Die Glyptothek München als architektonisches Meisterwerk zwischen Antike und Klassizismus

Eine kunstgeschichtliche Untersuchung


Hausarbeit, 2019
16 Seiten, Note: 2,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Traum von Isar Athen
2.1 König Ludwig I. Monarch, Bauherr und Kunstliebhaber
2.2 Die Entstehung der Glyptothek
2.3. Baubeschreibung

3. Die Glyptothek im Wandel der Zeit
3.1. Die Gestaltung des Baus unter Leo von Klenze
3.2. Zerstörung des Baus durch den zweiten Weltkrieg
3.3. Wideraufbau und das heutige Erscheinungsbild der Glyptothek
3.4. Meisterwerke römischer und griechischer Kultur die Sammlung

5. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Was ich gewollt ist wirklich erfolgt: Überraschende Pracht des ganzen Eindruckes hat die Seele des Betrachters feyerlich gestimmt und nur emfenglicher gemacht für die Schönheiten der alten Kunst“ 1 (Vinzenz Brinkmann, Raimund Wünsche: Bunte Götter – die Farbigkeit Antiker Skulptur. München.2004), so äußert sich der Architekt der Glyptothek München, Leo von Klenze, in einem Brief gegenüber seinem Bauherren, König Ludwig 1. Während seiner Italienreisen hatte sich der König schon früh in die griechische und römische Antike verliebt und war schon als Kronprinz begeisterter Kunstsammler und als Bauherr tätig. Er investierte sein privates Vermögen und das des Staates in Kunst der klassischen Antike und schuf nach deren Vorbild den Traum seines Isar Athens 2 (vgl. Dieter Ohly: Die Antikensammlung am Königsplatz in München.Waldsassen.1967). Seine Vorliebe für griechische Architektur spiegelt sich im Stadtbild der bayerischen Landeshauptstadt bis heute fulminant wieder, in Form des Universitätsgebäudes der LMU, der Feldherrenhalle, der Alten Pinakothek und vielen weiteren Bauwerken im antiken Stil. Der Königsplatz bildet hierbei mit den Propyläen, der Glyptothek und der staatlichen Antikensammlung das Herzstück der Zusammenarbeit mit dem Architekten Leo von Klenze. Um einen Aufbewahrungsort für die gesammelten Kunstwerke zu errichten, welche auch noch für die Bevölkerung König Ludwigs I. zugänglich sein sollte, wurde das klassizistische Gebäude, die Glyptothek (vgl. Abbildung 1) errichtet. Die folgende Arbeit, beschäftigt sich mit den architektonischen Besonderheiten des Bauwerks während der Entstehung, dem Zerfall durch den zweiten Weltkrieges, sowie dem Wiederaufbau. Welche Unterschiede gab es zu den ursprünglichen Bauplänen von 1815? Welche Kunstwerke und architektonischen Besonderheiten, wurden durch die Luftwaffenangriffe während der NS Zeit zerstört? War König Ludwigs I. Glyptothek tatsächlich die Reinkarnation eines antiken Bauwerkes oder gab es erhebliche Unterschiede zum griechischen Vorbild?

„Sie ragt ein Ideal verklärt In griechischen Himmels tiefer Bläue Voll Würde und erhabenem Wert Und Hellas lebt aufs Neue.“ : 3 (Raimund Wünsche: Glyptothek München. München.2016)

2. Der Traum von Isar Athen

2.1. König Ludwig I. Monarch, Bauherr und Kun stliebhaber

Aus politischen Gründen motiviert, verschlug es Ludwig I. während seiner jungen Jahre als Kronprinz mehrfach nach Italien. Seine erste Reise 1804 war der Beginn seiner Liebe zur antiken Kunst und Kultur. Hierbei faszinierte Ihn besonders die Klarheit und Übersichtlichkeit der Bauweise, welche er als Quelle, für seine architektonischen Vorhaben nutzte. Wie schon Goethe bei seinen Italienreisen für seine Dichtkunst inspiriert wurde, so entstand auch bei Ludwig eine Vision: „Wir müssen auch zu München haben, was zu Rom museo heißt“ 4 (Raimund Wünsche: Glyptothek München. München. 2016). Für Ludwig I. war seine Leidenschaft zur Beschaffung und Sammlung von Kunst kein bloßer Zeitvertreib. Sein Vorhaben war geprägt vom humanistischen Gedanke, dem Zeitgeist der Klassik. Er wollte seine privat finanzierte Kunst den Menschen zugänglich machen und diese nicht wie in den Epochen zuvor, für die alleinige Verwendung des Adels. Trotz fortwährender Widerstände von Seiten seines Vaters, Maximilian dem I. und späterem Unmut aus dem Volk, setzte Ludwig in den folgenden Jahren Stück für Stück sein Vorhaben vom „Isar Athen“ in München um. Er finanzierte hierbei den Bau der Glyptothek, samt der sich darin befindenden Ausstellungsstücke aus eigener Tasche. Sein Ziel war es hierbei, München zum Kulturmittelpunkt Deutschlands zu machen, wenn nicht sogar weltweit. Mit seiner Kunstpolitik, wollte er einen Zustrom an Touristen und Künstlern in die bayerische Landeshauptstadt schaffen und somit fernab von Politik im ursprünglichen Sinne, seine Machtposition mit Hilfe der schönen Künste stärken. Nach griechischen Vorbild, schuf er einen Ort, an welchem die Kunst der Antike mit dem mittelalterlichen barocken Pendant verschmelzen sollte. Geprägt vom humanistischen Gedanke, sollte die Vervollkommnung des Menschen mit Hilfe der Kunst bewirkt werden. Diese Form des Erlernens sollte im Rahmen von Ausstellungen und Veranstaltungen geschehen. Unter Ludwig I. wurden regionale Künstler gefördert, Kulturgut aus dem Ausland nach München gebracht, historische und künstlerische Vereine gegründet, sowie das architektonische Stadtbild von München gestaltet und bis heute nachhaltig geprägt.

„Während heute allgemein noch bekannt ist, welche Bauwerke Ludwig I. Schuf, ist es nahezu in Vergessenheit geraten, daß er auch das gesamte bayerische Bauwesen organisierte und unter seine Leitung brachte. Im Februar 1830 richtete er beim Ministerium des Inneren die Oberste Baubehörde ein, deren Wirkungskreis „mit Ausnahme der Militärbauten das gesamte Bauwesen des Staates, der Stiftungen und der Gemeinden“ umfaßte. Wie es in der Verordnung“ Die Einrichtung des Bauwesens betreffend“ weiter heißt, war Klenze, der erste Vorstand der neuen Behörde, direkt dem König unterstellt…“ : 5 (Reinhard Horn, Ingrid Rückert: Ludwig I. von Bayern. München. 1986)

Im Jahr 1816 wurde Leo von Klenze auf Wunsch des Kronprinzen Ludwig I. zum neuen Hofbauintendanten in München ernannt und blieb für viele darauffolgende Jahre der Privatarchitekt des späteren Königs von Bayern. Diese Verbindung war Grundstein für die Erschaffung der Bauwerke Münchens nach antikem Vorbild, denn ebenso wie Ludwig, war auch Klenze schon vor der fruchtbringenden Zusammenarbeit beider, begeistert von der griechischen Bauweise: „Wie aus dem Haupte des Zeus Athene bewaffnet entsprungen, Steht, vollendet in sich, herrlich das griechische Werk“ 6 (Ludwig Hüttl: Ludwig I. König und Bauherr. München. 1986). Weder Leo von Klenze noch König Ludwig I. waren vor Entstehung der Entwürfe der Glyptothek und deren Grundsteinlegung persönlich in Griechenland gewesen und bezogen Ihre Vorstellung jener antiken Baukunst, nur aus dem Repertoire Ihrer Italienreisen und Berichterstattungen Ihrer Angestellten, welche für die Anschaffung von Kunstwerken zuständig waren. Vermutlich einer der Gründe, warum die vollendete Glyptothek, dem römischen Vorbild der Antike weitaus näher kam, als dem griechischen Pendant eines Tempelbaus.

2.2. Die Entstehung der Glyptothek

Im Februar 1814 schrieb die Akademie der bildenden Künste im Namen von Ludwig I. einen Wettbewerb aus, bei welchem Entwürfe für die Errichtung eines Museums am Münchner Königsplatz eingereicht werden konnten. Dieser Bau sollte sowohl eine optische Bereicherung, als auch ein Nationaldenkmal im antiken Stil darstellen 7 (vgl. Köpf, Peter: Der Königsplatz in München). Für dieses Skulpturenmuseum, ließ König Ludwig I. eigens einen Namen kreieren : Glyptothek. Die künstlerische Wortneuschöpfung setzt sich aus dem „griechischen Verb glyptein (in Stein schneiden), dem Substantiv glyptos (Skulptur, Plastik) und der Endung thek (wie in Pinakothek) zusammen“ 8 (Raimund Wünsche: Glyptothek München. München. 2016). Ludwig hatte für sein architektonisches Vorhaben ganz genaue Vorstellungen, welche er den Teilnehmern aus dem Innund Ausland schon vorab nahe legte:

„…nicht mehr als 300 bairische Fuß lang seyn. Dem Künstler ist freigestellt, sie mit oder ohne Säulenhalle zu entwerfen; aber Ganzes wie Theile wird im reinsten antiken Styl gefordert. Die Tiefe des Gebäudes nach Belieben. Ein Geschoß, doch einige Stufen über die Erde erhöht, und in mehrere Säle getheilt; die Fenster rückwärts, um die Einfachheit der Facciata nicht zu stören (…) Die Deke im Innern muß hoch genug angegeben werden, um auch kolossale Statuen aufstellen zu können…“ 9 (Peter Köpf: Der Königsplatz in München.Berlin.2005)

Trotz vieler Einreichungen für den Wettbewerb und einem Entwurf seines Hofarchitekten Karl von Fischer, entschied sich Ludwig für den zuvor kennen und schätzen gelernten Architekten Leo von Klenze, welchen er wie schon erwähnt, anschließend auch zum künftigen Privatarchitekten aufstiegen ließ. Der Grundstein für die Glyptothek wurde im April 1816 gelegt und 1830 wurde diese, schließlich ohne jegliche Feierlichkeit dem Publikum eröffnet.

2.3. Baubeschreibung

Der von König Ludwig I. deklarierte Höhepunkt seines kulturellen Schaffens, in Form der Glyptothek, befindet sich auf dem Königsplatz in Bayerns Landeshauptstadt München. Leo von Klenze gelang es ganz nach der Vorstellung des Königs, eine Widergeburt der Antike in Form von Architektur und Artefakten zu schaffen.

„Von zeitloser Schönheit ist das Gebäude: Ein eingeschossiger Vierflügelbau, nobel proportioniert, der nichts Auftrumpfendes an sich hat. An der Hauptfassade erinnern der achtsäulige Portikus mit dem darüber liegenden Figurengiebel und der dreistufige Unterbau an Architekturformen griechischer Tempel. Die Fassade der Glyptothek ist ganz aus Marmor gebaut – einem einheimischen Stein, der im Sonnenlicht leicht gelblich strahlt.“10 ( Raimund Wünsche: Glyptothek München. München. 2016)

Die Marmor Fassade der Glyptothek, die dorischen Säulen im Eingangsbereich und die skulpturalen Artefakte lassen den Bau von Klenze auf den ersten Blick griechisch anmuten. Wie von König Ludwig I. verlangt, besitzt die Glyptothek an Stelle von Fenstern, rund um das Gebäude rechteckige Aussparungen. Der Außenschmuck der Glyptothek besteht aus einer marmornen Giebelgruppe, welche Athena (die Beschützerin der Künste) umringt von Handwerksleuten zeigt (vgl. Abbildung 2). Rund um das Gebäude sind 18 weitere Marmorskulpturen in den jeweiligen fensterähnlichen Aussparungen aufgestellt, welche weitere Götter repräsentieren. Neben der herrschaftlichen Optik, ist vor allem die Verbindung zwischen den Artefakten außerhalb des Gebäudes und denen im Inneren, der gewünschte Effekt Klenzes. Der eingeschossige Bau, besitzt eine Säulenvorhalle mit zwölf unkannellierten ionischen Säulen und einem Vestibül mittig, welches die Höhe der Säle überragt. Die Glyptothek misst eine Höhe von 11 Metern, während das Portal sogar 17 Meter hoch ist. Die Marmorfassade und die dazugehörigen Säulen, vermitteln das von Ludwig so herbei gesehnte Gefühl, vom antiken Griechenland auf den Betrachter. Das Gebäude ist typisch für die Epoche des Klassizismus schlicht gehalten, jedoch erhält die Fassade ein besonderes Profil durch Pilaster, welche waagerecht oder senkrecht angeordnet sind. Die Glyptothek beinhaltet 14 Säle (rechteckige, quadratische oder runde Form) , welche um einen Innenhof angeordnet sind (vgl. Abbildung 3). Dieser spendet auch das Tageslicht, welches durch große, rechteckige Fenster die bis zum Boden reichen, in das Innere der Glyptothek gelangt. Die Innenräume des Gebäudes erinnern im Gegensatz zur Fassade an die römische Antike. Die gewölbten kuppelartigen Decken muten an eine römische Therme an. In den Sälen lassen sich Pilaster, Kassetten, Bögen und Friesen als architektonisches Stilelement wieder finden. Die Innenräume der Glyptothek sind seit dem Wideraufbau in einem rötlichweißen Farbton überzogen (die Kombination aus Ziegelmauer und Kalkschlamm), welche zusammen mit dem blauen Kalksteinfußboden eine dezente Umgebung bieten, sodass die Skulpturen in den Vordergrund gerückt werden (vgl. Abbildung 4). Je nach natürlichen Lichteinfall vom Innenhof herein, variiert die Farbtiefe der Innenräume, sowie der Anblick der Artefakte.

„Dieser Wechsel belebt die Räume und auch die Skulpturen die nach den Erfordernissen einer plastischen Lichtführung aufgestellt sind. Zeitweise werden die Figuren direkt von der Sonne beschienen – wie einst in der Antike.“ 11 (Raimund Wünsche: Glyptothek München. München. 2016)

Im Gegensatz zur früheren Anordnung durch Ludwig I. und Klenze, sind die Skulpturen im Inneren heute frei angeordnet und bieten dem Besucher die Möglichkeit, durch die endlosen Reihen von Exponaten zu lustwandeln. Im Vergleich zu der ursprünglichen Architektur Klenzes, bilden die nüchtern erscheinende Fassade und die Gestaltung der Innenräume heutzutage eine harmonische Verbindung.

[...]


1 Vinzenz Brinkmann, Raimund Wünsche: Bunte Götter – die Farbigkeit Antiker Skulptur. München. 2004

2 Dieter Ohly: Die Antikensammlung am Königsplatz in München.Waldsassen.1967

3 Raimund Wünsche: Glyptothek München. München.2016

4 Raimund Wünsche: Glyptothek München. München.2016

5 Reinhard Horn, Ingrid Rückert: Ludwig I. von Bayern. München.1986

6 Ludwig Hüttl: Ludwig I. König und Bauherr.München.1986

7 Peter Köpf: Der Königsplatz in München.Berlin.2005

8 Raimund Wünsche: Glyptothek München. München. 2016

9 Peter Köpf: Der Königsplatz in München.Berlin.2005

10 Raimund Wünsche: Glyptothek München. München. 2016

11 Raimund Wünsche: Glyptothek München. München. 2016

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Glyptothek München als architektonisches Meisterwerk zwischen Antike und Klassizismus
Untertitel
Eine kunstgeschichtliche Untersuchung
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,7
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V470638
ISBN (eBook)
9783668957602
ISBN (Buch)
9783668957619
Sprache
Deutsch
Schlagworte
glyptothek, münchen, meisterwerk, antike, klassizismus, eine, untersuchung
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Die Glyptothek München als architektonisches Meisterwerk zwischen Antike und Klassizismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470638

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