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Die transnationale Charity-Elite. Celebrity philanthropists und Philanthrocapitalists als neue politische Akteure und neoliberalistische Agenten

Titel: Die transnationale Charity-Elite. Celebrity philanthropists und Philanthrocapitalists als  neue politische Akteure und neoliberalistische Agenten

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2017 , 17 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Petra Berganov (Autor:in)

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Zunächst soll geklärt werden, welche Akteure zu den beiden hier betrachteten Gruppen der prominenten Wohltätigen zählen und inwiefern Mobilität und Transnationalität die innerelitäre Vernetzung bedingen. Danach soll anhand der Netzwerkaktivitäten dargelegt werden, wie die Akteure Grenzen zwischen kultureller, wirtschaftlicher und politischer Sphäre zunehmend häufig überschreiten. Abschließend folgen kritische Überlegungen zum Status der Celebrity philanthropists und Philanthrocapitalists als Teil der transnationalen Kapitalistenklasse und damit Vermittler einer grundsätzlich neoliberalistischen Agenda.

Wohltätige Prominente aus den Bereichen Entertainment und Wirtschaft präsentieren sich in der Öffentlichkeit als authentische Philanthropen, initiieren beispielsweise Wohltätigkeitskampagnen oder betreiben eigene Stiftungen. Sie bieten für soziale Probleme aber hauptsächlich Lösungen an, die fest in der Denktradition des Neoliberalismus verankert sind: Es ist nicht das Bestreben nach systemischer Transformation, das diese Form der Wohltätigkeit kennzeichnet, sondern vielmehr ein Aufruf zum Einsatz von Privatkapital, um sozialen und ökologischen Missständen zu begegnen. Prominente haben im Zuge dieses humanitären Engagements inzwischen einen Einfluss auf globale politische Prozesse gewonnen, der Ende des 20. Jahrhunderts noch völlig undenkbar gewesen wäre.

Als Philanthrocapitalists werden prominente Unternehmer bezeichnet, die ihr Privatvermögen mit dem Ziel einsetzen, humanitäre Projekte zu fördern um soziale oder ökologische Missstände zu beheben, dadurch aber individualistische und einer Logik des Kapitalismus folgende Lösungen anbieten, um Probleme zu adressieren, die systemimmanent sind. Die Projekte sind oftmals nicht mit Experten und Betroffenen abgestimmt und greifen zu kurz, um eine echte Verbesserung der Umstände zu erzielen.

Celebrity philanthropists und Philanthrocapitalists sind eng verwandt, da sie auf die gleichen Ressourcen von öffentlicher Reichweite und ökonomischem Kapital zurückgreifen, um die von ihnen identifizierten Missstände anzugehen, wie hier argumentiert wird. Es ist also von großem Interesse für die Elitenforschung, Zusammenhänge zwischen beiden Gruppen zu untersuchen, deren Mitglieder zunehmend in die politische Sphäre eindringen und sich in ein vorhandenes Netzwerk etablierter Eliten integrieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zum Elitenstatus von Celebrities

1.1. Machtressource „celebrity capital“

1.2. Machtressource „fame“

2. Globale Vernetzung prominenter Wohltätiger

2.1 Celebrity philanthropists und Celebrity diplomats

2.2 Philanthrocapitalists

2.3 Netzwerkstrukturen und Agenda-Setting innerhalb der TCC

3. Wohltätige Celebrities als Agenten des Neoliberalismus

Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie prominente Wohltätige aus den Bereichen Entertainment und Wirtschaft („Celebrity philanthropists“ und „Philanthrocapitalists“) zunehmend in politische Sphären eindringen und als Agenten neoliberaler Logiken fungieren. Dabei wird analysiert, wie diese Akteure ihre Ressourcen wie „Fame“ und „Celebrity capital“ innerhalb transnationaler Elitennetzwerke einsetzen, um Einfluss auf globale Governance-Prozesse zu nehmen und marktorientierte Problemlösungen zu legitimieren.

  • Analyse des Elitenstatus prominenter Akteure durch Machtressourcen.
  • Untersuchung der Vernetzung von Celebrities und Wirtschaftsführern.
  • Rolle des Philanthrocapitalismus als neoliberales Instrument.
  • Kritische Reflexion der politischen Legitimität durch hybride Netzwerke.
  • Die Rolle der transnationalen Kapitalistenklasse (TCC) bei der Agenda-Setzung.

Auszug aus dem Buch

2.2 Philanthrocapitalists

Philanthrocapitalists sind superreiche Unternehmer, die ihr privates Vermögen dazu einsetzen wollen, die Welt nach eigenen Vorstellungen zum Guten zu verändern (Rogers 2011: 376). Manche von ihnen verfügen über einen ähnlichen Grad der Bekanntheit und leichten Zugang zur Öffentlichkeit wie die Celebrities (etwa Bill Gates und Mark Zuckerberg), während andere der breiten Masse eher unbekannt sind, ihre Machtressource ist also vornehmlich ökonomisches Kapital, aber auch Mobilität - ihre Vernetzung untereinander findet auf exklusiven Meetings statt.

Matthew Bishop, der für die britische Zeitschrift The Economist schreibt, prägte den Ausdruck im Jahr 2006 in einem Artikel mit der Überschrift „The Birth of Philanthrocapitalism“; zwei Jahre später veröffentlichte er zusammen mit Michael Green das Buch „Philanthrocapitalism: How the Rich Can Save the World“.

Eines der wichtigsten Treffen der so bezeichneten Gruppe fand im Jahr 2010 unter dem Namen „The Good Club“ statt (Rogers 2011: 376). Es wurde von Bill Gates, Warren Buffett und David Rockefeller einberufen; zu den weiteren Mitgliedern des „Good Club“ zählen ausschließlich vergleichbar einflussreiche Milliardäre (ebd.). Das Treffen fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit in New York statt und diente dazu, aktuelle Krisen zu bestimmen und Lösungsansätze zu diskutieren (Harris 2009). Als dringlichstes Problem wurde dabei das globale Bevölkerungswachstum identifiziert, was auf ihre Unabhängigkeit von öffentlicher Meinung schließen lässt: „This is not a choice of a group concerned with public opinion“ (Rogers 2011: 376).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen der transnationale Charity-Elite ein und skizziert die hybride Rolle prominenter Akteure als neue politische Agenten im neoliberalen Kontext.

1. Zum Elitenstatus von Celebrities: Dieses Kapitel definiert Celebrities als Akteure, deren gesellschaftlicher Einfluss auf ihrer Mediapräsenz basiert und untersucht die Machtressourcen „celebrity capital“ sowie „fame“ als Instrumente für den Zugang zur politischen Sphäre.

2. Globale Vernetzung prominenter Wohltätiger: Hier werden die Akteure in die Kategorien Celebrity philanthropists, Celebrity diplomats und Philanthrocapitalists unterteilt und ihre Einbettung in transnationale Elitenetzwerke sowie die Bedeutung von Mobilität und globalen Treffen beleuchtet.

3. Wohltätige Celebrities als Agenten des Neoliberalismus: Dieses Kapitel kritisiert die marktbasierte Wohltätigkeit als neoliberales Agenda-Setting, das demokratische Prozesse umgeht und die Reproduktion von Ungleichheit begünstigt.

Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass das philanthropische Engagement der Elite die Grenzen der politischen Sphäre aufweicht und private Interessen im Namen einer vermeintlich sozialen Transformation institutionalisiert.

Schlüsselwörter

Celebrity philanthropists, Philanthrocapitalists, Neoliberalismus, Transnationale Kapitalistenklasse, TCC, Celebrity capital, Fame, Machtressourcen, Politische Akteure, Philanthrocapitalism, Weltwirtschaftsforum, Elitenforschung, Globale Governance, Soziale Verantwortung, Demokratische Legitimität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie prominente Persönlichkeiten aus Kultur und Wirtschaft durch ihre philanthropischen Aktivitäten den traditionell staatlichen Bereich der Politik durchdringen und als neue, global vernetzte Akteure auftreten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Hybridisierung politischer und kultureller Eliten, die Rolle von Kapital (ökonomisch sowie symbolisch) bei der politischen Einflussnahme und die kritische Analyse des Philanthrocapitalismus als neoliberales Modell.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch die Vernetzung in elitären Zirkeln politische Prozesse zunehmend von Akteuren beeinflusst werden, die über keine demokratische Legitimation verfügen, aber durch ihre mediale Reichweite und ihr Kapital globale Agenden mitgestalten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen theoretischen Rahmen der Elitenforschung, insbesondere basierend auf Pierre Bourdieu und Leslie Sklair, um Netzwerkstrukturen und die Macht von Akteuren innerhalb des globalen Kapitalismus zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet die Definition von Celebrities, die verschiedenen Typen prominenter Wohltätiger, ihre globale Vernetzung durch Treffen wie das WEF und die kritische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen ihrer Strategien auf das politische System.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Transnationale Kapitalistenklasse (TCC), Philanthrocapitalism, Celebrity capital, Fame, neoliberales Agenda-Setting und politische Legitimität.

Inwiefern beeinflussen Prominente heute internationale Beziehungen?

Indem sie als „Goodwill Ambassadors“ oder in hybriden Rollen agieren, nutzen Prominente ihre öffentliche Reichweite, um diplomatische Funktionen zu übernehmen und Themen international auf die Agenda zu setzen, oft an staatlichen Institutionen vorbei.

Welche Rolle spielt Bill Gates in diesem Kontext?

Bill Gates wird als zentrale Figur des Philanthrocapitalismus betrachtet, der durch seine Stiftung und seinen Einfluss auf globale Bildungssysteme und Gesundheitsprogramme beispielhaft für die Anwendung unternehmerischer Logik auf soziale Problemfelder steht.

Warum wird das Engagement kritisch hinterfragt?

Die Kritik richtet sich vor allem gegen das Fehlen demokratischer Kontrolle, die Monopolisierung des Charity-Sektors durch Wirtschaftsinteressen und die Tendenz, systemimmanente Probleme nur durch oberflächliche, marktorientierte Maßnahmen anzugehen.

Was bedeutet der Begriff „perceived mobility of impact“?

Dieser Begriff beschreibt den Effekt, bei dem die GME (globally mobile elite) ihre Mobilität und ihr Netzwerkkapital nutzt, um ihre marktorientierten Lösungen für soziale Probleme gegenüber der Öffentlichkeit zu legitimieren.

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Details

Titel
Die transnationale Charity-Elite. Celebrity philanthropists und Philanthrocapitalists als neue politische Akteure und neoliberalistische Agenten
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Autor
Petra Berganov (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V471303
ISBN (eBook)
9783668956421
ISBN (Buch)
9783668956438
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eliten Charity Wohltätigkeit Kapitalismus Philanthrocapitalism Celebrities Celebrity philanthropists Neoliberalismus Charity-Elite Spenden Diplomatie Celebrity capital Sklair soziale Verantwortung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Petra Berganov (Autor:in), 2017, Die transnationale Charity-Elite. Celebrity philanthropists und Philanthrocapitalists als neue politische Akteure und neoliberalistische Agenten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471303
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Leseprobe aus  17  Seiten
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