Das Thema Asyl begleitet mich seit geraumer Zeit. Im Zuge einiger Seminare wurde mir schnell bewusst, dass sich mein Interesse für Internationale Politik (und dort besonders für die EU) und meine Faszination für die Gewährung von Asyl miteinander verbinden ließen. Die Faszination des Asylbereiches auf mich erklärt sich dadurch, dass ich durch Freunde, die in einer Heidelberger Organisation arbeiteten, welche sich unter dem Dach des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes um Asylbewerber in schwebenden Verfahren kümmerte, mit dem Thema Asyl über Jahre konfrontiert wurde.
Im Rahmen eines Studentenjobs für die Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung habe ich Anfang 2001 eine Erhebung an 9 Hamburger Grundschulen durchgeführt. Diese hatte zum Ziel Mehrsprachigkeit bei Grundschülern aufzuzeigen. Im Laufe dieser Tätigkeit sind mir besonders die Kinder von Asylbewerbern aufgefallen. Ihre schwere Stellung im Sozialgefüge der Klassen und ihre oft beeindruckende Sprachkompetenz (in mehreren Sprachen) hat mich bewegt. Teilweise wurden mir aber auch Bruchstücke ihres schrecklichen Fluchthintergrundes bei Fragen, die den familiären Background betrafen, bewußt. Diese Kinder werden eine absehbare Zeit oder ganz in Deutschland bleiben und auch vielleicht meine Schüler sein. Die Beschäftigung mit dem Thema Asyl wurde mir allein schon durch diesen Gedanken immer wichtiger.
Inhaltsverzeichnis
1. Integrationstheorien
1.1. Definition des Begriffs „Integration“
1.2. Darstellung zweier konkurrierender Integrationstheorien
1.2.1. Funktionalismus/ Neofunktionalismus
1.2.2. Intergouvernementalismus
1.3. Konkurrierende Hypothesen für die empirische Bearbeitung
2. Darstellung und kritische Beurteilung der Asylsituation in der Bundesrepublik Deutschland, der V. Französischen Republik und im Vereinigten Königreichvon Großbritannien und Nordirland
2.1. Die Bundesrepublik Deutschland
2.1.1. Entwicklung bis heute
2.1.2. Basis der Rechtsgewährung
2.1.3. Verfahren
2.1.4. Rechtlicher und gesellschaftlicher Status von Asylbewerbern
2.1.5. Staatsangehörigkeit und Einbürgerung
2.2. Die V. Französische Republik
2.2.1. Entwicklung bis heute
2.2.2. Basis der Rechtsgewährung
2.2.3. Verfahren
2.2.4. Rechtlicher und gesellschaftlicher Status von Asylbewerbern
2.2.5. Staatsangehörigkeit und Einbürgerung
2.3. Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland
2.3.1. Entwicklung bis heute
2.3.2. Basis der Rechtsgewährung
2.3.3. Verfahren
2.3.4. Rechtlicher und gesellschaftlicher Status von Asylbewerbern
2.3.5. Staatsangehörigkeit und Einbürgerung
2.4. Vergleich
3. Die Situation der EU-Asylpolitik
3.1. Die Anfänge
3.1.1. Schengen und Dublin
3.1.2. Der Vertrag von Maastricht
3.2. Der Vertrag von Amsterdam
3.3. Aktuelle Situation
3.4. Bewertung
4. Die EU-Asylpolitik im Hinblick auf die Integration der Union
4.1. Hypothesen
4.2. Situation der EU bei der Aushandlung des Amsterdamer Vertrages
4.2.1. Präferenzstrukturen der wichtigsten Beteiligten
4.2.1.1. Die Bundesrepublik Deutschland
4.2.1.2. Die V. Französische Republik
4.2.1.3. Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland
4.2.1.4. Die Kommission und das Europäische Parlament
4.2.2. Spill-over und Spill-backs
4.2.2.1. Asylpolitik
4.2.2.2. Visapolitik
4.2.2.3. Einwanderungs- und Einbürgerungspolitik
4.3. Beurteilung durch die theoretischen Ansätze
4.3.1. Neofunktionalistische Sichtweise
4.3.2. Intergouvernementalistische Sichtweise
4.4. Bewertung
5. Kritische Reflexion der Analysekraft der theoretischen Ansätze
5.1. Problembereiche der beiden theoretischen Ansätze
5.2. Integrationstheoretische Perspektiven
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Integrationsgrad der Asylpolitik innerhalb der Europäischen Union und analysiert, ob dieser Politikbereich in den supranationalen Bereich integriert wurde oder ob es sich lediglich um eine lose zwischenstaatliche Zusammenarbeit handelt. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit theoretische Ansätze wie der Neofunktionalismus und der Intergouvernementalismus geeignet sind, die Entwicklungen der EU-Asylpolitik zu erklären.
- Vergleichende Analyse der Asylsysteme in Deutschland, Frankreich und Großbritannien.
- Untersuchung der europäischen Asylpolitik im Kontext der Abkommen von Schengen und Dublin.
- Analyse des Einflusses des Amsterdamer Vertrages auf die Integration der Asylpolitik.
- Gegenüberstellung neofunktionalistischer und intergouvernementalistischer Erklärungsmodelle.
Auszug aus dem Buch
Funktionalismus/ Neofunktionalismus
Der Funktionalismus stellt eine Theorieschule in der Internationalen Politik dar. Der Begründer und Hauptvertreter ist David Mitrany. In Bezug und Abgrenzung zum Föderalismus postuliert er eine Methode zur internationalen Integration, die sich an funktionalen Elementen orientiert. Eine Liga als Integrationsziel beurteilt er als zu lose, während die Idee der föderalen Organisation ihm zu eng erscheint. Es soll eine Art internationaler Regierung geschaffen werden, deren Arbeit und Aufbau sich direkt an den internationalen Aktivitäten orientiert. Die Funktion allein, frei von theoretischen, ideologischen oder gouvernementalen Prämissen, soll die Form determinieren (Mutimer 1994, 21).
Der Integrationsmotor im Funktionalismus stellt die Dynamik der internationalen Probleme mit staatenübergreifendem Inhalt dar. Dadurch, dass sich moderne Staaten, wie zum Beispiel im Bereich der Sicherheits-, Wirtschafts- oder Umweltpolitik mit Problemen konfrontiert sehen, die sie nicht allein, sondern nur in Zusammenarbeit mit anderen Staaten bewältigen können, kommt Kooperation und somit Integration zustande. Die logische Antwort des Funktionalismus auf diese Situation ist die Errichtung von Institutionen, die sich der spezifischen Problembereiche annehmen und auch mit Kompetenzen für diese umgrenzten Bereiche ausgestattet werden (Mutimer 1994, 22/23), aber auch nur so viele Institutionen wie gerade nötig sind, die anstehenden Aufgaben zu erfüllen (Chryssochoou/Tsinisizelis/ Stavridis/Ifantis 1999, 9).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Integrationstheorien: Einführung in die zentralen Begriffe und Theorien wie Funktionalismus und Neofunktionalismus sowie den Intergouvernementalismus zur Analyse von Integrationsprozessen.
2. Darstellung und kritische Beurteilung der Asylsituation in der Bundesrepublik Deutschland, der V. Französischen Republik und im Vereinigten Königreichvon Großbritannien und Nordirland: Detaillierte Analyse der nationalen Asylgesetzgebungen, Verfahrensabläufe und Einbürgerungspraktiken in den drei untersuchten Staaten.
3. Die Situation der EU-Asylpolitik: Untersuchung der historischen Entwicklung der europäischen Zusammenarbeit in Asylfragen, insbesondere durch die Schengener Abkommen und die Verträge von Maastricht und Amsterdam.
4. Die EU-Asylpolitik im Hinblick auf die Integration der Union: Anwendung der theoretischen Ansätze auf die empirischen Daten der EU-Politik, um Integrationsdruck und Verhandlungsmotive der Akteure zu bewerten.
5. Kritische Reflexion der Analysekraft der theoretischen Ansätze: Reflexion über die Stärken und Grenzen der verwendeten Theorien sowie Ausblick auf weitere theoretische Perspektiven wie den Liberalen Intergouvernementalismus.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Asylpolitik, Integrationstheorie, Neofunktionalismus, Intergouvernementalismus, Asylrecht, Drittstaatenregelung, Binnenmarkt, Spill-over, Harmonisierung, Schengener Abkommen, Dubliner Übereinkommen, Staatsangehörigkeit, Einwanderungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Integrationsbemühungen der Europäischen Union im Bereich der Asylpolitik und bewertet diese anhand politikwissenschaftlicher Integrationstheorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die nationalen Asylsysteme der drei wichtigsten EU-Staaten sowie deren Harmonisierung auf EU-Ebene durch internationale Abkommen und Verträge.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, ob die EU einen Weg zu echter Integration in der Asylpolitik eingeschlagen hat oder ob lediglich eine lose zwischenstaatliche Zusammenarbeit besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine vergleichende Analyse sowie die theoretische Anwendung des Neofunktionalismus und des Intergouvernementalismus auf empirische Faktenlagen der europäischen Politik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl die detaillierte Darstellung der nationalen Asylsituationen (Deutschland, Frankreich, Großbritannien) als auch die theoretische Einordnung der EU-weiten Entwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Asylpolitik, Integration, Spill-over, supranationale Organisation und intergouvernementale Zusammenarbeit.
Wie unterscheidet sich die deutsche Asylpraxis im Vergleich?
Die deutsche Asylpraxis zeichnet sich besonders durch den verfassungsrechtlichen Anspruch auf ein individuelles Asylverfahren aus, der über den Standard in den anderen beiden untersuchten Ländern hinausgeht.
Welche Rolle spielt der Amsterdamer Vertrag für die Asylpolitik?
Der Amsterdamer Vertrag markiert einen bedeutenden Schritt, da er die Asyl- und Einwanderungspolitik in den gemeinschaftlichen Rahmen (die erste Säule) der EU überführte, wenngleich er noch nicht zur vollständigen materiellen Angleichung führte.
- Quote paper
- Thomas Grömling (Author), 2002, Die Integrationsbemühungen in der Europäischen Union im Bereich der Asylpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4710