Die vorliegende Arbeit beleuchtet das Prinzip des Carsharings. Das Auto spielt seit vielen Jahren die wichtigste Rolle in der Mobilität der Gesellschaft. Freiheit, Unabhängigkeit und Individualität wurden lange mit Autos in Verbindung gebracht. Die steigende Auto-Mobilität brachte jedoch viele Probleme mit sich. Die Abgasemissionen trugen in dünn besiedelten Räumen dazu bei, Smog zu bilden, Staus und Parkprobleme entstanden und Unfälle mit Autos kostete vielen Menschen das Leben. Die Smogproblematik konnte durch gesetzliche Regelungen bei PKW, LKW und Industrieabgasen gelöst werden. Dennoch trägt auch heute die Transportwirtschaft, mit einem Anteil von circa 20 % des gesamten CO2 Ausstoßes, erheblich zur Umweltverschmutzung und dem Klimawandel bei. Staus und Parkplatzmangel sind heute vor allem in urbanen Räumen an der Tagesordnung. Die Anzahl der Unfalltoten konnte mit Sicherheitstechnik erheblich gesenkt werden. Dennoch ist das Auto um ein vielfaches unsicherer als die öffentlichen Verkehrsmittel. Einer Studie nach ist die Wahrscheinlichkeit mit einem Auto tödlich zu verunglücken um 16-17-mal höher als mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese Fakten sprechen aus volkswirtschaftlicher Sicht stark gegen die exzessive Auto-Mobilität.
In den letzten 10-20 Jahren ist ein Wandel in den Wertevorstellungen und Einstellungen eingekehrt und scheint den langanhaltenden Erfolg der Auto-Mobilität allmählich zu verändern. Trotzdem ist heutzutage das Auto immer noch das meistgenutzte Verkehrsmittel in Deutschland. Dies ist jedoch nicht immer den hohen Mobilitätsbedürfnissen zuzuschreiben. Viele Menschen könnten ihre Mobilitätsbedürfnisse ebenso mit anderen umweltfreundlicheren, kostengünstigeren und wohlfahrtssteigernden Verkehrsmitteln befriedigen. Ein innovatives Mobilitätskonzept wie das Carsharing kann dabei helfen, diesen Problemen entgegen zu wirken, denn das Carsharing setzt unter anderem Anreize nur dann auf ein Auto zurückzugreifen, wenn es wirklich notwendig ist, verringert den privaten Autobesitz und ist damit ein nachhaltiges, umweltfreundliches Verkehrsmittel. Über das Potential des Carsharings sind sich auch Politiker einig und beschlossen zum Ende des letzten Jahres das sogenannte Carsharinggesetz.
Carsharing ist demnach ein brandaktuelles, wichtiges und vielversprechendes Thema. Deshalb beschäftigt sich diese Bachelorarbeit mit dem Thema Carsharing, dessen zukünftige Entwicklung und Rolle in der Problembewältigung in der gesellschaftlichen Mobilität.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Motivation
2. Transport, Verkehr und Mobilität
2.1 Bedürfnis nach Mobilität
2.1.1 Chancen
2.1.2 Probleme
2.2 Personenbeförderung und Verkehrsmittelwahl
2.2.1 Angebotene Formen
2.2.1.1 Vorteile
2.2.1.2 Nachteile
3. Idee des Carsharings
3.1 Sharing Economy
3.2 Ziele
3.2.1 Flexible individuelle Mobilität
3.2.2 Nachhaltige und umweltschonende Mobilität
3.2.3 Kostengünstige Mobilität
3.3 Herausforderungen und Probleme
3.3.1 Autobesitz vs. Carsharing
3.3.1.1 Flexibilität
3.3.1.2 Komfort
3.3.1.3 Kosten
4. Entwicklung des Carsharing Marktes International und National
4.1 Aktuelles Carsharing Angebot in Deutschland
4.2 Gründe der Entwicklung
4.3 Voraussichtliche zukünftige Entwicklung
5. Charakteristik des Carsharing-Nutzers
5.1 Einflussfaktoren der Carsharing-Nachfrage
5.1.1 Statussymbol Auto vs. Funktionalität
5.1.2 Soziodemografischer Aspekt
5.1.3 Umweltbewusstsein
5.1.4 Kosteneinsparmöglichkeiten
5.1.5 Sonstige Einflussfaktoren
6. Technische Entwicklung und Zukunft des Carsharings
6.1 Potential zur Optimierung und zum Ausmerzen vorhandener Nachteile
6.2 Carsharing und die Smartphone-Revolution
6.3 Autonomes Fahren und Elektromobilität
6.4 Chancen für die Automobilindustrie
6.5 Handlungsbedarf in der Politik
7. Fazit, Vision und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Carsharing als innovatives und nachhaltiges Mobilitätskonzept, das den Herausforderungen der zunehmend kritisch hinterfragten, exzessiven Auto-Mobilität begegnen kann. Ziel ist es, die Entwicklung, die sozioökonomischen Rahmenbedingungen sowie die technischen Zukunftsperspektiven des Carsharings zu analysieren und Handlungsempfehlungen abzuleiten.
- Analyse der Mobilitätsbedürfnisse und der Verkehrsmittelwahl im urbanen Raum.
- Gegenüberstellung von privatem Autobesitz und Carsharing hinsichtlich Kosten, Flexibilität und Umweltbelastung.
- Untersuchung der Einflussfaktoren auf die Nachfrage nach Carsharing-Angeboten.
- Evaluierung zukünftiger Trends wie autonomes Fahren und Elektromobilität im Kontext von Carsharing.
Auszug aus dem Buch
3.1 Sharing Economy
In Zeiten von Uber und airbnb spielt das Konzept „Nutzen statt Besitzen“ eine immer wichtigere Rolle in der heutigen Gesellschaft (vgl. Scholl et al., 2013). Dabei ist die eigentliche Idee des gemeinschaftlichen Konsums von Gütern und Dienstleistungen simpel, aber erst mit dem Fortschritt in der Informations- und Kommunikationstechnologie gewann die Sharing Economy in der Gesellschaft an Bedeutung. Vor allem die Verbreitung des Internets lässt sich als treibende Kraft der Sharing Economy feststellen. Das Internet und entsprechende Applikationen für Smartphones ermöglichen heutzutage spielend einfachen Zugang zu solchen Angeboten (Witzke, 2015, p. 7). Ebenso kann eine Privatperson entsprechende Leistungen anbieten. Über airbnb bieten beispielsweise Privatpersonen ihre privaten Wohnungen zur zeitlich begrenzten Untermiete an.
Der Grundgedanke der Sharing Economy ist das Nutzen von bestimmten Leistungen für ein bestimmtes Entgelt, ohne Eigentümer des Produkts zu sein, welches zur Nutzung der Leistung erforderlich ist. Das heißt man erwirbt lediglich eine temporäre Nutzungsberechtigung (Witzke, 2015, p. 7; vgl. Scholl et al., 2013). Ziel ist es freie Kapazitäten privater Güter effizient zu nutzen (Peitz & Schwalbe, 2016, p. 5). Durch die Intensivierung der Nutzungsphasen bestimmter Produkte lassen sich wertvolle Ressourcen einsparen. Dadurch soll die Produktivität natürlicher Ressourcen deutlich angehoben werden, was zur Folge hat, dass mit weniger Ressourcen gleicher Wohlstand erreicht werden kann (Hirschl et al., 2001, p. 15; Witzke, 2015, p. 7). Doch nicht in jedem Fall ist davon auszugehen, dass die Sharing Economy einen ausschließlich positiven ökologischen Effekt hat. Erhöhter Verschleiß und Transaktionskosten sind Beispiele für negativen Effekte. Bei hoher Nutzungshäufigkeit schwinden deshalb die ökologischen Vorteile einer Sharing Economy. Deshalb kann man als Grundregel festhalten, dass eine Ressourceneinsparung vor allem dann vorhanden ist, wenn die Nutzungshäufigkeit gering und die Anschaffungskosten besonders hoch ausfallen (Hirschl et al., 2001, p. 18).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Motivation: Die Arbeit thematisiert die Problematik der exzessiven Auto-Mobilität und stellt Carsharing als ein potenziell nachhaltiges und innovatives Mobilitätskonzept vor.
2. Transport, Verkehr und Mobilität: Dieses Kapitel definiert grundlegende Begriffe der Mobilitätswissenschaft und analysiert die persönlichen Bedürfnisse sowie die Einflussfaktoren auf die Verkehrsmittelwahl im urbanen Raum.
3. Idee des Carsharings: Es werden das Konzept der Sharing Economy, die verschiedenen Carsharing-Modelle sowie die Ziele und Herausforderungen dieses Ansatzes im Vergleich zum privaten Autobesitz erläutert.
4. Entwicklung des Carsharing Marktes International und National: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Carsharings nach und beleuchtet den aktuellen Status quo sowie die Verbreitung verschiedener Systeme in Deutschland.
5. Charakteristik des Carsharing-Nutzers: Hier werden die soziodemografischen Eigenschaften und die zentralen Motivationsfaktoren der Nutzer, wie Kostenbewusstsein und Nachhaltigkeit, analysiert.
6. Technische Entwicklung und Zukunft des Carsharings: Dieser Abschnitt evaluiert das Potenzial technischer Innovationen wie Smartphone-Applikationen, autonomes Fahren und Elektromobilität für die zukünftige Skalierung des Carsharings.
7. Fazit, Vision und Ausblick: Das Fazit fasst die ökonomische und ökologische Relevanz des Carsharings zusammen und entwirft eine Zukunftsvision für ein multimodales, nutzerzentriertes Mobilitätssystem.
Schlüsselwörter
Carsharing, Mobilität, Sharing Economy, Nachhaltigkeit, Verkehrsmittelwahl, Automobilindustrie, Autonomes Fahren, Elektromobilität, Verkehrsaufkommen, urbaner Raum, Transportwirtschaft, Kostenstruktur, Mobilitätswandel, Umweltbewusstsein, Free-Floating.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Carsharing als innovatives Mobilitätskonzept, um die negativen Folgen der starken Abhängigkeit von privaten PKWs, wie Staus und Umweltverschmutzung, zu reduzieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den ökonomischen und ökologischen Auswirkungen des Carsharings, den Einflussfaktoren auf das Nutzerverhalten sowie der Rolle technischer Innovationen für die zukünftige Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Carsharing als ergänzendes Mobilitätsmittel zur Wohlfahrtssteigerung beitragen und Probleme der modernen Stadtmobilität abmildern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert, ergänzt durch Daten aus Mobilitätsstudien und Branchenberichten zur Carsharing-Entwicklung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Bedürfnisse nach Mobilität, vergleicht Carsharing direkt mit dem Autobesitz, untersucht die Zielgruppen und diskutiert, wie technologische Fortschritte die Attraktivität von Carsharing erhöhen können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Carsharing, Mobilität, Sharing Economy, Nachhaltigkeit, urbaner Raum, autonomes Fahren und Verkehrsmittelwahl.
Welche Rolle spielt die Politik bei der Förderung des Carsharings?
Die Politik kann durch Rahmenbedingungen wie das Carsharinggesetz, Parkerleichterungen im öffentlichen Raum und eine gezielte Stadtplanung Anreize schaffen, um den Umstieg von privaten Autos auf geteilte Mobilität zu erleichtern.
Warum ist das "Free-Floating"-System für die Branche so wichtig?
Das Free-Floating-Modell hat die Flexibilität im Vergleich zu stationsbasierten Modellen massiv erhöht, da Nutzer Fahrzeuge ortsungebunden mieten und abstellen können, was die Nutzerzahlen in urbanen Gebieten rasant hat ansteigen lassen.
- Arbeit zitieren
- Sinan Tunbek (Autor:in), 2017, Carsharing. Ein Mobilitätskonzept mit Zukunft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471023