„Wortspiel wird in der Regel als ‚spielerische’ Veränderung eines Wortes zum Zwecke überraschender Wirkungen bzw. als rhetorische Figur definiert, die Witz, Humor, Spott und Satire im Bewußtsein des Hörers/Lesers hervorrufen soll. Wortspiele beruhen im Allgemeinen auf dem Doppelsinn von Wörtern und Wendungen, auf Veränderung der Bedeutung, also auf Ausnützung von Homophonie oder Polsysemie (sic!), auf Veränderung der Wortformen: auf Umstellung von Lauten, Silben, Morphemen; auf Kontaminationen, d. h. Verschmelzung von Wörtern und auf Variationen von festen Wortverbindungen, von Sprichwörtern, Phraseologismen oder geläufigen Zitaten.“
Földes klassifiziert das Spiel mit Onymen als Subgattung der Wortspiele, was der oben angeführten Definition des Wortspiels für das Spiel mit Namen Gültigkeit verleiht.
Ebenso wie das Wortspiel im Allgemeinen, beruht auch das Spiel mit Eigennamen auf der Veränderung von Namen oder der Einbindung des Namens in einen Zusammenhang, der der üblichen Verwendung von Eigennamen widerspricht. Wie dies genau geschieht, soll in dieser Arbeit näher erläutert werden.
Das Spiel mit Namen ist lediglich als Randgebiet der Namenkunde bzw. Namenforschung zu betrachten, weshalb es auch nur sehr wenig wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema gibt. Lediglich Csaba Földes liefert einen Artikel2, welcher die Bedeutung, die Verwendung und vor allem die Mechanismen onymischer Spiele thematisiert, was sich auf die Vorgehensweise in diese Arbeit auswirkt. Daher soll zunächst anhand des Aufsatzes Födes’ ein Überblick über das Prinzip des Spiels mit Namen gegeben werden, welcher insbesondere die Mechanismen mittels einiger Beispiele, welche entweder den Ausführungen Földes’, oder analog zu diesen meinem eigenen Erfahrungsschatz entnommen werden, im Einzelnen darlegt.
Im weiteren Verlauf der Arbeit soll des Weiteren der Homophoniebegriff aufgegriffen werden. Am Beispiel einiger ausgewählter Texte des Münchner Komikers und Humoristen Willy Astor sollen sowohl die nach Földes beschriebenen Mechanismen des Spiels mit Namen nachgewiesen werden, als auch die humoristische Wirkung von Homophonie in Bezug auf das Spiel mit Namen analysiert werden. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, inwieweit das Spiel mit Namen zu humoristischen Zwecken bei Willy Astor von der komischen Wirkung der Homophonie abhängig ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Spiele mit Namen nach Földes
2.1. Gebrauch, Bedeutung, Verwendung
2.2. Mechanismen
3. Die Texte von Willy Astor
3.1. "Kimba Singa"
3.1.1. Text
3.1.2. Analyse
3.2. Länderspiele
3.2.1. Text
3.2.2. Analyse
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das „Spiel mit Namen“ als eine humoristische Sprachform und analysiert, wie der Kabarettist Willy Astor durch den Einsatz von Eigennamen komische Wirkungen erzielt, wobei der Fokus insbesondere auf dem Prinzip der Homophonie liegt.
- Theoretische Grundlagen des Spiels mit Namen nach Csaba Földes
- Phonetische, grammatische und semantische Mechanismen onymischer Spiele
- Humoristische Wirkungsweise durch Lautähnlichkeit (Homophonie)
- Analyse ausgewählter Texte von Willy Astor („Kimba Singa“, „Länderspiele“)
- Zusammenhang zwischen Eigennamen und appellativischer Funktion
Auszug aus dem Buch
2.1. Gebrauch, Bedeutung, Verwendung
In Földes Aufsatz werden die Spiele mit Namen von den Namenspielen unterschieden. Namenspiele sind danach als Kreation von Eigennamen zu verstehen, die es tatsächlich nicht gibt. Zu diesem Zweck werden Appellative in einem Zusammenhang verwendet, in dem sie als Onyme dienen. Als Beispiel führt Földes den Ausdruck „Baron von Habenichts“ an. An diesem wird deutlich, dass der Namensbestandteil „Habenichts“ als Name Verwendung findet, jedoch ursprünglich aus „nichts“ und „haben“ hervorgeht, die keine Namensstruktur aufweisen. Verwendet wird diese Bezeichnung für einen Menschen, der über seine Verhältnisse lebt, also im Grunde nichts hat, sich aber gerne als vermögend darstellt. Bereits an diesem Beispiel ist die Funktion des Spotts im Spiel mit Namen bzw. in Namenspielen erkennbar.
Ob die Begriffe „Namenspiele“ und „Spiele mit Namen“ jedoch tatsächlich getrennt von einander betrachtet werden sollten, wie Földes es tut, oder ob es sich bei dem, was er Namensspiele nennt nicht doch um einen weiteren Mechanismus des Spiels mit Namen handelt, sei dahin gestellt. Sicherlich ist das Zustandekommen von Namenspielen von dem der Spiele mit Namen zu unterscheiden, jedoch ist die verwendete Terminologie sowohl auf die Verwendung von Appellativen als Onyme als auch auf die Verwendung von Namen oder Namenbestandteilen in appellativischer Funktion anwendbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert den Begriff Wortspiel und führt in das Randgebiet der Namenforschung ein, das als theoretische Basis für die Untersuchung der Texte von Willy Astor dient.
2. Spiele mit Namen nach Földes: Erläutert die theoretischen Konzepte von Csaba Földes zur Unterscheidung von Namenspielen und dem Spiel mit Namen sowie die verschiedenen phonetischen, grammatischen und semantischen Verfahrensweisen.
3. Die Texte von Willy Astor: Analysiert praxisnah anhand der Beispiele „Kimba Singa“ und „Länderspiele“, wie Willy Astor die theoretischen Mechanismen zur Erzeugung von Humor nutzt.
4. Zusammenfassung: Fasst die Ergebnisse zusammen, wonach die Homophonie das zentrale Element für die komische Wirkung in Astors Texten darstellt.
Schlüsselwörter
Spiel mit Namen, Namenforschung, Wortspiel, Homophonie, Willy Astor, Csaba Földes, Appellativ, Onym, Anthroponyme, Toponyme, Humor, Sprachwissenschaft, Lautähnlichkeit, Sprachspiele, Semantik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem „Spiel mit Namen“ als linguistisches Phänomen und untersucht dessen humoristische Funktion in den Texten des Kabarettisten Willy Astor.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die Theorie des onymischen Spiels, die Abgrenzung von Begriffen wie Namenspielen, sowie die Anwendung verschiedener sprachlicher Mechanismen wie der Homophonie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, inwieweit Willy Astors humoristische Texte auf den von Földes beschriebenen Mechanismen basieren und wie stark die komische Wirkung von der Homophonie abhängt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Klassifikation von Földes basiert und diese exemplarisch an ausgewählten Texten anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Mechanismen, Verfahren) erläutert und anschließend zwei spezifische Texte („Kimba Singa“ und „Länderspiele“) analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe „Spiel mit Namen“, „Homophonie“, „onymische Spiele“ und „Sprachwissenschaft“ charakterisieren.
Wie spielt der bayerische Dialekt bei Willy Astor eine Rolle?
Astor nutzt die spezifische phonetische Realisierung des bayerischen Dialekts, um durch Lautähnlichkeit oder Lautgleichheit neue humoristische Assoziationen zwischen Eigennamen und Appellativen zu schaffen.
Was ist das Besondere an der Analyse der „Länderspiele“?
Hier wird nachgewiesen, dass Astor auch Toponyme (Ortsnamen) verwendet, die ohne die Eigennamen einen anderen Sinn ergeben würden, um eine humoristische Wirkung zu erzielen.
- Quote paper
- Stefan Altschaffel (Author), 2005, Spiel mit Namen - Mechanismen und Beispiele, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46995