Kompetenzorientierte Erarbeitung und Erprobung eines Stretching- Programms

Planung, Durchführung und Analyse einer Unterrichtssequenz mit einer 9. Klasse


Examensarbeit, 2019

53 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sachanalyse
2.1 Sportmotorische Fähigkeiten
2.1.1 koordinative Fähigkeiten
2.1.2 konditionelle Fähigkeiten
2.1.3 Beweglichkeit
2.1.3.1 Einflussfaktoren auf Beweglichkeit
2.1.3.2 Arten der Beweglichkeit
2.1.3.3 Beweglichkeitstraining
2.1.3.4 Methoden des Beweglichkeitstrainings
2.1.3.5 Beweglichkeitstraining im Kindes- und Jugendalter
2.2 Kompetenzorientierter Unterricht
2.2.1 Kompetenzorientierter Sportunterricht
3 Didaktische Analyse
3.1 Pädagogische Analyse
3.2 Lehrplanbezug
3.3 Einordnung der Unterrichtssequenz
3.4 Lernziele
3.4.1 Hauptziel
3.4.2 Teilziele
3.5 Didaktische Überlegungen

4 Methodik
4.1 Testung der motorischen Leistungsfähigkeit der Schüler
4.1.1 1. Und 2. Durchführung der Testverfahren
4.1.2 Angewandte Testverfahren
4.1.2.1 Rumpfbeuge
4.1.2.2 Grätschsitz
4.1.2.3 Active Straight-Leg Raise
4.1.2.4 Links-Rechts-Sprünge
4.1.2.5 Shuttle-Run Test
4.2 Darstellung der Unterrichtssequenz
4.3 Bereitstellen von Medien
4.3.1 Film „Notwendigkeit guter Beweglichkeit“
4.3.2 PowerPoint Präsentation
4.3.3 Arbeitsblätter
4.3.4 9a Stretching Buch
4.3.5 Dehn-Tagebuch

5 Evaluation
5.1 Auswertung der Testungen zur motorischen Leistungsfähigkeit
5.2 Notengebung
5.3 Auswertung der Dehn-Tagebücher

6 Reflexion der Unterrichtseinheit

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang
8.1 Geplante Stundenverläufe
9.1.1 1. Unterrichtseinheit
9.1.2 Folgestunden
9.2 1. Arbeitsauftrag Gruppenarbeit
9.3 2. Arbeitsauftrag Gruppenarbeit
9.4 Linkempfehlungen
9.5 Dehn-Tagebuch
9.6 Dehn-Tagebuch Rückseite

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Systematisierung motorischer Fähigkeiten

Abbildung 2: Kompetenzstrukturmodell LehrplanPLUS RS Bayern

Abbildung 3 entfernt

Abbildung 4 entfernt

Abbildung 5: Notenzusammenstellung

Abbildung 6 entfernt

Abbildung 7 entfernt

Abbildung 8: Auswertung Gruppe "Schüler mit schlechter Beweglichkeit"

Abbildung 9: Auswertung Gruppe "Schüler mit guter Beweglichkeit"

Abbildung 10: Auswertung Gruppe "Schüler mit normaler Beweglichkeit"

Abbildung 11: Auswertung der Dehn-Tagebücher

Jonathan Kimpel

Kompetenzorientierte Erarbeitung und Erprobung eines Stretching-Programms unter besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen auf die motorische Leistungsfähigkeit – Planung, Durchführung und Analyse einer Unterrichtssequenz mit einer 9. Klasse

1 Einleitung

Die Bedeutung der motorischen Fähigkeiten bei der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist in der Sportpädagogik unumstritten und vielfach wissenschaftlich belegt (Oerter R., 2002, p. 32). Gut entwickelte sportmotorische Fähigkeiten bilden zudem einen lebenslangen Schutzfaktor zur Bewältigung von Alltagsanforderungen und wirken dem Risikofaktor Bewegungsmangel entgegen (Starker, 2007). Da die Beweglichkeit als eine der motorischen Leistungsfähigkeiten zu nennen ist, lässt sich die Erarbeitung eines Stretching-Programms im Schulsport rechtfertigen und unter dem Punkt „Gesundheit“ im Lehrplan der bayrischen Realschule wiederfinden. Durch die Durchführung der Unterrichtssequenz sollen die Schüler die wichtigsten Grundlagen des Dehnens verinnerlichen. Dehnen vor dem Sport kann Leistungen optimieren. Dehnen nach dem Sport kann eine regenerative Funktion einnehmen. Allgemein kann Dehnen als gezieltes Beweglichkeitstraining eingesetzt werden. Die Schüler werden durch die Durchführung des Stretching-Programms das nötige Wissen erwerben, um sich selber auch außerhalb der Schule zielführend zu erwärmen und zu regenerieren. Im Zuge der Erarbeitung sollen die Schüler Medien eigenständig nutzen, in Kleingruppen kooperieren und eine Buchseite kreativ und sinnvoll gestalten. Weiterhin müssen sie eine Dehnübung vor der Klasse präsentieren und ihre Mitschüler in der Durchführung der Übung verbessern. Ziel der Sequenz ist, dass die Schüler eigenverantwortlich selbsttätig werden und regelmäßig Stretching-Übungen aus dem entwickelten Dehnhandbuch zu Hause durchführen.

2 Sachanalyse

2.1 Sportmotorische Fähigkeiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Systematisierung motorischer Fähigkeiten

(Bös, 1994)

Unter sportmotorischen Fähigkeiten versteht man in der Sportwissenschaft die Gesamtheit der jeweils im Komplex wirkenden Leistungsvoraussetzungen. Als eine mögliche theoretische Grundlage zur Beschreibung der motorischen Fähigkeiten kann der differenzierte fähigkeitsorientierte Ansatz genannt werden. Dieser Ansatz stellt ein Beschreibungssystem für die einzelnen Dimensionen der motorischen Fähigkeiten dar (Bös, 1994). Die motorischen Fähigkeiten erfassen somit alle Steuerungs- und Funktionsprozesse, die der Haltung und den sichtbaren Bewegungsprozessen zugrunde liegen. Die motorischen Fähigkeiten lassen sich in die konditionellen (energetischen) Fähigkeiten und die koordinativen (informationsorientierte) Fähigkeiten einteilen. Als die konditionellen Fähigkeiten sind somit die Ausdauer, die Kraft und die Schnelligkeit zu nennen. Die Einordnung der Beweglichkeit ist wissenschaftlich kontrovers diskutiert. So wird sie häufig als eine der konditionellen Fähigkeiten genannt, kann allerdings auch als eigenständige motorische Beanspruchungsform neben den koordinativen und konditionellen Fähigkeiten genannt werden (Weineck, 2007). So wird die Beweglichkeit in dem bereits genannten differenzierten fähigkeitsorientierten Ansatz als passives System der Energieübertragung angesehen, das die Eigenschaften der Gelenke und des Skelettsystems charakterisiert (siehe Abbildung 1) Die koordinativen Fähigkeiten sind in die Kopplungs-, die Differenzierungs-, die Gleichgewichts-, die Rhythmisierungs-, die Reaktions- und die Umstellungsfähigkeit unterteilt und lassen sich im Gesamtkonstrukt als Gewandtheit verstehen (M. Grosser, Starischka, & Zimmermann, 2008, p. 9).

2.1.1 koordinative Fähigkeiten

Die koordinativen Fähigkeiten werden als die Ordnung und Organisation von Bewegungen und damit auch der zugrunde liegenden inneren Prozesse der Vorbereitung, Steuerung und Regelung in Ausrichtung auf ein Ziel bzw. einen Zweck (Meinel, 2007). Mit anderen Worten, ist es also die Fähigkeit des Menschen, komplizierte Bewegungen genau, schnell und unter verschiedenen Bedingungen durchzuführen. Eine gut ausgeprägte Koordination beschleunigt und effektiviert das Erlernen von Fertigkeit, erhöht den Wirkungsgrad der bereits angeeigneten Fertigkeiten und fördert ihre situationsadäquate Anwendung. Weiterhin bestimmt sie den Ausnutzungsgrad der konditionellen Fähigkeiten durch genaue Krafteinsätze und energiesparende Entspannung (Hirtz, 1994).

2.1.2 konditionelle Fähigkeiten

Die konditionellen Fähigkeiten werden durch angeborene Gegebenheiten und durch die motorische Entwicklung geprägt. Sie unterliegen einem natürlichen Veränderungsprozess durch Wachstum und Entwicklung, durch Alltagsbelastungen und dem Alterungsprozess. Durch die Einwirkung bestimmter Reize lassen sich die konditionellen Fähigkeiten weiterentwickeln und auch durch Veränderungsprozesse wie Alterung erhalten (Thomschke, 2018). Im Folgenden seien die drei konditionellen Fähigkeiten Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit knapp umschrieben, da diese zu einer vollständigen Erarbeitung der sportmotorischen Fähigkeiten dazu gehören. Weiterhin erfolgt im Zuge dieser Arbeit eine Evaluation, die auch Teile der konditionellen Fähigkeiten untersucht. Die Ausdauer wird als die Ermüdungswiderstandsfähigkeit und die schnelle Erholungsfähigkeit bezeichnet. Sie lässt sich grob in die Langzeitausdauer (ab 10 Min), die Mittelzeitausdauer (2-10 Min) und die Kurzzeitausdauer (35 Sek – 2 Min) unterteilen (M. Grosser et al., 2008). Die Kraft ist im Sport die Fähigkeit des Nerv-Muskel-Systems, durch Innervations- und Stoffwechselprozesse mit Muskelkontraktion Widerstände zu überwinden (konzentrische Arbeit), ihnen entgegenzuwirken (exzentrische Arbeit) beziehungsweise sie zu halten (statische Arbeit) (M. Grosser et al., 2008). Die Schnelligkeit lässt sich allgemein in die Reaktionsschnelligkeit, also die psychophysische Fähigkeit auf Reize oder Signale schnell zu reagieren und in die Bewegungsschnelligkeit, also die Fähigkeit, Bewegungen in höchster Geschwindigkeit oder in kürzester Zeit auszuführen unterteilen (M. Grosser et al., 2008).

2.1.3 Beweglichkeit

Beweglichkeit ist ein relativ eigenständiges Merkmal der sportlichen Leistungsfähigkeit. Der Beweglichkeit lässt sich innerhalb der motorischen Hauptbeanspruchungsformen, nebst konditioneller und koordinativer Fähigkeit eine Mittelstellung zuschreiben (Weineck, 2007). Sportwissenschaftlich lässt sich die Beweglichkeit wie folgt definieren: „Beweglichkeit ist eine motorische Fähigkeit. Sie ist gekennzeichnet durch die Amplitude, die durch innere oder mit Hilfe äußerer Kräfte in der Endstellung des Gelenks erreicht werden kann“ (Manfred Grosser, Starischka, & Zimmermann, 2004, p. 13). Oft werden für Beweglichkeit Begriffe wie Dehnfähigkeit, Flexibilität oder Gelenkigkeit synonym verwendet. Diese Begriffe gilt es allerdings zu unterscheiden. Die Begriffe Dehnfähigkeit und Flexibilität beziehen sich auf Muskeln, Sehnen, Bänder, Faszien und Gelenkkapseln. Jedoch nicht auf die Gelenke, da diese nicht gedehnt werden können. Wohingegen sich Gelenkigkeit auf die Gelenksstruktur bezieht. Somit lässt sich die Beweglichkeit als ein Zusammenspiel aus Dehnfähigkeit und Gelenkigkeit beschreiben. Die Notwendigkeit von Beweglichkeit wird durch folgende Punkte deutlich. Sie ist elementar um die Verletzungsanfälligkeit der beanspruchten Muskeln, Sehnen und Bänder zu reduzieren und um den motorischen Lernprozess beschleunigt ablaufen zu lassen. Weiterhin ist sie notwendig um bei Kraft-, Schnelligkeits- und Ausdauerleistungen die Antagonisten nicht zu behindern und um längere Beschleunigungswege nutzen zu können. Ebenso wichtig ist sie um eine ökonomische Bewegungsausführung zu gewährleisten. Des Weiteren werden durch Beweglichkeit muskuläre Dysbalancen vermieden (Weineck, 2007).

2.1.3.1 Einflussfaktoren auf Beweglichkeit

Gute Beweglichkeit wird bewerkstelligt durch das Zusammenwirken der elastischen Eigenschaften von Muskeln, Sehnen und Bändern. Voraussetzung ist natürlich eine Funktionsfähigkeit der Gelenke. Es gibt einige weitere Einflussfaktoren auf die Beweglichkeit. So spielen auch das Alter, das Geschlecht, die psychische Spannung, die Tageszeit, die Temperatur und das Aufwärmen oder die Muskelermüdung eine wichtige Rolle in der Gesamtbetrachtung der Beweglichkeit. Auf diese Faktoren sei hier allerdings nicht genauer eingegangen (Weineck, 2007, p. 166)

2.1.3.2 Arten der Beweglichkeit

Es gibt sechs verschiedene Unterteilungen der Beweglichkeit. Diese sind die allgemeine und spezielle, aktive und passive Beweglichkeit und Eigen- und Fremddehnung. Allgemeine Beweglichkeit bezeichnet die Beweglichkeit in den wichtigsten Gelenksystemen während die spezielle Beweglichkeit die Beweglichkeit in einem bestimmten Gelenk benennt. Die aktive Beweglichkeit steht für die größtmögliche Bewegungsamplitude in einem Gelenk, die man durch Kontraktion der Agonisten und Dehnung des Antagonisten erreichen kann. Bei der passiven Beweglichkeit handelt es sich um die größtmögliche Bewegungsamplitude in einem Gelenk, die man durch Einwirkung äußerer Kräfte erreichen kann (Weineck, 2007, p. 153).

2.1.3.3 Beweglichkeitstraining

Das übergeordnete Ziel beim Beweglichkeitstraining ist die gesteigerte Muskeldehnfähigkeit und die Verbesserung der allgemeinen, oder der speziellen Beweglichkeit. Zudem verbessert Beweglichkeitstraining die inter- und intramuskuläre Koordination und fördert die Körperwahrnehmung und das körperliche Wohlbefinden. Außerdem beugt Beweglichkeitstraining dem degenerativen Funktionsverlust von Gelenken, Sehnen, Bindegewebe und Muskulatur vor und hemmt muskuläre Dysbalancen (Weineck, 2007, p. 167). Für das Training der Beweglichkeit bieten sich gesonderte Trainingsabschnitte an. So mach zu Beginn einer Trainingseinheit ein dynamisches Beweglichkeitstraining und am Ende ein statisches Cool-Down Sinn.

2.1.3.4 Methoden des Beweglichkeitstrainings

Dehnmethoden werden zunächst in entweder aktives oder passives Dehnen eingeteilt. Aktives Dehnen bedeutet, dass der Muskel (Agonist) durch Kontraktion des Gegenmuskels (Antagonist) in die Dehnstellung gebracht wird, während passives Dehnen immer äußere Kräfte, wie die Schwerkraft, ein Hilfsmittel oder einen Partner benötigt. Weiterhin können aktive und passive Dehnübungen entweder statisch oder dynamisch durchgeführt werden. Bei einer dynamischen Ausführung wird die Muskulatur in die Dehnposition gebracht und anschließend eine federnde oder wippende Bewegung durchgeführt, während bei einer statischen Dehnausführung die Dehnposition gehalten wird. Weitere Formen des Beweglichkeitstrainings sind als Ausführung der PNF-Methodik (propriozeptiven neuromuskulären Fazilitation) zum Beispiel die CHRS-Methode (Contract-Hold-Release-Stretching). Hier wird nach einer Anspannungsphase, die Spannung gehalten, anschließend der Muskel entspannt um ihn schließlich zu dehnen (Lindel, 2006).

2.1.3.5 Beweglichkeitstraining im Kindes- und Jugendalter

Im späten Schulkindalter nimmt die Beweglichkeit der Wirbelsäule und des Hüft- und Schultergelenks nur noch in den Richtungen zu, in denen die Beweglichkeit geschult wird. Deshalb ist es wichtig die Hauptarbeit der Beweglichkeitsschulung in diesen Zeitraum zu legen. Während der Pubertät kann eine Verschlechterung der Beweglichkeit festgestellt werden, da Muskeln und Bänder mit dem Längenwachstum des restlichen Körpers nicht mithalten können. Die verminderte mechanische Belastbarkeit der Jugendlichen erfordert eine sorgfältige Auswahl der Übungsinhalte, der Übungsintensität und des Übungsumfanges beim Erstellen des Beweglichkeitstrainings (Weineck, 2007).

2.2 Kompetenzorientierter Unterricht

Eine Kompetenz stellt die Verbindung von Wissen und Können her und ist als Befähigung zur Bewältigung unterschiedlicher Situationen zu sehen (Klieme, 2002). Die Kompetenzorientierung im Unterricht steht somit für den Anspruch, dass die Ergebnisse des Lernens in der Schule handlungsrelevant, praktisch anwendbar, sowie persönlich und gesellschaftlich bedeutsam sein sollen. Die Aufmerksam der Lehrer gilt nunmehr dem anzustrebenden Können der Schüler und nicht mehr nur den im Unterricht zu behandelnden Inhalten (Heymann, 2004). Kompetenzorientierung lässt sich demnach als eine etwas andere Form der Zielorientierung im Unterricht verstehen, die den Blick nun mehr auf die Schülerinnen und Schüler richtet. Konkret heißt das für den Unterricht, dass er schülerorientiert, aber gleichzeitig auch ergebnisorientiert und prozessorientiert sein sollte. Schüler werden stärker zum eigenen Denken und zu selbstständigem Arbeiten motiviert.

2.2.1 Kompetenzorientierter Sportunterricht

Im Zuge des 2015 veröffentlichten LehrplanPLUS für die Realschule in Bayern wurde ein Kompetenzstrukturmodell für das Fach Sport entwickelt. Vereinfacht gliedert sich dieses Kompetenzmodell in zwei Bereiche. So lassen sich die prozessbezogenen Kompetenzen und die inhaltsbezogenen Kompetenzen nennen. Letztere werden von den Schülern in drei verschiedenen Gegenstandsbereichen erworben. Die Gegenstandsbereiche sind zusätzlich zu den sportlichen Handlungsfeldern die Bereiche „Gesundheit und Fitness“, „Freizeit und Umwelt“ sowie „Fairness, Kooperation und Selbstkompetenz“. Diese Gegenstandsbereiche sind selbstverstehend eng miteinander verknüpft und bedingen einander (Förschner, 2015). Die prozessbezogenen Kompetenzen gliedern sich nicht nur in die Bereiche Leisten, Gestalten und Spielen. Sie werden durch die Komponenten „wahrnehmen, analysieren, bewerten“, „entscheiden, handeln, verantworten“, sowie „kooperieren, kommunizieren und präsentieren“ ergänzt. Im Folgenden seien die einzelnen Komponenten kurz erklärt. Leisten bedeutet im Sportunterricht, sportliches Handeln der Schüler und die dabei erzielten Ergebnisse in Bezug zu Gütekriterien zu setzen und sie entsprechend zu beurteilen. Gestalten meint, dass die Schüler auf der Grundlage von vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten variantenreich und kreativ Bewegungshandlungen gestalten. Spielen umfasst alle wesentlichen Sportspiele, die nach wie vor wichtige Grundlage des schulischen Sportunterrichts sind. Der Bereich „Wahrnehmen, analysieren und bewerten“ zielt auf die Körper- und Bewegungswahrnehmung mit verschiedenen Sinnen, sowie die Analyse und Bewertung dieser Sinneswahrnehmungen. Auf Grundlage dieser Wahrnehmung und Analyse sollen die Schüler lernen situationsgerechte Entscheidungen zu treffen und entsprechend zu handeln, was die Komponente „entscheiden, handeln, verantworten“ umschließt. Der Bereich „kooperieren, kommunizieren, präsentieren“ soll die Schüler befähigen auch theoretische Inhalte zu kommunizieren und sich im Sportunterricht fair und kooperativ zu verhalten. Natürlich sind die sportlichen Handlungsfelder nach wie vor das Zentrum des Sportunterrichts und beinhalten alle zu unterrichtenden Inhalte. Die großen drei Lernfelder „Gesundheit und Fitness“, „Fairness, Kooperation, Selbstkompetenz“, sowie „Freizeit und Umwelt“ bilden wie bereits im alten Lehrplan die Grundlage für die inhaltliche Unterrichtsplanung in allen Jahrgangsstufen (Förschner, 2015).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Kompetenzstrukturmodell LehrplanPLUS RS Bayern

(Förschner, 2015)

3 Didaktische Analyse

3.1 Pädagogische Analyse

Der männliche Teil der Klasse 9a der staatlichen Realschule R. besteht aus 27 Schülern. Das Klassenklima in dieser Klasse lässt sich als angenehm bezeichnen. In jüngster Zeit gab es allerdings Fälle von Differenzen zwischen einzelnen Schülern. Die aktive Teilnahme am Unterricht ist in großen Teilen der Klasse gut. Der sportliche Leistungsstand der Schüler ist allgemein als homogen zu bezeichnen, was natürlich sportartenabhängig variiert. Allerdings weisen einzelne Schüler gravierende Probleme bezüglich koordinativer Fähigkeiten, wie der Kopplung verschiedener Bewegungen auf. Weiterhin hat ein kleiner Anteil der Klasse Probleme mit Kräftigungs- und Mobilisationsübungen.

3.2 Lehrplanbezug

Die Erarbeitung und Erprobung eines Stretching-Programms ist im Lehrplan der bayrischen Realschule unter dem Punkt Gesundheit verankert. Schon in den einleitenden Zeilen wird im Lehrplan auf die wesentliche Aufgabe des Sportunterrichts in der 9. Jahrgangsstufe eingegangen, die darin besteht „Haltungs- und Organleistungsschwächen durch gezielte körperliche Belastungen abzubauen.“ Der Punkt Beweglichkeit findet sich explizit im Lehrplanabschnitt 9.1 Gesundheit gesondert wieder. So sollen für den Sport wichtige Muskelgruppen, die zur Verkürzung neigen, anhand von Stretching-Übungen erarbeitet und gedehnt werden. Weiterhin wird unter dem Punkt Sicherheits- und Körperbewusstsein aufgeführt, dass sich Schüler selbständig aufwärmen und zunehmend selbständig abwärmen.

3.3 Einordnung der Unterrichtssequenz

Im Zuge meiner Lehrprobe „Schulung der Kraftausdauer unter Berücksichtigung muskulärer Dysbalancen“ haben die Schüler der 9.Klasse schon einzelne Muskelpartien, die zur Abschwächung oder zur Verkürzung neigen kennen gelernt. Die Schüler wurden hier mit dem theoretischen Hintergrund vertraut gemacht und praktisch an das Training von zur Abschwächung neigenden Muskeln herangeführt. Da die zur Verkürzung neigenden Muskeln zwar während des gesamten Schuljahrs immer wieder gedehnt wurden, die Schüler hier aber noch keine Eigenarbeit leisteten, rundet diese Unterrichtssequenz das Thema Gesundheit hervorragend ab,

3.4 Lernziele

3.4.1 Hauptziel

Die Schüler entwickeln durch das kreative Erarbeiten, das gemeinsame Erproben und das eigenständige Vorstellen einer Stretching-Übung vor der Klasse ein grundlegendes Verständnis für die Notwendigkeit von Dehnübungen.

3.4.2 Teilziele

Die Schüler…:

(1) … lernen die grundlegende Theorie des Beweglichkeitstrainings kennen und können dynamisches und statisches, sowie aktives und passives Dehnen unterscheiden.
(2) … kooperieren in einer Kleingruppe und erarbeiten unter Zuhilfenahme von I-pads und Smartphones zur Internetrecherche kreative Dehnübungen für verschieden Muskelpartien.
(3) … erstellen in Eigenarbeit eine Buchseite im Wordformat zu der ihnen zugeteilten Dehnübung, die neben Bildern der wichtigsten Positionen auch eine genaue Bewegungsbeschreibung, die Dehnungsform, den zu dehnenden Muskel, sowie Hinweise zur Durchführung beinhaltet.
(4) … stellen während einer Gruppener- oder abwärmung die erarbeitete Stretchingübung vor und leiten diese an. Sie führen die Übung selbst vor, erklären auf was besonders zu achten ist und erkennen mögliche Fehlausführungen bei Mitschülern.
(5) … verinnerlichen den Nutzen von Dehnübungen in ihrem Gesundheitsbewusstsein, führen einzelne Übungen des Stretching-Buchs zu Hause durch und notieren diese im Dehntagebuch.

[...]

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Kompetenzorientierte Erarbeitung und Erprobung eines Stretching- Programms
Untertitel
Planung, Durchführung und Analyse einer Unterrichtssequenz mit einer 9. Klasse
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
53
Katalognummer
V470049
ISBN (eBook)
9783668985872
ISBN (Buch)
9783668985889
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dehnen, Stretching, Stretching-Programm, Dehnformen, Beweglichkeit, Konditionelle Fähigkeiten, Beweglichkeitstraining, Kompetenzorientierung
Arbeit zitieren
Jonathan Kimpel (Autor), 2019, Kompetenzorientierte Erarbeitung und Erprobung eines Stretching- Programms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470049

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