Das seleukidische Heer


Seminararbeit, 2003
17 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Vorwort

2. Die Seleukidische Herrschaftsauffassung

3. Die Rolle des Heeres

4. Die Zusammensetzung des Heeres
4.1 Die Phalanx
4.2 Das Rekrutierungsreservoir
4.3 Die nationalen Kontingente
4.4 Die Truppenstärke

5. Militärische Siedlungen (katoikiai)

6. Die Kampfordnung

7. Zusammenfassung

8. Abschließende Worte

Bibliographie

1. Vorwort

Die Geschichte des seleukidischen Heeres umfasst eine Periode von mehr als 200 Jahren, während derer die Könige ständig und fortwährend Feldzüge der verschiedensten Art gegen Bedrohungen und Angreifer der hellenistischen Welt führten. Dies lässt bereits den Gedanken zu, dass das seleukidische Heer eine unverzichtbare Institution der seleukidischen Herrschaft war. Krieg war zu der Zeit einfach das geläufigste Mittel zur Machtdemonstration des Königs. Ebenso diente er als Grundlage der Monarchie. Ein funktionierendes Heer war also von großer Wichtigkeit.

Doch diese relative lange Zeitspanne, sowie die ständige Gegenwärtigkeit des seleukidischen Heeres machen es nur schwer möglich über die gängigen Geschichtsschreiber einen konkreten Zugriff auf diesen Themenkomplex zu erhalten. Vielmehr lassen sich immer wieder eher beiläufige Erwähnungen, zum Beispiel bei Kriegsberichten, finden.

Diese Arbeit stützt sich hauptsächlich auf Strabon, Polybios und Appian. Wobei aber eben wie schon erwähnt nur relativ sporadisch Hinweise zum seleukidischen Heer, seinem Aufbau, dessen Rolle und Zusammensetzung auftauchen.

Im Folgenden sollen genau diese Punkte verdeutlicht und diskutiert werden.

2. Die Seleukidische Herrschaftsauffassung

„Ein seleukidischer König war in erster Linie ein aktiver militärischer Führer.“[1] Infolge dessen verfügte der Herrscher sowohl über das Heer, als auch über dessen Zusammensetzung, dessen Einsatz und Dislokation.[2]

„Wir erfahren vom seleukidischen Reich normalerweise dann, wenn es sich im Krieg befindet, und das sicherste, was gesagt werden kann, ist, dass es sich ziemlich oft im Krieg befand.“[3]

Daraus lässt sich schließen, dass von allen Monarchien der Epoche die Seleukiden den, allem Anschein nach, offenkundigsten militärischen Charakter haben.[4]

3. Die Rolle des Heeres

Immer wieder findet sich in den gängigen Quellen die Bezeichnung „[...] der König, seine "Freunde" und seine Streitkräfte[...]“[5], was der eindeutige Beweis dafür ist, dass das Heer durchaus zum Kern der Monarchie gehört. Die Militärs werden in einem Atemzug mit den Vertrauten des Königs genannt und treten somit in den Kreis der wenigen Personen ein, die der Herrscher an seiner Seite duldet.

So kam es dazu, dass „[...] das Heer auf den König eingeschworen (war) [...]“[6] und als „sein“ Heer verstanden wurde. Folglich standen die Kämpfer „[...] zum König in einem Verhältnis persönlicher Dienstleistung [...].“[7] Konkret bedeutet das, dass das Heer zwar dem König diente, nicht aber dem Vaterland, da ein Nationalgedanke, sowie eine Staats- oder Vaterlandsidee im heutigen Sinne nicht oder nur kaum vorhanden war.

Da die Truppen einen erheblichen Machtfaktor darstellten, wurden sie „[...] immer wieder der Adressat und ‚Akklamateur’ königlicher Proklamationen und Präsentationen [...].“[8] Schon allein deshalb musste der König sein Hauptaugenmerk darauf legen im lebendigen Kontakt mit seinem Heer zu stehen, ihre Angelegenheiten, Vorschläge und Beschwerden nicht zu ignorieren um den dennoch „[...] eher personale(n) Charakter der Beziehung König-Heer [...]“[9] aufrechtzuerhalten. Den Machtfaktor Heer gegen sich zu haben, hätte den Herrscher weit zurückgeworfen, wenn nicht sogar sein Amt gekostet. Aber trotz des doch recht großen Einflussbereiches der Truppen hatten sie bei Prozessen oder der Inthronisierung von Herrschern keine Rechtskraft.

Welchen Stellenwert das Heer im Bereich der Reichsvergrößerung einnimmt wird bei Austin deutlich. „Das Reich verdankt seine Existenz der Eroberung: Es war "speergewonnenes" Land, um eine in der Epoche nach Alexander geläufige Terminologie zu benutzen [...].“[10] Hierzu findet sich auch bei Polybios ein Hinweis. Er schreibt folgendes: „Therefore Antiochus, thinking that possession by force of arms was the surest and best […].”[11] Damit wird die damalige Einstellung der seleukidschen Heerscher und auch der Bevölkerung, dass das Heer die einzige erfolgsversprechende Institution ist um das Reich längerfristig zu vergrößern begründet. Das heißt folglich, dass Expansionspolitik betrieben wurde. Geprägt ist diese Zeit vor allem dadurch, dass man „(b)is zu Seleukos IV (187-175 v.Chr.) [...] keine Regierung (findet), die eine längere Friedensperiode ohne nennenswerte militärische Aktivitäten aufweist.“[12] Auch wurde jede in der Zeit denkbare Art von Krieg praktiziert. So wurden sowohl Eroberungskriege zur Vergrößerung des seleukidischen Einflussbereiches, als auch Schlachten zur Verteidigung des Reiches gegen Könige und „[...] Dynasten innerhalb und außerhalb des Reiches über griechische oder andere Städte bis hin zu Thronrivalen und zu Barbaren wie den Galatern in Kleinasien“[13] geführt. Die Frage wann, wo und wie der nächste Kampf stattfinden sollte beschäftigte den König und seine Ratgeber bereits dann, wenn die aktuelle Schlacht noch nicht einmal beendet war. Es schien beinahe so, als würden alternative Handlungsmöglichkeiten überhaupt nicht in Erwähnung gezogen werden. Alles Denken und Tun drehte sich um die Kriegsführung. Dazu schreibt auch Polybios: „The king [...] devoted his whole attention to preparing for the war [...].“[14] Ebenso wie die Alternativen zum Krieg nicht bedacht wurden, fanden auch keine Kalkulationen über die zu erwartenden Risiken, Kosten und den letztendlichen Nutzen der Aktion statt. Auch die Auswirkungen die die zerstörerische Kriegsführung mit ihren Plünderungen für die ansässige Bevölkerung mit sich bringt wurden nicht bedacht.

Trotz der Herrlichkeit und des großen Einflusses der seleukidischen Könige, war es letztendlich keinem von ihnen möglich „[...] das Verhalten seiner Truppen [...] völlig (zu) kontrollieren.“[15]

Zu diesem Punkt lässt sich abschließend festhalten, dass „(z)ur unmittelbaren Ausübung von Macht nach außen und von Zwang nach innen [...] Heer und Flotte eine interkulturelle Selbstverständlichkeit (waren).“[16] Das heißt, das Heer hatte ein gewisses Eigengewicht sowohl als Machtfaktor nach außen als auch als herrschaftlicher Erzwingungsstab nach innen.

[...]


[1] Austin, Michel: Krieg und Kultur im Seleukidenreich. In: Brodersen Kai (Hrsg.): Zwischen

West und Ost. Studien zur Geschichte des Seleukidenreichs. Hamburg 2000, S.131.

[2] nach: Mehl, Andreas: Jenseits von West und Ost. In: Brodersen Kai (Hrsg.): Zwischen

West und Ost. Studien zur Geschichte des Seleukidenreichs. Hamburg 2000, S.27.

3 Griffith, Guy Thompson: The mercenaries of the Hellenistic world. Hare prize essay,1933.

Cambridge 1935, S.142.

4 nach: Austin, Michel: Krieg und Kultur im Seleukidenreich, S.131 .

5 Austin, Michel: Krieg und Kultur im Seleukidenreich, S.132.

6 Gehrke, Hans-Joachim: Geschichte des Hellenismus. München 1990, S.57.

7 Gehrke, Hans-Joachim: Geschichte des Hellenismus, S.56.

[8] Gehrke, Hans-Joachim: Geschichte des Hellenismus, S.57.

[9] Gehrke, Hans-Joachim: Geschichte des Hellenismus, S.170.

[10] Austin, Michel: Krieg und Kultur im Seleukidenreich, S.132.

[11] Polyb. 28. 1

[12] Austin, Michel: Krieg und Kultur im Seleukidenreich, S.132.

[13] Austin, Michel: Krieg und Kultur im Seleukidenreich, S.132f.

[14] Polyb. 5.58

[15] Austin, Michel: Krieg und Kultur im Seleukidenreich, S.134.

[16] Mehl, Andreas: Jenseits von West und Ost, S.30.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das seleukidische Heer
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V47048
ISBN (eBook)
9783638440912
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heer
Arbeit zitieren
Susanne Weid (Autor), 2003, Das seleukidische Heer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47048

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