Zugänge zur Erwachsenenbildung


Einsendeaufgabe, 2019
12 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einsendeaufgabe 1

Einsendeaufgabe 2

Einsendeaufgabe 3

Einsendeaufgabe 4

Literaturverzeichnis

Anmerkung zum Gender: In meinen Ausführungen verwende ich aus Verein­fachungsgründen sowohl die männliche als auch die weibliche Form abwechselnd. Die jeweils andere Form ist miteingeschlossen.

Einsendeaufgabe 1

Die Heidelberger „Arbeitsgruppe für empirische Bildungsforschung“ (AfEB) hat unter der Leitung des Erwachsenenpädagogen Ekkehard Nuissl im Rahmen der „Bildungsurlaubs-Versuchs-und-Entwicklungsplanung“ (BUVEP) vier Lerntypen identifiziert. Als Grundlage hierfür diente ihnen die Rekonstruktion von Bildungsurlaubsseminaren (vgl. Arnold 2015: 19).

Diese vier Haupttypen pädagogischen Handelns während des Bildungsurlaubs stellen sich wie folgt dar:

Typ 1: Die Teilnehmer sollen ein möglichst breites Wissensspektrum zu allen gesellschaftlichen Bereichen, mit denen sie konfrontiert sind, erhalten. Das soziale und gesellschaftliche Umfeld soll durch dieses Lernangebot aufgeklärt und aufgehellt werden. Ein Beispiel hierfür sind diverse, von Volkshochschulen angebotene Vorträge aus den Bereichen Kultur und Gesellschaft. Durch die Beschränkung der Information und der Kommunikation in Kursen nach dieser Lernstrategie, sowie die weitestgehende Ausgrenzung der Verwertung der Informationen, z.B. auf die Lebenssituation der Teilnehmer bezogen, ist dieser Typ aus meiner Sicht wenig bedeutsam in Hinblick auf die Kompetenzanforderungen der Wissensgesellschaft.

Typ 2: Der Schwerpunkt liegt darauf, den Teilnehmern Handlungsperspektiven und Handlungsmöglichkeiten zu vermitteln. Die Teilnehmer sollen Strukturen in bestimmten Handlungssituationen erkennen können und Wissen über Verhaltensmöglichkeiten in diesen erlangen. Diese Handlungssituationen decken immer nur einen sehr bestimmten Ausschnitt von Handlungssituationen ab und bezogen sich bei den Seminaren der BUVEP ausschließlich auf Berufssituationen, zum Beispiel Schulungen zum Konfliktmanagement. Da die Verständigungsstruktur kaum Möglichkeiten zu abweichenden Problemformulierungen lässt, ist dieser Typ nur bedingt relevant für die Kompetenzanforderungen der heutigen Wissensgesellschaft. Die Voraussetzungen in den Handlungssituationen der Teilnehmer sind inflationär geprägt von Diversität, was bei diesem Lerntyp stetig zu Schwierigkeiten führt.

Typ 3: Dieser Typ konzentriert sich darauf, den Teilnehmern Verfahren zur Analyse sozialer Strukturen zu vermitteln, indem diese an einem bestimmten Ausschnitt ihrer Lebenssituation angewandt werden. Gemeinsam mit den Teilnehmern werden Analysekategorien und Analyseverfahren erarbeitet, die auch in anderen Situationen genutzt werden können. Die curriculare Struktur dieser ist hauptsächlich offen, verlaufsorientiert und teilnehmerorientiert. Dieser Typ findet sich in Seminaren, die Initiativen zur Selbsthilfe fördern, wie etwa Führungskräfteentwicklungen, in denen an Hand von exemplarischen Situationen Handlungsmuster für Führungsverhalten erlernt werden.

Da dieser Typ Kompetenzen vermittelt, die auf vielfältige Situationen angewendet werden können und die Teilnehmer zum selbstständigen Agieren befähigt, ist er, meiner Meinung nach, am bedeutungsvollsten für die Kompetenzanforderungen der heutigen Wissensgesellschaft. Nur hier ist die Kompetenzentwicklung systemisch an die Lebens- und Erfahrungswelten der Teilnehmer angeschlossen, was die Voraussetzung für nachhaltige Kompetenzentwicklung ist.

Typ 4: Bei diesem Typ werden den Teilnehmern Wertmaßstäbe und Orientierungskriterien offeriert, mit deren Hilfe sie Ordnung und Struktur für ihr komplexes gesellschaftliches Umfeld, sowie die Vielfalt an Informationen schaffen können. In Seminaren dieses Typs kann ein breites Themenspektrum bearbeitet werden. Im Verlauf der Seminare wird zunächst an erfahrungsnahe Themen aus diesem Spektrum angeknüpft, zum Beispiel aus Beruf oder Familie, um dann den Fokus immer stärker auf erfahrungsferne Themen, wie Wirtschaftssysteme oder gesamtgesellschaftliche Prozesse, zu legen. Ein Beispiel hierfür ist eine Gruppe für Burn-out Patienten, die zunächst ihre eigenen Erfahrungen teilen, um dann im Verlauf des Seminars die systematische Entwicklung von neuen Wertmaßstäben erlernen und ihre bisherigen Wertmaßstäbe und Orientierungskriterien differenzieren.

Da dieser Typ zwar die Lebens- und Erfahrungswelten der Teilnehmer abfragt, jedoch in der Vermittlung nicht daran anknüpft, ist er aus meiner Sicht wenig bedeutsam für die Kompetenzanforderungen der Wissensgesellschaft. (vgl. Kejcz, Y. 1980: 50ff.)

Einsendeaufgabe 2

Professor Dr. Rolf Arnold hat, um eine Einführung in das Studium der Erwachsenbildung aufzubereiten, Interviews mit bedeutenden Denkern der Erwachsenenpädagogik geführt, darunter auch Günther Holzapfel und Ludwig A. Pongratz.

Günther Holzapfel ist ein Vertreter der Humanistischen Pädagogik. Ein wichtiger Aspekt dessen ist für ihn die hohe Bedeutung der Beziehungsdimension zwischen Lernenden und Lehrenden beim Lernen, wodurch die Fähigkeiten und Einschränkungen der Lernenden von den Lehrenden wahrgenommen und respektiert werden, ein guter Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden aufgebaut wird und die emotionalen Bedingungen des Lernens, sowie der emotionale Gehalt der Lerngegenstände besondere Bedeutung finden. Die Stärken der Humanistischen Pädagogik sind zum Einen ihre Konzepte, welche die subjektiven Bedingungen des Lernens miteinbeziehen, und zum Anderen, dass hierdurch Fähigkeiten zur Selbstreflexion bei den Lernenden aufgebaut werden. „Vom Wissen zum Können", beschreibt Holzapfel es treffend. (vgl. Arnold 2015: 51ff.)

Ludwig A. Pongratz vertritt die Kritische Theorie der Erwachsenenpädagogik. Somit deckt er zu jedem Entwurf in der Erwachsenenbildung eine Antithese auf und nimmt so eine wichtige Denkposition ein. Aus seiner Sicht ist es unerlässlich, den Menschen zur Schaffung einer neuen, individualisierten, selbstorganisierten und vernetzten Weiterbildung ein wachsendes Maß an Reflexivität und Eigenverantwortung zuzugestehen und nicht, wie Pongratz es nennt, ein „Regime des lebenslangen Lernens" zu errichten, dass die Menschen durch regierungsfreundliche Strategien kontrollieren will (ebd.: 61).

Weiter spricht er sich dagegen aus, Bildung als „Ware" zu definieren und empfiehlt die Versteifung auf Effizienz- und Vermarktungsinteressen zu lösen, sondern den Fokus stattdessen auf das mündige Subjekt zu lenken und zu überlegen, wie die Eigenkräfte des Menschen gefördert und entwickelt werden können (ebd.: 62f.).

Das Menschenbild der beiden Pädagogen stimmt in sofern überein, dass beide der Ansicht sind, der Mensch könne sich nur dann entwickeln, wenn er als Individuum wahrgenommen wird, seine Persönlichkeit sich frei entfalten kann und ihm Eigenverantwortlichkeit zugestanden wird. Beide kritisieren die Gesellschaft, vor allem die aktuelle Bewegung der Wissensgesellschaft und des lebenslangen Lernens, als zu stark steuernd und zu sehr von ökonomischen Zielen getrieben.

Aus meiner Sicht argumentieren beide erwartungsgemäß durch prinzipielles Dagegenhalten, es fehlen eigene, neue und anregende Konzepte. Beide sprechen sich gegen die Verfolgung von ökonomischen Zielen aus, das ist einfach, jedoch auch ignorant, wenn die Finanzierung und Zielgerichtetheit von Bildung völlig außer Acht gelassen wird. Ihre leider sehr polarisierende Beantwortung der Interview-Fragen könnte beispielsweise durch Gedanken, wie eine subjektorientierte, ganzheitliche Bildung mit ökonomischem Nutzen vorstellbar wäre, bereichert werden. In dem Unternehmen, in dem ich tätig bin, wird gerade ein Kulturwandel angestoßen, unter anderem mit einer Kampagne, die das Motto „no complaint without participation" trägt. Meiner Meinung nach ist dieses Motto für viele Lebensbereiche ein wichtiger Vorsatz, um die Menschen von einer Beschwerde- und Kritikhaltung zu einer positiven, konstruktiven Einstellung zu bewegen, durch die begründete Lösungen entwickelt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Zugänge zur Erwachsenenbildung
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern  (DISC)
Autor
Jahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V471281
ISBN (eBook)
9783346011831
ISBN (Buch)
9783346011848
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kompetenzentwicklung, Lebenslanges Lernen, Ermöglichungsdidaktik, Konstruktivismus
Arbeit zitieren
Judith Schmitt (Autor), 2019, Zugänge zur Erwachsenenbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471281

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