- Analyse der Wirkung von Symbolik und Inszenierung in politischen Fotografien
- Untersuchung von Satire als Mittel zur politischen Meinungsbildung
- Die Rolle von politischen Beratern ("Spin Doctors") bei der visuellen Repräsentation von Politikern
Auszug aus dem Buch
George W. Bush und John Kerry
Im November 2004 ging George W. Bush als Sieger um das Präsidentenamt gegen John Kerry hervor. Die in diesem Abschnitt vorgestellten Bilder visualisieren Grundeinstellungen der beiden Kandidaten, auf deren Basis die Wähler ihre Entscheidung getroffen haben. Der Blick soll zunächst auf die beiden der Lokalzeitung ‚Darmstädter Echo’ (26. Oktober 2004) entnommenen Bilder gerichtet werden (Abb. 02).
Auf der linken Seite befindet sich der Herausforderer John Kerry mit seiner Frau im Arm. Die beiden sind die einzigen Personen auf dieser Aufnahme. Außer ihnen befindet sich nur noch eine Palme im Hintergrund. Die Komposition des Bildes setzt auf klare, einfache Formen und Linien. Es handelt sich um ein sehr übersichtliches und klar strukturiertes Bild. Zudem wurde es aus der Unterperspektive aufgenommen. Dies ist eine oft verwendete Technik, um der im Bild dargestellten Person mehr Größe und Gewicht zu verleihen. Denn zu einer angehenden Führungspersönlichkeit muss der Betrachter, der in den Vereinigten Staaten gleichzeitig Wähler ist, aufschauen. Man zollt der ‚höher’ stehenden Person Respekt und zeigt Ehrfurcht. Dass es sich in dem Bild um eine angehende Führungsperson handelt, macht die Geste seines rechten Armes klar, der im rechten Winkel mit geschlossener Faust nach oben zeigend ausgestreckt ist. John Kerry posiert als klarer Sieger, schon vor dem Wahlentscheid. Seine Pose signalisiert Sicherheit und Entschlossenheit, dass seine Wertvorstellungen und seine gesetzten Ziele wichtig sind, er zu ihnen steht und bei einem Wahlsieg für sie eintritt. Unterstrichen wird dies zudem von seiner fest verschlossenen und zur Faust geballten Hand. Die Faust gilt als Zeichen von Durchsetzungsvermögen, aber auch Aggressivität.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Einführung in die mediale Omnipräsenz von George W. Bush und Formulierung der Forschungsfrage zur medialen Inszenierung seiner Person.
PROZESS DES BILDVERSTEHENS: Theoretische Grundlagen zur psychologischen Verarbeitung von Bildern mittels mentaler Modelle, der Funktion ikonischer Codes und der Rolle des Bildproduzenten.
JOURNALISTISCHE BILDER: Analyse der Darstellung von Bush in journalistischen Medien, inklusive Vergleichen mit Kontrahenten wie John Kerry und der symbolischen Bedeutung von Religiosität.
SATIRISCHE BILDER: Untersuchung satirischer Bildbeiträge wie Karikaturen und digital manipulierter Fotos als Mittel der Kritik, unter anderem am Beispiel von Internet-Spott, Filmplakat-Parodien und Comics.
SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Synthese der Ergebnisse zur suggestiven Wirkung journalistischer versus satirischer Bilder und zur Macht des visuellen Bildes in der Politik.
Schlüsselwörter
George W. Bush, Medienpräsentation, Politische Kommunikation, Journalistische Fotografie, Satire, Bildverstehen, Mentale Modelle, Ikonischer Code, Spin Doctors, Politische Inszenierung, Wahlkampf, Symbolik, USA, Bildwirkung, Bildmanipulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie der US-Präsident George W. Bush medial dargestellt wurde und welche psychologischen sowie kommunikationstheoretischen Mechanismen bei der Bildwahrnehmung eine Rolle spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung zwischen journalistischen und satirischen Bildinhalten sowie der Untersuchung von Symbolik, Inszenierung und der Rolle von PR-Strategien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, ob und wie Medienbilder Merkmale von Bushs Politik transportieren und ob sie dem Betrachter ein authentisches Verständnis seiner Person ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine bildanalytische Methodik, die kommunikationstheoretische Ansätze und psychologische Konzepte (wie mentale Modelle) zur Interpretation von journalistischen Fotografien und satirischem Bildmaterial kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Bildrezeption und eine detaillierte Analyse von Bildbeispielen, unterteilt in journalistische Darstellungen (z.B. Vergleich mit John Kerry) und satirische Formen (z.B. Internet-Memes, Comic-Parodien).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie politische Kommunikation, Bildsprache, Spin Doctoring, Satire und mediale Inszenierung definieren.
Welche Bedeutung hat das "Ökonomie-Prinzip" in diesem Kontext?
Das Ökonomie-Prinzip beschreibt die Tendenz von Betrachtern, den Verstehensprozess eines Bildes abzubrechen, sobald eine erste, einfache Interpretation gefunden wurde, ohne tiefere Bedeutungsebenen zu analysieren.
Was besagt die Analyse zur Rolle der "Spin Doctors"?
Die Arbeit stellt heraus, dass die mediale Darstellung von Politikern wie Bush kein Zufallsprodukt ist, sondern durch professionelle PR-Strategen inszeniert wird, um ein bestimmtes Image bei den Wählern zu erzeugen.
Wie unterscheidet sich die Satire von journalistischen Bildern in Bezug auf den Betrachter?
Satirische Bilder verlangen vom Betrachter eine höhere Verarbeitungsintensität und ein breiteres Hintergrundwissen, da sie darauf ausgelegt sind, eine spezifische, oft kritische Botschaft zu vermitteln, statt nur eine Rolle abzubilden.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit hinsichtlich der "Wahrheit" von Medienbildern?
Die Arbeit schlussfolgert, dass ein "echtes" Bild einer Person durch die mediale Aufbereitung kaum möglich ist; Bilder fungieren eher als "Werbung" oder "Anti-Werbung", deren tatsächlicher Gehalt vom Betrachter selbst evaluiert werden muss.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2005, George W. Bush - Die Darstellung des US-Präsidenten in den Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46947