Die Sprachen unserer heutigen modernen Welt reflektieren die vielen Wandlungen vergangener Jahrhunderte wieder. Dies hängt mit den geschichtlichen und politischen Ereignissen zusammen, die nachhaltigen Einfluss auf das Leben der Menschen, auf ihr Tun und Denken haben und somit, wie in den Ausführungen zuvor deutlich geworden ist, auch auf die Sprache der Menschen. Nachhaltigen und einschneidenden Einfluss kann dabei vor allem das Zusammentreffen verschiedener Völker auf deren Sprachentwicklung haben. Ganz besonders weitreichende und tiefgreifende Auswirkungen auf andere Sprachen hatte - und hat noch immer - das Lateinische, die Sprache des römischen Volkes. Dies soll im Folgenden exemplarisch am Beispiel des lateinischen Lehnguts im Englischen und Deutschen aufgezeigt werden.
Dabei steht die Frage im Zentrum welchen Einfluss die lateinische Sprache jeweils auf die englische und deutsche Sprache hatte. Eine Einbettung in den geschichtlichen Kontext ist hierfür unverzichtbar und bildet deshalb Grundlage und Ausgangspunkt der Analyse. Die Entwicklung der beiden Sprachen soll dabei chronologisch und nebeneinander dargestellt werden, um einen direkten Vergleich des lateinischen Lehnguts im Englischen und Deutschen zu ermöglichen.
Sprache ist eine häufig unterschätzte Grundlage unseres menschlichen Zusammenlebens. Dabei ist sie schon für das Individuum selbst von kaum zu überschätzender Bedeutung, denn sie ermöglicht uns, uns selbst zu denken, die Gedanken in uns und die Dinge um uns herum zu benennen und sie so mit Sinn und Bedeutung zu füllen. Sie ist die Grundlage unseres Denkens und zeigt uns gleichzeitig die Grenze unseres Verstandes auf, denn was wir nicht denken können, können wir nicht benennen und übersteigt somit unseren sprachlichen und geistigen Horizont.
Sprache ist zudem Grundlage für das Zusammenleben von Menschen. Durch sie treten Menschen miteinander in Kontakt und können sich über Dinge um sie herum austauschen und sich selbst mitteilen. Somit entsteht durch Kommunikation und Interaktion eine Ordnung und Orientierung über die Beziehungen untereinander und entweder ein Zusammengehörigkeitsgefühl oder Abgrenzung vom anderen, was die Grundlage für Gesellschaftsbildung ist. Sprache ermöglicht also Gesellschaft und hält diese zusammen, grenzt jedoch auch andere aus. Die Arbeit konzentriert sich in den folgenden Ausführungen auf den Kontakt zwischen Völkern unterschiedlicher Sprachen und ihre wechselseitige Beeinflussung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Die Bedeutung von Sprache für Völker
2. Lateinisches Lehngut im Englischen und Deutschen
2.1 Begriffsklärung: Was ist Lehngut?
2.2 Der lateinische Einfluss auf die deutsche und englische Sprache
2.2.1 Die Zeit des römischen Imperiums
2.2.2 Die Kelten
2.2.3 Die Christianisierung
2.2.4 Die Normannische Eroberung
2.2.5 Das Zeitalter des Humanismus
2.2.6 Das Zeitalter der Renaissance
2.2.7 Lateinischer Einfluss heute
3. Abschließendes Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen und linguistischen Einfluss des Lateinischen auf die englische und deutsche Sprache. Ziel ist es, durch einen chronologischen Vergleich aufzuzeigen, wie das lateinische Lehngut in verschiedenen geschichtlichen Phasen die Entwicklung beider Sprachen nachhaltig geprägt und bereichert hat.
- Analyse des lateinischen Einflusses in zentralen Epochen wie der Römerzeit, Christianisierung und dem Humanismus.
- Unterscheidung verschiedener Arten des Lehnguts (Lehnwort, Lehnbildung, Lehnbedeutung).
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen Auswirkungen auf die englische und deutsche Sprachstruktur.
- Betrachtung der Rolle der lateinischen Sprache als Kulturbringer und Quelle für den gehobenen Wortschatz.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Die Zeit des römischen Imperiums
Zur Zeit des römischen Imperiums war Latein die Sprache einer weit entwickelten und hochgeachteten Zivilisation. Der Kontakt mit diesem Volk war zunächst wirtschaftlich und militärisch geprägt, später auch religiös und intellektuell (Baugh, Cable 2013: 73). Er breitete sich über die Jahrhunderte hin aus und wurde immer wieder erneuert. Dies bezieht sich ungefähr auf die Zeitspanne vom 1. Jh. vor Chr. bis zum Untergang des römischen Großreiches im 5. Jh. nach Chr.(Besch, Wolf 2009: 88). Eine sehr lange Zeitspanne von ca. 600 Jahren, in der die Sprachen sich gegenseitig beeinflussten. Allerdings ist es nicht verwunderlich, dass die lateinische Sprache weit mehr Spuren im Germanischen hinterlassen hatte als dies umgekehrt der Fall war. Die Römer waren ein zentralisiertes, stark durchorganisiertes und hochentwickeltes Volk, mit enormer militärischer Stärke – zumindest für eine nicht unerhebliche Zeitspanne – was der Grund dafür ist, dass der Einfluss auf das Germanische und die weit weniger entwickelten germanischen Stämme stärker war als umgekehrt.
Mehrere hundert lateinische Wörter, so Baugh und Cable (2013: 75), fanden ihren Weg in die verschiedenen germanischen Dialekte, was von einem regen Austausch der beiden Völker zeugt. Die Anzahl der Germanen im römischen Reich wird um das vierte Jahrhundert herum auf mehrere Millionen geschätzt, die in allen Schichten der Gesellschaft vertreten sind, von den Sklaven auf dem Feld bis hin zu hohen Offizieren der römischen Armee.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Bedeutung von Sprache für Völker: Dieses Kapitel führt in die grundlegende Bedeutung von Sprache für die Gesellschaftsbildung ein und erläutert die Relevanz des lateinischen Einflusses auf die Entwicklung des Englischen und Deutschen.
2. Lateinisches Lehngut im Englischen und Deutschen: Hier wird der theoretische Rahmen für die Analyse gesetzt, indem zentrale Begriffe wie Lehnwort, Lehnbildung und Lehnbedeutung anhand wissenschaftlicher Terminologie definiert werden.
2.1 Begriffsklärung: Was ist Lehngut?: Dieser Abschnitt erläutert die verschiedenen Kategorien der Sprachkontaktphänomene und deren Einwirkung auf die Lexik einer Sprache basierend auf etablierter Forschung.
2.2 Der lateinische Einfluss auf die deutsche und englische Sprache: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil der Arbeit, in dem die historischen Kontaktphasen zwischen dem Lateinischen und den germanischen Sprachen chronologisch dargelegt werden.
2.2.1 Die Zeit des römischen Imperiums: Analyse des Einflusses des römischen Reiches auf die germanischen Stämme, insbesondere in Bereichen wie Militär, Handel und Landwirtschaft.
2.2.2 Die Kelten: Untersuchung der Rolle der Kelten als Vermittler lateinischer Begriffe in Britannien und die damit verbundenen, vergleichsweise geringen Auswirkungen auf das Altenglische.
2.2.3 Die Christianisierung: Detaillierte Betrachtung des massiven Einflusses christlicher Missionierung auf den Wortschatz und die religiösen Konzepte im Englischen und Deutschen.
2.2.4 Die Normannische Eroberung: Erörterung der Auswirkungen der normannischen Besiedlung Englands und der Rolle der französischen Sprache als sekundärer Träger lateinischen Einflusses.
2.2.5 Das Zeitalter des Humanismus: Darstellung der philologischen Wiederentdeckung des klassischen Lateins und deren Auswirkungen auf den akademischen und wissenschaftlichen Wortschatz im Deutschen.
2.2.6 Das Zeitalter der Renaissance: Analyse der Parallelen zum Humanismus im englischen Sprachraum und der Zunahme von Fachwortschatz aus klassischen Wurzeln.
2.2.7 Lateinischer Einfluss heute: Ein Ausblick auf die fortwährende Bedeutung lateinischer Wortstämme und Morpheme in der modernen Wissenschaft und Technik.
3. Abschließendes Fazit: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse mit dem Ergebnis, dass das Lateinische beide Sprachen nachhaltig geprägt hat, wobei der Einfluss auf das Deutsche im Bereich Stilistik und Syntax als besonders intensiv hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Latein, Lehngut, Sprachkontakt, Etymologie, Sprachgeschichte, Englische Sprache, Deutsche Sprache, Romanisierung, Christianisierung, Humanismus, Renaissance, Lehnwort, Lehnbedeutung, Lehnbildung, Kontrastive Linguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des historischen Einflusses der lateinischen Sprache auf die Entwicklung der englischen und deutschen Sprache über verschiedene Jahrhunderte hinweg.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die verschiedenen Kontaktphasen – von der Römerzeit über die Christianisierung bis hin zum Humanismus und zur Renaissance – sowie die systematische Klassifizierung von Fremdwörtern und Entlehnungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch einen direkten Vergleich der sprachlichen Entwicklungen aufzuzeigen, wie das lateinische Lehngut die Lexik, Stilistik und Syntax beider Sprachen nachhaltig beeinflusst hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kontrastive und historische Literaturanalyse durchgeführt, die auf fundierten sprachwissenschaftlichen Werken und Modellen zur Kontaktlexik basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen Epochen und historischen Ereignisse chronologisch analysiert, wobei jeweils konkrete Wortbeispiele und deren Herkunft und Anpassung beleuchtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Latein, Lehngut, Sprachkontakt, Etymologie, Sprachgeschichte, Lehnwort und Kontrastive Linguistik geprägt.
Warum war die Christianisierung so wichtig für den Wortschatz?
Die Christianisierung erforderte die Übertragung komplexer religiöser Heilslehren in die germanischen Sprachen, für die es zuvor keine entsprechenden Begriffe gab, was zu einer massiven Erweiterung durch Lehnwörter und Lehnbedeutungen führte.
Gab es einen Unterschied zwischen dem Einfluss auf das Englische und das Deutsche im Humanismus?
Ja, während im Englischen die Renaissance starke Parallelen aufweist, hatte der Humanismus im deutschen Sprachraum besonders tiefgreifende Auswirkungen auf die akademische Sprache, die Stilistik und den Satzbau.
- Arbeit zitieren
- Sarah Wenzel (Autor:in), 2014, Lateinisches Lehngut. Kontrastive Linguistik Englisch/Deutsch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471470