Die Idee, eine Vergütung der Führungskräfte in der Form von Aktienoptionen zu gewähren, stammt ursprünglich aus den USA. Als Vorbilder für die Besteuerung sowie das rechtliche Rahmenwerk gelten daher auch die angelsächsischen Länder. Während sich in den USA, Frankreich oder Großbritannien Aktienoptionen oder “Stock Options“ als Vergütungselement etabliert haben, finden Mitarbeiteroptionen in den letzten Jahren auch in Deutschland in wachsendem Umfang Anwendung. Seit einigen Jahren wird in der deutschen Wirtschaft und Politik über die Besteuerung von Optionen als Gehaltsbestandteil diskutiert. So hatte der Bundesverband der Deutschen Industrie in einem Positionspapier1 die Verbesserung der steuerlichen Rahmenbedingungen gefordert, weil die Besteuerung in Deutschland im internationalen Vergleich nicht attraktiv sei. Doch in letzter Zeit ist der Streit um die Besteuerung von Aktienoptionen neu entbrannt. Auslöser sind zwei Grundsatzurteile des Bundesfinanzhofs2 (BFH), nach denen Gewinne aus nicht handelbaren Aktienoptionen nicht im Zeitpunkt ihrer Gewährung, sondern erst im Zeitpunkt ihrer Ausübung einkommensteuerpflichtig werden. Sind die Aktienkurse zum Zeitpunkt der Ausübung deutlich höher, als zum Zeitpunkt der Optionsgewährung, ist diese steuerliche Behandlung ungünstig. In der vorliegenden Arbeit möchte ich zunächst einen kurzen Überblick über die verschiedenen Arten und Funktionen von Aktienoptionen im Rahmen der Mitarbeitervergütung und Besteuerung vermitteln. Des weiteren möchte ich die derzeit von der deutschen Finanzverwaltung praktizierte Behandlung von Aktienoptionen und die nationalen Regelungen anderer Staaten erörtern sowie diese miteinander vergleichen. [1 BDI Positionspapier vom 11.09.2000: Verbesserung der Steuerlichen Rahmenbedingungen für Aktienoptionen; 2 BFH,Urteile vom 24. Januar 2001 I R 100/98, I R 119/98]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Bedeutung von Aktienoptionen als Vergütungselement im Rahmen der Besteuerung
1.2. Arten und Funktionen von Aktienoptionen
2. Besteuerung von Aktienoptionen in Deutschland
3. Besteuerung von Aktienoptionen im Ausland
3.1. Belgien
3.2. Dänemark
3.3. Frankreich
3.4. Großbritannien
3.5. Niederlande
3.6. Österreich
3.7. Schweiz
3.8. USA
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die steuerliche Behandlung von Aktienoptionen im internationalen Vergleich, um die aktuelle Situation am Standort Deutschland zu bewerten und Verbesserungspotenziale aufzuzeigen.
- Definition und Funktion von Aktienoptionen als Vergütungselement
- Steuerrechtliche Herausforderungen bei der Gewährung und Ausübung von Optionen
- Rechtsvergleich der Besteuerungspraxis in verschiedenen europäischen Ländern und den USA
- Diskussion über Wettbewerbsnachteile und Anreizstrukturen für Unternehmen
- Analyse von Reformvorschlägen zur steuerlichen Attraktivität von Mitarbeiterbeteiligungen
Auszug aus dem Buch
1.2. Arten und Funktionen von Aktienoptionen
Allgemein wird unterschieden zwischen handelbaren und in der Regel an der Börse notierten Optionen, für die der Erwerber einen börsennotierten Preis entrichtet, und nicht handelbaren und an die Person des Arbeitnehmers gebundenen Optionen, die dem Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber oder einem verbundenen Unternehmen im Rahmen seiner Tätigkeit gewährt werden. Letztere Optionen bezeichnet man auch als Arbeitgeberoptionen, deren Gewährung regelmäßig unentgeltlich erfolgt. Das heißt, dass der festgelegte Bezugspreis lediglich im Zeitpunkt der Ausübung zu entrichten ist.
Handelbare, an der Börse notierte Optionen führen für den Optionsinhaber im Fall der Ausübung und gestiegenem Aktienkurs zu einem steuerpflichtigen Spekulationsgewinn, soweit die Option innerhalb von 12 Monaten ausgeübt wird. Anders verhält es sich mit Aktienoptionen, die einem Mitarbeiter im Rahmen seines Beschäftigungsverhältnisses von seinem Arbeitgeber oder einem mit diesem verbundenen Unternehmen gewährt werden. Diese Arbeit geht nachfolgend ausschließlich auf Arbeitgeberoptionen ein. Die Gewährung von Arbeitgeberoptionen hat mit Einführung des sog. KontraGesetzes (KontrG) auch in Deutschland maßgeblich an Bedeutung gewonnen. Aktienoptionen seitens des Arbeitgebers sind Bezugsrechte auf Aktien und stellen zunehmend eine besondere Form der Vergütung sowohl von Führungskräften wie auch eine der attraktivsten Möglichkeiten der Mitarbeiterbeteiligung dar.
Viele der Unternehmen, die an den Neuen Markt drängen, bieten ihren Mitarbeitern inzwischen diese Form der Erfolgsbeteiligung. Für die jungen Unternehmen hat das zum einen den Vorteil, dass sie keine hohen Gehälter zahlen müssen und das Geld stattdessen für Unternehmensinvestitionen verwenden können, zum anderen haben Aktienoptionen eine „Motivations- und Anreizfunktion“ und sollen die „... Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen binden.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema der Mitarbeitervergütung durch Aktienoptionen ein und beleuchtet die aktuelle steuerrechtliche Diskussion in Deutschland.
2. Besteuerung von Aktienoptionen in Deutschland: Es wird die steuerliche Einordnung von Aktienoptionen als Arbeitslohn sowie die Problematik des Besteuerungszeitpunkts nach aktuellem deutschem Recht dargestellt.
3. Besteuerung von Aktienoptionen im Ausland: Dieser Abschnitt bietet einen detaillierten Rechtsvergleich der Besteuerungspraktiken in acht verschiedenen Ländern (Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Österreich, Schweiz, USA).
4. Fazit: Das Kapitel bewertet die deutsche Situation im internationalen Wettbewerb und diskutiert notwendige Anpassungen sowie die Gerechtigkeit der steuerlichen Behandlung.
Schlüsselwörter
Aktienoptionen, Besteuerung, Mitarbeiterbeteiligung, Arbeitslohn, Internationaler Vergleich, Steuerrecht, Bezugspreis, Finanzverwaltung, Unternehmensvergütung, Standortwettbewerb, Kapitalgewinn, Mitarbeiterbindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die steuerliche Behandlung von Aktienoptionen, die Mitarbeitern von ihren Arbeitgebern als Vergütungselement gewährt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Aktienoptionen, ihre steuerliche Einordnung in Deutschland und einen umfassenden Vergleich mit internationalen Steuerregelungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Status quo der Besteuerung in Deutschland aufzuzeigen, internationale Unterschiede zu verdeutlichen und die Attraktivität für den Wirtschaftsstandort zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Untersuchung, die auf Fachliteratur, aktueller Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs sowie internationalen Länderberichten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die deutsche Steuerpraxis sowie eine detaillierte Analyse der Regelungen in den gewählten Vergleichsländern.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Mitarbeiterbeteiligung, steuerlicher Zufluss, Einkommensteuer und Vergütungsformen stehen im Fokus der Untersuchung.
Welche Rolle spielt die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs?
Die Urteile des BFH sind entscheidend, da sie den Zeitpunkt der Besteuerung bei nicht handelbaren Optionen auf den Moment der Ausübung festlegen.
Warum wird der Vorschlag des BDI zur Besteuerung als sinnvoll erachtet?
Der Autor unterstützt die Forderung des BDI, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern und Anreize für Spitzenkräfte zu schaffen.
- Quote paper
- Eike Schnoor (Author), 2001, Besteuerung von Aktienoptionen im internationalen Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4712