Wirkung von Sprache. Handlungs- und produktionsorientierter Umgang mit einem Textausschnitt aus "Die große Wörterfabrik"


Unterrichtsentwurf, 2019
23 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Rahmenbedingungen
1.1 Grundschule
1.2 Die Klasse 3a
1.3 Blick auf einzelne Schüler

2 Überlegungen zur Sache
2.1 Das Bilderbuch: Die große Wörterfabrik
2.2 Analyse
2.2.1 Struktur
2.2.2 Gestaltung

3 Didaktische Grundlegungen für den Unterricht
3.1 Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
3.2 Relevanz des Themas
3.3 Legitimation des Themas durch den Bildungsplan
3.3.1 Beitrag des Faches zu den Leitperspektiven
3.4 Qualitätskriterien des Faches Deutsch
3.5 Ziele der Stunde
3.6 Didaktisch-methodische Konzeption der Stunde

4 Verlaufsplanung

5 Literaturverzeichnis

1 Rahmenbedingungen

1.1 Grundschule

Die Grundschule liegt im Schulzentrum der Kleinstadt XX. Die Schülerinnen und Schüler1 kommen aus der 9000 - Einwohnerstadt.

Die Schule hat pädagogische Leitsätze, die für jeden auf der Homepage der Schule einsehbar sind. Sie sind Grundlage für das Schulleben und für das Unterrichtsgeschehen. Zu ihnen gehört ein wertschätzender Umgang miteinander und das Fördern und Stärken der Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen unter Berücksichtigung der individuellen Ressourcen. Die Grundschule bezeichnet sich als „lesende“ Schule, was bedeutet, dass sie einen Schwerpunkt auf die Förderung von Lesekompetenz und Lesefreude gelegt hat.

1.2 Die Klasse 3a

Die Klasse setzt sich aus X Mädchen und X Jungen zusammen. Als Fachlehrerin unterrichte ich die Fächer Deutsch und Sachunterricht. Da ich die Klasse schon im letzten Schuljahr begleiten konnte, habe ich früh eine gute Beziehung zu den Schülern aufbauen können. Diese ermöglichte einen schnellen Einstieg und eine gute Zusammenarbeit im neuen Schuljahr.

Das Klassenklima lässt sich als positiv beschreiben. Die SuS sind grundsätzlich motiviert und ihre Lernbereitschaft ist hoch. Bekannte Arbeitsanweisungen werden befolgt und Neues wird wissbegierig aufgenommen.

Sowohl im Bereich des kognitiven Lernvermögens als auch im Bereich der Anstrengungsbereitschaft unterscheiden sich die Schüler sehr. In meinen Unterricht versuche ich dadurch möglichst offenen Aufgaben anzubieten. Offene Aufgaben irritieren zunächst die Schüler, sodass oft viele Fragen gestellt werden. Hier versuche ich immer wieder aktiv die Schüler zu ermutigen, eigene Lösungswege auszuprobieren.

Weiterhin begleitet den Deutschunterricht eine feste Wochenstruktur, die ein sinnvolles Ankommen im Deutschunterricht ermöglicht. Auf Wunsch der Klassenlehrerin findet am Montag der Erzählkreis im Deutschunterricht statt. Dieser wird in verschiedenen Formen durchgeführt, um das Sprechen und Zuhören zu üben. Eine feste Lesezeit ist Dienstag am Anfang der Stunde verortet bei der die Schüler in ihrem Tischbuch lesen können. Diese ist mit bestimmten Aufgaben verbunden, damit die Schüler sich im Leseverständnis üben. Am Donnerstag wird der harte Brocken besprochen. Beim harten Brocken handelt es sich um ein Wort an dem ein Rechtschreibphänomen geübt und trainiert wird. Und zuletzt gibt es den Satz der Woche, an dem verschiedene sprachliche Phänomene analysiert werden können. Diese passen sich immer den behandelten Themen und dem Stand der Klasse an.

Als Ruhezeichen ist das dreimalige Klatschen etabliert. Während die Lehrkraft dreimal klatscht, legen die SuS ihre Stifte aus der Hand und verschränken die Arme zu einer Brezel. Dies ermöglicht, Anweisungen zu geben oder Arbeitsphasen zu beenden. Zur Beendigung von Arbeitsphasen wird auch die Klangschale benutzt.

1.3 Blick auf einzelne Schüler

M. hat ein diagnostiziertes Aufmerksamkeitsdefizit. Sie wirkt im Unterricht häufig abwesend. Ihre Teilnahme an Gesprächen ist oft nur durch Aufforderungen zu erreichen. Durch ein persönliches Gespräch mit der Schülerin vor ca. 2 Wochen hat sich ihre Beteiligung jedoch am Unterricht erhöht und nun nimmt sie an manchen Tagen am Unterricht aktiv teil.

J. und S. haben beide einen Migrationshintergrund, der ihre Teilnahme am Unterricht teilweise einschränkt. Obwohl beide SuS den mündlichen Umgang weitestgehend fehlerfrei beherrschen, bereiten ihnen manche Begriffe und schriftlich zu erledigende Aufträge Schwierigkeiten. Weiterhin beendet J. seine Arbeit häufig nicht, da er mehr Zeit als der Rest der Klasse braucht, um sich den Aufgaben zu widmen (sucht Stifte, Material) und noch Schwierigkeiten hat sich konzentriert einer Aufgabe zu widmen. Er benötigt im Unterricht immer wieder unterstützende Worte und Aufforderungen zur Weiterarbeit. Sozial wirkt er nicht gut integriert und es kommt nicht selten vor, dass Schüler ihn wegen seines Verhaltens ermahnen.

J. und I. sind SuS, die fast jede Stunde zusätzliche Arbeit brauchen, da sie sehr schnell arbeiten. Hier handelt es sich jedoch oft um keine kognitive Schnelligkeit sondern um das schnelle Erledigen der Aufgaben. Um diese Situation effektiv zu nutzen, wurde im Regelunterricht die „Ich-bin-fertig-Box“ eingerichtet, in der sich für jeden Schüler zusätzliche Übungsmaterialien befinden.

2 Überlegungen zur Sache

2.1 Das Bilderbuch: Die große Wörterfabrik

Der Textauszug der heutigen Stunde entstammt dem 2009 erschiene Bilderbuch Die große Wörterfabrik. Autorin ist die französische Schriftstellerin Agnés de Lestrades. Illustriert wurde das Bilderbuch von Valeria Docampo.

Das Bilderbuch erzählt von einem Land, dessen Bewohner nur sprechen können, wenn sie zuvor Wörter gekauft und geschluckt haben. Dadurch wird die Kluft zwischen arm und reich markiert: Wer Geld hat, kann sich viele Wörter leisten und viel sprechen, wer arm ist, bleibt stumm. Da es außerdem Wörter von unterschiedlichem Wert gibt, geht damit einher, dass nur die reichen Menschen Bedeutsames und Wichtiges aussprechen können. Alle anderen Menschen im Land müssen sehen, woher sie ihre Wörter bekommen, so etwa aus dem Müll, aus dem Schlussverkauf oder weil sie sie zufällig auf der Straße finden. Auf diese Weise muss sich auch der Junge Paul seine Wörter beschaffen. Zufällig findet er die drei Wörter Kirsche, Staub und Stuhl, die er dem Mädchen Marie zum Geburtstag schenken möchte. Als er an ihrer Haustür klingelt, muss er feststellen, dass ihm sein Rivale – der reiche Oskar – zuvorgekommen ist: Er macht Marie im Hausflur eine laute und wortreiche Liebeserklärung. Paul ist zutiefst getroffen und verunsichert. Obwohl er das Gefühl hat, dass sein Geschenk für Marie angesichts der Vorstellung seines Kontrahenten wertlos ist, überreicht er es ihr trotzdem. Und wird mit einem Kuss belohnt. Abschließend spricht Paul zu Marie ein letztes Wort, das er sich für eine ganz besondere Gelegenheit aufgespart hat: „Nochmal!“.

2.2 Analyse

2.2.1 Struktur

Was Die große Wörterfabrik zu einem besonderen Bilderbuch macht, ist die Unterteilung in zwei Teile. Die erste Hälfte des Buches ist allein auf die Darstellung des Landes der großen Wörterfabrik gerichtet. Es wird ausschließlich geschildert, wie das Land funktioniert und wie die Menschen in ihm leben, ohne dass eine Handlung entwickelt wird. Diese erste Bilderbuchhälfte kann man als rein deskriptiv bezeichnen, wenn man sich bei einer Erzählung an den Minimalanforderungen orientiert, dass ein Protagonist Ereignisse erlebt, die sich zu einem Geschehen zusammenfügen.2

Mit dem Satz „Heute hat Paul drei Wörter in seinem Netz gefangen“3 wird in der zweiten Hälfte des Bilderbuchs der Protagonist eingeleitet. Es findet eine temporale Verortung statt, die den Beginn der Narration gleich im ersten Wort markiert. Das Geschehen durchzieht nun die Geschichte bis zum Ende.

2.2.2 Gestaltung

Die Gestaltung des Bilderbuchs beinhaltet zum einen die Besonderheiten der Typographie, zum anderen die Illustrationen von Valeria Docampo.

Die Typographie in dem Buch ist auf jeder Seite anders und untermauert regelrecht das Geschehen der Geschichte. Sie ist ein starkes Element, um sich in die Geschichte einzufühlen. Ein eindrucksvolles Beispiel ist der Unterschied der ausgesprochenen Wörter zwischen Oskar und Paul, die in der Geschichte als Kontrahenten dargestellt werden. Als reiches Kind kann Oskar viele Wörter aussprechen. Seine Liebeserklärung an Marie ist dadurch deutlich. Trotz dieser Bedeutung wirken seine Wörter durch ihre große und fette Darstellung gefährlich auf den Leser. Im Gegensatz dazu steht das eine besondere Wort von Paul, welches durch die dünne Verschriftung leicht aber auch einnehmend wirkt.

Die Illustrationen von Valeria Docampo untermauern ebenfalls die schriftsprachlichen Deskriptionen und das Geschehen. Vor allem die Farbwahl spielt in dem Bilderbuch eine große Rolle. Der erste Teil des Bilderbuches wird überwiegend mit Hilfe von Bildern in Schwarz- und Brauntönen dargestellt. Präsent wird die Farblosigkeit in dem Land der Wörterfabrik auch in den trostlosen Mienen der Menschen. In der zweiten Hälfte des Bilderbuches vollzieht sich ein Wandel, da auch helle Farben zum Vorschein kommen. Diesen Teil durchzieht eine starke Farbsymbolik, da rot als Farbe für die Liebe genutzt wird und die Verliebtheit des Protagonisten untermauert. Doch auch die dramatische Wendung bzw. der Kampf um die Liebe von Marie wird farblich unterstützt, so dass ein Einfühlen in die Situation erleichtert wird.

3 Didaktische Grundlegungen für den Unterricht

3.1 Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht

Umgang mit Literatur heißt Abstand nehmen von rein analytischen Verfahren, da diese den Schülern und ihren Bedürfnissen häufig nicht gerecht werden. Geeigneter ist laut Haas, Menzel und Spinner ein handlungs- und produktionsorientierter Ansatz. 4 Gerhard Haas prägte den Begriff vom handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht. Er sieht diesen als „Gegenmodell zu einem Unterricht, der sich vorwiegend auf das lehrergeleitete Unterrichtsgespräch stützt und durch das ’vorprogrammierte Darüberredenmüssen’ die Leselust zerstört.“ 5 Haas, Menzel und Spinner ziehen in ihrem Artikel auch klare Verbindungen zwischen dem handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht und den Erkenntnissen der Rezeptionsästhetik. Diese betont, dass „der Sinn eines Textes immer vom Leser mit geschaffen wird. Dieses Mitschaffen wird bei produktiven und handlungsorientierten Verfahren gezielt didaktisch gefördert.“6

Des Weiteren benennen die Autoren, dass bei produktionsorientierten Verfahren auch eigene Standpunkte der Schüler ins Spiel kommen und zum Gegenstand des Unterrichts werden.

3.2 Relevanz des Themas

Kommunizieren gehört in die tägliche Lebenswelt der Kinder. Zuhause, im Unterricht oder in der Pause verständigen sich Schüler mit ihren Mitmenschen. Wie sie dieses tun ist von Schüler zu Schüler unterschiedlich und von der Situation unabhängig. Nicht selten kommt es jedoch vor, dass Schüler sich unbedacht äußern. Dabei spielt die heutige Lebensrealität der Schüler eine große Rolle, in der viele Faktoren, u.a. Werbung, Videospiele, ... einen negativen Einfluss auf sie nehmen.

Im Bilderbuch „Die große Wörterfabrik“ spielt der Umgang mit Wörtern eine wichtige Rolle. Es wird deutlich wie kostbar Wörter sind und welche Wirkung Sprache haben kann. Dabei steht nicht die Bedeutung der Wörter im Vordergrund sondern die Intention hinter dem Kommunikationsanlass.

Die heutige Stunde nimmt das Thema der „Wirkung von Sprache“ in den Blick. Die Schüler haben die Möglichkeit sich in den Protagonisten Paul, den Antagonisten Oskar oder in die Protagonistin Marie hineinzuversetzen und somit deren Wohlbefinden nachzuempfinden. Im Laufe der Stunde können sie deren Gedanken und Gefühle mit eigenen Erfahrungen in Bezug setzen. Dabei kommen sie ins Nachdenken, wie sie selbst mit Anderen kommunizieren und welche Wirkung ihre Wörter/Sprache hat. Hierbei soll ihnen bewusst werden, dass auch „wie man etwas sagt“ die Intention hinter den Wörtern deutlich macht.

Ein Thema, welches in der heutigen Stunde ebenfalls mitschwingt, ist das Thema Liebe/Freundschaft/Gefühle zeigen. Paul mag Marie und möchte ihr dieses sagen. Er ist jedoch arm und kann sich keine schönen, netten Wörter leisten. Auch Schüler beschäftigen sich mit dem Thema Liebe und jemanden mögen. Jeder hat jemanden den er mag und schätzt. Worte zu finden, dieses mitzuteilen ist manchmal schwer, auch wenn man diese in unserer Welt nicht bezahlen muss. In der Stunde sollen die Schüler durch das Geschehen im Bilderbuch die Möglichkeit bekommen, sich dem Thema durch die Figuren anzunähern, um im Anschluss das Gefühl auf die eigene Lebensrealität zu bringen und festzulegen wie sie so etwas sagen würden. Die gewährte Distanz zu sich selbst, lässt die Schülern eine neue Perspektive gewinnen.

[...]


1 Des weiteren wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit auf die Verwendung der kumulative Form („Schüler und Schülerinnen“) verzichtet. Wird also von „Schülern“ gesprochen, so sind jeweils beide Geschlechter gemeint.

2 Vgl. Martinez/ Scheffel

3 Vgl. De Lestrade/ Docampo “Die große Wörterfabrik”

4 Vgl. Haas/Menzel/Spinner

5 Spinner, S. 982.

6 Haas/Menzel/Spinner

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Wirkung von Sprache. Handlungs- und produktionsorientierter Umgang mit einem Textausschnitt aus "Die große Wörterfabrik"
Hochschule
Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Grund- und Hauptschulen) Offenburg
Note
1,5
Autor
Jahr
2019
Seiten
23
Katalognummer
V471104
ISBN (eBook)
9783668939523
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Nicht nur die Stunde lief perfekt, auch der Entwurf wurde von der Qualität sehr gelobt.
Schlagworte
Handlungs-und produktionsorientierter Unterricht, Die große Wörterfabrik
Arbeit zitieren
Laura Dorotea Murcia Nagel (Autor), 2019, Wirkung von Sprache. Handlungs- und produktionsorientierter Umgang mit einem Textausschnitt aus "Die große Wörterfabrik", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471104

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