Die vorliegende Arbeit untersucht auf Grundlage der politikwissenschaftlichen Legitimitätsforschung, welche Legitimitätsnarrative ausschlaggebend sind für die Stabilität der politischen Ordnung in autokratischen Regimen. Als Fallbeispiel dient das autokratische Regime Katars, dessen Herrschaftsposition durch den Boykott der arabischen Nachbarstaaten in der sogenannten Katar-Krise im Jahr 2017 nochmals besonders herausgefordert wurde. Insbesondere wird analysiert, inwiefern der Außenpolitik von autokratischen Staaten eine Erklärungskraft hinsichtlich der Legitimation von Herrschaft zukommt und welche konkreten Strategien autokratische Herrscher nutzen, um mit Hilfe ihrer Außenpolitik Unterstützung innerhalb der eigenen Bevölkerung zu generieren.
Einen zentralen Aspekt stellt dabei die überzeugende Begründung der eigenen Herrschaft gegenüber der Bevölkerung dar. So unternehmen die autokratischen Herrscher intensive Bemühungen, um den eigenen Staat und die eigene Nation nach innen und außen hin zu bewerben und proaktiv neue Debatten über die eigene Identität anzustoßen. Diese Schaffung neuer oder Belebung alter Legitimitätsnarrative zur Begründung der eigenen Herrschaft ist eine zentrale Strategie, sich gegenüber der eigenen Bevölkerung zu legitimieren und trägt nicht unwesentlich zur politischen Stabilität und Dauerhaftigkeit dieser Regime bei. Ein gewichtiger Bestandteil dieser Strategie ist auch eine selbstbewusste Außenpolitik als eigenständiger Akteur in der Region.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung und Fragestellung
2. Legitimitätstheoretische Grundlagen
2.1. Legitimität und Legitimation als multidimensionale Konzepte
2.2. Legitimitätskonzepte im Kontext autokratischer Regime
2.3. Erweiterung des Analysekonzepts um eine internationale Perspektive
3. Außenpolitik als Legitimationsstrategie
3.1. Relevanz von Außenpolitik als Legitimationsstrategie
3.2. Interne und externe Zielsetzungen von Außenpolitik als Legitimationsstrategie
3.3. Legitimationsargumente und außenpolitische Strategien in der Forschung
4. Außenpolitische Legitimationsstrategien im Kontext der Golfmonarchien
5. Analyse am Fallbeispiel Katars
5.1. Regionale Vorbedingungen – Republikanismus und Monarchismus als Reaktion auf eine Ära der Fremdbestimmtheit
5.2. Katars Außenpolitik als Paradebeispiel außenpolitischer Legitimationsstrategien
5.2.1. Generierung externer Legitimation durch eine proaktive Außenpolitik
5.2.2. State Branding als Strategie im Rahmen von Außenpolitik?
5.2.3. Rekurs auf arabische Identität als Legitimationsressource
5.2.4. Fazit
5.3. Ausblick - Katars außenpolitische Krise als Legitimitätskrise?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf der Basis politikwissenschaftlicher Legitimitätsforschung, wie autokratische Regime Außenpolitik als strategisches Instrument zur Absicherung ihrer Herrschaftsordnung und zur Generierung von Unterstützung innerhalb der eigenen Bevölkerung einsetzen. Im Fokus steht dabei die Analyse des katarischen Regimes, insbesondere unter dem Eindruck der diplomatischen Krise ab 2017.
- Theoretische Fundierung von Legitimität in autokratischen Systemen
- Außenpolitik als Instrument zur Generierung von Input- und Output-Legitimation
- Die Rolle von State Branding und Identitätskonstruktionen im Nation Building
- Empirische Fallanalyse: Katar als proaktiver Akteur im Nahen Osten
- Resilienz autokratischer Herrschaft in Zeiten außenpolitischer Krisen
Auszug aus dem Buch
Generierung externer Legitimation durch eine proaktive Außenpolitik
Bereits unter Emir Hamad bin Khalifa Al Thani versuchte Katar, sich „aus dem Kielwasser der saudischen Außenpolitik zu lösen und eine eigenständige, regionalpolitische Rolle zu suchen.“ Außenpolitische Eigenständigkeit bedeutete dabei vor allem eine Diversifizierung der Auslandsbeziehungen. Als Gründungsmitglied des Golfkooperationsrats (Gulf Cooperation Council, kurz GKR) und als bedeutende Wirtschaftsmacht in der Region genießt Katar heute breite internationale Anerkennung, insbesondere bei den westlichen Industrienationen. Weiterhin veranstaltete Katar als Gastgeber eine nicht unerhebliche Anzahl an internationalen Konferenzen und schärfte damit das eigene Profil als bedeutender Akteur der internationalen Politik. Peterson sieht darin auch einen bedeutenden Einfluss auf die Legitimität Katars: „It has enhanced its legitimacy on the world stage by engaging in peacekeeping and hosting major international meetings.“ Zudem beteiligt sich Katar auch militärisch im Rahmen von internationalen Einsätzen, wie etwa bei der UNIFIL-Mission im Libanon. Seine internationale Stellung sichert Katar insbesondere durch eine enge außen- und sicherheitspolitische Bindung an die USA ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung und Fragestellung: Das Kapitel führt in die politische Instabilität der MENA-Region seit 2010 ein und leitet daraus die Forschungsfrage ab, wie autokratische Regime Außenpolitik zur Herrschaftssicherung nutzen.
2. Legitimitätstheoretische Grundlagen: Hier werden die theoretischen Rahmenbedingungen von Legitimität dargelegt, insbesondere das Zusammenspiel von Wir-Identität sowie Input- und Output-Legitimation in autokratischen Kontexten.
3. Außenpolitik als Legitimationsstrategie: Dieses Kapitel erörtert die theoretische Relevanz von Außenpolitik als eigenständiges Instrument zur Generierung von Legitimation und Identität über rein ökonomische Faktoren hinaus.
4. Außenpolitische Legitimationsstrategien im Kontext der Golfmonarchien: Es wird ein spezifisches Schema entwickelt, das außenpolitische Performanz, Externalisierung von Defiziten und identitätsorientierte Diskurse als Strategien kategorisiert.
5. Analyse am Fallbeispiel Katars: Das Hauptkapitel wendet das entwickelte Analysemodell auf Katar an und untersucht, wie proaktive Außenpolitik, State Branding und der Rekurs auf arabische Identität zur Stabilisierung des Regimes beitragen.
Schlüsselwörter
Außenpolitik, Legitimität, Autokratie, Katar, Herrschaftssicherung, Golfmonarchien, State Branding, Wir-Identität, Output-Legitimation, Arabische Identität, Politische Stabilität, Krisenmanagement, Katar-Krise, Nation Branding, Nahostpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie autokratische Herrscher Außenpolitik als strategisches Mittel einsetzen, um ihre interne Machtposition zu legitimieren und gesellschaftliche Zustimmung zu generieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Politikwissenschaftliche Legitimitätsforschung, die Analyse von Legitimationsnarrativen in Autokratien sowie die außenpolitischen Strategien der Golfmonarchien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, nachzuweisen, dass Außenpolitik von autokratischen Regimen nicht nur nach außen wirkt, sondern essenziell zur Stabilisierung der eigenen Herrschaft durch Identitätsstiftung und Performanzbeweise dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die theoretische Konzepte der Legitimitätsforschung auf ein konkretes Fallbeispiel (Katar) anwendet und empirisch überprüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die spezifischen Legitimationsstrategien Katars, wie etwa proaktive Diplomatie, State Branding und den geschickten Rekurs auf arabische Identitätskonstruktionen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Autokratie, Legitimationsstrategie, Außenpolitik, Wir-Identität und das spezifische Fallbeispiel Katar definiert.
Wie reagiert Katar auf die außenpolitische Krise von 2017?
Die Arbeit zeigt, dass Katar trotz des Boykotts an einer proaktiven Außenpolitik festhielt, um seine Handlungsfähigkeit und Führungsstärke zu demonstrieren, statt sich defensiv zurückzuziehen.
Welche Rolle spielt die Bindung an die USA für das katarische Regime?
Die enge sicherheitspolitische Anbindung an die USA dient als wichtige externe Ressource, die dem Regime internationale Anerkennung verschafft und zur internen Stabilisierung beiträgt.
Kann Außenpolitik als Ersatz für interne demokratische Legitimation dienen?
Der Autor argumentiert, dass autokratische Regime Außenpolitik nutzen, um fehlende demokratische Teilhabe (Input-Legitimation) durch andere Formen der Zustimmungsgenerierung, insbesondere durch performative und identitätsstiftende Maßnahmen, zu kompensieren.
- Arbeit zitieren
- Jonathan Loos (Autor:in), 2018, Außenpolitik als Legitimationsstrategie autokratischer Regime am Fallbeispiel Katar, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471296