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Das Verhältnis von Werbung und Propaganda in der Anti-Tabak-Politik im Dritten Reich

Titel: Das Verhältnis von Werbung und Propaganda in der Anti-Tabak-Politik im Dritten Reich

Masterarbeit , 2019 , 72 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Dominik Jesse (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
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Die NSDAP ist dafür bekannt, dass sie es verstand die Methoden der kommerziellen Reklame für ihre Zwecke zu nutzen. Im Bereich der Anti-Tabak-Politik der Nationalsozialisten stößt man jedoch auf einen interessanten Widerspruch zwischen dem Verhältnis von Wirtschaftswerbung und Politik gegen Tabak, der in der vorliegenden Arbeit behandelt werden soll. In diesem Zusammenhang soll das Verhältnis zwischen der Werbung für und der Propaganda gegen den Tabak in den Fokus rücken. Dabei ist zu untersuchen, ob diese beiden massenkompatiblen Kommunikationsformen stets zueinander in Widerspruch gestanden haben.

Eine erste Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Anti-Tabak-Politik kann durchaus zu dem Ergebnis kommen, es habe sich dabei um die bis dato weltweit aggressivste und umfassendste Kampagne gegen das Rauchen gehandelt. Dennoch war der Pro-Kopf-Verbrauch an Tabakerzeugnissen in den ersten sechs Jahren der NS-Regierung sogar um ein Vielfaches angestiegen. Vertrug sich der Konsum von Tabak auch keineswegs mit der nationalsozialistischen Gesundheitspolitik, so war er doch ein Garant für die Steuereinnahmen des Regimes.

Wenn es auch vor dem Hintergrund der sozialen Akzeptanz des Rauchens und der für den NS-Fiskus so lukrativen Steuereinnahmen aus Tabakerzeugnissen durchaus verständlich ist, dass nie ein Raucherverbot erlassen wurde, so muss doch auf die von staatlicher Seite höchst aggressive Anti-Tabak-Propaganda hingewiesen werden, welche Raucher bisweilen als "Volksfeinde" diffamierte. Nicht ohne weiteres erklärbar ist aber, dass bisweilen in ein und demselben Medium Werbung für und Propaganda gegen den Tabak nebeneinander auftauchten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Anti-Tabak-Bewegung in Deutschland bis 1933

3 Ideologische Feindschaft: Nationalsozialismus und Tabakkonsum

4 Die nationalsozialistische Anti-Tabak-Propaganda

5 Die Durchdringung der Werbung durch die Propaganda

5.1 Die "Gleichschaltung" der deutschen Werbung

5.2 Propagandistische Eingriffe in die Werbung

6 Das Verhältnis von Werbung für und Propaganda gegen den Tabak

6.1 Die Auflösung der widersprüchlichen Koexistenz

6.2 Die Zigarettenbilderalben: Vom Werbe- zum Propagandamittel

7 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Masterarbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld zwischen der nationalsozialistischen Anti-Tabak-Propaganda und der fortbestehenden Tabakwerbung. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie das Regime diese beiden auf den ersten Blick widersprüchlichen Kommunikationsformen im Kontext einer "gleichgeschalteten" Wirtschaftsordnung in Einklang brachte und ob und wie das Propagandaministerium die Wirtschaftswerbung für eigene Zwecke nutzbar machen konnte.

  • Historische Einordnung der Anti-Tabak-Bewegung
  • Nationalsozialistische Ideologie und Tabakfeindschaft
  • "Gleichschaltung" und Kontrolle des deutschen Werbewesens
  • Konfliktlinien und Koexistenz von Werbung und Propaganda
  • Zigarettenbilderalben als Instrumente der NS-Propaganda

Auszug aus dem Buch

4 Die nationalsozialistische Anti-Tabak-Propaganda

Nachdem im vorausgegangenen Abschnitt die dezidierte Feindschaft zwischen Tabakkonsum und NS-Ideologie herausgearbeitet werden konnte, soll im Folgenden dargestellt werden, wie sich diese Feindschaft in der Anti-Tabak-Propaganda der Nationalsozialisten Bahn brach. In diesem Zusammenhang sind die wichtigsten (ideologischen) Narrative herauszuarbeiten, die im propagandistischen Kampf gegen das Rauchen bemüht worden sind. Zu untersuchen ist aber auch, auf welchen maßgeblichen Vermittlungswegen diese Narrative verbreitet wurden und an welche Rezipienten sie sich hauptsächlich richteten.

Zunächst muss auf das Hauptnarrativ von der Unfruchtbarkeit hingewiesen werden, welche – der NS-Ideologie zufolge – das gesunde Fortbestehen des deutschen Volkes zu gefährden drohte. Dieses Motiv findet sich bereits in den ersten propagandistischen Agitationen gegen das Rauchen von Frauen (vgl. Lickint 1934: 1f). Im Frühling und Sommer 1933 war es diesbezüglich insbesondere in Süd- und Mitteldeutschland zu spontanen Aktionen gekommen (vgl. Petrick-Felber 2015: 48), in deren Folge in Gaststätten Plakate mit der Aufschrift "Die deutsche Frau raucht nicht!" aufgehängt und "Volksgenossen" dazu ermuntern wurden, auf der Straße rauchende Frauen an ihre Pflicht als Mutter zu erinnern (vgl. Merki 1998: 25). Natürlich trugen diese Maßnahmen, die von übereifrigen Polizeipräsidenten initiiert und ohne Genehmigung der neuen Reichsregierung erfolgt waren (vgl. Merki 1998: 26), auch eine stark antifeministische Handschrift und richteten sich gegen die Zigarette als weibliches "Emanzipationssignal" (Sandgruber 1986: 130). Während die Tabakwerbung das Ideal einer "typischen" Tabakkonsumentin zeigte, die "blond, kräftig, fröhlich, gesund und tugendhaft" (Reinhardt 1993: 408-411) sei, wurden die rauchenden Frauen der "Goldenen Zwanziger" mit ihrer "unwiderstehliche[n], geradezu geballte[n] Verführungskraft" (Sandgruber 1986: 134) durch die nationalsozialistische Anti-Tabak-Propaganda zum Ausdruck einer verabscheuungswürdigen "Bordellkultur" (vgl. Reine Luft, Heft 2, 1941) degradiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Einordnung der NS-Anti-Tabak-Politik und thematisiert das paradoxe Spannungsfeld zwischen staatlicher Propaganda und fortbestehender Tabakwerbung.

2 Die Anti-Tabak-Bewegung in Deutschland bis 1933: Das Kapitel arbeitet heraus, dass die tabakfeindliche Haltung im "Dritten Reich" keine Neuerung war, sondern auf bereits bestehenden sozialen und gesundheitspolitischen Strömungen der Weimarer Republik basierte.

3 Ideologische Feindschaft: Nationalsozialismus und Tabakkonsum: Hier wird dargelegt, wie die Nationalsozialisten die bestehende Tabakfeindschaft rassenhygienisch überhöhten und den Tabak als "Fremdkörper" im "Volkskörper" diffamierten.

4 Die nationalsozialistische Anti-Tabak-Propaganda: Dieses Kapitel analysiert die propagandistischen Narrative und Vermittlungswege der Kampagnen gegen das Rauchen, insbesondere die Stigmatisierung von Frauen und Jugendlichen.

5 Die Durchdringung der Werbung durch die Propaganda: Es wird die "Gleichschaltung" des Werbewesens und dessen Unterordnung unter das Reichspropagandaministerium beschrieben, wodurch Werbung zu einem steuerbaren Instrument des Regimes wurde.

6 Das Verhältnis von Werbung für und Propaganda gegen den Tabak: Das Kapitel untersucht die Auflösung der widersprüchlichen Koexistenz dieser beiden Kommunikationsformen und die Funktion der Zigarettenbilderalben als Propagandamedien.

7 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die NS-Politik zwar auf Konsens und Lenkung setzte, jedoch aufgrund realpolitischer Notwendigkeiten und steuerlicher Interessen auf ein generelles Verbot der Tabakwerbung verzichtete.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Anti-Tabak-Politik, Propaganda, Wirtschaftswerbung, Gleichschaltung, Volksgesundheit, Rassenhygiene, Reemtsma, Zigarettenbilderalben, NS-Gesundheitspolitik, Konsumsteuerung, Werberat, Volksgemeinschaft, Tabakkonsum, Ideologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das widersprüchliche Verhältnis zwischen der massiven nationalsozialistischen Anti-Tabak-Propaganda und der zeitgleichen Existenz von Tabakwerbung im "Dritten Reich".

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder sind die Geschichte der Anti-Tabak-Bewegung, die nationalsozialistische Gesundheitspolitik, die Kontrolle der Werbebranche durch das NS-Regime sowie die Rolle von Werbemitteln wie Sammelbildern als Propagandainstrumente.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das Regime die scheinbare Unvereinbarkeit von Tabakwerbung und Anti-Raucher-Propaganda durch Lenkungsmechanismen und ideologische Umdeutung auflöste, ohne auf die steuerlichen Einnahmen der Tabakindustrie zu verzichten.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, Fachliteratur und Dokumenten der NS-Gesundheits- und Werbepolitik basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der ideologischen Begründung der Tabakfeindschaft, der rechtlichen und organisatorischen "Gleichschaltung" der Werbung sowie der konkreten Fallanalyse von Zigarettenbilderalben als Mittel der propagandistischen Massenbeeinflussung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Gleichschaltung", "Volksgesundheit", "rassenhygienische Motivation", "Propagandamonopol" und "konsensorientierte Steuerung".

Warum wurde die Anti-Tabak-Propaganda ab 1941 zunehmend zurückgefahren?

Dies geschah vor allem aufgrund kriegsbedingter Versorgungsengpässe und der Einsicht Joseph Goebbels', dass die polemische Diffamierung von Rauchern – die einen Großteil der Bevölkerung und der Soldaten ausmachten – demotivierend wirkte und die Kriegsanstrengungen gefährden könnte.

Welche Rolle spielte das Unternehmen Reemtsma in diesem Kontext?

Reemtsma war ein zentraler Akteur, der durch ein "Zweckbündnis" mit dem NS-Regime und die Verbreitung propagandistischer Sammelalben sowohl wirtschaftliche Vorteile sicherte als auch zur Festigung der NS-Ideologie in der Bevölkerung beitrug.

Inwiefern beeinflusste die Rassenhygiene die Tabakpolitik?

Die Ideologen des Regimes betrachteten Tabak als "Rassengift" oder "Fremdkörper", der die biologische Wehrkraft und Fruchtbarkeit der "arischen Rasse" schwäche und somit eine direkte Gefahr für den "Volkskörper" darstelle.

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Details

Titel
Das Verhältnis von Werbung und Propaganda in der Anti-Tabak-Politik im Dritten Reich
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Autor
Dominik Jesse (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
72
Katalognummer
V469966
ISBN (eBook)
9783668945043
ISBN (Buch)
9783668945050
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unser führer verhältnis werbung propaganda anti-tabak-politik dritten reich
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dominik Jesse (Autor:in), 2019, Das Verhältnis von Werbung und Propaganda in der Anti-Tabak-Politik im Dritten Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/469966
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Leseprobe aus  72  Seiten
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