In der folgenden Arbeit erläutere ich das Habitus-Konzept von Pierre Bourdieu und untersuche, inwieweit die globale Gesellschaft den Gentrifizierungsprozess durch ihren Habitus beeinflusst und dominiert. Dabei werde ich die Forschungsergebnisse von Miriam Stock über den Geschmack der Gentrifizierung in Berlin hinzuziehen und anhand dessen, einen Bezug zur Habitustheorie herstellen.
Als Einstieg in das Thema werde ich den Habitus Begriff Bourdieus erklären und die Bedeutung dessen herausarbeiten, da dieser ein bestimmender Aspekt und Grundstein in Bourdieus Sozialtheorien ist.
Im weiteren Verlauf werde ich zunächst den Kapitalbegriff erläutern, welcher nach Bourdieu nicht nur nach der Idee des Kapitalismus definiert werden kann. Darauf aufbauend stelle ich die für diese Arbeit relevanten Kapitalarten, das ökonomische Kapital, das Kulturkapital, mit seinen Unterteilungen, sowie das soziale Kapital dar.
Diese sind Voraussetzung für die Erläuterung des Sozialen Raumes, wie ihn Bourdieu definiert. Unter diesem Aspekt stelle ich die gesellschaftliche Klassendifferenzierung vor und beleuchte welche Rolle dabei der Geschmack der einzelnen Schichten spielt.
Darauf aufbauend werde ich die Forschung von Miriam Stock vorstellen, welche den Gentrifizierungsprozess Berlins untersucht und wichtige Gesichtspunkte bezüglich des Geschmacks der Gentrifizierer herausgearbeitet hat, um sie im Folgenden auf Bourdieus Habitustheorie zu beziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Habitus Konzept
3. Kapitalbegriff / Ökonomisches Kapital
3.1 Kulturelles Kapital
3.1.1 Objektiviertes Kulturkapital
3.1.2 Inkorporiertes Kulturkapital
3.1.3 Institutionalisiertes Kulturkapital
3.2 Soziales Kapital
4. Sozialer Raum, Klassen und Geschmack
5.Der Geschmack der Gentrifizierung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Habitus-Konzept von Pierre Bourdieu und analysiert, inwiefern der Gentrifizierungsprozess in der globalen Gesellschaft durch den Habitus verschiedener Akteure beeinflusst und gesteuert wird, wobei insbesondere die Forschungsergebnisse von Miriam Stock zu arabischen Imbissen in Berlin als Fallbeispiel dienen.
- Grundlagen des Habitus-Begriffs nach Pierre Bourdieu
- Differenzierung der Kapitalarten: Ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital
- Struktur des sozialen Raumes und die Rolle von Klassendifferenzierung
- Geschmack als Distinktionsmerkmal und Instrument der sozialen Abgrenzung
- Einfluss des Habitus und ästhetisierter Konsumpraktiken auf Gentrifizierungsprozesse
Auszug aus dem Buch
2. Der Habitus
Der Habitus ist nach Bourdieu die allgemeine Grundhaltung eines Menschen. Die Gesamtheit seines Verhaltens in der sozialen Welt. Sowohl seine einverleibten Strukturen, die als Dispositionen verstanden werden, wie Neigungen und Veranlagungen, als auch seine Lebensweise, Einstellung und Wertvorstellung. Der Habitus ist die „strukturierte und strukturierende Struktur“ (Bourdieu 1987: 280). Damit sagt Bourdieu, dass diese Struktur des Ganzen durch Verhalten geprägt wird und gleichzeitig seine Umwelt prägt. Das Einverleiben erfolgt durch die Sozialisation und findet demnach unbewusst statt. Die „eingeprägten Schemata“ (Werner Fuchs-Heinitz/Alexandra König 2011: 137) werden von Generation zu Generation weitergegeben und das Individuum ist sich dessen nicht bewusst, denn es weiß um die „Herkunft und Aneignung dieser Elemente des Habitus“ (Fuchs-Heinitz/ König 2011: 115) nicht mehr. Deshalb fügen sich die Individuen ohne nachzudenken und handeln intuitiv nach vererbten Instinkten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Habitus-Konzept Bourdieus und die Zielsetzung, dessen Bedeutung im Kontext der Gentrifizierung anhand der Forschung von Miriam Stock zu beleuchten.
2. Das Habitus Konzept: Definition des Habitus als strukturierte und strukturierende Struktur, die unbewusst das Verhalten, den Lebensstil und die Urteilskraft von Individuen prägt.
3. Kapitalbegriff / Ökonomisches Kapital: Erläuterung des Kapitalbegriffs als soziale Energie, die in ökonomischer, kultureller und sozialer Form die Erfolgschancen im sozialen Raum bestimmt.
3.1 Kulturelles Kapital: Analyse der Formen von kulturellem Kapital, das als Ressource für Machtpositionen und Distinktion dient.
3.1.1 Objektiviertes Kulturkapital: Beschreibung des in sachlich materieller Form existierenden Kulturkapitals wie Bücher oder Maschinen.
3.1.2 Inkorporiertes Kulturkapital: Erörterung der an den Körper gebundenen, verinnerlichten Fähigkeiten und Bildung als Disposition des Habitus.
3.1.3 Institutionalisiertes Kulturkapital: Darstellung der Bedeutung von Titeln und Zeugnissen für den rechtlich garantierten Wert auf dem Arbeitsmarkt.
3.2 Soziales Kapital: Untersuchung der Bedeutung von sozialen Beziehungen und Netzwerken zur Vermehrung von Kapital und der damit verbundenen Delegation von Interessen.
4. Sozialer Raum, Klassen und Geschmack: Analyse, wie Habitus und Kapitalvolumen die Positionierung von Akteuren im sozialen Raum und deren geschmackliche Abgrenzung definieren.
5.Der Geschmack der Gentrifizierung: Anwendung der Habitustheorie auf urbane Aufwertungsprozesse, wobei besonders ästhetisierte Konsumpraktiken der Mittelschicht im Fokus stehen.
6. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung, dass der Geschmack der Mittelschicht und der Habitus der Akteure maßgebliche Triebkräfte der Gentrifizierung sind.
Schlüsselwörter
Habitus, Pierre Bourdieu, Gentrifizierung, Kapitalarten, Kulturelles Kapital, Soziales Kapital, Ökonomisches Kapital, Sozialer Raum, Distinktion, Lebensstil, Miriam Stock, Konsumpraktiken, Soziale Ungleichheit, Klassenhabitus, Authentizität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Habitus-Konzept von Pierre Bourdieu und untersucht dessen Anwendung auf moderne urbane Aufwertungsprozesse, speziell auf die Gentrifizierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Kapitaltheorie (ökonomisches, kulturelles, soziales Kapital), die Konstruktion des sozialen Raumes und die Rolle von Geschmack bei der sozialen Abgrenzung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Einfluss des Habitus und der ästhetisierten Konsumpraktiken der Mittelschicht auf den Gentrifizierungsprozess aufzuzeigen und mit Bourdieus Theorie zu verknüpfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der Konzepte von Pierre Bourdieu in Kombination mit der Auswertung empirischer Forschungsergebnisse von Miriam Stock zu arabischen Imbissen in Berlin.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Kapitalarten und des sozialen Raumes sowie die spezifische Untersuchung des "Geschmacks der Gentrifizierung".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Habitus, Gentrifizierung, Distinktion, Kapitalarten, kulturelles Kapital und soziale Ungleichheit.
Warum spielt das soziale Kapital eine besondere Rolle für die Imbissbetreiber in Berlin?
Soziales Kapital ermöglicht den Akteuren über weitverzweigte Netzwerke und ein Gefühl der Gruppenzugehörigkeit, ihre ökonomische Existenz zu sichern und ihre Position im Gentrifizierungsprozess zu stärken.
Inwiefern widerlegt die Arbeit die Kritik am Habitus-Konzept?
Die Arbeit argumentiert, dass der Habitus-Begriff auch in modernen Gesellschaften mit schnellem Wandel relevant bleibt, da sich Gentrifizierungsprozesse durch unbewusste Distinktionspraktiken und klassenspezifische Lebensstile erklären lassen.
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- Maria Wensel (Autor:in), 2017, Das Habitus Konzept nach Pierre Bourdieu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/469948