Neben der grundlegenden Erläuterung der neuen Vorschriften für die Eigenkapitalunterlegung von Marktpreisrisiken wird im Rahmen dieser Arbeit ein Projektplan entwickelt, der den Handelsbuchinstituten als roter Faden für die eigene Umsetzung dienen kann. Obwohl im Rahmen dieser Arbeit nur der neue Standardansatz tiefgreifend erläutert wird, ist die Relevanz auch für Institute mit internen Modellen hoch, da von diesen der neue Standardansatz als Floor zu berechnen ist.
Die Marktpreisrisiken stellen zusammen mit den Kreditrisiken die wichtigsten Risikopositionen der Banken dar. Während der Finanzkrise 2007/2008 wurden deutliche Schwächen in der aktuellen Eigenmittelunterlegung aufgedeckt, was zu einem ersten Konsultationspapier vom Baseler Ausschuss im Jahr 2012 führte. Im November 2016 wurden von der Europäischen Kommission ein erster Entwurf der CRR II veröffentlicht, dessen Finalisierung Ende 2018 erfolgte.
Mit der Neuregelung, welche voraussichtlich bis Anfang 2020 rechtskräftig werden soll, wird tief in die Organisationsstrukturen der Banken eingegriffen. Für den Projektaufsatz bedeutet dies somit nicht nur große Anpassungen im Datenhaushalt sondern auch Änderungen in der Organisation des Handels (Stichwort „Handelstische“).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Abgrenzung
1.3. Aufbau und Ziel der Arbeit
2. Grundlagen der europäischen Bankenaufsicht
3. Marktpreisrisiken in der CRR
3.1. Abgrenzung von Anlage- und Handelsbuch
3.2. Handelsbuchinstitute
3.3. Der „alte“ Standardansatz
3.3.1. Schuldtitel (ZÄR)
3.3.2. Eigenkapitalinstrumente (EQ)
3.3.3. Fremdwährungspositionen (FX)
3.3.4. Warenpositionsrisiko (CO)
3.3.5. Besonderheiten
3.3.6. Zusammenfassung
4. FRTB - Marktpreisrisiken in der CRR II
4.1. Abgrenzung von Anlage- und Handelsbuch
4.2. Das Proportionalitätsprinzip
4.3. Handelstische
4.4. Der neue Standardansatz
4.4.1. Die sensitivitätsgestützte Methode
4.4.1.1. Das allgemeine Zinsrisiko (AZÄR)
4.4.1.2. Das Creditspreadrisiko (CSR)
4.4.1.3. Das Beteiligungsrisiko (EQR)
4.4.1.4. Das Warenpositionsrisiko (COR)
4.4.1.5. Das Wechselkursrisiko (FXR)
4.4.1.6. Eigenmittelanforderung der sensitivitätsgestützten Methode
4.4.1.7. Besonderheiten
4.4.2. Die Ausfallrisikobelastung
4.4.2.1. Nicht-Verbriefungen
4.4.2.2. Verbriefungspositionen außerhalb des Korrelationsportfolios
4.4.2.3. Verbriefungspositionen des Korrelationsportfolios
4.4.3. Die sonstigen Risiken
4.5. Zusammenfassung
5. Unterschiede zwischen Marktpreisrisiken in der CRR und CRR II sowie daraus resultierende Herausforderungen
5.1. Gegenüberstellung von Marktpreisrisiken in der CRR und CRR II
5.2. Herausforderungen der neuen Regelungen
6. Umsetzung des FRTB
6.1. Begriffe des Projektmanagements
6.1.1. Definition „Projekt“
6.1.2. Definition „Projektmanagement"
6.1.3. Definition „Projektphasen"
6.1.4. Besonderheit des Projektmanagements legislativ induzierter Projekte
6.2. Die Ist-Analyse
6.2.1. Handelstische
6.2.2. Produktanalyse
6.2.3. Datenherkunft und -verarbeitung
6.3. Nötige Veränderungen und Problemfelder bei der Umsetzung des FRTB
6.3.1. Handelstische
6.3.2. Produktanalyse
6.3.3. Datenherkunft und -verarbeitung
6.4. Aufbau eines Projektplans für die Umsetzung
7. Schlussbetrachtung
7.1. Zusammenfassung
7.2. Ausblick und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, ein fundiertes Verständnis für das „Fundamental Review of the Trading Book“ (FRTB) zu vermitteln und Handelsbuchinstitute bei der erfolgreichen Implementierung der neuen aufsichtsrechtlichen Anforderungen zu unterstützen. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie der FRTB praktisch in einem Institut umgesetzt werden kann und welche spezifischen Anforderungen dabei an die Ablauforganisation gestellt werden, um die erhöhten Eigenkapitalanforderungen und prozessualen Änderungen zu bewältigen.
- Regulatorischer Rahmen und Übergang von der CRR zur CRR II
- Methodik des neuen Standardansatzes zur Eigenmittelunterlegung von Marktpreisrisiken
- Organisatorische Anforderungen, insbesondere die Strukturierung von Handelstischen
- Herausforderungen bei der Datenbeschaffung und Systemimplementierung
- Entwicklung eines strukturierten Projektplans als roter Faden für die Umsetzung
Auszug aus dem Buch
3.3.1. Schuldtitel (ZÄR)
Die Eigenmittelanforderungen für Schuldtitel werden in die folgenden Gruppen aufgeteilt:
• Schuldtitel ohne Verbriefungen (SoV)
• Verbriefungspositionen außerhalb des Korrelationsportfolios (VaK)
• Verbriefungspositionen des Korrelationsportfolios (VdK)
Während die Ermittlung des allgemeinen Risikos für alle drei Kategorien gleich ist, gibt es bei der Berechnung des spezifischen Risikos leichte Unterschiede in der Berechnung. Die Summe aller Kategorien bildet letztlich die Eigenmittelanforderung für Schuldtitel.
Spezifisches Risiko: Das spezifische Risiko ist ein emittentenbezogenes Risiko, welches sich aus der möglichen Bonitätsveränderung des Emittenten ergibt. Zunächst müssen die Nettopositionen in Schuldtitel berechnet werden. Die Nettoposition in Schuldtitel stellt den Überschuss aus Kauf- und Verkaufspositionen in einem Schuldtitel der gleichen Art dar. Die auf diese Weise berechneten Nettopositionen werden in die Kategorien der Tabelle 1 unterteilt, um durch Multiplikation mit dem entsprechenden Risikogewicht zur spezifischen Eigenmittelanforderung je Kategorie für Schuldtitel zu gelangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung des FRTB ein, grenzt den Untersuchungsgegenstand ab und erläutert den Aufbau sowie das Ziel der Arbeit.
2. Grundlagen der europäischen Bankenaufsicht: Es werden die regulatorischen Grundlagen der europäischen Bankenaufsicht sowie deren historische Entwicklung bis hin zu Basel III skizziert.
3. Marktpreisrisiken in der CRR: Das Kapitel erläutert die geltende Behandlung von Marktpreisrisiken nach der aktuellen CRR, einschließlich der Abgrenzung zwischen Anlage- und Handelsbuch sowie des „alten“ Standardansatzes.
4. FRTB - Marktpreisrisiken in der CRR II: Hier werden die neuen Anforderungen der CRR II, insbesondere der neue Standardansatz und die geänderten Organisationsvorgaben für Handelstische, detailliert analysiert.
5. Unterschiede zwischen Marktpreisrisiken in der CRR und CRR II sowie daraus resultierende Herausforderungen: Dieses Kapitel stellt die Anforderungen von CRR und CRR II gegenüber und analysiert die daraus resultierenden Herausforderungen für Institute.
6. Umsetzung des FRTB: Basierend auf den theoretischen Grundlagen wird hier der Prozess der Ist-Analyse und die praktische Erarbeitung eines Projektplans zur Implementierung des FRTB an einem Fallbeispiel aufgezeigt.
7. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse sowie einem Ausblick auf die weiteren Entwicklungen in der Bankenregulierung.
Schlüsselwörter
Fundamental Review of the Trading Book, FRTB, CRR II, Marktpreisrisiken, Eigenmittelanforderungen, Standardansatz, Handelstische, Projektmanagement, Risikomanagement, Creditspreadrisiko, Delta-Risiko, Vega-Risiko, Curvature-Risiko, Bankenaufsicht, Regulatorische Anforderungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den regulatorischen Neuerungen für die Eigenmittelunterlegung von Marktpreisrisiken, bekannt als „Fundamental Review of the Trading Book“ (FRTB), und deren Auswirkungen auf die Ablauforganisation von Banken.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Zentrale Themen sind die Überarbeitung der Abgrenzung zwischen Anlage- und Handelsbuch, neue Vorgaben für die Struktur von Handelstischen sowie die Umstellung von einem marktwertgestützten auf einen sensitivitätsbasierten Standardansatz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Handelsbuchinstituten ein umfassendes Verständnis für die komplexen Anforderungen des FRTB zu vermitteln und einen praxistauglichen Projektplan für deren Implementierung zu liefern.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse der regulatorischen Texte (CRR und CRR II) sowie einer methodischen Ist-Analyse und Projektplanung am Beispiel einer Universalbank.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung der aktuellen CRR-Regelungen, die detaillierte Darstellung der neuen CRR II-Vorschriften (FRTB) sowie die praktische Projektplanung zur Umsetzung dieser Vorgaben.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch die Begriffe FRTB, CRR II, Marktpreisrisiken, Sensitivitätsbasierter Standardansatz, Handelstische und Projektmanagement definieren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Handelstischen für Institute so kritisch?
Die CRR II schreibt eine strikte organisatorische Zuordnung von Positionen und Mitarbeitern zu Handelstischen vor, was bei kleinen Instituten zu hohem zusätzlichem Dokumentations- und Personalaufwand führt.
Was sind die größten Herausforderungen bei der Umsetzung des neuen Standardansatzes?
Die größten Probleme liegen in der hohen Komplexität der neuen Berechnungslogik, dem erheblich gestiegenen Bedarf an hochwertigen Daten sowie der notwendigen Anpassung der IT-Systemlandschaft und Meldeprozesse.
Welche Rolle spielt die SWOT-Analyse bei der Umsetzung?
Die SWOT-Analyse wird genutzt, um zwei unterschiedliche Umsetzungsszenarien (z.B. Beibehaltung der Struktur vs. Inanspruchnahme von Ausnahmeregelungen) hinsichtlich ihrer Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken zu bewerten und eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Inwieweit beeinflusst der Zeitdruck des Gesetzgebers das Projektmanagement?
Da es sich um ein legislativ induziertes Projekt mit fixen Fristen handelt, entfallen Spielräume bei der Terminplanung. Das Projektmanagement muss daher trotz rechtlicher Unsicherheiten strikt auf die regulatorische Deadline hin arbeiten.
- Quote paper
- Michael Evers (Author), 2018, Fundamental Review of the Trading Book, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471349