Zwischen den 60er und 80er Jahren kam es in der französischen Industrie zu einem erheblichen sektoralen, strukturellen und räumlichen Wandel. Grundlage hiefür waren die staatlichen Bemühungen, die Vormachtsstellung der Hauptstadt Paris zugunsten einer dezentralen Wirtschaftsentwicklung zu verringern. So kam es bereits 1960 zur Einrichtung von zunächst 21 Programmregionen, in denen die Politik der Dezentralisierung vollzogen werden sollte. Im Sinne der Wachstumspoltheorie von Perroux erhoffte man sich ausgehend von einer Schlüsselindustrie einen gesamtwirtschaftlichen Aufschwung der jeweiligen Region durch entsprechende Rückkopplungseffekte, auf lange Sicht also den Ausgleich der bestehenden regionalen Disparitäten.1Hinzu kam die Notwendigkeit des Staates auf die neuen Bedingungen der internationalen Konkurrenz und der Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu reagieren. Die staatliche Einflussnahme auf das Wirtschaftsgeschehen zeigte sich deshalb in besonderem Maße in der Förderung neuer Technologien.
Vor diesem Hintergrund kam es 1969 in der Planungsregion PACA (Provence, Alpes, Côtes d’Azur) zur Einrichtung des Technologieparks Valbonne-Sophia-Antipolis. Neben der Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze erhoffte man sich vor allem einen Ausgleich intraregionaler Disparitäten durch planmäßige Urbanisierung und infrastrukturelle Erschließung des Küstenhinterlandes von Cannes, Grasse und Antibes.
32 Jahre nach Gründung des Technologieparks soll nun in dieser Ausarbeitung anhand eines Rückblicks versucht werden, eine Bewertung der durch den Technologiepark ausgelösten Entwicklungseffekte vorzunehmen, sowie einen Ausblick in die Zukunft zu gewähren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Staatliche und kommunale Steuerungsversuche der räumlichen Ordnung der Wirtschaft
3. Technologie- und Gründerzentren als Instrument regionaler Wirtschaftspolitik
3.1. Wandel in der regionalen Wirtschaftspolitik
3.2. Technologie- und Gründerzentren
3.3. Ziele von Technologieparks
3.4. Leistungsangebot von Technologieparks
4. Der Technologiepark Valbonne-Sophia-Antipolis – ein Rückblick in die Vergangenheit
4.1. Entstehung, Planungsorganisation und Träger des Technologieparks
4.2. Lage und Entwicklungsziele
4.3. Die verschiedenen Entwicklungsphasen
5. Der Technologiepark heute
5.1 Die funktionelle Differenzierung und die bauliche Struktur
5.2 Unternehmensstruktur
5.3 Vorteile des Standortes
5.4 Eine kritische Betrachtung des Erfolges von Valbonne-Sophia-Antipolis
6. Ein Blick in die Zukunft
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Entwicklung, Struktur und Effekte des Technologieparks Valbonne-Sophia-Antipolis in Frankreich. Ziel ist es, unter Einbeziehung eines historischen Rückblicks eine wissenschaftliche Bewertung der durch den Technologiepark ausgelösten ökonomischen und regionalen Entwicklungseffekte vorzunehmen sowie Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen.
- Staatliche Dezentralisierung und regionale Wirtschaftspolitik in Frankreich
- Struktur und Funktionen von Technologie- und Gründerzentren
- Historische Genese und Planung des Technologieparks Valbonne-Sophia-Antipolis
- Analyse der Unternehmensstruktur und Standortvorteile
- Kritische Reflexion der regionalökonomischen Erfolge und Zielerreichung
Auszug aus dem Buch
4.2. Lage und Entwicklungsziele
Der Technologiepark Valbonne-Sophia-Antipolis liegt im Süden Europas an der Côte d’Azur, im Zentrum des Dreiecks Grasse, Cannes, Antibes. Er befindet sich in der Planungsregion P.A.C.A. (Provences-Alpes-Côte d’Azur) bzw. im Westen des Küstengebietes des Départements Alpes Maritimes, 20 km westlich von Nizza und 8 km nördlich von Antibes. Ein Großteil des Parks befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Valbonne.
Die Lokalisierung des Technologieparks im Hinterland der Côte d’Azur war eine deutliche Abkehr von den überkommenen räumlichen Strukturen industrieller Produktions- und Forschungsstätten. Die Standortwahl beinhaltete eine bewusste Distanz vom traditionellen Forschungs- und Verwaltungszentrum in Paris und spiegelte so die französischen Dezentralisierungsbemühungen wieder.
Zu den Entwicklungszielen zählten in erster Linie die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze, die Industrialisierung der Region sowie ein Ausgleich der interregionalen Disparitäten durch eine planmäßige Urbanisierung und infrastrukturelle Erschließung des Küstenhinterlandes. So war die Region P.A.C.A. lange Zeit durch eine Unterindustrialisierung gekennzeichnet, der größte Teil des Bruttoinlandsproduktes wurde im Dienstleistungssektor erwirtschaftet, wobei der Tourismusindustrie hier eine herausragende Rolle beizumessen ist. Die landschaftliche und klimatisch attraktive Lage der Region wurde jedoch zunehmend auch zu einem wertvollen Standortfaktor für forschungs- und technologieorientierte Unternehmen. So erhoffte man sich langfristig, auch im internationalen Wettbewerb um qualifizierte Forscher bestehen zu können und den französischen Wachstumsindustrien zusätzliche Innovationsschübe geben zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet den strukturellen Wandel in der französischen Industrie sowie die staatlichen Dezentralisierungsbestrebungen, die zur Gründung des Technologieparks führten.
2. Staatliche und kommunale Steuerungsversuche der räumlichen Ordnung der Wirtschaft: Dieses Kapitel erläutert regionale Disparitäten und die Bedeutung staatlicher Interventionen zur Steuerung der räumlichen Wirtschaftsstruktur in Frankreich.
3. Technologie- und Gründerzentren als Instrument regionaler Wirtschaftspolitik: Hier werden theoretische Grundlagen und Ziele von Technologie- und Gründerzentren als moderne Instrumente der Wirtschaftsförderung und Innovationspolitik definiert.
4. Der Technologiepark Valbonne-Sophia-Antipolis – ein Rückblick in die Vergangenheit: Dieses Kapitel beschreibt die Gründung, die institutionellen Träger, die geographische Lage und die historischen Entwicklungsphasen des Parks.
5. Der Technologiepark heute: Die funktionelle Struktur, die Unternehmenszusammensetzung, Standortvorteile sowie eine kritische Erfolgskontrolle bilden den inhaltlichen Schwerpunkt dieses Abschnitts.
6. Ein Blick in die Zukunft: Abschließend werden die geplanten Erweiterungskonzepte und die strategische Neuausrichtung des Technologieparks für die zukünftige Entwicklung thematisiert.
Schlüsselwörter
Sophia-Antipolis, Technologiepark, Frankreich, Regionalpolitik, Dezentralisierung, Strukturwandel, Innovation, Wirtschaftsförderung, Standortfaktoren, Informationstechnologie, Forschungszentrum, Wirtschaftsentwicklung, Arbeitsplatzschaffung, Valbonne, Côte d’Azur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung des Technologieparks Valbonne-Sophia-Antipolis in Frankreich und bewertet, inwiefern die gesetzten wirtschafts- und regionalpolitischen Ziele erreicht wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die staatliche Dezentralisierungspolitik, die Konzepte von Technologie- und Gründerzentren, die historische Entwicklung des Standortes, seine Unternehmensstruktur sowie die kritische Analyse von Standorteffekten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, den Technologiepark kritisch anhand von dessen Gründungshistorie und heutiger Bedeutung zu evaluieren und die durch ihn ausgelösten Entwicklungseffekte auf die Region zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, der Auswertung regionalstatistischer Daten und der Dokumentation der Planungshistorie des Technologieparks.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Technologieparks, einen Rückblick auf die Planung und Entstehung von Sophia-Antipolis sowie eine detaillierte Analyse der heutigen Struktur und Standortvorteile.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Technologiepark, Regionale Wirtschaftspolitik, Dezentralisierung, Innovation und Strukturwandel beschreiben.
Was wird über die Unternehmensstruktur in Sophia-Antipolis ausgesagt?
Die Struktur ist stark durch die Informationstechnologie geprägt, wobei ein Großteil der Unternehmen jedoch im Dienstleistungssektor angesiedelt ist; kleine Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern dominieren zahlenmäßig.
Welcher kritische Punkt wird hinsichtlich der Arbeitsplatzschaffung angeführt?
Die Autorin betont, dass der Park stark von der Verlagerung bestehender Abteilungen profitiert hat und oft nur einfache Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung bot, während hochqualifizierte Stellen häufig durch Transferpersonal besetzt wurden.
- Quote paper
- Janine Bittner (Author), 2002, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Technologieparks von Sophia-Antipolis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47010