Welchen Einfluss hatte der 30-jährige Krieg auf das luterarische Werk von Martin Opitz?


Hausarbeit, 2018
11 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Einfluss des 30 Jährigen Krieges auf die Lyrik von Martin Opitz
2.1 Der 30 Jährige Krieg – Historischer Überblick
2.2 Martin Opitz und der Krieg – Poet oder Stratege?
2.3 Trostgedichte in Widerwärtigkeit des Krieges – Überblick

3 Zusammenfassung & Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der 30 Jährige Krieg, war einer der einprägsamstem Geschehnisse in der Epoche des Barock. Zeitzeugen wie die Schriftsteller Martin Opitz oder Andreas Gryphius, themati- sierten jene Erlebnisse in Ihren Werken und kreierten ein Bild von Gewalt und Zerstö- rung. Bis in das 20. Jahrhundert, befassen sich Schriftsteller und Literaten wie Berthold Brecht mit „Mutter Courage und Ihre Kinder“ oder Ricarda Huch mit dem „großen Krieg in Deutschland“. Der mächtige Einfluss dieses historischen Ereignisses hinterlässt die Frage, wieso dieser Krieg, die Menschen bis heute fasziniert und selbst die Gegenwarts- literatur immer noch inspiriert? Welche literarischen Relikte entsprechen der Realität und welche sind Fiktion oder überspitzt formulierte Worte von traumatisierten Zeitzeugen?

„Gryphius‘ Sonett Thränen des Vaterlandes /Anno 1636 verweist zurück auf die dichterisch ehrgeizigste Auseinandersetzung mit dem Dreißigjährigen Krieg und zugleich einen der Gründungstexte der neuen deutschen Kunstdichtung, auf Martin Opitz’ Trostgedichte in Wi- derwärtigkeit des Krieges.: 1 (Volker, Meid: Der Dreißigjährige Krieg in der deutschen Ba- rockliteratur.Ditzingen,2017.S.177)

Eine Reflektion des historischen Einflusses auf die Literatur der Zeit des Barock, lässt sich am Beispiel von Martin Opitz „Trostgedicht in Widerwärtigkeit des Krieges“ sehr gut erforschen und reflektieren. Da der Autor nicht nur Zeitzeuge war, sondern zudem selbst noch sein Leben lang auf der Flucht vor Vertreibung und Gewalt, skizziert er in seiner Lyrik ein anschauliches und zugleich grausames Bild der Lebensumstände jener Epoche. Die folgende Nachforschung soll einen Überblick über die historischen Ereig- nisse um 1618 und dem Zusammenhang zwischen Leben und Werk des Martin Opitz geben. Des Weiteren wird eine kritische Nachforschung angestellt, inwieweit sich realis- tische Einflüsse in Opitz Trostgedicht widerfinden und welche Haltung die Kritiker der Gegenwart, zu jenem geschichtsträchtigen Ereignis einnehmen.

„Das herkömmliche Bild des großen Krieges speiste nach Steinberg hauptsächlich aus zwei Quellengruppen, von denen die eine bewußt, die andere unbewußt ein verzerrtes Bild gibt. […] Die zweite Quellengruppe besteht aus den vielen Chroniken, Tagebüchern, Briefen und sonstigen Aufzeichnungen die alle von Mitgliedern der gleichen sozialen Schicht geschrie- ben wurden nämlich des Bildungsbürgertums.“2 (Gerhard, Schormann: Der Dreißigjährige Krieg. Göttingen, 1985.S.113)

2. Der Einfluss des Dreißigjährigen Krieges auf die Lyrik von Martin Opitz

2.1. Der 30 Jährige Krieg – Historischer Überblick

Politische Machtkämpfe und Religionsfragen führten das Heilige römische Reich um 1618 in eine innerdeutsche Kriese, welche sich mit Verlauf des Krieges, in einen europä- ischen Konflikt verwandelte. Mit der Reformation 1517 spaltete sich die römisch- katho- lische Kirche in zwei Glaubensrichtungen: auf der einen Seite die Katholiken, gegenüber die Protestanten. Zwar sicherte der Augsburger Religionsfrieden zunächst eine Beilegung religiöser Streitigkeiten, jedoch wurde dieser von amtierenden Kaiser Ferdinand І. wel- cher bekennender Katholik war, immer wieder missachtet.3 („vgl“ Friedemann Bedürftig: Taschenlexikon Dreißigjähriger Krieg. München.1998). Als Auslöser des 30 Jährigen Krieges, wird der Prager Fenstersturz deklariert. Das protestantische Böhmen gab die entscheidende Stimme zur Wahl des Kaisers, da die Erzbischöfe von Köln, Mainz, Trier, Sachsen, Rheinpfalz und Brandenburg in zwei Glaubenslager geteilt waren. Um eine Re- katholisierung voran zu treiben, setzte der Kaiser habsburgische Statthalter in Böhmen ein, was zu einer Ständeformierung im Zeichen des Widerstandes und zum Prager Fens- tersturz führte. Nachdem die Habsburger Vertreter aus dem Fenster der Prager Königspa- lastes geworfen warfen, wurde Kaiser Ferdinand І. symbolträchtig abgesetzt. Dieser rea- gierte mit Waffengewalt, unterstützt von Bayern. Mit Erfolg wurde Böhmen daraufhin rekatholisiert. Mit schwindender Macht der Protestanten im Heiligen römischen Reich sah sich Dänemark gezwungen, den innerdeutschen Krieg auf europäische Ebene zu ver- lagern. Durch die Unterstützung privater Kriegsunternehmer wie Tilly und Wallenstein formierte sich um Kaiser Ferdinands Truppen eine militärische Macht, welche Dänemark in die Flucht und die Rekatholisierung auf deutschen Boden weiter vorantrieb. Um die immer stärker werdenden Position des Kaisers zu schwächen, verbündete sich Bayern mit Frankreich. 1630 trat zusätzlich Schweden mit in den Krieg ein. Die europäischen Groß- mächte bringen im Konflikt um Rangordnung und Macht, ihre eignen Konflikte in den innerdeutschen Krieg hinein. Mit dem Ableben Kaiser Ferdinands ʶǤ 1637, wird die un- übersichtliche Kriegslage im Land noch deutlicher. Sein Sohn Ferdinand ІІ. tritt die Nach- folge an. Am 24. Oktober 1648 kommt es zum Westfälischen Frieden, einer Widerher- stellung des Augsburger Religionsfriedens von 1555, sowie Friedensverträgen zwischen Kaiser /dem Reich und Schweden, sowie dem Kaiser und Frankreich. Die folgenden Jahre hat das Deutsche Reich mit wirtschaftlichen Folgen zu kämpfen während sich die ehema- ligen Feinde wie Frankreich, Schweden und Dänemark zu eigenen Nationalstaaten ent- wickeln und an Macht gewinnen.4 („vgl.“ Jörg- Peter Findeisen: Der Dreißigjährige Krieg.Darmstadt.1998)

2.2. Martin Opitz und der Krieg – Poet oder Stratege?

Als einer der zentralsten Literaten des Barock, war Martin Opitz nicht nur zeitlebens als politischer Agent am Hofe tätig, sondern erlebte das Geschehen rund um den 30 Jährigen Krieg täglich mit. Während seiner Lebenszeit von 1597 bis 1639 war er immer wieder gezwungen, vor der Gewalt zu fliehen und sich ins Ausland abzusetzen.

„Der junge Opitz haßte jegliche Gewalt und war als wahrer Humanist ein engagierter Gegner des Dreißigjährigen Krieges.“ 5 (Jörg-Ulrich-Fechner und Wolfgang Kessler: Martin Opitz 1597-1639. Herne,2006.S.13)

Inspiriert durch die stattfindenden, erschütternden Ereignisse und deren Auswirkungen, verfasste Opitz sein Werk „Trostgedichte in Widerwärtigkeit des Krieges“, welches er jedoch erst 1633 aus politischen Gründen veröffentlicht. Ein geschickter Schachzug des Künstlers, da sein ehemaliger Dienstherr Carl Hannibal von Dohna, ein bekennender Ka- tholik nach Böhmen geflohen ist, auf Grund der Besetzung von schwedischen, branden- burgischen und sächsischen Truppen. Mit seiner hohen Stellung in der Fürstenwelt als Diplomat und Dichter, verschafft sich Martin Opitz sein Leben lang einen „Vorsprung“ vor den Ausmaßen des Krieges und entkommt diesen immer wieder, trotz seiner protes- tantischen Ansichten. Das eigene wirtschaftliche Vorankommen sichern, zu Lasten des eigenen Glaubens, war Martin Opitz nun Stratege in eigener Sache oder humanistischer Poet mit patriotischen Gedanken? Zwar war der junge Opitz ein großer Gegner des Krie- ges und änderte diese Meinung auch vor der späteren Veröffentlichung seiner Trostge- dichte nicht, jedoch spielte er die Karten der Kriegswirren im Laufe seines Lebens, immer wieder zu seinem Vorteil aus und wurde durch die Veröffentlichung seines literarischen Schaffens immer bekannter und angesehener. Doch als Protestant im Dienste eines ka- tholischen Grafen (von Dohna) zu stehen, welcher andersgläubige Menschen grausam zur Rekatholisierung zwingen wolle, lässt Zweifel aufkommen an Opitz Moralvorstellungen, welche immer wieder Bestandteil seines literarischen Schaffens sind.

„Zwar ist er in religiösen Fragen frei, doch muß er so für den mächtigsten Mann in Schlesien und die von diesem vertretene katholische Partei wirken.“ 6 (Jörg-Ulrich-Fechner und Wolf- gang Kessler: Martin Opitz 1597-1639.Herne,2006.S.40)

Martin Opitz humanistische Vorstellungen und stete Zuversicht auf einem irdischen Ide- albild nach christlichen Verständnis, fernab von Zerstörung, lassen darauf schließen, dass er dem 30 Jährigen Krieg zeitlebens kritisch gegenüber steht und sich dessen Ende herbei sehnt, jedoch einen Weg gefunden hat, seine Existenz trotz der unsicheren Zeit zu sichern, wenn auch manchmal auf Kosten seiner eigenen Glauben- und Moralvorstellung.

2.3. Trostgedichte in Widerwärtigkeit des Krieges – Überblick

Martin Opitz Werk „Trostgedichte in Widerwärtigkeit des Krieges“ entstand zwischen 1620 und dem Frühjahr 1621, wodurch sich die Inhalte auf die ersten drei Jahre des Drei- ßigjährigen Krieges beschränken. Aus politischen Gründen, wurde das Werk zunächst ohne Verfasserangabe, im Jahr 1633 veröffentlicht. Das Werk wird in 4 Bücher geglie- dert, welche eine jeweilige Einheit bilden und sich thematisch unterscheiden. Der Mittel- punkt des ersten Buches, ist die detaillierte Situationsbeschreibung, der vorherrschenden grausamen Begebenheiten, während des Krieges. Massenmord, Vertreibung, Flucht ins Ausland und die nie enden wollende Angst der Bevölkerung – Alltag im deutschen Reich zur Zeit des frühen Barock. Opitz zeichnet ein anschauliches Bild von Gewalt, Tod und Zerstörung während des (ersten) böhmischen Krieges und verschafft in diesem Fall dem Dichter die Aufgabe, die Lebenssituation in Form von lyrischer Sprache fest zu halten. Während das Militär und die Politik jener Zeit versuchten die negativen Auswirkungen des historischen Ereignisses zu verharmlosen oder zu verschweigen, analysiert und be- schreibt Martin Opitz bis ins Detail.

„Sein Gut ist weg geraubt /sein Hoff hinweg Gebrandt / Sein Vieh hindurch gebracht / die Schweren vmbgeschmissen / Der edle Rebenstock tyrannisch außgerissen / Die Bäume stehn nicht ehr /die Gärten sind verheert; Die Sichel vnd der Pflug sind jetzt ein scharffes Schwerdt“ 7 (George – Schulz – Behrend : Opitz: Gesammelte Werke 1 , Kritische Ausgabe. Stuttgart. 1968. S,194)

Im Zweiten Buch stellt sich die Frage nach der Möglichkeit wie die Trauer, welche durch die gegenwärtige Situation ausgelöst wurde zu überwinden ist. Opitz verweist hier immer wieder auf den Trost, welchen man im Glauben findet und das die Hilfe Gottes den Men- schen ermöglicht, das Leid anzufechten oder gar davor beschützt zu werden. Natürlich gesteht sich der Dichter an dieser Stelle ebenso ein, dass der Mensch dem Ausbruch der Kriegsgewalt und dessen Folgen, einflussarm gegenüber steht. Jedoch verweist Opitz im- mer wieder darauf, dass der eigene Glaube und die Moral aufrecht zu erhalten ist. Hin- sichtlich der Aussagen Opitz im zweiten Buch seines Trostgedichtes, wird erneut der Ge- gensatz zu seinem eigenen Handeln im Bezug auf die Anstellung beim Grafen von Dohna oder auch der Delegation nach Wien inklusive anschließender Krönung zum Martin Opitz von Boberfeld durch den katholischen Kaiser Ferdinand ІІ. deutlich. Im Dritten Buch fordert Opitz zu Zivilcourage auf. Auch christliche Widerstandshandlungen im kleinen sind für einen gläubigen Menschen von Bedeutung und führen zu einem reinem und guten Gewissen. Im letzten Buch des Trostgedichtes, verweist der Autor auf die letzte Möglich- keit, mit der erworbenen Trauer umzugehen, die Erlösung im Tod. Hierbei verweist er auf das Jüngste Gericht als Strafe für die Ungläubigen und nicht nach Gottes Wunsch agierenden Menschen und stellt im Gegenzug die „Belohnung“ der Befreiung vom irdi- schen Leben als Zuflucht dar. Wie schon im biografischen Überblick widergegeben, grenzt sich Opitz deutlich von anderen Lyrikern seiner Zeit ab. Er beschönigt die Aus- maße des Krieges nicht sondern vermittelt ein Abbild der Wirklichkeit. Mit seinen Wor- ten versucht er zu trösten und die Menschen daran zu erinnern, dass die Lösungswege immer wieder bei Gott und im christlichen Glauben münden. Mit der psychischen Aus- wirkung von Vertreibung, Flucht und Angst begibt sich Opitz auf ein vertrautes Terrain der Selbsterfahrung und verarbeitet diese in seiner Lyrik. Im Ersten Buch der „Trostge- dichte in Widerwärtigkeit des Krieges“ wird der Einfluss des Dreißigjährigen Krieges, auf die Lebenssituation der Menschen und auch die Aufgabe, welche Opitz den Poeten des Barock zuspricht ersichtlich.

[...]


1 (Volker, Meid: Der Dreißigjährige Krieg in der deutschen Barockliteratur.Ditzingen,2017.S.177)

2 (Gerhard, Schormann: Der Dreißigjährige Krieg. Göttingen, 1985.S.113)

3 „vgl“ Friedemann Bedürftig: Taschenlexikon Dreißigjährigr Krieg. München.1998

4 „vgl.“ Jörg- Peter Findeisen: Der Dreißigjährige Krieg.Darmstadt.1998

5 Jörg-Ulrich-Fechner und Wolfgang Kessler: Martin Opitz 1597-1639.Herne,2006.S.13

6 Jörg-Ulrich-Fechner und Wolfgang Kessler: Martin Opitz 1597-1639.Herne,2006.S.40)

7 George – Schulz – Behrend : Opitz: Gesammelte Werke 1 , Kritische Ausgabe. Stuttgart. 1968. S,194

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Details

Titel
Welchen Einfluss hatte der 30-jährige Krieg auf das luterarische Werk von Martin Opitz?
Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,0
Jahr
2018
Seiten
11
Katalognummer
V470636
ISBN (eBook)
9783668945609
ISBN (Buch)
9783668945616
Sprache
Deutsch
Schlagworte
welchen, einfluss, krieg, werk, martin, opitz
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Welchen Einfluss hatte der 30-jährige Krieg auf das luterarische Werk von Martin Opitz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470636

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