Duales System der Krankenversicherung vs. Bürgerversicherung. Vorstellung und Vergleich an ausgewählten Leistungen


Hausarbeit, 2018
35 Seiten, Note: 1,1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. FragestellungII
1.2. Zielsetzung
1.3. Vorgehensweise

2. Das duale System der Krankenversicherung in Deutschland
2.1. Historie und Hintergründe
2.1.1. Historie der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)
2.1.2. Historie der privaten Krankenversicherung (PKV)
2.2. Volkswirtschaftliche und Relevanz des Gesundheitswesens
2.3. Makroökonomische Einordnung der gesetzlichen und privaten Krankenversi- cherung

3. Konzept der Bürgerversicherung
3.1. Gründe für die Reform
3.2. Merkmale der Bürgerversicherung

4. Exemplarischer Vergleich des Leistungsumfangs im dualen System
4.1. Akupunktur
4.1.1. Leistungen zur Akupunktur der gesetzlichen Versicherungen (GKV)
4.1.2. Leistungen zur Akupunktur der privaten Versicherungen (PKV)
4.1.3. Vergleichende Bewertung Akupunktur
4.2. Zahnersatz
4.2.1. Zahnersatzleistungen bei gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV)
4.2.2. Zahnersatzleistungen bei privaten Krankenversicherungen (PKV)
4.2.3. Vergleichende Bewertung Zahnersatz

5. Leistungsumfang einer Bürgerversicherung

6. Kritisches Fazit
6.1. Politische Debatte zur Bürgerversicherung
6.2. Leistungsbewertung zur Bürgerversicherung
6.3. Abschließende Bewertung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jüngst gab der SPD Politiker Karl Lauterbach der Tageszeitung „Die Welt“ gegenüber an, dass es sicher sei, die Bürgerversicherung würde kommen1. Der Mediziner und Gesundheitswissenschaftler, seit 2005 als Abgeordneter für die SPD Mitglied des deut- schen Bundestags, greift damit ein viel diskutiertes Thema auf.

Noch kurz vor der Einigung der beiden großen Fraktionen CDU/CSU und SPD zu einer großen Koalition war die Abschaffung eines Zwei-Klassen-Versicherungssysteme zu- gunsten einer sogenannten Bürgerversicherung eine aktuelle Forderung der Sozialde- mokraten. Im Zuge einer Einigung zur Bildung einer Regierung wurde dieses Konzept zunächst zurückgestellt, wie „Die Welt“ berichtet: „...der von der SPD geforderte Wech- sel zur Bürgerversicherung wurde während der GroKo-Verhandlungen kassiert.2

Während es also insbesondere die SPD war, die ein Ende der Zwei-Klassen-Medizin propagierte, stellen sich die Vertreter der deutschen Ärzteschaft gegen dieses Konzept und warnen vor einer Verschlechterung der Grundversorgung im Einheitssystem. Gleichzeitig ist jedoch zu beobachten, dass sich die Mehrheit der Bürger deutlich für die Bürgerversicherung ausspricht.

Wie kontrovers dieser Diskurs geführt wird, zeigt ein Kommentar von Andreas Mihm für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Mit Verweis auf die Problematiken des einer Bür- gerversicherung ähnlichen Krankenversicherungssystems in Großbritannien, dem „NHS“ (National Health Service), spricht der Autor davon, dass es bei Abschaffung des zweigleisigen Systems „... außer Ideologen [...] niemand von den der Bürgerversiche- rung [profitieren würde].“ 3

Die konträr zueinanderstehenden Meinungen in Bezug auf eine Bürgerversicherung verfolgen unterschiedliche Argumentationsstränge, die in der vorliegenden Hausarbeit untersucht werden sollen. So wird auf der einen Seite eine höhere Versicherungsge- rechtigkeit in Bezug auf Beitragshöhen und Zugang zum Gesundheitssystem ins Feld geführt, andererseits sehen Kritiker durch eine Bürgerversicherung eine hohe volks- wirtschaftliche Belastung und einen empfindlichen Eingriff in die freie Marktwirtschaft, die auch privatwirtschaftliche Versicherungen zulässt.

1.1. Fragestellung

Vor dem Hintergrund der einleitenden Hinführung zur kontrovers diskutierten Bürger- versicherung wird die folgende Fragestellung für diese Hausarbeit ausgegeben:

Schafft die Bürgerversicherung einen gerechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle ohne Leistungseinbußen oder würde die medizinische Grundversorgung ratio- niert und so eine Verschlechterung des Leistungsumfanges für alle nach sich ziehen?

1.2. Zielsetzung

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, ist den anhand von zwei ausgewählten Beispie- len (Akupunktur / Zahnersatz) verdeutlichten Umfang von Leistungen im dualen Sys- tem aus gesetzlicher (GKV) und privater (PKV) Krankenversicherung dem spekulativen Leistungsumfang der Bürgerversicherung gegenüberzustellen. Dabei werden exempla- risch die GKV und die PKV mit den größten Mitgliederanzahlen betrachtet, die BAR- MER und die Debeka4,5. Bei der Debeka wird konkret der N-Tarif exemplarisch zum Vergleich herangezogen.

Es soll einerseits die Perspektive der Versicherten eingenommen und untersucht wer- den, wie sich eine Bürgerversicherung auf die möglichen Leistungen und Beitragszah- lungen auswirken würde und andererseits sollen volkswirtschaftlichen sowie makro- ökonomischen Effekte untersucht werden, die durch ein solches Versicherungskonzept resultieren würden.

1.3. Vorgehensweise

Um die Ziele der vorliegenden Arbeit erreichen zu können, ist es zunächst notwendig, eine fundierte Wissensgrundlage schaffen. Dies erfolgt durch eine systematische Dar- stellung des dualen Krankenversicherungssystems sowie des Bürgerversicherungs- konzepts. Diese hinleitende Grundlage wird geschaffen in Kapitel 2 und 3.

In einem zweiten Teil dieser Hausarbeit werden ausgewählte Leistungen der privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen exemplarisch verglichen, um die Unterschie- de zwischen den beiden Konzepten zu verdeutlichen. Ausgewählt werden die Aspekte zu Leistungen für die alternative Heilmethode der Akupunktur sowie den Leistungen für Zahnersatz (Kapitel 4).

Die Leistungen einer möglichen Bürgerversicherung werden auf der Basis des aktuel- len Wissens- und Forschungsstands anschließend in Kapitel 5 vorgestellt. Dieser Punkt muss in einer Vorbemerkung als kritisch bezeichnet werden, da der geplante Leistungskatalog einer möglichen Bürgerversicherung bisher nicht veröffentlich wurde. Somit dienen als Basis aktuelle Zeitungsartikel und Literatur anhand des Buches „Bür- gerversicherung - solidarisch und sicher!“ aus dem Jahre 2004 von den Herausgebern Martin Pfaff und Heinz Stapf-Finé. Zwar ist dieses in konkreter Zusammenarbeit mit der SPD und dem DGB entstanden und somit ist die geforderte wissenschaftliche Neu- tralität nicht vollumfänglich gegeben, doch sind die darin enthaltenden Expertendiskus- sionen über die konkrete Umsetzung geeignet für die Schaffung eines fundierten Über- blicks zum Thema.

Der politische Diskurs wird schließlich auch vor dem Hintergrund der jüngsten Entwick- lungen nach Einigung der CDU/CSU sowie der SPD zu einer großen Koalition in Kapi- tel 6 dargestellt sowie erörtert, bevor ein kritisches Fazit in Kapitel 7 die vorliegende Hausarbeit abschließt.

2. Das duale System der Krankenversicherung in Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland besteht historisch gewachsen ein duales System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Um ein Grundverständnis für die- sen Ist-Zustand vor dem Hintergrund einer aktuellen Debatte um die Bürgerversiche- rung, welche eine Abschaffung der privatwirtschaftlichen Krankenversicherungen be- deuten würde, zu schaffen, werden in diesem Kapitel entwicklungshistorischen Grund- lagen, die volkswirtschaftliche Relevanz des Gesundheitswesens sowie eine makro- ökonomische Einordnung der beiden Krankenversicherungstypen geschaffen.

2.1. Historie und Hintergründe

Die historischen Entwicklungen und Hintergründe zur gesetzlichen und privaten Kran- kenversicherung in Deutschland werden getrennt voneinander dargestellt, um die un- terschiedlichen Systematiken zu verdeutlichen.

2.1.1. Historie der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)

Die Entwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung ist eng verknüpft mit der Eta- blierung des Sozialversicherungssystems zu Ende des 19. Jahrhunderts in der Ära des deutschen Kaiserreichs unter Wilhelm II.

Erste gesetzlich verankerte Grundlagen waren jedoch schon vor der wilhelminischen Zeit geschaffen worden. Im Jahr 1845 wurde im Königreich Preußen ein Gesetz verab- schiedet, welches es den einzelnen Gemeinden erlaubte, Arbeiter in die Krankenversi- cherungspflicht zu nehmen. Im Jahr 1867 wurde schließlich mit dem „Kaufmännischen Verein für Handlungsgehilfen in Barmen“ in Wuppertal-Barmen der Vorläufer der bis heute tätigen Barmer Ersatzkasse (BEK) gegründet.6

Der seinerzeit amtierende Reichskanzler Otto von Bismarck sah sich in Folge des stei- genden politischen Einflusses der Sozialdemokraten in den 1880er Jahren veranlasst auf den Kaiser Wilhelm II. einzuwirken. Durch die sogenannte „Kaiserliche Botschaft“ wurde die Grundlage geschaffen, im Reichstag Gesetze zu schaffen, welche die Arbei- ter im Kaiserreich sozial absichern sollte. Diese Absicherung bezog sich nicht nur auf den Krankheitsfall, sondern ebenfalls auf eine Unfall-, Invaliditäts- und Altersvorsorge.7

Als eigentliche Geburtsstunde der gesetzlichen Krankenversicherung gilt schließlich das Jahr 1883. Am 15. Juni 1883 erließ Reichskanzler Otto von Bismarck das „Gesetz betreffend der Krankenversicherung der Arbeiter“8 und vollzog somit die Trennung der bisher schon bestehenden Möglichkeit zur privaten Krankenversicherung.9

Dieses Gesetz trat schließlich zum 01. Januar 1884 in Kraft und ist seitdem wiederholt angepasst und erweitert worden. Im Juli des gleichen Jahres wurde beispielsweise das Unfallversicherungsgesetz verabschiedet, welches im Oktober 1885 in Kraft trat. Eine Erweiterung der Kranken- und Unfallversicherungsgesetze auf andere Berufsgruppe, wie beispielsweise Arbeiter in der Forst- und Landwirtschaft oder in der Seefahrt, er- folgte sukzessive bis zum Ende der 1880er Jahre10. 1891 erfolgte schließlich eine massive Ausweitung des Sozialversicherungssystems um die Aspekte der Invaliditäts- und Altersfürsorge. Es dauerte jedoch weitere 20 Jahre, bevor die große Anzahl an einzelnen Gesetzen in der „Reichsversicherungsverordnung“ (RVO) zusammengefasst wurde.11 Angestellte – differenziert zu betrachten zum Stand der Arbeiter im 19. und frühen 20. Jahrhundert – wurden ebenfalls 1911 sozial abgesichert durch die Schaf- fung des „Versicherungsgesetz für Angestellte“ (VGfA).12

Die Gesetzeslage blieb insbesondere in der Zeit des Ersten Weltkriegs von 1914-1918 unverändert und neue Entwicklungen wurden erst in der Weimarer Republik etabliert. Durch die in Folge der Weltwirtschaftskrise erfolgten massiven Geldentwertung in Deutschland stand die deutsche Rentenversicherung kurz vor dem Aus, verlor sie doch nahezu ihr gesamtes Vermögen in den Jahren zwischen 1921 und 1923 13. Die wich- tigste Änderung in diesem Zeitabschnitt stellte die Schaffung einer ersten Arbeitslosen- versicherung mit dem „Gesetz über die Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversiche- rung“ von 1927 dar. Des Weiteren wurde das „Versicherungsgesetz für Angestellte“ (VGfA) im Jahr 1924 umgewandelt in das „Angestelltenversicherungsge- setz“ (AVG).14

In der Zeit des Dritten Reichs von 1933 bis 1945 erfolgte eine Abschaffung der Selbst- verwaltung im Zuge der wirtschaftlichen Gleichschaltung auch der gesetzlichen Kran- kenkassen. In der Folge können diese keine freiwillig Versicherten mehr aufnehmen, was die Schaffung und Etablierung der privaten Krankenversicherungen (PKV)15 stark begünstigte. Eine wichtige Änderung dieser Zeit, die bis zum Jahr 1983 nachwirkte, war die Aufnahme von Rentnern in die gesetzliche Krankenversicherung. Bis zum er- wähnten Zeitpunkt von 1983 entrichteten Rentner einen Pauschalbetrag zur Absiche- rung für den Krankheitsfall.16

Nach dem Zweiten Weltkrieg durchlief die gesetzliche Krankenversicherung in der Bundesrepublik Deutschland einen steten Wandel, während in der sozialistischen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) mit der Schaffung der „Sozialversicherung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds“ (SV FDGB) ein einheitliches System eta- bliert wurde, welches Leistungen im Falle von Krankheit, Unfall, Invalidität, Schwan- gerschaft und Mutterschaft sowie Ruhestand und Tod vorsah17. Die „Sozialversiche- rung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds“ (SV FDGB) war eine Pflichtversiche- rung für die DDR-Bürger und gemäß einer sozialistischen Volksfürsorge äußerst güns- tig in den Beiträgen mit maximal 20 % des Bruttogehalts bzw. einem Maximalsatz von 120 Mark der DDR.18

In der Bundesrepublik Deutschland wird zunächst im Jahr 1952 die Selbstverwaltung der gesetzlichen Sozialversicherungen und so auch der Krankenversicherungen wie- derhergestellt19. Die wichtigste Änderung in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs stellte 1957 die Reform der Rentenversicherung dar, nach der diese nun den Brutto- löhnen von Angestellten und Arbeitern folgen müssen.20

Nach unterschiedlichen Erweiterungen des Sozialsystems, die beispielsweise eine Ab- sicherung von Landwirten und eine Ausweitung des Rentensystems auch auf Selb- ständige und Hausfrauen sowie die flexible Altersgrenze mit sich bringt, wird ab 1975 schrittweise das noch bis heute relevante Sozialgesetzbuch (SGB) eingeführt. Die Re- gelung der gesetzlichen Krankenversicherung im Sozialgesetzbuch erfolgt schließlich im Jahr 1988 21. Im Zuge der Wiedervereinigung gelten die Krankenversicherungsrech- te Westdeutschlands ab 1991 auch für die neuen Bundesländer. Im Jahr 1995 wird schließlich eine wichtige Lücke im System der gesetzlichen Krankenversicherung mit der Einführung der Pflegeversicherung geschlossen.22

Weitreichende Reformen erfuhr die gesetzliche Krankenversicherung schließlich im Zuge der sogenannten „Agenda 2010“, die nicht nur die Sozialpolitik in Bezug auf ar- beitspolitische Inhalte, sondern auch die Gesundheitspolitik betraf. So wurden viele bisher selbstverständliche Leistungen aus dem Angebot der gesetzlichen Versicherer gestrichen, eine Praxisgebühr in Höhe von 10 EUR wird eingeführt (und im Jahr 2013 wieder abgeschafft), Zuzahlungen für Medikamente erhöht und der Selbstkostenanteil auf 2 % des Bruttojahreseinkommens erhöht.23

2.1.2. Historie der privaten Krankenversicherung (PKV)

Die Geschichte der privaten Krankenversicherung ist weitaus weniger gut dokumen- tiert, wie die der gesetzlichen. Diese geht zurück auf das frühe Mittelalter, wo die un- terschiedlichen Zünfte ihren Mitgliedern gegen die Zahlung von Beiträgen Leistungen für Notfälle wie Krankheit, Invalidität oder Absicherung von Hinterbliebenen erbrachten.24

Nachdem in der Mitte des 19. Jahrhunderts wie erwähnt durch das Königreich Preußen die Gründung von Krankenkassen gesetzlich legitimiert wurde, schlossen sich dieser Systematik weitere deutsche Länder an.25

Im Deutschen Kaiserreich (1871-1918) erfolgte schließlich eine gesetzliche Vereinheit- lichung der einzelnen Gesetze der bisherigen einzelstaatlichen deutschen Länder im Jahr 1876 26. Lange Zeit war die private Krankenversicherung als parallel zulässiges System im Deutschen Kaiserreich von geringerer Bedeutung und wurde insbesondere von den höheren Schichten der Gesellschaft genutzt. 1901 wurden die privatwirtschaft- lichen Krankenversicherungsunternehmen einer zentralen Aufsicht, nämlich dem „Auf- sichtsamt für die Privatversicherung“, unterstellt.27

Nach dem Ende der Wirtschaftskrise (1923/1924) und der massiven Geldentwertung erfuhr Deutschland in der Weimarer Republik einen kurzfristigen Aufschwung, der auch den Zuspruch zu den privaten Krankenversicherungen steigerte. Verstärkt wurde die- ser Aufschwung im Dritten Reich (1933-1945), da die privaten Versicherer den Status von Körperschaften des öffentlichen Rechts bekamen und somit Träger einer gesetzli- chen Krankenversicherung wurden.28

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs (1945) brach das System der privaten Krankenver- sicherungsgesellschaften zunächst komplett zusammen und wurde in der Zeit des Wiederaufbaus parallel zur gesetzlichen Krankenversicherungssystem wieder aufge- baut. In den 1970er Jahren wurde der gesetzliche Versicherungsschutz wie beschrie- ben29 auf nahezu alle Bevölkerungsteile und -schichten ausgeweitet, so dass sich suk- zessive auch die private Krankenversicherung zunehmen öffnete. Im Jahr 1995 wurde schließlich durch die PKV auch der Bereich der Pflegeversicherung mit abgedeckt.30

2.2. Volkswirtschaftliche und Relevanz des Gesundheitswesens

Das Gesundheitswesen hat eine signifikante volkswirtschaftliche Relevanz. Um diese zu erfassen, ist jedoch zunächst einmal einleitend aufzuzeigen, wie sich dieses defi- niert. Das Gesundheitssystem als Synonym des Gesundheitswesens ist in Deutsch- land derart gestaltet, dass grundlegend zwischen Leistungsempfängern, Leistungser- bringern und Leistungszahler zu unterscheiden ist.31

Als Leistungsempfänger gelten zunächst einmal alle Menschen, die Gesundheitsleis- tungen in Form von ambulanten und stationären Behandlungen, prophylaktischen und rehabilitierenden Maßnahmen, Beratungen etc., Versicherungsleistungen für den Krankheits- oder Pflegefall etc. erhalten. Als Leistungserbringer gelten Ärzte, Zahnärz- te, Apotheker, Pflegepersonal, Therapeuten, Krankenhäuser sowie Rehabilitationsein- richtungen (ambulant / stationär) und Vorsorgeeinrichtungen (z. B. Kliniken, Kurheime etc.). Als Leistungszahler fungieren im Regelfall die privaten und gesetzlichen Kran- kenversicherungen, die gesetzliche Unfallversicherung, die Pflegeversicherung und Rentenversicherung sowie weitere Instanzen (Beihilfestellen des Staats, kassenärztli- che Vereinigungen etc.). Ebenfalls dem Gesundheitssystem zuzurechnen sind alle staatlichen Instanzen und Institutionen wie etwa die Gesundheitsämter der Länder und Kommunen sowie selbstverständlich die medizinische und gesundheitswissenschaftli- che Forschung.32

Um die volkswirtschaftliche Bedeutung zu konkretisieren, werden die Daten des Bun- desministeriums für Gesundheit herangezogen. Nach diesen Angaben beliefen sich im Jahr 2014 (so die jüngsten validen Werte des Ministeriums) auf etwa 344 Mrd. EUR, was einem Anteil von 12 % am Bruttoinlandsprodukt entspricht. 2016 lag die Brutto- wertschöpfung des Gesundheitssystems bei ca. 250 Mrd. EUR. Die Ausgaben werden im Hauptteil durch die gesetzlichen Sicherungssysteme getätigt (mit mehr als 70 %), während der Anteil der privaten Krankenversicherungsunternehmen bei knapp unter 30 % liegt. Dabei sind etwa 70 Mio. Menschen gesetzlich und etwa 9,5 Mio. Menschen in Deutschland privat versichert.33

[...]


1 Vgl. Kunz (2018): S. 4

2 Kunz (2018): S. 4

3 Mihm (2018): S. 5

4 Vgl. Statista (2017a)

5 Vgl. Debeka (2017a): S. 2

6 Vgl. Metz (2008): S. 45 ff.

7 Vgl. Ayaß (2010): S. 17 ff.

8 Vgl. Bundesministerium für Gesundheit (2017a)

9 S. Kap. 2.1.2

10 Vgl. Boeckh / Huster (2008): S. 51 ff.

11 Vgl. Boeckh / Huster (2008): S. 54 f.

12 Vgl. Boeckh / Huster (2008): S. 54 f.

13 Vgl. Stolleis (2003): S. 87 ff.

14 Vgl. Boeckh / Huster (2008): S. 54 ff.

15 S. Kap. 2.1.2

16 Vgl. Stolleis (2003): S. 91 ff.

17 Vgl. Schmidt (2012): S. 46 ff.

18 Vgl. Klenk (2008): S. 92 f.

19 Vgl. Schmidt (2012): S. 62 f.

20 Vgl. Schmidt (2012): S. 63

21 Vgl. Boeckh / Huster (2008): S. 64

22 Vgl. Boeckh / Huster (2008): S. 102 f.

23 Vgl. Hegelich et al. (2013): S. 91 ff.

24 Vgl. Koch (2012): S. 15 ff.

25 Vgl. Metz (2008): S. 45 ff.

26 Vgl. Koch (2012): S. 15 ff.

27 Vgl. Koch (2012): S. 99 ff.

28 Vgl. Koch (2012): S. 279 ff.

29 S. Kap. 2.1.1

30 Vgl. Koch (2012): S. 417 ff.

31 Vgl. Busse et al. (2017): S. 8

32 Vgl. Busse et al. (2017): S. 8 ff.

33 Vgl. Bundesministerium für Gesundheit (2017b)

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Duales System der Krankenversicherung vs. Bürgerversicherung. Vorstellung und Vergleich an ausgewählten Leistungen
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,1
Autor
Jahr
2018
Seiten
35
Katalognummer
V470724
ISBN (eBook)
9783668936010
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Duales System, Krankenversicherung, Bürgerversicherung, Naturheilverfahren, Akupunktur, Fachärzte, PKV, GKV, Private Krankenversicherung, gesetzliche krankenversicherung, vergleich, leistungen, krankenkasse, deutschland, leistungsumfang, Single-Payer-Gesundheitssystem, kopfpauschale, grundeinkommen
Arbeit zitieren
palina benter (Autor), 2018, Duales System der Krankenversicherung vs. Bürgerversicherung. Vorstellung und Vergleich an ausgewählten Leistungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470724

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