Die Chancengleichheit ist ein politischer Begriff, „der das Recht auf gleiche Ausgangsbedingungen für die einzelnen Glieder von Staat und Gesellschaft bei der Entfaltung ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen bezeichnet.“ (Der Brockhaus 2002). Der Begriff geht auf die Philosophie der Aufklärung zurück und ist in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (Artikel 2) festgeschrieben. Dort wird die Gewährung gleicher Chancen für jeden Bürger eines Landes unabhängig von seinem Geschlecht, seiner Herkunft, Religion oder Hautfarbe gefordert.
Inhaltsverzeichnis
1 Chancengleichheit im Bildungswesen
1.1 Begriffsdefinition: Chancengleichheit
1.2.1 Chancengleichheit im Bildungswesen
1.2.2 Definition des Arbeitsstabes Forum Bildung
1.3 Vergleich der Definitionen
2 Eliteförderung
2.1 Chancengleichheit als Rechtfertigung für die Begabtenförderung
2.2.1 Pro-Argumente für eine Eliteförderung
2.2.2 Contra-Argumente gegen eine Eliteförderung
2.3 Eliteförderung und Chancengleichheit
3 Begabtenförderung in Deutschland
3.1 Existierende Methoden der Begabtenförderung in Deutschland
3.2.1 Akzeleration
3.2.2 Fähigkeitsgruppierungen
3.2.3 Enrichment-Maßnahmen
3.3 Maßnahmen im Bereich der Begabtenförderung in Hessen
3.4 Begabtenförderung in Deutschland unter Berücksichtigung der Chancengleichheit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem bildungspolitischen Postulat der Chancengleichheit und den Bestrebungen zur gezielten Eliteförderung im deutschen Schulwesen. Dabei wird analysiert, ob spezialisierte Begabtenförderung mit dem verfassungsrechtlich verankerten Gebot der Bildungsgerechtigkeit vereinbar ist.
- Begriffsanalyse von Chancengleichheit in Theorie und Praxis
- Politische Argumentationsmuster zur Eliteförderung
- Methodische Ansätze der Begabtenförderung (Akzeleration, Gruppierung, Enrichment)
- Regionale Umsetzungsbeispiele am Standort Hessen
- Kritische Reflexion über soziale Auslesemechanismen im Bildungssystem
Auszug aus dem Buch
1.3 Vergleich der Definitionen
Auf den ersten Blick scheinen die Definitionen ähnlich zu sein. Bei einer näheren Betrachtung fallen jedoch Unterschiede auf, die zum Teil widersprüchlich sein können und somit eine breite Debatte für die verschiedenen politischen Parteien ermöglichen.
Die Definition der Chancengleichheit fordert gleiche Ausgangsbedingungen, unabhängig von der sozialen Herkunft. Dabei werden unterschiedliche Fähigkeiten und Interessen entfaltet. Nach der Definition des Arbeitsstabes sollen Menschen „Bildungsangebote wahrnehmen können, die ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechen“. Demnach muss zwar immer noch ein von sozialer Herkunft unabhängiger Bildungszugang ermöglicht werden, aber das Bildungsangebot kann unterschiedlich sein und entspricht den individuellen Interessen und Fähigkeiten. Das bedeutet sinngemäß, dass zum Beispiel Begabte anders gefördert werden können, weil sie „andere Fähigkeiten“ besitzen. Die Frage, die sich allerdings hieraus ergibt, ist, ob nicht die unterschiedlichen Fähigkeiten der Menschen unter anderem aus ihrer sozialen Herkunft resultieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Chancengleichheit im Bildungswesen: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Chancengleichheit und untersucht die verschiedenen Auslegungen durch Experten und politische Gremien.
2 Eliteförderung: Hier werden die politischen Begründungen für Eliteförderung sowie die zentralen Pro- und Contra-Argumente im Kontext der Chancengerechtigkeit diskutiert.
3 Begabtenförderung in Deutschland: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über existierende Methoden wie Akzeleration und Enrichment sowie spezifische Maßnahmen im Bundesland Hessen und reflektiert deren Vereinbarkeit mit der Chancengleichheit.
Schlüsselwörter
Chancengleichheit, Eliteförderung, Begabtenförderung, Bildungswesen, Akzeleration, Enrichment, Fähigkeitsgruppierung, Bildungsgerechtigkeit, soziale Herkunft, Schulentwicklung, Förderstufe, Leistungsdifferenzierung, Inklusion, Bildungspolitik, Begabungsforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet das Spannungsverhältnis zwischen dem Ziel der Chancengleichheit im Bildungswesen und der aktuellen politischen Forderung nach einer gezielten Förderung von Hochbegabten bzw. einer Elite.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Begriffsdefinitionen der Chancengleichheit, der politische Diskurs um Eliteförderung sowie konkrete pädagogische Methoden der Begabtenförderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu hinterfragen, ob durch Eliteförderung eine soziale Auslese stattfindet und inwieweit das deutsche Bildungssystem bereits Ansätze bietet, die dem Prinzip der Chancengleichheit entsprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, die Untersuchung von Definitionen, den Vergleich politischer Parteiprogramme sowie die Analyse bestehender pädagogischer Förderkonzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Auseinandersetzung mit Chancengleichheit, die Erörterung der Eliteförderung als politische Strategie und die praktische Darstellung der Begabtenförderung in Deutschland und Hessen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Chancengleichheit, Eliteförderung, Begabtenförderung, Akzeleration und Enrichment.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Integration und Separation bei der Begabtenförderung?
Integration beschreibt die Förderung begabter Schüler innerhalb heterogener Klassen, während Separation die Unterrichtung in fähigkeitshomogenen Gruppen oder speziellen Begabtenklassen meint.
Was ist das Hauptproblem der Eliteförderung aus Sicht des Autors?
Der Autor kritisiert, dass durch Eliteförderung eine soziale Machtgliederung entstehen könnte, da unklar bleibt, wer als „begabt“ gilt und ob diese Maßnahmen nicht zulasten der allgemeinen Bildungsförderung gehen.
- Quote paper
- Michel Allendörfer (Author), 2004, Chancengleichheit im Bildungswesen und Eliteförderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47071