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Adornos Jazz-Verständnis. Theodor W. Adornos Kritik an einer Kulturindustrie und ihre Aktualität

Titel: Adornos Jazz-Verständnis. Theodor W. Adornos Kritik an einer Kulturindustrie und ihre Aktualität

Bachelorarbeit , 2007 , 48 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Sebastian Polmans (Autor:in)

Kulturwissenschaften - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Was Kunst ist und was sie bedeutet, unterliegt einem stetigen historischen Wandel, in welchem zeitgenössische Ereignisse ebenso wie Werke der Vergangenheit historisch als auch zwischen verschiedenen Kulturen variieren. Vor über 60 Jahren konzipierte Adorno unter den Eindrücken der faschistischen NS-Diktatur die Konstitution einer Kulturindustrie. Was und wie können wir heute aus Adornos dialektischem Modell einer Gesellschaftsdiagnose lernen? In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob Adornos Jazz-Verständnis ein Missverständnis ist, das Kategorien an Neues anlegt, die die Neuigkeit nicht mehr erfassbar machen.

Dazu soll Adornos Jazz-Verständnis eingebettet werden in seinen Befund der Kulturindustrie und sein historisch spezifisches Verständnis oder möglicherweise Unverständnis der Musikform herausstellen. Es werden Ansätze aktueller Momente und Musiker der Jazzgeschichte exemplarisch angeführt. Ziel ist es zu analysieren, ob sie die von Adorno durch Ablösung der Kulturindustrie für ausgestorben erklärte Funktion der Kunst, nämlich die der Autonomie und Kritik, dennoch auf subversive, selbstreflexive Weise verwirklichen. Dies scheint vor allem interessant, da Arbeiten zur Aktualität einer Theorie der Kulturindustrie kaum auf Adornos Jazz-Theorie eingehen.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf Adornos drei großen Aufsätzen zum Jazz, "Zeitlose Mode. Zum Jazz", "Über Jazz" und "Abschied vom Jazz" sowie auf dem Kulturindustrie-Kapitel in der "Dialektik der Aufklärung".

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theodor W. Adornos Begriff der Kulturindustrie

2.1 Der „befreite Bereich“ der Musik

2.2 Reklame und Politur einer Kulturware Musik

2.3 Die Liquidation der Kunst

2.4 Vom Kunstwerk zum Ereignis Kunst

3 Jazz und Kulturindustrie

3.1 Überblick über Adornos Jazz-Schriften

3.2 Einleitung in Adornos Jazz-Theorie

3.2.1 Jazz und seine Pseudologien

3.3 Kunst und ihre Reproduzierbarkeit:

4 Solo-Improvisation: Produktives zu Adornos Kritik am Jazz

Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Theodor W. Adornos Kulturindustrie-Theorie und dessen musiksoziologischer Jazz-Kritik, um zu ergründen, inwieweit Adornos Diagnose für eine heutige, postmoderne Gesellschaft noch Relevanz besitzt. Dabei wird hinterfragt, ob Adornos Jazz-Verständnis als zeitgebundenes Missverständnis zu betrachten ist und ob aktuelle Strömungen innerhalb des Jazz die von ihm diagnostizierte "Liquidation der Kunst" durch selbstreflexive, subversiv-autonome Ansätze herausfordern können.

  • Kritische Theorie der Frankfurter Schule und der Kulturindustrie-Begriff
  • Adornos musikästhetische Analyse des Jazz als Teil einer Gesellschaftsdiagnose
  • Die Spannung zwischen autonomem Kunstwerk und technischer Reproduzierbarkeit
  • Das "call and response-Prinzip" und die Jazz-Improvisation im Vergleich zum notierten Werkcharakter
  • Diskursanalyse: Adornos Korrespondenz mit Walter Benjamin zum Thema der Chockwirkung

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Jazz und seine Pseudologien

In einer Rückschau auf seine wissenschaftliche Arbeit zur Zeit im amerikanischen Exil, nimmt Adorno 1968 in selbstkritischem Ton auf seine vorherige Arbeit „Über Jazz“ Bezug, indem er auf eine Scheinhaftigkeit der Musikform anspielt, die er damals noch nicht so wahrgenommen habe: „Ich nahm tatsächlich noch den Jazz als die unmittelbare Äußerung hin, als die er sich selbst so gern propagiert, und gewahrte nicht das Problem einer angedrehten, manipulierten Schein-Spontaneität […].“

Dabei wäre diese Selbstkritik gar nicht notwendig, insofern Adorno von Anfang an die Pseudologien des Jazz kritisierte, allen voran die Scheinhaftigkeit der „spontanen“ Improvisation. Die von ihm herausgearbeiteten Pseudologien des Jazz sind ein wesentlicher Teil seiner Jazz-Theorie, insofern er herausstellt, dass sie schon ihre eigene Begrifflichkeit negieren, indem sie sich vergeblich um eine musikalische Realisierung ihrer selbst bemühen. So ist die Improvisation nicht improvisiert, die Individualität des Schein-Improvisierenden nicht individuell und die Spontaneität ist in einer starren Rhythmik reglementiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung stellt den zentralen Begriff der Kulturindustrie vor und hinterfragt dessen Aktualität in einer globalisierten, technisierten Welt, wobei sie Adornos Jazz-Kritik als Ausgangspunkt für eine weitergehende Gesellschaftsdiagnose etabliert.

2 Theodor W. Adornos Begriff der Kulturindustrie: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Kulturindustrie-Theorie vor dem Hintergrund der Emigrationserfahrung und analysiert den Übergang von Kunst zur kommerziellen Ware unter dem Einfluss der NS-Diktatur.

3 Jazz und Kulturindustrie: Der Fokus liegt hier auf der Untersuchung des Jazz als zentralem Materialbeispiel für Adornos Kulturindustrie-Kritik, wobei die musikalischen Strukturen wie Synkopen und "Scheintakte" als Symptome einer Schein-Individualität analysiert werden.

4 Solo-Improvisation: Produktives zu Adornos Kritik am Jazz: Das Kapitel bietet eine produktive Auseinandersetzung mit Adornos Thesen und diskutiert moderne Jazz-Ansätze, die als reflektierter Umgang mit den ökonomischen Bedingungen einer Kulturindustrie verstanden werden können.

Resümee: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und argumentiert für ein kritisches, nicht-dogmatisches Reflektionsmodell, das Adornos dialektisches Denken für die Analyse heutiger kultureller Phänomene fruchtbar macht.

Schlüsselwörter

Kulturindustrie, Theodor W. Adorno, Jazz, Dialektik der Aufklärung, Warencharakter, Pseudologien, Schein-Individualität, Autonomie der Kunst, Technische Reproduzierbarkeit, Chockwirkung, Walter Benjamin, Jazz-Theorie, Musiksoziologie, Improvisation, Gesellschaftsdiagnose.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert kritisch die Jazz-Theorie von Theodor W. Adorno und stellt sie in den Zusammenhang seiner umfassenderen Kulturindustrie-Kritik.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder sind die Musikphilosophie, die Frankfurter Schule (Kritische Theorie), die soziologische Analyse von populärer Musik (Jazz) und das Verhältnis von Kunst zu ökonomischen Strukturen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Aktualität von Adornos Modell einer dialektischen Gesellschaftsdiagnose für heutige kulturelle Phänomene zu untersuchen und zu prüfen, ob Jazz-Improvisation heute als subversive Form der Kunst überleben kann.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Der Autor nutzt eine dialektische und musiksoziologische Analyse, wobei er Adornos eigene Schriften dekonstruiert und mit zeitgenössischen Diskursen sowie Beispielen aus der Jazzgeschichte abgleicht.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Im Hauptteil werden Adornos jazztheoretische Aufsätze, seine Briefwechsel mit Walter Benjamin sowie die theoretische Verknüpfung von Jazz, Faschismus und Kulturindustrie eingehend betrachtet.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?

Kulturindustrie, Schein-Individualität, Dialektik der Aufklärung, Jazz-Kritik und das Verhältnis von Autonomie und Markt.

Wie bewertet der Autor Adornos Einschätzung zum Jazz?

Der Autor erkennt Adornos tiefgehende, wenngleich oft metaphorisch überladene Analyse an, zeigt aber auf, dass Adorno zwischen den Jazzstilen kaum differenzierte und die sozio-politische Realität der afroamerikanischen Musiker zu wenig berücksichtigte.

Welche Bedeutung hat der Vergleich mit Walter Benjamin?

Der Vergleich verdeutlicht die unterschiedlichen Ansätze der beiden Philosophen bezüglich der technischen Reproduzierbarkeit von Kunst und der Rolle des Publikums in der "Chockwirkung".

Gibt es einen individuellen Bezug zu modernen Jazzmusikern?

Ja, der Autor führt exemplarisch moderne Musiker wie John Coltrane oder Nils Petter Molvaer an, um zu verdeutlichen, wie reflektierte Kunst auch innerhalb einer Kulturindustrie existieren kann.

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Adornos Jazz-Verständnis. Theodor W. Adornos Kritik an einer Kulturindustrie und ihre Aktualität
Hochschule
Universität Siegen  (Germanistik)
Note
1,3
Autor
Sebastian Polmans (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
48
Katalognummer
V471256
ISBN (eBook)
9783668950290
ISBN (Buch)
9783668950306
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adorno Jazz Benjamin Kulturkritik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sebastian Polmans (Autor:in), 2007, Adornos Jazz-Verständnis. Theodor W. Adornos Kritik an einer Kulturindustrie und ihre Aktualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471256
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  48  Seiten
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