Spiel mit Namen - Mechanismen und Beispiele


Referat (Ausarbeitung), 2005

18 Seiten, Note: sehr gut - gut


Leseprobe

1. Einleitung

„Wortspiel wird in der Regel als ‚spielerische’ Veränderung eines Wortes zum Zwecke überraschender Wirkungen bzw. als rhetorische Figur definiert, die Witz, Humor, Spott und Satire im Bewußtsein des Hörers/Lesers hervorrufen soll. Wortspiele beruhen im Allgemeinen auf dem Doppelsinn von Wörtern und Wendungen, auf Veränderung der Bedeutung, also auf Ausnützung von Homophonie oder Polsysemie (sic!), auf Veränderung der Wortformen: auf Umstellung von Lauten, Silben, Morphemen; auf Kontaminationen, d. h. Verschmelzung von Wörtern und auf Variationen von festen Wortverbindungen, von Sprichwörtern, Phraseologismen oder geläufigen Zitaten.“[1]

Földes klassifiziert das Spiel mit Onymen als Subgattung der Wortspiele, was der oben angeführten Definition des Wortspiels für das Spiel mit Namen Gültigkeit verleiht.

Ebenso wie das Wortspiel im Allgemeinen, beruht auch das Spiel mit Eigennamen auf der Veränderung von Namen oder der Einbindung des Namens in einen Zusammenhang, der der üblichen Verwendung von Eigennamen widerspricht. Wie dies genau geschieht, soll in dieser Arbeit näher erläutert werden.

Das Spiel mit Namen ist lediglich als Randgebiet der Namenkunde bzw. Namenforschung zu betrachten, weshalb es auch nur sehr wenig wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema gibt. Lediglich Csaba Földes liefert einen Artikel[2], welcher die Bedeutung, die Verwendung und vor allem die Mechanismen onymischer Spiele thematisiert, was sich auf die Vorgehensweise in diese Arbeit auswirkt. Daher soll zunächst anhand des Aufsatzes Födes’ ein Überblick über das Prinzip des Spiels mit Namen gegeben werden, welcher insbesondere die Mechanismen mittels einiger Beispiele, welche entweder den Ausführungen Földes’, oder analog zu diesen meinem eigenen Erfahrungsschatz entnommen werden, im Einzelnen darlegt.

Im weiteren Verlauf der Arbeit soll des Weiteren der Homophoniebegriff aufgegriffen werden. Am Beispiel einiger ausgewählter Texte des Münchner Komikers und Humoristen Willy Astor sollen sowohl die nach Földes beschriebenen Mechanismen des Spiels mit Namen nachgewiesen werden, als auch die humoristische Wirkung von Homophonie in Bezug auf das Spiel mit Namen analysiert werden. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, inwieweit das Spiel mit Namen zu humoristischen Zwecken bei Willy Astor von der komischen Wirkung der Homophonie abhängig ist.

2. Spiele mit Namen nach Földes

2.1. Gebrauch, Bedeutung, Verwendung

In Földes Aufsatz werden die Spiele mit Namen von den Namenspielen unterschieden. Namenspiele sind danach als Kreation von Eigennamen zu verstehen, die es tatsächlich nicht gibt. Zu diesem Zweck werden Appellative in einem Zusammenhang verwendet, in dem sie als Onyme dienen. Als Beispiel führt Földes den Ausdruck „Baron von Habenichts“ an. An diesem wird deutlich, dass der Namensbestandteil „Habenichts“ als Name Verwendung findet, jedoch ursprünglich aus „nichts“ und „haben“ hervorgeht, die keine Namensstruktur aufweisen. Verwendet wird diese Bezeichnung für einen Menschen, der über seine Verhältnisse lebt, also im Grunde nichts hat, sich aber gerne als vermögend darstellt. Bereits an diesem Beispiel ist die Funktion des Spotts im Spiel mit Namen bzw. in Namenspielen erkennbar. Ob die Begriffe „Namenspiele“ und „Spiele mit Namen“ jedoch tatsächlich getrennt von einander betrachtet werden sollten, wie Földes es tut, oder ob es sich bei dem, was er Namensspiele nennt nicht doch um einen weiteren Mechanismus des Spiels mit Namen handelt, sei dahin gestellt. Sicherlich ist das Zustandekommen von Namenspielen von dem der Spiele mit Namen zu unterscheiden, jedoch ist die verwendete Terminologie sowohl auf die Verwendung von Appellativen als Onyme als auch auf die Verwendung von Namen oder Namenbestandteilen in appellativischer Funktion (die genauen Mechanismen sollen ja im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch beschrieben werden) anwendbar. Inwieweit sich Namenspiele und Spiel mit Namen als Begriff unterscheiden ist dabei fraglich. Was die Unterscheidung von Namenspielen und dem Spiel mit Namen angeht, so ist das Hauptkriterium nach Földes darin zu sehen, dass es sich beim Spiel mit Namen um die Verwendung echter Eigennamen handelt, die mittels Veränderung o. ä. in eine appellativische Funktion gebracht werden. Das Namenspiel benutzt dem gegenüber Appellative als Onyme und wird daher getrennt von anderen onymischen Spielen betrachtet. Im weiteren Verlauf sollen jedoch lediglich die Spiele mit Namen von Interesse sein.

Wie bereits in der Einleitung formuliert dient die Verwendung von Namenspielen in erster Linie dem Zweck der Überraschung. Die Absicht die dahinter steht kann unterschiedlich sein. Es kann sowohl die reine Belustigung des Rezipienten (siehe im Teil 3 dieser Arbeit die texte von Willy Astor), als auch beispielsweise der Ausdruck einer politischen Aussage im Mittelpunkt der Intention des Produzenten stehen. Häufig finden solche Wortspiele in Zeitungen, insbesondere in Schlagzeilen Verwendung, und dienen dabei zum einen den Zweck eine politische Aussage zu formulieren, da sich auf diese Weise möglichst kurz komplizierte Stellungnahmen andeuten lassen, als auch der Fesselung des Lesers. Diese Funktion lässt darauf schließen, dass das Spiel mit Namen eine anziehende Wirkung auf den Rezipienten ausübt und offensichtlich Interesse zu wecken vermag.

Die erste der genannten Funktionen ist auch der Anlass für die häufige Verwendung von onymischen Spielen auf Spruchbändern beispielsweise im Rahmen einer politischen Demonstration. Hier werden komplizierte politische Statements in ihrer wahrscheinlich kürzesten Form präsentiert. Dieser Komprimierungseffekt stellt eine der wichtigsten Funktionen des Spiels mit Namen dar.

2.2. Mechanismen

Földes spricht in seinen Ausführungen von unterschiedlichen Verfahren zur Entwicklung von Spielen mit Namen. Er unterschiedet dabei phonetische, grammatische und semantische Verfahren die durch besondere Spieltypen ergänzt werden: Anagramme, Palindrome, Kontaminationen und Phraseologismen-Abwandlungen. Dazu kommt die Möglichkeit der Kombination zweier oder mehrerer Verfahrensweisen. Im Folgenden sollen die unterschiedlichen Verfahrensweisen beschrieben und an Beispielen veranschaulicht werden, um eine Basis für die Analyse der Astorschen Texte zu schaffen.

Földes spricht zunächst von phonetischen Verfahren.

„Sie bilden eine zahlenmäßig große Gruppe. Es handelt sich hierbei um Wortspiele mit Vokal- oder Konsonantenwechsel, bei denen die Assoziation auch eine Rolle spielt.“[3]

Der sicherlich wichtigste Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Lautähnlichkeit (Homophonie). Auf verschiedene Art und Weise werden Lautähnlichkeiten genutzt, bzw. künstlich hervorgerufen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Dabei können sowohl Lexeme als auch Komposita mit graphischer Segmentierung die Homophonie bilden. Als Beispiel gibt Földes „Blumen statt KRENZe“ und „KRENZniederlegung“ an. Beide Wortspiele beziehen sich auf den letzten Staats- und Parteichef der DDR Egon Krenz. Im ersten Fall „Blumen statt KRENZe“ handelt es sich um eine Homophonie, die sich in der Aussprache nicht bemerkbar macht. Lediglich in geschriebener Form wird das Spiel mit dem Namen Krenz bewusst. Auf satirische Weise wird hier die Meinung des DDR-Volkes offenbart, die lieber Blumen, das heißt etwas blühendes, schönes haben wollte, was offensichtlich das Gegenteil von dem zu sein schien, was Krenz darstellte, nämlich das sozialistische Regime. Das gleiche Phänomen ist im Begriff „Schill-Faktor“ erkennbar, welcher einen Bezug zum umstrittenen Hamburger Ex-Senator Schill darstellt. Je nach Realisation durch den Produzenten kann eine Lautähnlichkeit oder gar eine Lautgleichheit zu „Chill-Faktor“ vorliegen, einem Filmtitel aus den späten 90er Jahren.

Ähnlich verhält es sich im zweiten Beispiel, jedoch ist hier die Homophonie nicht eine Lautgleichheit, sondern eine Lautähnlichkeit, die sich auch phonetisch bemerkbar macht. Das Prinzip ist jedoch das gleiche. Statt Kranz wird hier der ähnlich klingende Name eingefügt, was auf satirische Art und Weise den Rücktritt Krenz’ entweder verkündet oder fordert.

[...]


[1] Földes, Csaba: Namenspiele, Spiele mit Namen. In: Steger, Hugo / Wiegand, Herbert E. (Hrsg.): Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft. Bd. 1: Namenforschung. Berlin, New York: Walter de Gruyter, 1995; S. 586-593. S. 586.

[2] Földes, Csaba: Namenspiele, Spiele mit Namen.

[3] Ebd. S. 587.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Spiel mit Namen - Mechanismen und Beispiele
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Germanistik, Abteilung Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
sehr gut - gut
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V46995
ISBN (eBook)
9783638440578
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spiel, Namen, Mechanismen, Beispiele, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Stefan Altschaffel (Autor), 2005, Spiel mit Namen - Mechanismen und Beispiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46995

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