Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Theater Studies, Dance

Postdramatische und performative Elemente auf den Social-Media-Plattformen Facebook und YouTube anhand von "Bibis Beauty Palace"

Title: Postdramatische und performative Elemente auf den Social-Media-Plattformen Facebook und YouTube anhand von "Bibis Beauty Palace"

Term Paper , 2019 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Helena Merle (Author)

Theater Studies, Dance
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Mittwoch, 08. Juni 1966, Theater am Turm, in Frankfurt a.M.
Die Uraufführung ist so gut wie ausverkauft. Alle warten gespannt darauf, dass es losgeht. Keiner ahnt, was ihn hier gleich erwartet. Der Vorhang öffnet sich. Zu sehen sind vier Darsteller, welche seltsame Töne von sich geben und zu irgendjemandem sprechen. Das Bühnenbild wirkt chaotisch, unaufgeräumt und lässt keinen Sinn erkennen. Schließlich stellen sich die vier Männer frontal an den Bühnenrand und sprechen in kurzen Sätzen zum Publikum. Allerdings sind es keine üblichen Theatertexte oder nette Phrasen – es sind Aussagen, Unterstellungen und Beleidigungen.
Bei der beschriebenen Situation handelt es sich um das bekannte Sprechstück Publikumsbeschimpfung von Peter Handke. Durch die Vielzahl an postdramatischen Elementen, welche das Stück beinhaltet, wird die bisher bekannte Theatersituation radikal umgeworfen. Allerdings ist es hierbei wichtig zu erwähnen, dass Regietheater nur in Ausnahmefällen postdramatisches Theater ist, während postdramatisches Theater hingegen meist auch Regietheater ist. Bei Handkes Sprechstück braucht es also nicht mehr die Vermittlung einer Geschichte, um Theater entstehen zu lassen – es ist unmittelbares Theater, auf dessen Bühne es nur das Jetzt gibt, das gleichzeitig auch das Jetzt des Zuschauens ist. Im Fokus stehen nicht mehr der Dramentext oder die Figuren, die miteinander sprechen und deren Gesagtes einen Sinn ergibt. Bei dieser Inszenierung von Peymann wenden sich die Darsteller direkt an das Publikum. Sie geben rhythmische Laute, Verneinungen und provokative Äußerungen von sich, die fast musikalische Qualität aufweisen. Der Sinn ihrer Rede tritt hinter das Ereignis des Sprechaktes.
Diese aufgeführten Exempel dienen dazu, einen kurzen Eindruck zu erhalten, wie postdramatische Elemente auf der Bühne bislang umgesetzt wurden und werden. Eine andere, neue Art der Anwendung postdramatischer aber auch performativer (perf.) Elemente kann auf den Social-Media-Kanälen wahrgenommen werden. Durch die Entwicklung von Facebook und YouTube ist es heutzutage möglich, auf diesen Plattformen ebenfalls eine Art Theater zu spielen. Viele private Nutzer, aber auch bekannte Blogger, YouTuber und Influencer bedienen sich, permanent postdramatischer und perf. Elemente auf ihren Kanälen. In welcher Form also Postdramatik und Performativität auf den sozialen Netzwerken stattfindet, wird die folgende Hausarbeit thematisieren und mittels geeigneter Beispiele belegen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitungsgedanke

2. Definition: Postdramatik

2.1 Der Ursprung des postdramatischen Theaters: Hans-Thies Lehmann

2.2 Definition Performativität

3. Das Mitmach-Netz Web 2.0

3.1 Entstehungsgeschichte und Entwicklung von Facebook und YouTube

3.2 Postdramatische und performative Elemente auf den Plattformen

4. Schlusswort und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Übertragbarkeit postdramatischer und performativer Elemente auf die sozialen Medienplattformen Facebook und YouTube. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich durch die digitale Kommunikation neue, theaterähnliche Formen der Selbstdarstellung und Interaktion entwickelt haben, die klassische dramatische Strukturen aufbrechen.

  • Grundlagen der Postdramatik nach Hans-Thies Lehmann
  • Konzeptualisierung von Performativität im theaterwissenschaftlichen Kontext
  • Analyse des Web 2.0 als digitale Bühne
  • Vergleichende Untersuchung von Selbstdarstellungsmechanismen auf Facebook und YouTube
  • Reflektion über die Auflösung traditioneller Rollenbilder und narrativer Strukturen

Auszug aus dem Buch

3.2 Postdramatische und performative Elemente auf den Plattformen

Im Unterschied zum Theater findet bei der Rezeption der visuellen Sequenzen auf den Plattformen kein physisches Aufeinandertreffen zwischen Akteuren und Zuschauern statt. Der ästhetische Akt, das Spiel selbst, aber auch der Vorgang der Rezeption (Theaterbesuch) ereignet sich nicht als reales Tun im Hier und Jetzt. Durch die Verwendung technischer Apparate wird der Akt des „Spielens“ festgehalten, ist jederzeit (online) abrufbar und wiederholbar. Der Rahmen für ein gemeinsames Ereignis mit Einheit von Ort und Zeit verschwindet, ebenso wie der einmalige Ereignischarakter einer Aufführungssituation. Die Möglichkeit der Selbstreflexion und Ambiguitätserfahrung leidet ebenfalls. Zudem findet auch keine direkte, zeitgleiche Interaktion zwischen Publikum und Darsteller mehr statt. Zwar existiert weiterhin sowohl auf YT. als auch auf Fb. ein Austausch zwischen dem Publizierenden und den Rezipierenden, allerdings zeitverzögert und in Form von virtueller Kommunikation, welche sich durch Likes, Shares oder Kommentare äußert. Auch bei dieser anderen, neuen Art von Vorführung sind sich beide Parteien ihrer Rolle/Position bewusst. Der Darsteller ist in diesem Fall der Publizierende bzw. „Hersteller“ des (audio-) visuellen Materials und der Zuschauer der rezipierende Nutzer. Ähnlich wie bei einer Aufführungssituation liegt auch hier eine Überschneidung von ästhetisch organisiertem und alltäglich realem Leben vor. Demnach findet auch hier die Minimalformel: A spielt B vor C ihre Anwendung. Auch wenn die meisten Influencer, Youtuber, Blogger oder andere Internet-Berühmtheiten angeben immer sie selbst zu sein, liegt ihrer Selbstdarstellung dennoch immer eine gewisse Rolle zugrunde. Der kanadische Soziologe Erving Goffmann stellt zu diesem soziologischen Phänomen bereits 1969 die These auf „Wir alle spielen Theater“ und erklärt damit vor allem das Prinzip der sozialen Rolle. Ähnlich wie der Schauspieler eine Distanz zu seiner Rolle besitzt, wahrt auch das nachmoderne Individuum stets einen Abstand zu Selbstbildern und -beschreibungen. Durch diese Distanz zu sich selbst, entsteht eine gewisse Art der Theatralität des eigenen Verhaltens.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitungsgedanke: Anhand des Theaterstücks „Publikumsbeschimpfung“ von Peter Handke wird der Übergang zum postdramatischen Theater und die Aufhebung traditioneller Dramenstrukturen eingeführt.

2. Definition: Postdramatik: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Postdramatik und Performativität theoretisch und bettet diese in den theaterwissenschaftlichen Kontext ein.

3. Das Mitmach-Netz Web 2.0: Hier wird die Entwicklung des Web 2.0 sowie die Entstehungsgeschichte von YouTube und Facebook beleuchtet und mit performativen Elementen verknüpft.

4. Schlusswort und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, wie der digitale Wandel das Theaterverständnis beeinflusst und welche Rolle soziale Netzwerke als virtuelle Bühnen spielen.

Schlüsselwörter

Postdramatik, Performativität, Web 2.0, Theaterwissenschaft, Facebook, YouTube, Digitale Medien, Selbstdarstellung, Regietheater, Soziale Rolle, Mediale Ästhetik, Virtuelle Bühne, Interaktion, Dramaturgie, Inszenierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung, inwiefern theaterwissenschaftliche Konzepte wie Postdramatik und Performativität auf die heutige Nutzung sozialer Medien angewendet werden können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Entwicklung des Web 2.0, die theoretischen Grundlagen des postdramatischen Theaters nach Hans-Thies Lehmann und die performative Selbstdarstellung auf Plattformen wie YouTube und Facebook.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie private Nutzer und Influencer durch digitale Medien eine Form von „virtuellem Theater“ praktizieren, das sich ähnlicher Mittel wie die Postdramatik bedient.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche zu theaterwissenschaftlichen Theorien, die anschließend auf konkrete Beispiele aus dem Social-Media-Bereich angewandt und analysiert werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung von Postdramatik und Performativität sowie eine praktische Analyse, wie diese Konzepte in Webvideos und auf Social-Media-Profilen (am Beispiel von Influencern wie Bianca Claßen) sichtbar werden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Postdramatik, Performativität, Web 2.0, mediale Selbstinszenierung und die Auflösung der klassischen Grenze zwischen Darsteller und Zuschauer.

Wie unterscheidet sich das „virtuelle Theaterspielen“ vom klassischen Theater?

Im Gegensatz zum physischen Theater fehlt im Internet das zeitgleiche Aufeinandertreffen von Akteuren und Publikum im selben Raum, zudem ist die Aufführung durch technische Mittel konserviert, abrufbar und fragmentiert.

Warum wird Erving Goffmanns These in der Arbeit zitiert?

Goffmanns Theorie „Wir alle spielen Theater“ dient dazu, die soziale Rolle der Influencer auf Facebook und YouTube als eine Form der bewussten Selbstdarstellung und Theatralität des Alltagsverhaltens zu untermauern.

Welche Rolle spielt Bianca Claßen als Beispiel?

Sie dient als exemplarisches Fallbeispiel für einen Webvideo-Produzenten, dessen Inhalte und Selbstdarstellung auf Facebook und YouTube postdramatische und performative Merkmale wie Fragmentierung und Körperinszenierung aufweisen.

Excerpt out of 20 pages  - scroll top

Details

Title
Postdramatische und performative Elemente auf den Social-Media-Plattformen Facebook und YouTube anhand von "Bibis Beauty Palace"
College
LMU Munich  (Theaterwissenschaft)
Course
Seminar
Grade
1,0
Author
Helena Merle (Author)
Publication Year
2019
Pages
20
Catalog Number
V469740
ISBN (eBook)
9783668948655
ISBN (Book)
9783668948662
Language
German
Tags
Postdramatik performativ Social Media Soziale Netzwerke Facebook Youtube
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Helena Merle (Author), 2019, Postdramatische und performative Elemente auf den Social-Media-Plattformen Facebook und YouTube anhand von "Bibis Beauty Palace", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/469740
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  20  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint