Die Evangelikale Bewegung in Deutschland. Fundamentalistisch und politisch?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
34 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung
1.1 Forschungsstand
1.2 Evangelikalismus in Deutschland: Begriffsbestimmung und Einordnung als Bewegung

2. Die deutsche Evangelikale Bewegung als fundamentalistische Gruppierung mit politischem Anspruch
2.1 Fundamentalismus nach Martin Riesebrodt
2.1.1 Theoretische Grundlagen
2.1.2 Anwendung der Fundamentalismus-Theorie Riesebrodts auf die deutsche Evangelikale Bewegung
2.2 Politisches Profil der deutschen Evangelikalen Bewegung
2.2.1 Standpunkt zum politischen System der Bundesrepublik Deutschland
2.2.2 Strategien der Interessenartikulation und -vertretung

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Bremen 2008: 16.000 Jugendliche und Erwachsene sind auf der Jugendtagung ‚Christival‘ zusammengekommen, 20.000 werden beim Abschlussgottesdienst dabei sein. Doch nicht diese in einem scheinbar doch so säkularen Deutschland im Zusammenhang mit Gottesdiensten bemerkenswerten Zahlen sind es, die die Presseberichte beherrschen. Es geht vielmehr darum, wer Veranstalter dieser Zusammenkunft war, was dort außer Gottesdiensten angeboten wurde und letztendlich auch, wer seinen finanziellen Beitrag dazu leistete.[1]

Organisator ist die Deutsche Evangelische Allianz, ein Dachverband einer Glaubensgruppe, die weithin als ‚Evangelikale‘ bezeichnet werden. Allein dies scheint schon verdächtig, erinnert es doch an ultra-konservative, ‚fundamentalistische‘ Christen in den USA, die vor Abtreibungskliniken demonstrieren.

Noch größer ist die Aufregung in der Öffentlichkeit, als bekannt wird, dass während der Tagung Seminare mit den Titeln ‚Wege heraus aus der homosexuellen Empfindung‘ oder ‚Sex ist Gottes Idee – Abtreibung auch?‘ angeboten wurden.

Leicht, aber nicht gänzlich in den Hintergrund geriet dabei die Schirmherrschaft Ursula von der Leyens, heute Verteidigungsministerin, damals Familienministerin. Verbunden mit dieser Schirmherrschaft war eine finanzielle Unterstützung für das ‚Christival‘ in Höhe von 250.000 Euro.[2]

‚Der Spiegel‘ überschreibt einen Bericht, der u. a. das ‚Christival‘ behandelt, schließlich folgendermaßen:

„Ihre Anhänger wettern gegen Homosexuelle und predigen ein ekstatisches Glaubensverständnis: Evangelikale Gruppen, organisiert nach amerikanischem Vorbild, haben sich auch in Deutschland ausgebreitet. Nun suchen sie Einfluss auf die Politik.“[3]

Hier wird schnell klar, dass es in Bezug auf das Thema ‚Evangelikale‘, insbesondere wenn es um die Verbindung von Evangelikalismus und Politik geht, oft an analytischer Schärfe mangelt. Diesem Mangel versucht die folgende Arbeit entgegenzuwirken, indem sie sich bemüht, die Frage zu beantworten, inwieweit sich die Evangelikale Bewegung in Deutschland als fundamentalistische Gruppierung einordnen lässt und wie sich ihr politisches Profil im Hinblick auf ihren Standpunkt zum politischen System der Bundesrepublik Deutschland sowie bezüglich ihrer Strategien der Interessenartikulation und -vertretung gestaltet.

1.1 Forschungsstand

Der Begriff des Fundamentalismus zählt sicherlich zu den am meisten gebrauchten Bezeichnungen, wenn das Feld von Religion und Politik erfasst werden soll. Sein (weitestgehend vergessener) begrifflicher Ursprung liegt tatsächlich im evangelikalen Bereich: Zwischen 1910 und 1915 publizierte eine Gruppe konservativer US-Protestanten eine religiöse Schriftenreihe mit dem Titel „The Fundamentals. A Testimony to Truth“, in der v. a. fünf Punkte betont wurden, die für das Christentum unverzichtbar seien: die Jungfrauengeburt, das stellvertretende Sühneopfer Jesu, seine leibliche Auferstehung, seine Wiederkehr zum Endgericht sowie die absolute Irrtumslosigkeit der Bibel.[4] Trotz einer Gesamtauflage von 2,5 Millionen Exemplaren blieben „The Fudamentals“ in ihren unmittelbaren Auswirkungen beschränkt.[5]

Im heutigen Gebrauch steht ‚Fundamentalismus‘ allgemein „für theoretische Grundlegungen und praktische Organisationsformen eines umfassenden oder selektiven Anti-Modernismus […]“[6], in Bezug auf z. T. sehr unterschiedliche politische, soziale oder religiöse Strömungen.[7] Dabei wird er jedoch häufig in einem diffusen und stark negativ konnotierten Zusammenhang genutzt, oft wird er in Verbindung mit dem Islam genannt.[8]

Trotz dieser v. a. in der Alltagssprache vorkommenden Verkürzungen kann der Begriff durchaus im wissenschaftlichen Kontext als analytische Kategorie genutzt werden, was tatsächlich in vielfältiger Weise geschieht. Um diese Bandbreite zu illustrieren, soll im Folgenden ein kurzer Überblick über diverse Ansätze zum religiösen Fundamentalismus gegeben werden.

Heiner Bielefeldt und Wilhelm Heitmeyer verstehen in der Einleitung ihres Sammelbandes „Politisierte Religion. Ursachen und Erscheinungsformen des modernen Fundamentalismus“ unter Fundamentalismus

„eine spezifisch moderne Form politisierter Religion […], die sich nicht mehr als bloße Verlängerung eines religiösen Traditionalismus oder Konservativismus verstehen läßt, insofern sie in bewußter Auseinandersetzung mit der Moderne selbst gewissermaßen ein ‚modernes‘ Profil gewinnt.“[9]

Diese Auseinandersetzung zeigt sich deutlich in der Ablehnung säkularer Tendenzen, die als Ausdruck einer generellen Modernisierung gelten.[10] Auf Grundlage der eigenen Religion, der ein absoluter Wahrheitsanspruch inhärent ist, wird versucht, den politischen Raum zu okkupieren. Eine derartig politisierte Religion verflacht so den Autoren zufolge letztlich zu einem Machtinstrument, das sich kaum mehr von sonstigen Ideologien unterscheidet. Ein Beispiel für analoge Funktionsweisen ist etwa der Einsatz moderner Technik zur politischen Mobilisierung von Anhängern.[11] Durch diese Nutzung der Mittel und Medien der Moderne ergibt sich ein Paradox: Fundamentalismus erweist sich letztendlich als „eine moderne Reaktion auf die Risiken der Moderne“[12].

Auch Thomas Meyer postuliert, dass der Fundamentalismus „die technischen und organisatorischen Mittel, die die Moderne hervorgebracht hat, [nutzt,] um ihre kulturellen Grundlagen zu bekämpfen.“[13] Für ihn zeichnet sich Fundamentalismus jedoch maßgeblich durch eine „hegemonieorientierte Politisierung kultureller Unterschiede“[14] aus. Den eigenen absoluten kulturellen und religiösen Wahrheitsansprüchen wird dabei die Fähigkeit zugesprochen, die hauptsächlich durch Modernisierungsprozesse entstandenen Mängel der Welt beheben zu können.[15] Fundamentalismus impliziert damit automatisch eine religiöse Intoleranz[16] und eine systematisch verzerrte, asymmetrische Kommunikation mit anderen religiösen und kulturellen Gruppierungen, da Fundamentalisten davon ausgehen müssen, dass aufgrund ihres eigenen Gewissheitsanspruchs die andere Seite nie Recht haben kann.[17]

Ebenfalls im Sammelband von Heiner Bielefeldt und Wilhelm Heitmeyer erschienen ist der Aufsatz von Ahmet Cigdem, der unter religiösem Fundamentalismus die Entprivatisierung der Religion fasst. Dabei wird von fundamentalistischen Gruppierungen der Anspruch formuliert, dass die Religion nicht mehr nur im privaten Bereich als moralbildende Instanz fungiert, so wie es ihr von einer modernen (laizistischen) Gesellschaft zugedacht wird.[18]

Es fällt zusammenfassend auf: Der Fundamentalismus-Begriff liegt in verschiedenen Definitionen vor, die jedoch meist einen religiösen Charakter, eine manichäische Weltsicht und ein Paradox der Abgrenzung zur Moderne, deren Mittel der Fundamentalismus sich dennoch bedient, beinhalten.

Diese Arbeit wird sich am Fundamentalismus-Begriff von Martin Riesebrodt orientieren. Dieser geht stärker als andere, insbesondere die genannten, auf den immanent religiösen, weniger dauerhaft politischen Charakter des Fundamentalismus ein, was für die Bearbeitung der aufgeworfenen Fragestellung äußerst gewinnbringend scheint. Riesebrodts Theorie soll nach der Bestimmung des Forschungsfeldes „Evangelikalismus in Deutschland“ unter Punkt 2.1 genauer erläutert und auf den Forschungsgegenstand angewandt werden.

Das Thema Evangelikalismus in Deutschland, auch im Zusammenhang mit religiösem Fundamentalismus, der, wie bereits erwähnt, oft in Bezug auf den Islam angewandt wird, ist ein eher gering erschlossenes Forschungsfeld.[19]

Im Gegensatz zum Evangelikalismus in den USA, der – besonders im Hinblick auf seine historische Entwicklung im anglo-amerikanischen Raum – verhältnismäßig gut erforscht ist,[20] sind Publikationen, die sich mit dem Phänomen in Deutschland beschäftigen, eher rar.

Exemplarisch, auch in der Hinsicht, dass sie für diese Arbeit sehr fruchtbar waren, lassen sich diverse Abschluss- und Qualifikationsarbeiten nennen, beispielsweise von Michael Hausin (1999)[21], Gisa Bauer (2012)[22] und Katja Guske (2014)[23].

Zu nennen sind außerdem verschiedene Arbeiten von zumeist Theologen, die sich selbst als evangelikal bezeichnen oder eine gewisse Nähe zur Evangelikalen Bewegung aufweisen.[24] Daraus ergibt sich eine „prägende Insider/Outsider-Problematik“[25] zwischen diesen Autoren und denjenigen, die sich aus der Außenperspektive mit dem Forschungsbereich beschäftigen.[26]

Insgesamt lässt sich in den letzten Jahren ein zunehmendes Interesse an derEevangelikalen Bewegung, insbesondere auch an ihrem politischen Profil feststellen. So erschien jüngst das von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegebene ‚Handbuch Evangelikalismus‘, das versucht, möglichst viele Aspekte der Bewegung zu beleuchten.[27] Auffallend sind außerdem diverse Publikationen in politisch links orientierten Verlagen. Ihre sicher nicht gering zu schätzenden Recherchen stellen eine etwaige Nähe von Teilen der Evangelikalen Bewegung zum politisch rechten Spektrum auf eine teils an Verschwörungstheorien erinnernde Weise dar.[28]

Auch die vorliegende Arbeit speist sich aus dem Erkenntnisinteresse an der Evangelikalen Bewegung und ihrem politischen Profil. Sie hofft, mit ihrer Analyse wenigstens eine kleine Lücke in einem immer noch teils wenig erschlossenen Forschungsfeld zu füllen.

1.2 Evangelikalismus in Deutschland: Begriffsbestimmung und Einordnung als Bewegung

Dem Duden Fremdwörterbuch zufolge bedeutet ‚evangelikal‘ soviel wie ‚dem Evangelium gemäß‘. Mitglieder der Evangelikalen Bewegung können sich mit dieser Bedeutung anfreunden, zuweilen wird ‚evangelikal‘ auch bewusst als Selbstbezeichnung verwendet. Oft wird ‚evangelikal‘ jedoch in negativer, pejorativer Konnotation bis hin zum Kampfbegriff gebraucht,[29] weshalb zahlreiche Evangelikale dem Begriff eher distanziert gegenüberstehen.[30]

Die Begriffsgeschichte ist eng verbunden mit der allgemeinen Historie des Evangelikalismus.

Ursprünglich stammt der Begriff aus dem angelsächsischen Bereich, wo er bereits im 16. Jahrhundert als Bezeichnung für Anhänger des reformatorischen Flügels innerhalb der anglikanischen Kirche gebraucht wurde. ‚Evangelical‘ wurde mit der Zeit zu einem Sammelbegriff für innerprotestantische Bewegungen, indem man sich bewusst von der Bezeichnung ‚protestant‘ abgrenzte.[31]

Vorläufer des Evangelikalismus in Deutschland lassen sich – oft ähnlich wie in Großbritannien und den USA – in diversen religiösen Bewegungen finden. Zu nennen ist hier u. a. der Pietismus des 17. und 18. Jahrhunderts, eine der wichtigsten Frömmigkeitsbewegungen innerhalb des Protestantismus nach der Reformation. Ebenfalls Einfluss hatten die Erweckungsbewegung und die sich daraus entwickelnde Gemeinschaftsbewegung des späten 19. Jahrhunderts. Die Charakteristiken der Ablehnung des sog. Zeitgeistes in teilweiser Verbindung mit politischem Aktivismus, wie er den Pietismus auszeichnet, sowie die Elemente Missionierung (Erweckungsbewegung) und Haus- und Gemeindekreise (Gemeinschaftsbewegung) spielen auch im heutigen Evangelikalismus nicht nur in Deutschland eine wichtige Rolle.[32]

Der Begriff ‚evangelikal‘ wurde in Deutschland erst in den 1960er Jahren virulent. Der Zeitpunkt der ersten Verwendung ist umstritten. Bereits 1965 erschien er in zwei Berichten evangelikaler Medien.[33] 1966 fand in Berlin der vom amerikanischen Evangelikalen Billy Graham initiierte Kongress für Weltevangelisation statt, bei dem er (auf Englisch) dazu aufrief, sich der ‚evangelical church‘ anzuschließen. Sein Übersetzer Peter Schneider übersetzte dies mit ‚evangelikaler Kirche‘.[34] Hier wird bereits die grundsätzliche Begriffsproblematik deutlich: Die wörtliche Übersetzung hieße ‚evangelisch‘, was in Deutschland jedoch untrennbar mit den Landeskirchen verbunden ist. Der neue Begriff ‚evangelikal‘ grenzt sich davon bewusst ab. Vermehrt tritt die Bezeichnung erst seit ca. 2000 in der medialen Berichterstattung und generellen öffentlichen Rezeption auf.[35]

Bereits mehrmals wurde der Begriff ‚Bewegung‘ für die evangelikale Gemeinschaft genutzt. Diese soziologische Einordnung wird nicht nur aus der wissenschaftlichen Außenperspektive vorgenommen; auch Evangelikale selbst bezeichnen den Evangelikalismus als „dynamische Bewegung“[36], die sowohl innerhalb der protestantischen Kirche, als auch in zahlreichen freikirchlichen Vereinigungen anzusiedeln ist. In Abgrenzung zu den Landeskirchen bezeichnet man sich als ‚Bewegung‘ und bewusst nicht als ‚Kirche‘.[37]

Soziale Bewegungen wollen im Allgemeinen einen sozialen und politischen Wandel herbeiführen oder verhindern, indem sie in gesellschaftliche Prozesse eingreifen. Dabei handeln sie auf der Grundlage einer hohen symbolischen Integration als kollektive Akteure mit unterschiedlichen Graden an Institutionalisierung und variablen Aktionsformen. Wichtig dabei ist eine gemeinsame Idee oder Ideologie, die eine kollektive Identität schafft. Außerdem ist neben der Organisation in größeren Verbänden auf der Makroebene, die Infrastruktur und Netzwerke bereitstellen, eine Verankerung an der Basis essentiell. Letztere bietet die Möglichkeit, die eigenen Mitglieder an die Bewegung zu binden sowie deren eigene Netzwerke, etwa ihre Familie oder Freunde, in Kontakt zur Bewegung zu bringen.[38]

Legt man nun diese Kriterien an, lässt sich die evangelikale Gemeinschaft in Deutschland durchaus als Bewegung erfassen:

So will sie einen gesellschaftlichen Wandel im dem Sinne herbeiführen, dass ihre gemeinsame Idee eines ‚wahren‘ Christentums die negativen Auswirkungen der Moderne ausmerzen soll.[39] Dabei bildet sich eine kollektive Identität heraus, in der die gemeinsame Idee Gemeinschaft stiftet, gleichzeitig aber als Abgrenzung zu anderen kollektiven Identitäten wirkt. Letztere werden zum einen in säkularen Strömungen und Vorstellungen wie Materialismus, Feminismus oder Liberalismus gesehen,[40] aber auch im „Kulturprotestantismus“[41] der evangelischen Landeskirchen, die sich der Evangelikalen Bewegung zufolge zu sehr an die Gegebenheiten der Moderne anpassen.[42] Der Evangelikalen Bewegung wird zudem häufig ein „antiinstitutionelle[r] Impetus“[43] zugeschrieben, der im Kontext der Abwendung von der institutionalisierten Religion der Landeskirchen[44] sowie diverser Formen und Grade der Organisation innerhalb der Bewegung steht.[45] So existieren auf der Makroebene tatsächlich verschiedene Dachverbände wie die Deutsche Evangelische Allianz oder die Lausanner Bewegung / Koalition für Weltevangelisation in Deutschland. Auf der anderen Seite spielen an der Basis die Gemeinden und Hauskreise eine außerordentliche Rolle. Zur Mobilisierung von Anhängern, aber auch zum Erreichen einer breiten Öffentlichkeit, lässt sich eine starke Nutzung moderner Medien feststellen, über die die eigenen Ansichten und Interessen transportiert werden.[46]

Ihren Anspruch auf sozialen und politischen Einfluss unterstreichen sie mit unterschiedlichen Aktionsformen, einige – insbesondere bezogen auf politisches Engagement – werden unter Punkt 2.2 erläutert.

Dass die Einordung der Evangelikalen Gemeinschaft als Bewegung nicht unumstritten ist, zeigt sich in Gisa Bauers Habilitationsschrift. Sie sieht die Evangelikalen gleichsam als Gegenbewegung zu den sog. neuen sozialen Bewegungen. Sie begründet dies mit dem geringen sozialen Engagement, der Aversion gegen Sozialutopien, wie sie in Verbindung mit den kommunistischen Strömungen der 1960er und 1970er Jahre zu finden sind, sowie mit der Distanz zu sozialer Kritik an Staat und Gesellschaft. Das zentrale Merkmal des politischen Agierens sei aufgrund der grundsätzlichen Politikaversion der Evangelikalen Bewegung nicht gegeben.[47] Allein der strukturelle Aufbau und die Funktionsweise seien den neuen sozialen Bewegungen ähnlich.[48] Sie subsumiert die evangelikale Gemeinschaft letztendlich als „Protestbewegung innerhalb der Kirche“[49] ohne spezifisch sozialkritisch-politische Stoßrichtung.[50] Man muss hier jedoch anmerken, dass sich Bauers Ausführungen auf den Zeitraum 1945 bis 1989 beziehen, in dem sich der Evangelikalismus in Deutschland – anders als heutzutage – tatsächlich durch eine grundlegende politische und soziale Zurückhaltung auszeichnete.

[...]


[1] Vgl. Wensierski, Peter: Aufschwung Jesu. In: Der Spiegel 18/2008, S. 38-41. In: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-56756333.html, zuletzt aufgerufen am 29.10.2018: 38.

[2] Vgl. ebd. sowie Teidelbaum, Lucius: Die christliche Rechte in Deutschland. Strukturen, Feindbilder, Allianzen. Münster 2018: 55.

[3] Wensierski 2008: 38.

[4] Vgl. Hausin, Michael: Staat, Verfassung und Politik aus Sicht der Evangelikalen Bewegung innerhalb des deutschen Protestantismus. Inaugurationsdissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Politikwissenschaft des Instituts für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock. Rostock 1999: 9. Sowie Bohlen, Gerd: Fundamentalismus. In: Drechsler, Hanno u. a. (Hg.): Gesellschaft und Staat. Lexikon der Politik. München 102003, S. 383-386: 383.

[5] Vgl. Hinkelmann, Frank: Evangelikale in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ursprung, Bedeutung und Rezeption eines Begriffs. Bonn 2017: 15.

[6] Meyer, Thomas: Fundamentalismus. In: Nohlen, Dieter/Grotz, Florian (Hg.): Kleines Lexikon der Politik. 62015 (2001), S. 204-207: 204.

[7] Vgl. Hausin 1999: 8.

[8] Vgl. Bielefeldt, Heiner/Heitmeyer, Wilhelm: Einleitung: Politisierte Religion in der Moderne. In: Dies. (Hg.): Politisierte Religion. Ursachen und Erscheinungsformen des modernen Fundamentalismus. Frankfurt a. M. 1998, S. 11-33: 11.

[9] Bielefeldt/Heitmeyer 1998: 12.

[10] Vgl. ebd.: 17-19.

[11] Vgl. ebd.: 15 f.

[12] Ebd.: 20.

[13] Meyer, Thomas: Die Politisierung kultureller Differenz. Fundamentalismus, Kultur und Politik. In: Bielefeldt, Heiner/Heitmeyer, Wilhelm (Hg.): Politisierte Religion. Ursachen und Erscheinungsformen des modernen Fundamentalismus. Frankfurt a. M. 1998, S. 37-66: 51 f.

[14] Ebd.: 50.

[15] Vgl. ebd.: 41.

[16] Vgl. ebd.: 54.

[17] Vgl. Meyer 1998: 57.

[18] Vgl. Cigdem, Ahmet: Religiöser Fundamentalismus als Entprivatisierung der Religion. In: Bielefeldt, Heiner/Heitmeyer, Wilhelm (Hg.): Politisierte Religion. Ursachen und Erscheinungsformen des modernen Fundamentalismus. Frankfurt a. M. 1998, S. 91-108: 95.

[19] Vgl. Elwert, Frederik/Radermacher, Martin/Schlamelcher, Jens: Einleitung. In: Dies. (Hg.): Handbuch Evangelikalismus. Bonn 2018, S. 11-20: 11 f.

[20] Vgl. Radermacher, Martin/Schüler, Sebastian: Evangelikalismus als Forschungsfeld. In: Elwert, Frederik/Radermacher, Martin/Schlamelcher, Jens: Handbuch Evangelikalismus. Bonn 2018, S. 33-46: 35.

[21] Vgl. Hausin 1999.

[22] Vgl. Bauer, Gisa: Evangelikale Bewegung und evangelische Kirche in der Bundesrepublik Deutschland. Geschichte eines Grundsatzkonflikts (1945 bis 1989). Göttingen 2012.

[23] Vgl. Guske, Katja: Zwischen Bibel und Grundgesetz. Die Religionspolitik der Evangelikalen in Deutschland. Wiesbaden 2014.

[24] Vgl. beispielsweise Schnabel, Eckhard J.: Sind Evangelikale Fundamentalisten? Wuppertal/Zürich 1995.Sowie: Holthaus, Stephan: Die Evangelikalen. Fakten und Perspektiven. Lahr/Schwarzwald 2007 (a).Sowie: Hinkelmann 2017.

[25] Radermacher/Schüler 2018: 42.

[26] Vgl. ebd.

[27] Vgl. Elwert, Frederik/Radermacher, Martin/Schlamelcher, Jens: Handbuch Evangelikalismus. Bonn 2018.

[28] Vgl. Lambrecht, Oda/Baars, Christian: Mission Gottesreich. Fundamentalistische Christen in Deutschland. Berlin 2009. Sowie: Teidelbaum 2018.

[29] Vgl. Hausin 1999: 6.

[30] Vgl. Guske 2014: 90.

[31] Vgl. Hausin 1999: 6.

[32] Vgl. Guske 2014: 59-64.

[33] Vgl. Bauer 2012: 28.

[34] Vgl. ebd.: 29.

[35] Vgl. Hinkelmann 2017: 114.

[36] Holthaus, Stephan: Die Evangelikalen. Plädoyer für einen fairen Umgang mit ihnen. In: Christliches Medienmagazin pro 1/2007, S. 4-7 (b): 4.

[37] Vgl. ebd.

[38] Vgl. Guske 2014: 97, 99.

[39] Vgl. Guske 2014: 102.

[40] Vgl. Kern, Thomas/Pruisken, Insa: Evangelikalismus als Bewegung. In: Elwert, Frederik/Radermacher, Martin/Schlamelcher, Jens: Handbuch Evangelikalismus. Bonn 2018, S. 261-273: 263 f.

[41] Guske 2014: 12.

[42] Vgl. Guske 2014: 12, 128 f. sowie Hausin 1999: 16.

[43] Kern/Pruisken 2018: 261, zitiert nach Rucht, Dieter/Blattert, Barbara/Rink, Dieter: Soziale Bewegungen auf dem Weg zur Institutionalisierung. Zum Strukturwandel „alternativer“ Gruppen in beiden Teilen Deutschlands. Frankfurt a. M. 1997: 5. Vgl. auch: Freston, Paul: Evangelicals and Politics in Asia, Africa and Latin America. Cambridge 2001: 3.

[44] Vgl. Kern/Pruisken 2018: 261.

[45] Vgl. Guske 2014: 102.

[46] Vgl. ebd.

[47] Vgl. Bauer 2012: 34.

[48] Vgl. ebd.: 114.

[49] Ebd.: 34.

[50] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Die Evangelikale Bewegung in Deutschland. Fundamentalistisch und politisch?
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
34
Katalognummer
V470678
ISBN (eBook)
9783668942745
ISBN (Buch)
9783668942752
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Evangelikal, Religion, Fundamentalismus, Politik, Christentum
Arbeit zitieren
Carla Herrmann (Autor), 2018, Die Evangelikale Bewegung in Deutschland. Fundamentalistisch und politisch?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470678

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