David Safiers Roman "Mieses Karma". Eine Rezension


Essay, 2018
6 Seiten

Leseprobe

EINLEITUNG

Wir leben in einer globalisierten und multireligiösen Welt, in der die Technik und das Streben nach dem seelischen Frieden eine starke Popularität erreicht und die Menschen in dieser Dynamik einen Weg „The Way of Life“ suchen möchten ihr Leben anstädig zu managen. So sucht jeder Mensch für sich entweder den Weg seiner Eltern, die Fußstapfen seines Idols oder eine neue Erkenntnis aus Büchern oder Auslandsreisen. Die Zeit macht den Menschen zu dem was er ist. Die Zeit ist es, die rennt und man in Hektik verfällt seine Entscheidungen so schnell und korrekt wie möglich zu treffen. Diese Entscheidung trifft auch David Safiers Hauptfigur im Roman „Mieses Karma“. Kim Lange, die ihrer Familie durch den Stress der Arbeit als berühmte und erfolgreiche Fernsehmoderatorin keine Zeit aufopfern kann und eine schwierige Wahl zwischen Mann und Kind und der Arbeit und den männlichen Versuchungen, denen sie ausgesetzt ist treffen muss, was durch das Schicksal eigentlich schon nötigend getroffen wird und eine ganze Reihe von Ereignissen stattfindet, die ihr Leben und Charakter von Grund auf verändert.

In dieser Rezension wird unsere Meinung zum Buch, der Handlung, unsere Kritik und unser konstruktiver Lob ausgesprochen. Nach einer kurzen Inhaltsangabe wird in die Geschehnisse des Werkes eingegangen, aus bestimmten, wichtigen Stellen zitiert und aus ihnen interpretiert. Und zuletzt werden wir uns mit dem Autor und seines Schreibstils befassen und unser Verstehen in diesem Rahmen darlegen.

Der Roman „Mieses Karma“1, der vom Schriftsteller und Drehbuchautor David Safier geschrieben und im Jahre 2008 veröffentlicht wurde, spielt sich im Landkreis Potsdam ab und handelt von einer unglücklichen Fernsehmoderatorin, die durch ungewöhnliche Ereignisse ihr Leben umorganisiert und eine andere Perspektive und Persönlichkeit entwickelt, die ihr den Sinn und die Freude ihres Lebens wiedergibt.

Nachdem Kim Lange, die Hauptfigur des Romans nach einer Preisverleihung auf der Terasse eines Hotels von einem Waschbecken einer russischen Raumstation erschlagen wird, beginnt die Welt des Buddhismus, auf dem die ganze Handlung des Werkes gegründet ist. Lange wird als Ameise reinkaniert und hat Schwierigkeiten ihr Leben als Insekt weiterzuführen, versucht ihr altes Leben wiederzubekommen und lernt dabei den Buddha kennen, der ihr den Zyklus des Karmasammelns für ein besseres Leben und den Weg ins Nirwana erklärt. Zudem lernt sie Casanova kennen, der ähnlich wie sie aber aus einer zurückliegenderen Zeit wiedergeboren wurde und auch Karma sammeln muss, um vielleicht seine frühere Gestalt wieder zu erlangen. Als Kim ihre erste gute Tat vollbringt in dem sie viele Ameisen vor einer Flut rettet kommt sie ums Leben und wird diesmal mit besseren Voraussetzungen reinkaniert, als Meerschweinchen. Um den Tierversuchen zu entkommen flieht sie mit ihren Meerschweinchengeschwistern aus dem Labor, in dem Alex sie untergebracht hatte, um mit seinem alten Universitätsfreund an ihnen Medikamente auszuprobieren. Bei der Flucht wird sie und Casanova in einer Rettungsaktion von einem Wagen überfahren. Diesmal wird sie als ein Kalb reinkaniert, in einem Kuhstall in Kanada. Nach dem Leben als Kuh folgten eine Periode der Reinkanation vom Regenwurm zum Kartoffelkäfer und Eichhörnchen bis zuletzt zum Beagle-Welpen. Als Hund schafft sie es bis zu ihrem alten Haus und wird dort als Haustier aufgenommen. Trotz ihres Bestrebens die Hochzeit ihres Mannes mit ihrer alten Freundin Nina platzen zu lassen, schafft sie es nicht und erliegt bei ihrer Vermehlung in der Kirche an einem Herzinfarkt. Sie trotzt dem Buddha und verweigert das Nirwana. Stattdessen möchte sie zurück auf die Welt und zu ihrer Familie. Buddha gewährt ihr dieses eine Mal eine Ausnahme und befördert ihre Seele auf die Welt zurück. Diesmal als Mensch mit Fleisch und Knochen. Sie ist in eine fettleibige Frau wiedererweckt worden. Kim gefällt das neue Leben nicht, das sie im Körper von „Maria“ leben muss und versucht ihren Ehemann Thomas loszuwerden und in ihr altes Heim zurückzufinden und die Ehe von Alex und Nina zu beenden. Maria hatte einen übergewichtigen Körper und lebte mit Thomas in einer Sozialwohnung. Sie arbeitete in einem Imbiss als Verkäuferin. Für Kim war das Leben Marias mühevoll, langweilig und fremd. Sie beschließt mit dem verdienten Lohn in ihr altes Haus zurückzufahren und verlässt Thomas. Sie findet eine Bleibe und Arbeitsstelle als Putzfrau bei Daniel Kohn, einem alten Kollegen, mit dem sie zuletzt auch Sex hatte. Sie überzeugte ihn die Nachfolgemoderation aufzugeben und als Reisereporter zu arbeiten, da die Zuschauerquoten sehr schlecht wurden. Er wechselte den Job und sie wurde seine Assistentin. Bei der jährlichen Fernsehpreisverleihung wurde klar, dass zwischen Maria und Daniel keine ernsthafte Beziehung werden konnte. Sie trennten sich und Maria musste einen Weg finden ihrer alten Familie näherzukommen. Sie überredete ihre Mutter Martha eine kleine Auszeit zu nehmen und einen Urlaub zu machen, damit sie als Babysitter bei Lilly sein konnte. Zudem wollte sie die Ehe zwischen Alex und Nina zerstören, was sie auch schaffte. Nach einer fünf Ehezerstörungsplan-Phase küssten sich Alex und Maria und Nina ertappte sie dabei. Bei klarem Bewusstsein bemerkt Alex den Ernst der Lage, wird wütend, feuert Maria und läuft hinter Nina her um sie zu trösten. Am nächsten Tag ist die ganze Familie weg auf ein Versöhnungsurlaub nach Venedig. Maria hat nicht die Mittel um ihnen hinterherzufahren. Sie eilt schnell zu Daniel, der sie nach Venedig schoffiert. Am Abend führt Casanova, der als Kater reinkaniert worden war Maria in die Kirche, in der sie und Alex geheiratet hatten, weil Lilly dort war, eingeschlafen auf der ersten Reihe der Kirchenbank. Es eilen auch Alex und Nina in die Kirche. Sie erklärt nach einer tragischen Rettungsaktion in der Casanova ums Leben kommt und Maria fasst stirbt, Alex und Lilly ihre Geschichte. Daniel und Nina verlassen die Kirche. Die Handlung endet mit einer familiären Umarmung.

David Safier macht mit diesem Roman auf die zweite Chance des Menschen aufmerksam, auf das Umkrempeln des eigenen Lebens, des Charakters zum Guten. In einer humorvollen Erzählweise weist er auf die Fehlbarkeit des Menschen hin, der immer wieder mit den Versuchungen und Verlockungen des Lebens anzukämpfen hat und sie manchmal nicht bezwingen kann, wie auch an der Hauptfigur zu erkennen war.

Die Hauptfigur, nach dem sie von einem Teil eines russischen Raumschiffs auf der Terasse eines Luxushotels erschlagen wird, wird zuerst als eine Ameise reinkaniert, dann als ein Meerschweinchen, danach als Kalb und nacheinander als Regenwurm, Kartoffelkäfer, Eichhörnchen und zuletzt als Hündin, bis sie das Nirwana verweigert und in den Körper einer fettleibigen Frau wiederbelebt wird und die Chance bekommt zu ihrer Familie zurückzufinden. Um als Mensch wiedergeboren zu werden, muss man nach dem Glauben des Buddhismus viel gutes Karma sammeln und deshalb auch der Zyklus tierischer Verwandlungen.

Das Buch basiert auf das Fundament des buddhistischen Glaubens und diese Religion macht das Gerüst der Handlung aus, dass nämlich nach dem Tode jedes Menschen, je nach Taten und Lebensweise dieser als eine andere Form der Wiedergeburt stattfindet, die wiederum nach dessen ausscheiden in eine weitere Form das Leben weiterlebt, bis die Seele endlich das Nirwana erreicht.

Beim Lesen des Romans wird man plötzlich sensibler, was die kleinen Krabbeltiere betrifft, die man als Mensch beim Spaziergang, im Garten und sonstigen Stellen trifft. Es gibt ein Gefühl wieder, dass Verantwortung und Empathie aufweckt und dies zwar schon vor dem Lesen in jedem Menschen schlummert, aber durch die Handlung „Reinkanation“ und das „Ameisenleben“ in den Vordergrund tritt.

Im Buch werden reale Persönlichkeiten eingebettet, die die Handlung wirlichkeitsnah und lebendig halten. Sandra Maischberger, die deutsche Journalistin und Moderatorin, die im Werk mit Kim Lange für den Fernsehpreis nominiert wird und die Nomination vom deutschen Journalisten Ulrich Wickert verlesen wird. Vergleiche mit fiktiven Filmcharakteren „Thomas Magnum“ (S.227), Musikern „Yehudi Menuhin“ (S.263), Geistliche Figuren wie „Grigori Rasputin (S.235) und Sportler wie Oliver Kahn (S.241) sind ebenfalls präsent.

Durch Vergleiche :„Kinder sind nun mal wie italienische Behörden: Wenn man etwas von ihnen will, muss man sie bestechen“ (S.242) und Ironien und Sarkasmen: „Dabei erinnert er mich in seiner Hilfsbereitschaft an Alex, nur dass dieser Mann hier so viel Ähnlichkeit mit Brad Pitt hatte wie ich im Augenblick mit Michelle Hunziger“ wird dem Leser ein kleines Schmunzeln ins Gesicht gezaubert. Wörter wie „supercalifragilistischexpialigetisch“ (S.226) stören trotz ihrer Länge den Lesefluss des Textes nicht und sind für übertriebene Freude und Genuss benutzt worden.

Was uns weniger gefallen hat waren die unserer Ansicht nach respektlosen Dialoge und Schmähungen, was den Buddhismus und damit auch die metaphysische Persönlichkeit „Buddha“ betrafen, die mit Streitigkeiten jener Person mit der Protagonistin, den Überzeugungsdrang Kim ins Nirwana zu befördern und vor allem die Erscheinungsform des Geistlichen als nackter, dicker Mann, vor dem die Hauptfigur angeeckelt aber genötigt ist eine Konversation zu führen. Obwohl fast die ganze Handlung auf dem Glauben des Buddhismus gegründet ist, ist ein dunkler Sarkasmus vorhanden. Dies stellt natürlich öfters die geführte Diskussion über die Kunstfreiheit und die Grenze dieser zur Religion und seiner Anhänger. Könnte Safier ähnliche Dialoge auch über die abrahamitische Religionen schreiben? Erinnern wir uns an die Karikaturen des Propheten Muhammeds, die Empörungen und Androhungen aus Seiten der muslimischen Gemeinde weltweit. Wir denken, dass religiöse und geistige Symbole, Bilder und Personen mit Bedacht angegangen werden sollten, insbesonders bei literarischen Künsten, in denen jeder seine eigene Interpretation haben und dies zu unerwünschten Klimata führen können.

[...]


1 Safier, M. (2008). Mieses Karma. Roman. Reinbek bei Hamburg: Rohwolt Taschenbuch Verlag.

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Details

Titel
David Safiers Roman "Mieses Karma". Eine Rezension
Hochschule
Çukurova Üniversitesi  (Sozialwissenschaften)
Autor
Jahr
2018
Seiten
6
Katalognummer
V470167
ISBN (eBook)
9783668950429
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rezension, Kritik
Arbeit zitieren
Bekir Özgün (Autor), 2018, David Safiers Roman "Mieses Karma". Eine Rezension, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470167

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