Adaptives Lernen im Sachunterricht der Grundschule

Entwicklung des Unterrichts ausgehend von einer Learning Progression


Hausarbeit, 2019
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wichtigste Aspekte zum Thema Heterogenität
2.1. Präkonzepte als eine Facette
2.2. Conceptual Change
2.3. Individueller Lernweg im Sinne der Learning Progression

3. Sachanalyse zum Thema Welt

4. Learning Progression

5. Auswertung der Interviews

6. Unterrichtsplanung
6.1. Formulierung von Kompetenzzielen
6.2. Skizzierung einer Unterrichtssequenz zum Thema Welt
6.3. Ausgearbeitete Unterrichtsstunde

7. Fazit

II. Anhang

III. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Während meines Praktikums bin ich in einer 3. Klasse: Ein Klassenzimmer, ein Lehrer, 26 Kinder. Eine Aufgabe wird an die Tafel geschrieben und alle 26 Kinder kämpfen sich mehr oder weniger hindurch. Dem einen Kind fällt es leicht, dem anderen Kind ergeht es so einigermaßen und ein paar Kinder können die Aufgabe nicht bearbeiten. Deshalb fühlt sich der eine Teil unterfordert und ist nach kurzer Zeit fertig, manche schaffen es in angemessener Zeit mit entsprechendem Ergebnis, ein anderer Teil aber wiederum bräuchte viel mehr Zeit und eine Aufgabenstellung mit anderer Hilfestellung. Ein Szenario, dass sich vermutlich in hunderten von Klassenzimmern immer wieder aufs Neue abspielt und Alltag ist.

Leider muss man sagen, denn was sich im Schullalltag als schwierig im Umgang erweist, macht uns ja eigentlich gerade aus und bietet vielfältige Möglichkeiten. Diese Unterschiedlichkeit macht uns alle zu großartigen Individuen, einzigartig und zum dem was und wer wir sind. Genau von dieser Heterogenität spricht im Moment alle Welt. Doch was ist damit genau gemeint?

Der Begriff Heterogenität hat seinen Ursprung im griechischen Adjektiv heterogenés, das sich aus den Wörtern heteros (=verschieden) und gennáo (=schaffen, erzeugen) zusammensetzt. Im pädagogischen Zusammenhang meint Heterogenität die Verschiedenartigkeit der Schülerinnen und Schüler (SuS) hinsichtlich eines oder mehrerer Merkmale. Heterogene Lerngruppen bezeichnen folglich nichts anderes als eine Gruppe von Schülern mit unterschiedlichen Eigenschaften.1

Gerade in Klasse 3/4 haben die SuS die Chance, sich selbst direkt mit der Unterschiedlichkeit auf unserer Welt auseinanderzusetzen. Umso wichtiger finde ich dieses Thema für unsere SuS, dass sie sich dessen bewusst sind, aber auch lernen, welche Vorteile dies mit sich bringen kann. In unserer heutigen Zeit, in der mehr denn je globale Vernetzung und eine Vermischung von Kulturen stattfindet, ist das Wissen über Heterogenität und der Umgang damit von großer Bedeutung. Aber nicht nur für die Menschen allgemein, nicht nur für die SuS, sondern auch gerade die Lehrkräfte müssen sich damit auseinandersetzen. Erste Gedanken und damit verbundene Umsetzungen folgen nun in dieser Arbeit.

Zu Beginn gehe ich allgemein auf die Aspekte von Heterogenität ein, etwas ausführlicher wie sich diese anhand von Präkonzepten wiederspiegelt, dann noch kurz wie Conceptual Change Anwendung findet und ergänzend welche individuellen Fördermaßnahmen im Sinne der Learning Progression vollzogen werden können.

Angelehnt an den Bayerischen Lehrplan Plus im Rahmen der Gegenstandsbereiche Demokratie und Gesellschaft sowie Raum und Mobilität und an die fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungsziele, wie Interkulturelle Bildung und Globales Lernen2 sowie am Perspektivrahmen Sachunterricht mit der sozialwissenschaftlichen Perspektive3 zeige ich verschiedene erhobene Präkonzepte, deren Einordnung in eine Learning Progression und eine daraus resultierende Unterrichtsstunde.

2. Wichtigste Aspekte zum Thema Heterogenität

2.1. Präkonzepte als eine Facette

„Die Grundschule ist die Schulart mit der größten Heterogenität und muss mit der besonderen Belastung einer noch unausgelesenen Schülerschaft zurechtkommen: Von hochbegabten bis förderbedürftigen Schülerinnen und Schüler, von „Überfliegern“ bis zu Langsam-Lernern, von sozioökonomisch Privilegierten bis sozial Benachteiligten. Somit ist der Grundschule das schwer zu lösende Dauerproblem des pädagogischen Umgangs mit der Heterogenität schon ins Stammbuch geschrieben.“4 Dieses Zitat von Schorch fasst die Thematik sehr gut zusammen, denn jeder Schüler ist auf seine Art einzigartig. Gewisse Bereiche lassen sich mit verschiedenen Merkmalen eher in kognitive und kulturell-soziale Voraussetzungen kategorisieren:

SuS haben eine unterschiedliche Wissensbasis, die unterschiedliche Kenntnisse und Lernvoraussetzungen beinhaltet. Auch werden Unterschiede in der Arbeitsweise und im Unterrichtsgeschehen deutlich. Unterschiedliche Interessenslagen mit stark differierenden Themen spiegeln ebenfalls deutliche Heterogenität wieder. Die verschiedenartigen Lernwege der SuS machen es notwendig, dass Themen auf unterschiedliche Art und Weise erschlossen und gleiche Ergebnisse auf anderen Wegen erzielt werden. Nicht nur die Lernwege können differieren, sondern auch der Lerntyp, der entweder mit großer Organisation oder zielgerichtetem Arbeitsverhalten sowie guter zeitlicher Struktur einhergeht oder mit großer oder kleiner Ausdauer sowie ungleichem Konzentrationsvermögen.

Ebenso wie die eben genannten kognitiven Voraussetzungen spielen kulturelle und soziale Einflüsse eine große Rolle, die sich auf religiöse Ansichten, die Sprache und Traditionen auswirken. Neben den Einflüssen, die von außen kommen und prägen, speichert jeder SuS seine persönlichen Erfahrungen und kommt mit diesen in die Schule. Das Lebensschicksal ist somit dann omnipräsent. All die genannten Merkmale tragen meiner Meinung nach dazu bei, eine entsprechende Motivation fürs Lernen zu haben. Dies kann dann je nach Disposition eher positiv ausfallen, aber auch negativ. So dass jemand entweder mit viel Spaß und Lernlust bei der Sache ist oder sogar Lernfrust seinen Alltag dominiert.

All diese Einflüsse und Prägungen bilden das Vorwissen der SuS, das nun das Präkonzept und somit die Basis darstellt, auf der die Lehrkraft anknüpfen und aufbauen kann und muss. Sie „entstehen durch primäre Alltagserfahrungen, durch alltagssprachliche Formulierungen (wie z.B. Strom wird verbraucht), durch allgemeine Denkschemata (wie z.B. das Täter-Tat oder das Geben-Nehmen-Schema) und durch Informationen und Meinungen, die Einfluss auf das Individuum haben (durch Schule, Elternhaus, Medien, Freunde…).“5 Die Verfestigung der Präkonzepte zeigt sich darin, wie tief diese verankert sind. Deep structures sind tief verankerte Konzepte, die stabil sind und gegen Veränderungen meist sehr resistent. Current constructions, auch als Ad-hoc-Konstruktionen bekannt, stellen eher spontane oder aktuelle Konzepte dar. Diese tauchen auch bei Besonderheiten der Erhebungssituation immer wieder auf, als sog. Verlegenheitskonstruktion.6 Präkonzepte können auf verschiedene Weise erhoben werden. Hier ein Beispiel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.17

Die Lehrkraft kann beobachten und beschreiben z.B. anhand von diagnostischen Fragebögen. Lerntagebücher spiegeln z.B. wieder, welche Dinge den SuS am besten gefallen haben, was ihnen schwergefallen ist und was sie beim nächsten Mal anders machen würden. In Portfolios können Arbeiten zusammengefasst werden, die besonders gut gelungen sind und die SuS für wichtig erachten. Forscherhefte fördern noch mehr die selbsttätige Arbeitsweise, denn hier formulieren die SuS, was sie selbst herausfinden möchten und beschreiben dann auch selbstständig, wie sie vorgehen werden. Didaktische Netze oder Concept Maps finden natürlich auch Anwendung. Für Lernstandsvergleiche, auch deutschlandweit oder international, sind in verschiedenen Klassenstufen formelle Tests im Einsatz.

Grundsätzlich ist mittlerweile erwiesen, dass meist unterschätzt wird, wieviel Vorwissen die Kinder wirklich schon besitzen. Gerade bei Naturwissenschaftlichem konnte nachgewiesen werden, dass sowohl die kognitiven als auch motivationalen Potentiale bei weitem nicht ausgeschöpft werden. Kinder sind von sich aus bereits auf einem naturwissenschaftlichen Weg, der aber noch der weiteren Unterstützung durch fachlich kompetente Lehrkräfte bedarf, dass fruchtbare Lernprozesse in Gang gesetzt werden.8 Die oft bereits zwar noch kindlichen, aber durchaus ganz ordentlichen fachlichen Vorstellungen müssen um das Erarbeiten von elementaren Methoden wie das Beobachten, Experimentieren, Beschaffen und Ordnen von Informationen erweitert werden.9 Das Neue wird mit dem Vorwissen verknüpft und für später anwendbar. Durch gelernte Methoden werden die neuen Kenntnisse auf andere Bereiche übertragbar. Kornelia Möller formuliert klar, dass „[…] Lernen als Weiterentwicklung von Vorstellungen und Konzepten interpretiert „[wird]10. An dieser Stelle findet dann das Conceptual Change Anwendung, mit dem der Prozess angestoßen wird und durch die Veränderung Präkonzepte zu Postkonzepten werden. Diese stellen in der Folge wiederum neue Präkonzepte dar.

2.2. Conceptual Change

Um bei den SuS neue Lernfortschritte zu etablieren, findet ein Conceptual Change statt, hierbei werden Alltagskonzepte in wissenschaftliche Konzepte übertragen. Je nachdem, welche Vorkenntnisse nun vorhanden sind und wie tief diese verankert sind (deep oder current constructions), kann durch verschiedene Strategien am Lernfortschritt gearbeitet werden. Meist findet kein echter kompletter Konzeptwechsel statt, eher ein Beobachten von verschiedenen kleinen Steps, die dann in der Summe zu einem Conceptual Change führen. Nach Duit können Veränderungen durch Anknüpfen (vorhandene Vorstellungen aufgreifen und weiterentwickeln), Umdeuten (belastbare Vorstellungen aufbauen, anknüpfen und anschließend reflektieren und bearbeiten) oder Konfrontation (vorhandene Vorstellungen in Frage stellen, neue Vorstellungen aufbauen) implementiert werden.11

Vehmeyer unterscheidet ähnlich zwei „Arten von „Konzeptveränderungen“. Die „Assimilation“ von Vorstellungen, bei der bestehende Vorstellungen ergänzt bzw. in bestehende Vorstellungen integriert werden und die „Akkommodation“ von Vorstellungen, bei der alte Vorstellungen aufgegeben und durch neue ersetzt werden“.12 Auch bekannt sind diese beiden Ansätze unter den Begriffen „Framework-Ansatz“ bzw. „Fragments-Ansatz“13 und sind als komplementäre bzw. integrationsfähige Modelle anzusehen.14

2.3. Individueller Lernweg im Sinne der Learning Progression

Der Kreislauf der individuellen Förderung sollte aus vier Bausteinen bestehen, dies sich dann bei neuen Themen dementsprechend wiederholen: Vorwissenserhebung, Präkonzepte und Conceptual Change. Beginnend mit der Bestandsaufnahme/Diagnose, bei der die Lernvoraussetzungen, der Lernstand und die Präkonzepte ermittelt werden, ergibt sich daraus, eingeordnet in die Learning Progression, der Förderplan, der sich dann in der entsprechenden Unterrichtsgestaltung, passenden Lernumgebungen und individuellen und kooperativen Lernmethoden wiederspiegelt. Der Lernprozess wird damit entsprechend begleitet, dokumentiert und im besten Fall findet step by step Conceptual Change in passender Weise statt. Zuletzt kann begleitend und weiterführend nachgehalten werden, indem eine Bewertung/Evaluation vorgenommen wird, die individuelle und sachlich kriteriale Bezüge herstellt. Nach erfolgter Bewertung kann dann entschieden werden, ob noch weiter an diesen Themen gearbeitet werden sollte oder ob bereits eine gute Verfestigung stattgefunden hat und somit zu einem neuen Thema gewechselt werden kann.15

3. Sachanalyse zum Thema Welt

Der gesamte Bereich Welt wird in drei Bereiche unterteilt: Landeskunde, Schulalltag und Kinderrechte. Recherchen zu diesen Themen ergeben, dass zum einen im Bereich Landeskunde die Länder Europas und einige weitere weltweit, sowie die Kontinente bekannt sein sollten und zum anderen diese auch auf einer stummen Weltkarte gezeigt werden können sollten. Der Schulalltag ist standardmäßig in Deutschland bekannt. Verschiedene Möglichkeiten z.B. der Besuch von einigen Kindern in der Ganztagsschule, Mittagsbetreuung, Hort oder Tagesmutter müssen berücksichtigt werden. Das Schulsystem der USA mit Einbindung z.B. der Sportgruppen in den Schulalltag oder verschiedene Schulwege wie z.B. in Südamerika oder Asien als weitere Beispiele bereitgelegt sein.

Der Fokus der Unterrichtsstunde liegt im Bereich Kinderrechte. Kinderrechte wurden im Rahmen der UN-Konvention 1989 durch die Vereinten Nationen beschlossen. 54 Länder haben diese Konvention anfangs unterschrieben, mittlerweile haben sie 192 Staaten ratifiziert. Interessanterweise hat die USA nicht unterschrieben, ebenso, aber eher erwartet, Süd-Sudan und Somalia. Die Konvention umfasst insgesamt 54 Artikel, die wichtigsten Kinderrechte hierbei sind die vier „Allgemeinen Prinzipien“:

- „Art.2: Alle Rechte gelten ausnahmslos für alle Kinder. Der Staat ist verpflichtet, Kinder und Jugendliche vor jeder Form der Diskriminierung zu schützen. Die Aufhebung von Diskriminierung steht besonders im Vordergrund, da bereits in der Präambel explizit die Gleichbehandlung aller Menschen von Geburt an hervorgehoben wird.
- Art.3: Vorrang des Kindeswohls. Das Generalprinzip der Orientierung am Kindeswohl verlangt, dass bei allen Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und sonstigen Maßnahmen öffentlicher oder privater Einrichtungen das Wohlergehen des Kindes vordringlich zu berücksichtigen ist.
- Art.6: Das Grundprinzip sichert das Recht jedes Kindes auf Leben, Überleben und Entwicklung.
- Art.12: Kinder haben das Recht, in allen Angelegenheiten, die sie betreffen, unmittelbar oder durch einen Vertreter gehört zu werden. Die Meinung des Kindes muss angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife berücksichtigt werden“.16

Weiter wird noch zwischen Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechten unterscheiden. Verstöße gegen die Kinderrechte können vor dem Internationalen Gerichtshof geahndet werden. Leider gibt es dennoch weltweit noch viele Missstände, die nur sehr langsam einer Veränderung unterliegen. Kinderarbeit, Genitalverstümmelung, Unterernährung, Kindersoldaten und Ausbeutung sind nur einige Beispiele, die leider Alltag für viele Kinder weltweit sind. Auf Basis dieser Sachanalyse wurde die nun folgende Learning Progression erarbeitet.

4. Learning Progression

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die gesamte Learning Progression ist, auch später für die geplante Unterrichtssequenz, in die drei Bereiche Landeskunde, Schulalltag und Kinderrechte eingeteilt. Die verschiedenen Level steigern sich von 0 bis 5. Auf Level 0 haben die SuS noch kein Konzept, d.h. keine Vorstellung von den abgefragten Bereichen.

Im Bereich Landeskunde beinhaltet Level 1 Wissen darüber, dass unser Planet Erde heißt. Auf der nächsten Stufe ist bereits bekannt, dass die Erde rund ist und es Land und Wasser gibt. Wissen auf Level 3 teilt sich auf Stufe 3a, Deutschland ist ein eigenes Land, und Stufe 3b auf, die einschließen, dass es verschiedene Kontinente gibt. Auf Stufe 4 wird das Wissen um die Kenntnis, dass es verschiedene Länder gibt, erweitert. Das korrekte Zuordnen von mehreren Ländern und der Kontinente spiegelt sich dann in Level 5 wieder.

Die Einstufung im Bereich Schulalltag ist: SuS, die ihren eigenen Schulalltag kennen, befinden sich auf Level 1. Auf Level 2 ist bekannt, dass es auch in anderen Ländern Schule gibt, in die die Kinder jeden Tag gehen. Dass dieser Schulalltag in anderen Ländern unterschiedlich ist, beinhaltet dann bereits Wissen für Level 3. Wenn die SuS wissen, dass manche Kinder nicht zur Schule gehen können oder wollen oder dürfen, sind sie bereits auf Level 4. Ein Kind ist in Level 5 einzustufen, wenn er Beispiele zu anderen Schulalltagen benennen kann.

Der dritte Bereich Kinderrechte gliedert sich wie folgt auf: in Level 1 ist Wissen über Regeln im Alltag und Klassenzimmer vorhanden. Unterschiede zwischen Regeln, Rechten und Pflichten benennen können SuS auf Level 2. Level 3 kann angewendet werden, wenn die Kinder wissen, dass es überhaupt Menschenrechte gibt. Wenn dann hierzu noch Wissen kommt, dass Kinder spezielle Rechte haben, die über den Alltag hinaus gehen, befinden sie sich auf Level 4. Kenntnisse über die problematische Umsetzung von Kinderrechten und, dass dies nicht immer auf der Welt der Fall ist, spiegeln dann Level 5 wieder.

Die Learning Progression dient im Anschluss an die Interviews als Gerüst, um das abgefragte Vorwissen einstufen zu können. Auf dieser Basis wird dann entscheiden, welche Unterrichtssequenz stattfindet und daraus, welche einzelnen Unterrichtsstunden mit welchen Schwerpunkten entstehen.

5. Auswertung der Interviews

Die Interviews wurden anhand eines Interviewleitfadens (siehe Anhang) durchgeführt. In diesem finden sich die Bereiche Landeskunde, Schulalltag und Kinderrechte und Fragen zu den entsprechenden Levels analog zur Learning Progression wieder. Somit wurde sichergestellt, dass den Kindern annähernd gleiche Fragen gestellt wurden.

Das erste Kind ist ein Junge, er war zum Zeitpunkt der Befragung in der 3. Klasse und 8 Jahre und 9 Monate alt. Er lebt in einer „normalen“ Familie ohne besonderen Hintergrund, wie z.B. andere Muttersprache oder Ähnliches. Er geht gerne in die Schule und ist ein insgesamt guter Schüler. Im Bereich Landeskunde ist er auf Level 5 der Learning Progression einzustufen. Er hat ausgeprägtes Wissen über ganz viele Länder, kann diese auch sicher auf der Karte zeigen, ebenso wie die Kontinente. Sehr wortgewandt kann er ebenfalls die Unterschiede zwischen Ländern, Kontinenten und sogar Bundesstaat/-land beschreiben. Speziell weiß er z.B. noch viel über den Aufbau der Erdschichten.

Seinen eigenen Schulalltag kann er gut erklären. Er weiß, dass es in anderen Ländern Schulen und durchaus Unterschiede gibt. Welche diese sein könnten, kann er sich nicht so ganz vorstellen. Ansatzweise hat er schon davon gehört, dass es für manche Kinder schwierig ist, in die Schule zu gehen. In diesem Bereich kann er auf Level 3-4 eingestuft werden.

Noch am wenigsten Vorwissen ist im Bereich Kinderrechte vorhanden. Was Regeln, Pflichten und Rechte grundsätzlich sind, ist ihm bekannt, auch wie sie sich unterscheiden lassen. Das Wort Menschenrechte ist nicht ganz geläufig, allerdings weiß er, dass es Hilfsorganisationen überall auf der Welt gibt, die „da irgendwie helfen“. Von einer kann er sogar viel erzählen, über die sie bereits im Religionsunterricht gesprochen hatten. Speziell zu Kinderrechten kann er nichts sagen, weiß aber, dass es manchen Kindern schlecht geht und sie arbeiten müssen, anstatt in die Schule gehen zu können. In diesem Bereich ist der Junge somit auf Level 2-3 einzustufen.

Das zweite interviewte Kind ist ein Mädchen. Sie hat einen „normalen“ familiären Hintergrund, geht in die 3. Klasse und war zum Zeitpunkt der Befragung 8 Jahre und 4 Monate alt. Im Bereich Landeskunde hat dieses Mädchen auch bereits konkrete Vorstellungen von der Erde an sich, kann einige Länder und Kontinente nennen und diese auch korrekt auf der Karte zeigen. In der Learning Progression ist hiermit das Level 5 erreicht.

Auch im zweiten Bereich Schulalltag hat sie bereits gutes Wissen über ihren Alltag und kann sogar einige Beispiele nennen, die auch Unterschiede beinhalten. Somit kann sie auch in diesem Bereich im höchsten Level eingestuft werden.

Gut verankerte und annähernd korrekte Präkonzepte sind auch im Bereich Kinderrechte vorhanden. Sie kennt Rechte, Pflichten und Regeln im Alltag, weiß, dass es für Menschen und speziell für Kinder Rechte gibt und kann auch ein zwei nennen. Auch ist ihr bekannt, dass es in manchen Ländern mit der Umsetzung der Rechte nicht so gut funktioniert. Somit hat sie in diesem Bereich das höchste Level der Learning Progression erreicht.

In die 4.Klasse geht das dritte befragte Mädchen. Sie war zum Zeitpunkt der Befragung 10 Jahre alt und hat russische Eltern. Sie selbst ist in Deutschland geboren, ihre Muttersprache ist somit Deutsch. Allerdings sind rudimentäre Russischkenntnisse vorhanden. Besonders bei ihr zu erwähnen ist, dass sie ca. eine Woche vor der Befragung ein Referat über die Heimat ihrer Eltern (Russland) gehalten hat. Wie bei den anderen beiden Kindern sind ausgeprägte Kenntnisse im Bereich Landeskunde vorhanden, Länder und Kontinente werden benannt und gezeigt. Auch die gesamte Vorstellung von der Erde an sich ist vorhanden. Hier kann das Mädchen auf Level 5 eingeordnet werden.

Da sie sich durch das Referat bereits mit der Schule und dem Alltag in Russland auseinandergesetzt hatte, sind hier natürlich gute Kenntnisse vorhanden, die sich allerdings auf Russland beschränken. Sonstige weitere Konzepte zu anderen Schulalltagen sind nicht vorhanden. Da sie den Unterschied in Russland kennt, kann sie darauf schließen, dass es in anderen Ländern zumindest auch anders als in Deutschland ist. Level 4-5 der Learning Progression kann hier angesetzt werden.

Kinderrechte selbst sind für sie weitgehend unbekannt. Dass es Unterschiede gibt, macht sie am Alltag fest, kann aber keinen Bezug zu echten Rechten und Gesetzen herstellen. In ihrem Alltag kann sie diese aber benennen. Somit kann das Mädchen auf Level 2 verortet werden.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass alle drei Kinder bereits gut ausgeprägte Vorkenntnisse im Bereich Landeskunde haben. Diese Präkonzepte sind korrekt und gut verfestigt. Somit können auch alle Kinder im höchsten Level der Learning Progression eingestuft werden. Im Bereich Schulalltag ist auch bereits gutes Wissen vorhanden, aber nicht ganz so hoch wie im Bereich Landeskunde anzusiedeln. Für die geplante Sequenz wäre hier noch Bedarf. Über Kinderrechte wissen alle Kinder noch am wenigsten. Hier sind nur rudimentäre Vorstellungen vorhanden, die noch deutlich ausgebaut werden sollten. Aus den Ergebnissen der Interviews ergibt sich somit, dass der Schwerpunkt der Sequenz im Bereich Kinderrechte zu legen ist. Landeskunde und Schulalltag wird als Hinführung und Wiederholung zu Beginn der Sequenz Anwendung finden, das Hauptaugenmerk dann auf einer Stunde zu den Kinderrechten liegen.

[...]


1 vgl. https://www-de.scoyo.com/eltern/schule/heterogene-lerngruppe

2 vgl. Bayerischer Lehrplan Plus, S.36/37

3 vgl. Perspektivrahmen Sachunterricht, S.16

4 vgl. Schorch, S .81

5 Möller, S.26

6 vgl. ebd., S.26

7 Abb.1 aus http://sinus-an-grundschulen.de/ Schönknecht und Wodzinsky/S.19

8 vgl. Kahlert, S.146 ff

9 vgl. Wodzinski, S.2

10 Möller, S.27

11 vgl. Duit, S.4

12 vgl. Vehmeyer, S.33

13 vgl. Birke, S. 90f.

14 vgl. ebd, S.91

15 vgl. http://sinus-an-grundschulen.de, S.35

16 vgl. Maywald S. 9–13

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Adaptives Lernen im Sachunterricht der Grundschule
Untertitel
Entwicklung des Unterrichts ausgehend von einer Learning Progression
Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
21
Katalognummer
V470962
ISBN (eBook)
9783668951402
ISBN (Buch)
9783668951419
Sprache
Deutsch
Schlagworte
adaptives, lernen, sachunterricht, grundschule, entwicklung, unterrichts, learning, progression
Arbeit zitieren
Katharina Müller-Hahl (Autor), 2019, Adaptives Lernen im Sachunterricht der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470962

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