Ärzte und Physiotherapeuten im ambulanten Sektor. Wie kann die interdisziplinäre Kooperation verbessert werden?


Hausarbeit, 2019
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis derAbkurzungen

1.Einleitung

2.Bedeutung von interdisziplinarer Kooperation 2

3.Ausgangssituation
3.1. Funktion des Arztes
3.2. Funktion des Physiotherapeuten
3.3. Barrieren in der interdisziplinaren Kooperation

4.Moglichkeiten der Forderung von interdisziplinarer Kooperation 6
4.1. Grundsatze fur Kooperationsformen
4.2. Organisationsformen
4.2.1. Praxisgemeinschaft
4.2.2. Medizinische Kooperationsgemeinschaft - Gemeinschaftspraxis
4.3. Rechtsformen
4.3.1. Gesellschaft des burgerlichen Rechts (GdbR)
4.3.2. Partnerschaftsgesellschaft(PartG)
4.3.3. Gesellschaft mit beschrankter Haftung (GmbH)
4.4. Kommunikation

5.Kritische Betrachtung

6.Fazit

7.Abstract

8.Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abkurzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Einleitung

„Die wachsenden Herausforderungen einer generationenspezifischen Gesundheitsversorgung erfordern eine hausarztliche Primarversorgung, die zukunftig starker arbeitsteilig, interdisziplinar und professionsubergreifend ausgerichtet sein muss“ (Sachverstandigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen 2009, S. 430).

In dieser Aussage des Sachverstandigenrates zur Begutachtung der Entwick­lung im Gesundheitswesen werden wachsende Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung genannt. Unter anderem liegt eine Herausforderung in den Zusammenhangen und Folgen des demographischen Wandels. Durch den Anstieg des Altersdurchschnitts kommt es zu einer Haufung von multimorbiden und chronisch erkrankten Menschen, welche hohere Anforderungen an die Gesundheitsversorgung stellen und die entstehenden Gesundheitskosten uber- proportional steigen lassen (vgl. Sottas 2016).

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, wird laut Sachverstandigenrat eine berufsubergreifende Zusammenarbeit in der hausarztlichen Primarver­sorgung benotigt. Diese berufsubergreifende Zusammenarbeit beinhaltet die interdisziplinare Kooperation, welche einen hohen Stellenwert in der patienten- orientieren Gesundheitsversorgung des ambulanten Sektors hat.

Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit liegt in der Analyse dieser interdisziplinaren Kooperation zwischen Arzten und Physiotherapeuten1im ambulanten Sektor. Sie hat zum Ziel, Moglichkeiten zur Qualitatsverbesserung und Effizienz- steigerung aufzuzeigen, um zukunftig eine flachendeckende ambulante Versorgung gewahrleisten zu konnen.

Zunachst wird in der Arbeit die Bedeutung von interdisziplinarer Kooperation naher erlautert. AnschlieGend wird die aktuelle Ausgangssituation mit den Rollenverteilungen der Akteure und den vorhandenen Barrieren dargestellt. Daruber hinaus geht es im folgenden Abschnitt um die Moglichkeiten der Forderung der interdisziplinaren Kooperation. Hierbei werden zunachst die zu beachtenden Grundsatze, anschlieBend die organisatorisch und rechtlich er- laubten Kooperationsformen fur raumlich nahe Zusammenarbeit betrachtet und erganzend die Moglichkeiten der Kommunikationsverbesserung zwischen den Akteuren der Berufe analysiert. AbschlieGend werden die aufgezeigten Aspekte zur derzeitigen Situation kritisch reflektiert und die Ergebnisse der Arbeit in einem Fazit erlautert.

2.Bedeutung von interdisziplinarer Kooperation

lm Folgenden werden fur einen Einstieg in die Thematik und fur ein besseres Verstandnis die Begriffe Interdisziplinaritat und Kooperation beziehungsweise interdisziplinare Kooperation definiert und geklart. Dazu dient folgendes Zitat:

„Die Bezeichnung der interdisziplinaren Oder interprofessionellen Zusammenarbeit im Gesundheitswesen wird vielfach als Sammel- Oder Oberbegrifffur verschiedene Formen berufsgruppenubergreifender Zusammenarbeit genutzt. Es besteht ein Grundkonsens, dass bei dieser Form der Kooperation alle Beteiligten auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten und ihre Arbeit unter dieser gemeinsamen Perspektive (...) koordinieren" (Sachverstandigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen 2018, S.475).

Zur Erlauterung dieses umfangreichen Zitats werden zunachst die Einzel-begriffe definiert. Interdisziplinar wird haufig synonym zu interprofessionell genutzt. Beschrieben wird die Interaktion zwischen verschiedenen Wissen-schaften, welche nicht nur einfache Kommunikation, sondern auch wechsel-seitige Integration in Forschung und Lehre beinhalten kann. Die Interaktion zwischen den beteiligten Berufsgruppen wird verstarkt, sofern sich an einem gemeinsamen Dritten orientiert werden kann (vgl. Kalble 2004).

Der Begriff Kooperation wird als Zusammenarbeit verstanden, welche geplant und funktionsorientiert ablauft. Diese kann entweder durch direkte raumliche Nahe Oder indirekt durch einen weiteren Kommunikationskanal zeitversetzt erfolgen. Eine Voraussetzung hierfur ist eine Autonomie bezuglich der Entscheidungs- und Handlungsfreiheit auf Seiten der beteiligten Akteure (vgl.ebd.).

In oben genanntem Zitat wird beschrieben, dass die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Wissenschaften Oder Berufen koordiniert und mit gemeinsamen Zielen erfolgt. Im Fall der interdisziplinaren Kooperation zwischen Arzten und Physiotherapeuten sollte dieses Ziel im Wohlergehen des Patienten liegen. Bei dieser Form der Zusammenarbeit werden die unter- schiedlichen Spezialisierungen, Sichtweisen, Kompetenzen und die beruflichen Stellungen berucksichtigt und zum Wohle des Patienten spezifisch nutzbar gemacht, damit dieser auf qualitativ hochwertige, patientenorientierte Weise versorgt werden kann (vgl. Kalble 2004). Um dies zu erreichen, erfordert es einen regelmaGigen und direkten Austausch zwischen alien Beteiligten (vgl. Sachverstandigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen 2018).

Interdisziplinare Kooperation ist ein wunschenswerter Arbeitsmodus, welcher Verbesserungen zum Wohle des Patienten und der Akteure mit sich bringt. Gut gelingende Zusammenarbeit kann kurze Wege und niedrigschwellige Ab- stimmungsmoglichkeiten mit sich bringen (vgl. Atzeni, Berchtold & Schmitz 2017).

Durch die Aufgabenverteilungen in interprofessionellen Teams werden die Fahigkeiten und Kompetenzen der einzelnen Fachpersonen optimal eingesetzt und so die Effizienz gesteigert. Dies kann die Berufszufriedenheit starken und somit die Zahlen der Berufsfluchtigen im Gesundheitswesen reduzieren. AuGer- dem konnen durch koordiniertes Zusammenwirken kostentreibende Doppel- spurigkeiten vermieden werden. Das kooperative Verhalten der Akteure bietet einen proaktiven Einbezug der Patienten, welcher durch die Vermittlung er- hohter Aufmerksamkeit und Zuwendung eine tiefere Frequentierung von Leistungserbringern erreicht und auf diese Weise Kosten reduziert (vgl. Sottas 2016).

3.Ausgangssituation

3.1.Funktion des Arztes

Der Arzt nimmt in der deutschen Gesundheitsversorgung eine zentrale Rolle ein, die zu Teilen aus den rechtlichen Rahmenbedingungen resultiert. Arzte uben die Heilkunde aus, welche sich als berufs- Oder gewerbsmaGig vor- genommene Tatigkeit zur Feststellung, Heilung und Linderung von Krankheiten, Leiden Oder Korperschaden bei Menschen definiert (vgl. HeilprG §1 Absatz 2).

Folglich muss ein Patient bei Beschwerden unklarer Genese zunachst einen Arzt aufsuchen. Dieser untersucht den Patienten und versucht, eine Diagnose zu stellen. Falls er dann in seinem Fachbereich keine Diagnose stellen kann, der Patient jedoch weiterhin Beschwerden hat, so ist er angehalten, diesen an einen weiteren Facharzt zu uberweisen, bis die Ursache bekannt ist und eine Diagnose gestellt werden kann (vgl. Sachverstandigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen 2007).

Beim Vorliegen von Indikationen, bei denen Heilmittel verordnungsfahig sind, hat der Arzt die Moglichkeit, eine Heilmittelverordnung auszustellen. Diese wird dann durch dafur ausgebildete Heilmittelerbringer im Gesundheitswesen erbracht. Hierzu zahlen unter anderem Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopaden. Der Arzt gibt auf dem Verordnungsbogen die Rahmen- bedingungen der Behandlung vor, welche fur den Heilmittelerbringer bindend sind. Darin enthalten sind unter anderem die Diagnose mit vollstandigem Indikationsschlussel und Therapiezielen, die Verordnungsmenge mit der Empfehlung der Frequentierung und das jeweilige Heilmittel gemaG dem Heil- mittelkatalog. Sofern der Arzt es fur notwendig halt, kann er auf dem Verordnungsvordruck bei dem Therapeuten einen schriftlichen Therapiebericht nach der Behandlungsserie anfordern (vgl. Gemeinsamer Bundesausschuss 2011).

Das MaG der interdisziplinaren Kooperation zwischen Arzten und Physio­therapeuten kann von der Verordnung der Heilmittel und der Forderung von Abschlussberichten bestimmt werden. Daruber hinaus kann es, vor allem nach Operationen sinnvoll sein, einen Bericht an den Physiotherapeuten beizufugen, in welchem Angaben zum Operationsinhalt und dem postoperativen Behandlungsschema erlautert werden. Bei Fragen und Problemen in der Be­handlung durch den Physiotherapeuten steht der Arzt als Ansprechpartner zur Verfugung. Einen allgemeingultigen Kommunikationskanal gibt es hierfur jedoch nicht. AuGerdem ist es dem Arzt aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen untersagt, Patienten an einen bestimmten Physiotherapeuten zuzuweisen. Nur auf Nachfrage des Patienten darf der Arzt eine Empfehlung aussprechen, welche auf fachlicher Qualifikation des Therapeuten basieren sollte.

3.2.Funktion des Physiotherapeuten

In der deutschen Gesundheitsversorgung gilt der Physiotherapeut als Heilmittel- erbringer. Er ist somit eng an die Richtlinien fur Heilmittel und an die Vorgaben der Arzte durch Verordnung gebunden. Der Arzt stellt eine physio- therapeutische Indikation fest, woraufhin der Patient eine zugehorige Heilmittel- verordnung erhalt. Von einem Physiotherapeuten durfen nur Patienten mit dieser entsprechenden Heilmittelverordnung behandelt werden. Der Therapeut ist an die in dieser Verordnung enthaltenen Informationen und Vorgaben gebunden und kann lediglich nach Rucksprache und mit dem Einverstandnis des Arztes Veranderungen vornehmen (vgl. Gemeinsamer Bundesausschuss 2011).

Wenn Patienten mit einer gultigen Verordnung beim Physiotherapeuten vor- stellig werden, urn sich dort behandeln zu lassen, schlieGt der Patient mit dem Physiotherapeuten einen Behandlungsvertrag. Neben der Durchfuhrung der verordneten physiotherapeutischen MaGnahmen umfasst die Leistungs- beschreibung von Physiotherapie unter anderem das Aufstellen eines individuellen Behandlungsplans, die Hilfeleistung des Therapeuten und die Verlaufsdokumentation. Zur Verlaufsdokumentation zahlt auch die Erstellung eines Therapieberichts an den verordnenden Arzt gegen Ende der Behandlungsserie, sofern der Arzt dies auf der Verordnung kenntlich gemacht hat (vgl. SGB V §125 Absatz 1).

Ein solcher Therapiebericht sollte die Verordnung selbst, das Ergebnis der therapeutischen Befunderhebung mit Therapiezielen, durchgefuhrten MaG- nahmen und einer prognostischen Einschatzung umfassen. Daruber hinaus ist eine klare und nachvollziehbare Begrundung bei Anforderung einer Folge- verordnung gefordert. Diese Dokumentation hilft dem Arzt bei der Einschatzung der Effektivitat verordneter MaGnahmen und fordert den interdisziplinaren Austausch (vgl. Goebel & Schultz 2011).

Daruber hinaus steht der Arzt dem Physiotherapeuten bei Fragen Oder Problemen in der Heilmittelerbringung zur Verfugung. Sofern keine raumliche Nahe vorliegt, bildet das Telefon nach Ansicht der Arzte und Physiotherapeuten den wichtigsten Kommunikationskanal zum Austausch (vgl. van der Maas 2014).

[...]


1Gemeint sind in der Arbeit stets alle Geschlechter. Aus Grunden der Lesbarkeit wird auf die Nennung aller Formen verzichtet.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Ärzte und Physiotherapeuten im ambulanten Sektor. Wie kann die interdisziplinäre Kooperation verbessert werden?
Hochschule
Fachhochschule Kiel  (Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit)
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
22
Katalognummer
V470035
ISBN (eBook)
9783668945647
ISBN (Buch)
9783668945654
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ärzte, physiotherapeuten, sektor, kooperation
Arbeit zitieren
Jan Bastian (Autor), 2019, Ärzte und Physiotherapeuten im ambulanten Sektor. Wie kann die interdisziplinäre Kooperation verbessert werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470035

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