Zur Konzeptualisierung der Frau in der DDR und BRD

Eine sprachliche Untersuchung zu gesellschaftlichen Strukturen


Bachelorarbeit, 2018
65 Seiten, Note: 2,1

Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2.Forschungsüberblick

3. Situation der Frauen in Ost- und Westdeutschland
3.1 Überblick über die Situation nach der Teilung Deutschlands
3.2 Frauen in der DDR
3.2.1 Frauen im Bereich der Politik
3.2.2 Staatliche Unterstützung der Frau
3.2.3 Frauen in der Arbeit
3.2.4 Frauen in der Bildung
3.2.5 Die doppelte Rolle der Frau
3.3 Frauen in der BRD bis 1989
3.3.1 Erwerbstätigkeit der Frau
3.3.2 Frauen und politische Regelungen
3.3.3 Die Rolle der Frau
3.4 Zusammenfassung und Fazit

4. Sprache in Ost- und Westdeutschland
4.1 Merkmale der Sprache in der DDR
4.2 Merkmale der Sprache in der BRD
4.3 Zusammenfassung und Fazit

5. Untersuchung: Darstellung der Frau
5.1 Konzepte der Frau
5.1.1 Konzepte in Tabelle: Anredeformen
5.1.2 Konzepte in Tabelle: Arbeit und Bildung
5.1.3 Konzepte in Tabelle: Beschreibungen
5.1.4 Konzepte in Tabelle: Bezeichnungen
5.1.5 Konzepte in Tabelle: Haushalt und Familie
5.1.6 Konzepte in Tabelle: Nationalitäten
5.1.7 Konzepte in Tabelle: Politik
5.1.8 Konzepte in Tabelle: Religion
5.1.9 Konzepte in Tabelle: Bezeichnungen für Stärke
5.1.10 Konzepte in Tabelle: Tätigkeiten
5.2 Gesamtauswertung

6. Schluss

7.Literaturverzeichnis

8. Anhang
8.1.Tabellen
8.1.1.a Tabelle: Anreden - Unterschiedlicher Wortschatz
8.1.2.a Tabelle: Arbeit und Bildung - Gemeinsamer Wortschatz
8.1.2.b Tabelle :Arbeit und Bildung - Unterschiedlicher Wortschatz
8.1.2.a.1 Tabelle: Niedrige Lohngruppe - Gemeinsamer Wortschatz
8.1.2.a 2 Tabelle: Hohe Lohngruppen - Gemeinsamer Wortschatz
8.1.2.b.1 Tabelle: Hohe Lohngruppen - Unterschiedlicher Wortschatz
8.1.2.b.2 Tabelle: Niedrige Lohngruppe - Unterschiedlicher Wortschatz
8.1.3.a Tabelle: Beschreibungen - Gemeinsamer Wortschatz
8.1.3.b Tabelle: Beschreibungen - Unterschiedlicher Wortschatz
8.1.4.a Tabelle: Bezeichnungen - Gemeinsamer Wortschatz
8.1.4.b Tabelle: Bezeichnungen - Unterschiedlicher Wortschatz
8.1.5.a Tabelle: Haushalt und Familie - Gemeinsamer Wortschatz
8.1.5.b Tabelle: Haushalt und Familie - Unterschiedlicher Wortschatz
8.1.6.a Tabelle: Nationalitäten - Gemeinsamer Wortschatz
8.1.6.b Tabelle: Nationalitäten - Unterschiedlicher Wortschatz
8.1.7.a Tabelle: Politik - Gemeinsamer Wortschatz
8.1.7.b Tabelle: Politik - Unterschiedlicher Wortschatz
8.1.8.a Tabelle: Religion - Gemeinsamer Wortschatz
8.1.8.b Tabelle: Religion - Unterschiedlicher Wortschatz
8.1.9.a Tabelle: Bezeichnungen, die Stärke ausdrücken - Gemeinsamer Wortschatz
8.1.9.b Tabelle: Bezeichnungen, die Stärke ausdrücken - Unterschiedlicher Wortschatz
8.1.10.a Tabelle: Tätigkeiten in Beispielssätzen - Gemeinsamer Wortschatz
8.1.10.b Tabelle: Tätigkeiten in Beispielssätzen - Unterschiedlicher Wortschatz
8.1.11.a Tabelle: Sonstiges - Gemeinsamer Wortschatz
8.1.11.b Tabelle: Sonstiges - Unterschiedlicher Wortschatz

1.Einleitung

„Gesellschaftliche Veränderungen spiegeln sich in der Sprache wider.“

Die zwei unterschiedlichen politischen Systeme der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik teilten 40 Jahre lang Deutschland. Dies lässt die Frage entstehen, inwieweit die Trennung eine Entwicklung der deutschen Sprache beeinflusst hat. Der sprachliche Bereich rund um die Frau erscheint dabei besonders ergiebig, da sich Sprachforscher bisher noch nicht mit einem Sprachvergleich bezüglich der Konzeptualisierung der Frau im geteilten Deutschland befasst haben und die Frau in den beiden ideologischen Systemen unterschiedliche Funktionen und Rollen einnahm, was in dieser Arbeit unter anderem aufgezeigt werden soll. Auf Seiten der BRD stand das Bild der Hausfrau und Mutter und in der DDR das Bild der Arbeiterin und Mutter. Interessant ist somit der Aspekt, ob sich das fortschrittliche Bild der DDR-Frau auch sprachlich zeigte.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, ob eine Tendenz hinsichtlich der unterschiedlichen Frauenrollen existiert, die sich sprachlich manifestiert hat. Anders formuliert soll untersucht werden, ob unterschiedliche Tendenzen der Frauenkonzepte in der DDR und BRD existieren. Die Forschungsfrage ist, ob es sprachliche Unterschiede in der Konstruktion der Frauenrolle zwischen Ost- und Westdeutschland gab. Es ist anzunehmen, dass Sprache in der DDR vermehrt eine stärkere und unabhängigere Frauenrolle als in der BRD repräsentierte und dass diese Unterschiede sich auf die soziale Struktur des jeweiligen Gebiets zurückführen lassen, denn die Sprache konstruiert Wirklichkeit und es erscheint daher nur plausibel, dass sich gesellschaftliche Strukturen auch sprachlich zeigen, wie in dem Zitat am Anfang genannt.

Zur Untersuchung des Ziels und der Forschungsfragen sowie der Überprüfung der Hypothesen wird mithilfe von Wörterbüchern aus der Zeit der Teilung der DDR und BRD die Sprache aus den jeweiligen Gebieten analysiert und verglichen. Dabei werden die Wörterbücher des Dudens betrachtet. Diese Wörterbuch wurde ausgewählt, da es das meist benutzte Wörterbuch ist und durch seine zwei Auflagen in Ost-und Westdeutschland eine direkte Vergleichsmöglichkeit bietet. Weiterhin werden nur Wörter in den Duden aufgenommen, die zum festen Bestandteil des Wortschatzes geworden sind und nicht nur situationsbedingt auftauchen. Untersucht wird die 18. Auflage beider Duden, davon ist Mannheimer Ausgabe der BRD von 1980 und die Leipziger Ausgabe der DDR von 1985. Für diese Arbeit wurden die letzten getrennten Fassungen vor der Wiedervereinigung ausgewählt, da hier die längste Trennung der Staaten bestand und es am wahrscheinlichsten ist, dass die verschiedenen Ideologien und Systeme der Länder sich auf die Sprache ausgewirkt und verfestigt haben.

Um die Arbeit zu gliedern wird zunächst ein Forschungsüberblick über bisherige Arbeiten gegeben, die sich mit der Sprache in Ost-und Westdeutschland auseinander befasst haben. Daraufhin wird eine Analyse des historischen Kontextes mit dem Vergleich der jeweiligen sozialen Struktur und Gesellschaft der DDR und BRD in Bezug auf die Stellung der Frau gegeben. Danach werden untersuchte linguistisch relevante Differenzen und Entwicklungen der DDR- und BRD-Sprache wiedergegeben. Anschließend folgt der praktische Teil der Arbeit, in welchem ein tabellarischer Vergleich aus Wörterbüchern der DDR und BRD bezüglicher der Frau und ihrer Rolle abgebildet wird. Diese werden nacheinander ausgewertet und nach Konzepten hin untersucht. Infolgedessen werden die zu Anfang genannten Hypothesen abgelehnt oder angenommen und das Ziel der Arbeit aufgegriffen. Abschließend folgt der Schluss, in welchem die Arbeit reflektiert und die Ergebnisse zusammengefasst werden.

2.Forschungsüberblick

Die Forschungsliteratur im Bereich der DDR- und BRD-Sprache ist umfangreich, aber auch kritisch zu betrachten. Viele Werke sind nicht objektiv, sondern gegenüber der DDR oder der BRD voreingenommen. In der Regel werden sozialpolitische Aspekte mithilfe von Wörterbüchern und Zeitungen aus dem Zeitraum der Teilung untersucht, wobei der Fokus auf die Neubildung von Lexemen gelegt wird. Im Folgenden sollen einige Werke genannt werden.

Das Sammelwerk Sprache und Kommunikation in Deutschland Ost und West, herausgegeben von Manfred W. Hellmann und Marianne Schröder, beinhaltet 33 Artikel verschiedener Autoren aus dem Zeitraum 1953 bis 2006. Thematisiert wurden die deutsche Sprache in der DDR und BRD, ihre Entwicklung, Probleme, Ideologieverbundenheit und die Sprache nach der Wende. Die Aufsätze sind chronologisch geordnet und untersuchen im weiteren Sinne dieselben Themengebiete. Dadurch ist es möglich, eine Entwicklung der Untersuchungen und Ergebnisse zu verfolgen. Beispielsweise geht Hugo Moser in seinem Aufsatz Die Sprache im geteilten Deutschland auf neue Wortbildungen, -verwendungen und -bedeutungen auf der Grundlage von Dudenvergleichen ein und beleuchtet diese unter dem Aspekt des ideologischen und russischen Einflusses auf die DDR-Sprache. Seiner Meinung nach drohte eine sprachliche Spaltung der deutschen Sprache. Die These wird jedoch in einem anderen Aufsatz von Hans-Joachim Gernentz verneint. Dieser zeigt überdies als einer der wenigen Wissenschaftler neben der bekannten Sprachlenkung der DDR auch eine verdeckte Sprachlenkung der BRD auf. Das Werk Duden Ost - Duden West von Elke Annalene Siegl untersucht die Leipziger und Mannheimer Duden Auflagen 13. bis 18. Ihre Analyse bezieht sich auf den englisch-amerikanischen und russischen Wortbestand der Duden hinsichtlich einer Russifizierung und Anglifizierung des Wortschatzes. Daneben wird auch der lateinisch-griechische und französische Wortbestand geprüft. Es wird die quantitative Entwicklung des Wortbestandes in den Dudenauflagen untereinander sowie in den unterschiedlichen Dudenausgaben miteinander verglichen. Siegl begrenzt ihre Untersuchung dabei je nach Dialekt ihre Wortauswahl auf einzelne Buchstaben, in denen die Frequenz des jeweiligen Dialekts am größten ist. Das Endresultat dieser Arbeit ist, dass beide Dudenausgaben in Ost- und Westdeutschland vereinfacht ausgedrückt einen relativ gleichlaufende Entwicklung aufweisen. Das Sammelwerk Das einigende Band? Beiträge zum sprachlichen Ost - West Problem im geteilten und im wiedervereinigten Deutschland wurde herausgegeben von Dieter Herberg und beinhaltet zahlreiche Aufsätze von Manfred W. Hellmann. Unterteilt sind sie in sprachliche Differenzen im geteilten Deutschland und im Sprachgebrauch während und nach der Wende. Auch Methoden und deren Probleme, die in der Forschung selbst aufgetreten sind, werden in einigen Aufsätzen behandelt. Kritisch zu betrachten ist an diesen Arbeiten, dass Hellmann dabei die BRD und deren Sprache als Maßstab setzt und diese kaum untersucht. Seiner Meinung nach ist die deutsche Sprache an sich zwar stabil, sieht jedoch trotzdem eine Auseinanderentwicklung mit Verständigungsproblemen zwischen den Gebieten.

Des Weiteren setzt Marie-Luise Frein-Plischke den Untersuchungsschwerpunkt in ihrer Arbeit Wortschatz Bundesrepublik - DDR auf den Begriff der Personenkollektiva und deren semantischen Unterschiede in der BRD und DDR. Sie analysiert dabei sehr detailliert Zeitungstexte und Wörterbücher der BRD und DDR hinsichtlich Begriffe, die Personengruppen umfassen. Als Ergebnis ihrer Arbeit finden sich im Bereich der Politik die meisten semantischen Differenzen, gefolgt vom Sozialbereich und dem Wirtschaftsbereich. Józef Grabarek wiederum analysiert in seinem Werk Zur Geschichte der deutschen Sprache im 20. Jahrhundert die historische Entwicklung der deutschen Sprache und deren geografische Ausbreitung. Darunter gibt es auch ein Kapitel über die Sprachsituation zur Zeit der Trennung Deutschlands und nach der Wiedervereinigung. Dabei gibt Grabarek viel historisches Hintergrundwissen an, darüber warum und mit welchen Methoden die Sprache sich verändert hat, was im weiteren Verlauf der Arbeit noch aufgegriffen wird. Hierbei liegt jedoch auch sein Fokus überwiegend auf Seiten des ostdeutschen Raumes.

3. Situation der Frauen in Ost- und Westdeutschland

In diesem Kapitel werden die Gesellschaften der BRD und DDR untersucht. Der Schwerpunkt liegt auf Rolle der Frau und ihrer Situation in sozialen Strukturen und Bereichen wie Politik, Beruf, Einkommen und Privatleben. Dies dient als Grundlage und Rückgriff für die Auswertung des Praxisteils. Hierzu wird zunächst die Lage in Ostdeutschland untersucht und in dem nachfolgenden Abschnitt die Situation in der BRD.

Die zugehörigen Unterkapitel zu Frauen in der DDR und BRD sind nicht identisch, da es grundlegende Differenzen zur Frauensituation gibt, jedoch werden dieselben Themengebiete, soweit möglich, berücksichtigt.

3.1 Überblick über die Situation nach der Teilung Deutschlands

Das ostdeutsche Gebiet hatte unter schwereren Kriegsschäden und Folgen zu leiden als Westdeutschland. Vor allem was die Reparationsfrage anging, waren die Regelungen der Alliierten in der Westzone deutlich milder angelegt und gaben mit dem Marshallplan eine zusätzliche, wirtschaftliche Starthilfe. Die stark beschädigte Sowjetunion war dagegen auf hohe Rückzahlungen aus ihrer Besatzungszone angewiesen. Pro Kopf waren es 1.349 Reichsmark, vergleichsweise betrug die Menge nur 23 pro Kopf in der BRD. Zusätzlich wurde Ostdeutschland durch Auswanderungen qualifizierter Arbeiter und Fachangestellte weiter geschwächt, was wiederum mit erhöhtem Arbeitskräftebedarf ausgeglichen werden musste. Die DDR war das einzige Land der Welt, was durch einen stetigen Bevölkerungsrückgang gekennzeichnet war. Im Zeitraum von 1948 bis 1989 ist die Bevölkerung um 2,7 Millionen Einwohner gesunken. Gründe für das Verlassen der DDR waren der Umbau von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Darunter fielen nach 1950 die Einstellung der staatlichen Hilfen für Vertriebene aus ehemaligen deutschen Ostgebieten, die entschädigungslosen Enteignungen und die Verstaatlichung privater Güter, Privilegienverluste, Kollektiverungsdruck, der Mangel an Freiheit, Individualisierung sowie Demokratie und der westdeutsche Wirtschaftsaufschwung. Diese hohe Zahl an Auswanderern brachte der DDR einen schweren Mangel an Arbeitskräften, Fachleuten, Bauern und Unternehmern. Durch den Zustrom aus der DDR, ehemaligen deutschen Gebieten und dem Ausland gewann jedoch die BRD auf der anderen Seite viele qualifizierte und engagierte Fachleute und Arbeitskräfte, die mitunter für einen Wirtschaftsaufschwung sorgten und somit den Lebensstandard erhöhten.

3.2 Frauen in der DDR

3.2.1 Frauen im Bereich der Politik

Die einzige und führende Partei der DDR war die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). Die Gleichstellung der Frau gehörte von Beginn an zu den offiziellen Zielen der sozialistischen Gesellschaftspolitik, wurde von Männern der Regierung gesteuert und dem öffentlichen Diskurs entzogen. Bereits in der ersten Verfassung der DDR 1949 wurde die geschlechtliche Gleichberechtigung zum Verfassungsprinzip gestellt. Motiviert war sie ideologisch, politisch und ökonomisch. Zur der Ideologie der kommunistischen Gesellschaft gehörte die Gleichstellung von Mann und Frau, politisch gesehen sollten die Frauen für das sozialistische System gewonnen werden und ökonomisch betrachtet benötigte die DDR dringend Arbeitskräfte. 1945 entstanden die kommunalen antifaschistischen Frauenausschüsse, aus denen zwei Jahre später der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD) hervorging, welcher ausschließlich aus Frauen bestand. 1946 waren 21,5% Frauen Parteimitglieder und 25 Jahre später stieg die Zahl auf 28,7%. Bei genauer Betrachtung hatten die Frauen jedoch keine entscheidenden Postionen in der Politik, sondern belegten meist repräsentative oder beratende Stellen.

3.2.2 Staatliche Unterstützung der Frau

Unterschiedliche sozialpolitische Regelungen wurden seit 1971 eingeführt, um berufstätige Mütter zu entlasten und die Vereinbarkeit von Beruf und Mutterschaft zu vereinfachen. Darunter waren eine gesicherte Kinderbetreuung (Krippen, Kindergärten, Horte), eine Arbeitszeitverkürzung auf 40 Wochenstunden bei mehr als einem Kind und die Einführung eines freien bezahlten Hausarbeitstages pro Monat. Außerdem konnten 1972 Mütter sechs Wochen Urlaub nach der Geburt nehmen und es standen ihnen bei der Rückkehr in den Berufsalltag täglich zwei Stillpausen zu. Darüber hinaus kümmerten sich auch die Betriebe in der DDR unter anderem um die Betreuung von Kindern und Rentnern, medizinische Versorgung, Weiterbildung und Organisation von Freizeit, um einerseits die Frau zu entlasten und anderseits um vorgegebene Parteilinie des Sozialismus zu verfolgen. Eine wichtige Veränderung war die Erneuerung des Familiengesetzes der DDR. Dieses wurde 1975 so verändert, dass die Frau juristisch von traditionellen Pflichten gegenüber dem Ehemann und den Kindern entlastet wurde, indem beide Eheleute die Verantwortung für den Haushalt und die Familie trugen und die Frau beruflichen Tätigkeiten nachgehen konnte. Doch die politischen Unterstützungen und Regelungen im Bezug auf die Frau förderten auch gleichzeitig ihre traditionelle Rolle als Mutter, denn sie konnte der Mutter- und Hausfrauenrolle weiterhin nachgehen, sie und nicht der Ehemann als Vater wurde unterstützt.

3.2.3 Frauen in der Arbeit

In den ersten Nachkriegsjahren begann bereits die Einbeziehung der Frauen in die Produktion. Bereits 1978 war jeder zweite Arbeitsplatz von einer Frau besetzt. Der arbeitsfähige Frauenanteil, der einer Beschäftigung nachging, betrug im selben Jahr 87% und stieg bis 1989 weiter an. Um die Frauen für eine höhere Erwerbsbeteiligung zu mobilisieren, wurde vor allem Propaganda betrieben und das Bild der werktätigen Mutter verbreitet. Weiterhin wurde die Erwerbstätigkeit immer mehr zu einer staatlich betriebenen Notwendigkeit, da alleinstehende Frauen finanziell nicht unterstützt wurden und viele Familien auf ein zweites Einkommen für den Erhalt des Lebensstandards angewiesen waren.

„Trotz des Männermangels blieb die traditionelle Arbeitsteilung der Geschlechter weitgehend erhalten“. Denn Frauen nahmen überwiegend niedrigere Lohngruppen ein, da die Mehrheit keine vollendete Berufsausbildung besaß und somit als ungelernte Arbeitskraft schlechter bezahlte Berufe besetzte. In Textil- und Nahrungsindustrie und im Bereich gesellschaftlicher Dienstleistungen stellten Frauen die Mehrheit der Beschäftigten dar, welche ebenfalls alle mit einem niedrigen Gehalt entlohnt wurden. Es galt zudem als nicht erstrebenswert, Männer in untergeordneten Positionen zu beschäftigen. Der meist niedrige Lohn der Frauen bot wenig Chancen auf einen gehobeneren Lebensstandard und zwang die Frau indirekt zu Ehe und Kindern. Trotzdem hatte sie die Chance, durch eigene Leistung und mithilfe der Frauenförderung im Bildungswesen und in der Arbeitswelt sozial aufzusteigen, auch wenn dies schwerer war als bei den Männern.

3.2.4 Frauen in der Bildung

Für Frauen und Mädchen wurde der Eintritt in Bildungseinrichtungen in den 1950er bis 1970er Jahren immer mehr ermöglicht, wobei dieser Prozess in der DDR eher und weiter vonstatten ging als in der BRD. Gleiche Bildungschancen für alle gehörten von Anfang an zu den Zielen der sozialistischen Bildungspolitik. Die Förderung von Frauen erhielt hier sogar Verfassungsrang. 1965 waren in beiden Teilen Deutschlands die Universitäten zu 3/4 mit Männern besucht. Doch bereits ab 1970 bestanden die Studierenden in der DDR zur Hälfte aus Frauen. Mädchen und Frauen hatten in der DDR nicht nur formal gleiche Bildungschancen, sondern wurden auch staatlich dabei unterstützt, Mutterschaft und Studium zu vereinen. 1962 wurden Fern- und Abendstudium ermöglicht, damit auch berufstätige Mütter sich weiterqualifizieren konnten. Um einen Studienabbruch aufgrund von Kindern zu verhindern, wurden für Studentinnen und Auszubildende ab 1972 kostenlose Kindergärten, Betreuungsheime, spezielle Unterkünfte, Sonderregelungen und Kinderzuschläge eingeführt.

3.2.5 Die doppelte Rolle der Frau

An die Frau wurde der Anspruch gestellt, gleichzeitig Mutter, Haus- und Berufsfrau zu sein, was wiederum zur Folge hatte, dass sie einer großen Belastung ausgesetzt war. Zusätzlich zeigen Untersuchungen, dass Frauen fast ebenso viele gesellschaftliche Funktionen wie Männer innehatten. Durch das Arbeiten hatten sich Frauen die traditionelle Rolle des Mannes teilweise erschlossen, jedoch hat der Mann nie entsprechend Bereiche wie Haushalt oder Erziehung übernommen. Es entstanden somit Probleme zwischen der Vereinbarung der Berufstätigen und der verantwortungsvoller Mutter, da sich trotz Gesetzen und Regelungen, die traditionellen Denkweisen von der Frau als Mutter und Hausfrau wenig änderten. Die Zuständigkeit der Frau für die Familie war weiterhin Voraussetzung, da sie und nicht der Ehemann staatlich unterstützt wurde.

3.3 Frauen in der BRD bis 1989

3.3.1 Erwerbstätigkeit der Frau

Die Anzahl erwerbstätiger Frauen bewegte sich von 1950 bis 1980 im Durchschnitt zwischen 30-33%. Eine Ursache dafür ist, dass nach dem Zweiten Weltkrieg die Frauen aus dem Arbeitsmarkt zurückgezogen wurden, damit die Kriegsheimkehrer wieder arbeiten konnten, denn die Wirtschaft baute sich erst langsam wieder auf und konnte nicht alle Männer wieder aufnehmen. Dazu wurde die Familie mit der Frau zu Hause als sichere Instanz nach den Kriegsjahren propagiert. Ab den 60er Jahren wuchs die Wirtschaft in Westdeutschland jedoch so rasant an, dass es sogar einen Arbeitskräftemangel gab und die weibliche Erwerbstätigkeit teilweise unabdingbar war. Doch herrschte weiterhin die strenge Zugehörigkeit der Frau zur Mutterrolle und ihre Arbeit wurde anders als beim Mann als Zuarbeit bezeichnet. Die Beschäftigung der Mutter war notwendig, ideologisch jedoch unwillkommen. Durch unzureichende Betreuungseinrichtungen und die Verantwortung für die Kinder kam es weiterhin zu einem Arbeitsverzicht der Frauen. Häufig belegten sie auch Positionen in der Teilzeitarbeit, welche wiederum teilweise das Problem des Arbeitskräftemangels im Staat löste und gleichzeitig die Frau in der Mutter- und Hausfrauenrolle behielt. Um eine Benachteiligung der Hausfrauen gegenüber erwerbstätigen Frauen zu vermeiden und die Mutterrolle erstrebenswert zu halten, führte die Regierung das Erziehungsgeld ein, welches als Lohnersatz dienen sollte.

3.3.2 Frauen und politische Regelungen

Im Gegensatz zu der DDR war die Frauenpolitik in der BRD bis Anfang 1970 kein eigenständiges Feld. 1957 wurde eine Hausfrauenehe festgelegt, die besagte, dass einer Erwerbstätigkeit der Frau nur im Notfall, mit Zustimmung des Mannes und, wenn ihre Pflichten als Hausfrau und Mutter nicht beeinträchtigt wurden, nachgegangen werden darf und die Frau allein für den Haushalt und die Kindererziehung zuständig ist. Erst 1976 wurde das traditionelle Modell mit der Frau als reiner Hausfrau mit der unverbindlichen Eherechtsform abgelöst, sodass beide Ehepartner das Recht auf Arbeit hatten, ohne dabei auf eine Beteiligung des Mannes bei der Erziehung und im Haushalt zu verweisen wie in der DDR. Trotz dieser Gleichberechtigungsregelung galt bis 1982 das Familienrecht von 1848, in welchem die Frau sich dem ehelichen Beischlaf nicht zu widersetzen hat.

3.3.3 Die Rolle der Frau

Die Rollen in der BRD waren klar verteilt. Der Mann war der Ernährer und die Frau war die Hausfrau und eventuell noch Zuverdienerin. Dadurch entstand automatisch die materielle Abhängigkeit der Frau vom Ehemann.

Seit den 50er Jahren sollte die Familie in der BRD gestärkt werden mit der Frau in der Mutterolle und ihrer Verantwortlichkeit für die Familie. Die Betreuung und Erziehung der Kinder war Privatsache und folglich Frauensache, da der Mann als Ernährer Geld verdienen musste. Mithilfe von Propaganda seitens der Politik, der Kirche und Verbänden wurde die Frau immer wieder auf ihre Rolle als Mutter verwiesen. In den 60er Jahren wurde die traditionelle Frauenrolle um die qualifizierte Erwerbsarbeit erweitert. Doch war die Zuständigkeit der Frau für die Haushaltsführung weiterhin gesetzlich festgeschrieben.

Die Aufstiegschancen im Beruf und somit auch im Sozialleben waren für die Frau deutlich schwerer als für den Mann, da sie in der Bildung und im Beruf benachteiligt wurde. Um sich sozial abzusichern oder aufzusteigen und finanziell unabhängig zu sein, war der Weg der Heirat folglich der sicherste und erfolgreichste für sie. Allgemein galt, dass der Sozialstatus einer Frau immer vom Ehemann abgeleitet wurde.

3.4 Zusammenfassung und Fazit

Da das ostdeutsche Gebiet wie erwähnt nach dem Krieg unter erheblichen Zerstörungen, hohen Reparationszahlungen und stetigen Auswanderungen litt, herrschte folglich ein großer Bedarf an Arbeitskräften, der durch eine hohe Beteiligung der Erwerbstätigkeit von Frauen getilgt wurde. Die Frauenerwerbsquoten in der DDR stiegen stets an und „bewegten sich auf einem internationalen Spitzenniveau.“ So zeigt sich, dass die Berufstätigkeit der Frau zu einer Selbstverständlichkeit wurde. Einerseits entstand dadurch in der DDR ein neues Frauenbild der erwerbstätigen Mutter. Andererseits verfügten die Frauen bis zur Wende über geringere Qualifikationen und geringeres Einkommen als Männer, da sie meist in untergeordneten Positionen oder in sogenannten Frauenberufen arbeiteten, die im Vergleich zu typischen Männerberufen ein niedrigeres Lohnniveau hatten. Hohe politische Stellungen in Führungspositionen waren für Frauen unzugänglich bis zuletzt. Zwar wurde gesetzlich die Beteiligung der Ehemänner in der Kindererziehung und der Haushaltsführung festgelegt, doch blieb diese trotz Beteiligung der Väter größtenteils Frauensache. Es kam zwar zur Einbeziehung der Frau in die Arbeit, aber keine gelungene Einbindung des Mannes in den Haushalt und die Familie. Staatliche Unterstützungen und Regelungen gingen nur von einer sozialen Verantwortung der Mutter aus. Dadurch verfestigte sich viel mehr die traditionelle Arbeitsteilung, denn die Unterstützungen legten die Familienverantwortlichkeit in den Bereich der Mutter.

„Während in der DDR 1989 über 92 Prozent aller Frauen einer Arbeit nachgingen, taten dies in der Bundesrepublik kaum 50%.“ Dies zeigt, dass die Rolle der Hausfrau und Mutter für die Frau in der BRD vorherrschend und gängig war. Sie wurde beruflich kaum gefördert und sollte als Mutter und Hausfrau vorwiegend zu Hause bleiben.

Die DDR-Frau war ihr durch die doppelte Rolle als Mutter und Arbeiterin um mehrere Schritte voraus. Die Gleichstellung wurde in der DDR früher und entschiedener realisiert als in der BRD, fand aber nicht in den oberen, entscheidenden und politischen Ebenen statt. Zwar ließ sich die Zuschreibung der Haushaltspflichten und Kindererziehung zur Frau in beiden deutschen Staaten ausmachen, doch konnte die DDR Ungleichheiten und traditionelle Aufteilung mehr abbauen als die BRD.

4. Sprache in Ost- und Westdeutschland

Von 1949 bis 1990 war Deutschland räumlich, politisch und somit auch ideologisch geteilt. Dass sich diese Trennung nicht nur auf die Gesellschaft auswirkte, sondern auch in einem gewissen Maße auf die Sprache, ist daher nur logisch. In diesem Abschnitt wird kurz aufgezeigt, inwieweit und wieso sich die deutsche Sprache in beiden Gebieten allgemein unterschiedlich entwickelt hat, um neben dem historischen und sozialen auch einen linguistischen Hintergrund anzugeben.

4.1 Merkmale der Sprache in der DDR

Teilziel der DDR-Regierung wurde die Bildung einer neuen und eigenen Sprache, die als Abgrenzung zu der BRD diente. Dies erfolgte aufgrund der Tatsache, dass Westmächte 1952 Stalins Vorschlag zur Bildung einer gesamtdeutschen Regierung abwiesen. Die ostdeutsche Besatzungsmacht wollte sich vollkommen vom Westen abwenden und eine eigene Nation mit einer eigenen Sprache bilden. Dazukommend sollte die neue Sprache für ein richtiges gesellschaftliches und somit sozialistisches Bewusstsein sorgen. Mitte der Achtziger wurde das Ziel einer eigenen Sprache in der DDR jedoch immer mehr aufgegeben, da die Regierung erkannte, dass es nicht realisierbar war. Doch bis dahin entstanden zahlreiche lexikalische Neuerungen und Neudeutungen, darunter viele erforderliche Bezeichnungen für neuartige Gegebenheiten wie FDJ, Jugendweihe, Volkskammer und Politbüro, die der Sozialismus mit sich brachte. Eine Eigenschaft der öffentlichen Sprache war ihre Fülle an „Behörden- und Parteijargons“. Beispielsweise wurde statt dem einfachen Verb fragen die Wendung Erkundigungen anstellen benutzt. Weiterhin wurden viele positiv und negativ wertende Adjektive in Texten und Erläuterungen wie wichtigst und friedlich vorangestellt. Mitunter den Wertungen sorgten auch unterschiedliche Auffassungen von Begriffen für eine semantische Veränderunge und Neudeutung von Lexemen. Zum Beispiel wurde in der 14. Leipziger Dudenauflage unter den Begriff Klasse das Proletariat verstanden und Masse wurde als Begriff positiv aufgewertet. Diese Merkmale und deren Ausbreitung wurden von der SED geführt und mithilfe der Massenmedien und deren staatlicher Kontrolle popularisiert. Unter den Methoden der Regierung fielen außerdem das generelle Verschweigen von Wörtern und Verschleiern durch die Umbenennung von Begriffen. Die Methode des Verschleierns beinhaltete statt der Verwendung von aussagekräftigen Wörtern den Gebrauch von Bezeichnungen mit einer geringeren spezifischen Bedeutung. Ein anderes Merkmal ist der häufig verwendete Protokollstil mit Angaben von Zahlen, um den Eindruck zu erwecken, dass geprüfte Informationen benutzt wurden. Diese Merkmale und Veränderungen in der Sprache waren demnach das häufige Ergebnis einer Sprachmanipulation, was in der DDR als Sprachlenkung bezeichnet wurde.

4.2 Merkmale der Sprache in der BRD

Die Neuerungen in der Sprache der DDR in gesellschaftlichen und politisch-sozialen Bereichen entstanden vor allem durch die Entwicklung des Sozialismus. Doch in der BRD hat sich sprachlich gesehen genauso viel verändert wie in der DDR, was Neuprägungen, Institutionsbezeichnungen, Politik- und Wirtschaftsbereiche betrifft.

„In beiden deutschen Staaten wird der Sprachgebrauch bewußt beeinflußt“ behauptet Gernentz als einer der Wenigen und zeigt, dass dies dort durchaus auch geschah . In Westdeutschland wurde eine Beeinflussung zwar geleugnet, doch für das hierarchische Verhältnis Arbeitgeber und -nehmer wurde beispielsweise die Bezeichnung Sozialpartner benutzt, offensive Bundeswehrziele hießen Vorwärtsverteidigung. Demnach kam es auch hier zu einer Verschleierung und Verharmlosung von Wörtern. Die zunächst als konservativ beschriebene Sprache der BRD nahm nach 1970 immer mehr Wörter der sozialistischen Ideologie der DDR auf, darunter Chancengleichheit, Friedenspolitik und Selbstverwirklichung Dies zeigt, dass sich die beiden getrennten Gebiete teilweise sprachlich austauschten.

4.3 Zusammenfassung und Fazit

Da es sich um einen im Vergleich mit der historischen Sprachentwicklung doch recht kurzen Zeitabschnitt handelt, wurde analysiert, dass sich die Veränderungen der Lexik auf Neuerscheinungen und semantische Veränderungen beschränken. Die Ursachen sprachlicher Veränderungen sind Einflüsse aus der wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und sozialen Entwicklung der jeweiligen Gebiete. Passend dazu ist der Höchstwert an sprachlichen Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland im Wortschatz der Politik und Wirtschaft zu finden. Weiterhin lassen sich Unterschiede vor allem in Bereich der Definitionen von politisch-ideologischen Wörtern wie Freiheit, Demokratie, fortschrittlich und in Bezeichnungen für neu entstandene, staatliche und gesellschaftliche Institutionen und Bezeichnungen für die Wirtschaft nachweisen. Doch hat sich die Sprache nicht auseinander entwickelt. Denn unverändert ist die Grammatik, die Wortbildung und die Rechtschreibung. Des Weiteren ist der Grundwortschatz derselbe geblieben. Zusätzlich gibt es „zahlreiche Übernahmen von West nach Ost einschließlich zahlreicher Anglizismen; weniger — aber immerhin auch — Übernahmen von Ost nach West.“ Dies zeigt, dass sich die Räume immer wieder sprachlich ausgetauscht und nicht voneinander abgegrenzt haben. Außerdem bewies Elke Annalene Siegl mit ihrer umfangreichen Untersuchung der Wortbestände gegenüber der häufig angenommen These eines Einflusses der Besatzungsmächte, dass sich Spracheinflüsse in den getrennten Auflagen im Mannheimer und Leipziger Duden relativ im gleichen Ausmaß widerspiegeln. Englisch-amerikanische Wörter treten in beiden Auflagen zunehmend auf, während französische weniger werden.

Es lässt sich abschließend schlussfolgern, dass in beiden deutschen Gebieten dieselbe Sprache gesprochen wurde, aber sich der Gebrauch und die Bedeutungen der Wörter durch eine unterschiedliche Auffassung der Wirklichkeit und Gesellschaftsstruktur differenzierte. Dies fiel besonders im politisch-wirtschaftlichem Bereich auf. Die allgemeine Auffassung ist, dass der Mannheimer Duden politische Wortfelder im Vergleich zum Leipziger Duden und dessen wertenden Beschreibungen neutraler erläuterte.

5. Untersuchung: Darstellung der Frau

In vorliegendem Kapitel wird anhand von einem Wörterbuchvergleich untersucht, wie die Frau in Wörtern, Beispielssätzen und Erläuterungen vertreten und sichtbar ist. Dabei wird in der Untersuchung ein objektiver Standpunkt eingenommen. Die Auswertung stützt sich auf mehrere Tabellen mit unterschiedlichen, übergeordneten Themenbereichen, welche im Anhang dieser Arbeit verzeichnet und aus dem BRD- und DDR-Duden herausgeschrieben worden sind. Alle Tabellen beziehen sich dabei auf die Frau und wie diese in Erscheinung tritt. Es wurden alle Wörter ausgewählt, die auf das weibliche Geschlecht hinweisen, sowohl die dickgedruckten Hauptwörter der Duden als auch die Nebenwörter aus den Erklärungen. dabei findet keine Beschränkung auf Buchstaben oder Wortarten statt. Das gesamte Wörterbuch wird auf die Frau hin qualitativ und quantitativ untersucht. Tritt die Frau in Beispielssätzen von Wörtern auf, so werden zur Vereinfachung der Darstellung nur die Sätze aufgelistet, die für die Untersuchung relevant sind und nicht die komplette Erläuterung des Wortes. Antike Gestalten, Vornamen, reale sowie fiktive Personen werden nicht beachtet, da sie im Hinblick auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft nicht aussagekräftig sind.

5.1 Konzepte der Frau

Die Frau und die Begriffe, die sich auf das weibliche Geschlecht beziehen, treten im BRD-Duden 866 Mal und im DDR-Duden 524 Mal in Erscheinung. Der DDR-Duden gibt 86 Begriffe nur in maskuliner Form an, die im BRD-Duden auch in weiblicher Form stehen. Andersherum sind es nur elf Wörter, die im BRD-Duden nur in maskuliner Form auftreten. Alle gefunden Begriffe, die sich auf die Frau beziehen, wurden in Tabellen mit den Themenbereichen: Anredeformen, Arbeit und Bildung, Beschreibungen, Bezeichnungen, Haushalt und Familie, Nationalitäten, Politik, Religion, Bezeichnungen für Stärke, Tätigkeiten sowie Sonstiges, in welcher die Begriffe aufgelistet sind, die sich nicht zuordnen lassen, festgehalten. Diese Einteilung erfolgte nach eigenem Ermessen, um bei der Menge an Wörtern ein Systematisierung herzustellen.

Im Folgenden werden die Thementabellen auf ein Konzept für die Frau hin untersucht. Die Tabelle für Sonstiges wird dabei außer acht gelassen, da diese Wörter sich nicht deutlich zuordnen lassen.

5.1.1 Konzepte in Tabelle: Anredeformen

Der BRD-Duden weist 26 und der DDR-Duden 19 Wörter für Anreden auf, die auf das weibliche Geschlecht hinweisen. Vier Wörter, die der BRD-Duden angibt, kommen nicht im DDR Wortschatz vor. Davon stammen drei aus dem englischen Sprachraum und eines wird in einer anderen Rechtschreibform im DDR-Duden wiedergegeben.

Kaiserin, Maharani und Monarchin kommen im DDR-Duden nur in männlicher Form vor. Alle drei Begriffe spiegeln eine semantisch machtvolle Funktion wider. Ein eindeutiges Konzept kann nicht ermittelt werden, lediglich dass der BRD-Duden mehr, —wenn auch zahlenmäßig wenige — Bezeichnungen mit machtvoller Position in weiblicher Form angibt.

5.1.2 Konzepte in Tabelle: Arbeit und Bildung

Der BRD-Duden verzeichnet insgesamt 291 Wörter, die auf die Arbeit von Frauen hinweisen und weibliche Formen angeben. Der DDR-Duden gibt vergleichend dazu nur 168 Wörter an. Der gemeinsame Wortschatz umfasst dabei 156 Wörter. Dieser beinhaltet unter anderem 22 Begriffe aus dem Künstlermilieu, 35 Begriffe, die einer niedrigen Lohngruppe und 14 Begriffe, die einer höheren Lohngruppe zugeteilt werden können. Die Bezeichnungen aus dem Bereich der niedrigen Lohngruppe beinhalten vor allem Berufe für Bedienstete und Berufe aus der Kleidungsindustrie, wie beispielsweise Büglerin, Haushälterin, Putzfrau und Wäscherin. Dazu listet der BRD-Duden 123 Begriffe auf, die im DDR-Duden nicht vorkommen. Darunter fallen zwölf Begriffe, die einer hohen Lohngruppe und 36, die einer niedrigen Lohngruppe zugeteilt werden können. Inhaltlich liegen auch diese Berufe überwiegend in Bediensteten-, Reinigungs-, und Erotikbereichen. Aus dem Bereich der Arbeit und Bildung lässt sich abschließend folgern, dass die Berufe, die eine weibliche Form aufweisen, in beiden Ausgaben vermehrt Berufe für Bedienstete sind oder im Bereich der Reinigung auftreten. Diese Verteilung ist jedoch im BRD-Duden deutlich stärker.

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Details

Titel
Zur Konzeptualisierung der Frau in der DDR und BRD
Untertitel
Eine sprachliche Untersuchung zu gesellschaftlichen Strukturen
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,1
Autor
Jahr
2018
Seiten
65
Katalognummer
V471268
ISBN (eBook)
9783668957565
ISBN (Buch)
9783668957572
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frau, Emanzipation, Frauenrolle, Stellung, DDR, Gesellschaft, BRD, Sprache
Arbeit zitieren
Marie Weddermann (Autor), 2018, Zur Konzeptualisierung der Frau in der DDR und BRD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471268

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