Matilde als emanzipatorischer Charakter in Gómez de Avellaneda's "Tres Amores"


Seminararbeit, 2005

13 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze Inhaltsangabe

3. Das Verhältnis von Matilde und Victor

4. Frauenrollen
4.1. Die traditionelle Rolle der Frau
4.2. Andere weibliche Charaktere im Werk
4.3. Matilde

5. Matilde und die Kunst

6. Kritikpunkte

7. Fazit

1. Einleitung

Gertrudis Gómez de Avellanedas Tres Amores ist ein bedeutendes Werk der spanischen Romantik des 19. Jahrhunderts. Durch den Fokus auf den weiblichen Protagonisten Matilde ist die Rolle der Frau in diesem Werk eines der zentralen Themen. Im Folgenden soll nun analysiert werden, inwieweit Matilde als emanzipatorischer Charakter in Frage kommt und wo die Grenzen ihrer Emanzipation liegen. Nach einer kurzen Inhaltsangabe wird das Verhältnis von Matilde und Victor, einem entscheidenden männlichen Charakter, im Verlaufe des Werkes kurz skizziert, um mit den Hauptcharakteren ein wenig vertrauter zu werden. Anschließend soll die traditionelle Rolle der Frau des 19.Jahrhunderts in Auszügen dargestellt werden und schließlich kurz mit zwei anderen Charakteren des Werkes und dann mit Matilde verglichen werden. Matilde erscheint sehr emanzipiert und auch ihre besondere Rolle, die sie im Bezug auf die Kunst einnimmt, wird erläutert. Doch in einigen Punkten kommen durchaus Zweifel auf, ob man sie wirklich als einen emanzipatorischen Charakter bezeichnen kann. Diesen sollen im letzten Abschnitt Ausdruck verliehen werden, worauf letztlich ein abschließendes Fazit folgt.

2. Kurze Inhaltsangabe

Matilde wächst friedlich in den Bergen von Navarra bei ihrer Adoptivfamilie auf. Als jedoch der Schriftsteller Victor de San Adrian einige Zeit in dem kleinen Dorf verbringt, fühlt sie sich stark von ihm angezogen. Er jedoch lehnt sie aus intellektueller Unterlegenheit ab und geht zurück nach Madrid, um dort weiterhin künstlerisch tätig zu sein. Matilde aber folgt ihm mit ihrem sie innig liebenden Adoptivbruder Antonio und stellt sich nach fünfjähriger Ausbildung als äußerst talentierte Schauspielerin heraus, die in Madrid durch eine Rolle in eines von Victors Werken großen Ruhm erlangt. Schließlich wird ihre Verwandtschaft mit dem adligen Conde de Larraga entdeckt und ihre anfangs so sehnlichst erwünschte Hochzeit mit Victor wird möglich. Doch Matilde erkennt letztlich., dass es nicht Victor ist, der sie wirklich liebt, sondern Antonio. Großzügig tritt sie jedoch trotzdem ihr reiches Erbe und ihren neu erworbenen Titel an Victor ab und kehrt mit Antonio in die einsamen Berge von Navarra zurück.

3. Das Verhältnis von Matilde und Victor

Matilde ist ein einfaches Mädchen vom Land mit ungeklärter Herkunft. Weder besondere Bildung, noch große Reisen in die weite Welt sind ihr zuteil geworden. Deshalb ist sie sehr fasziniert von Victor, der künstlerisch sehr begabt ist und aus der Stadt kommt. Er ist ein Cousin von der Schwester des Conde de Larraga und somit von adliger Abstammung, auch wenn er sich durch seine rein künstlerische Tätigkeiten nur einen eher mäßigen Lebensunterhalt finanzieren kann und nicht wirklich im Reichtum schwelgt. Matilde gefällt ihm durch ihr schönes Äußeres und er fühlt sich durch ihre Verehrung geschmeichelt. Doch teilt er nicht ihre großen Emotionen, da sie mit ihm weder intellektuell noch durch die Geburt oder das Einkommen auf gleicher Stufe steht. Er sucht nicht nach den, in seinen Werken gepriesenen, großen Gefühlen, sondern nach einer reichen Erbin, die ihm endlich eine gesicherte finanzielle Grundlage bieten kann. Daher kostet es ihm auch nicht viel Überwindung, Matilde in Navarra zurückzulassen und nach Madrid zu ziehen, in der Aussicht auf eine große Hochzeit.

Einige Jahre später erkennt Victor Matilde als große Schauspielerin in seinem Stück nicht wieder und ist gefesselt von ihrer Schönheit, ihrem Erfolg und ihrem Talent. Als er sich jedoch wieder an ihre eigentliche Identität erinnert, sieht er ihre ungeklärte Herkunft als unüberwindbares Hindernis, das eine Hochzeit unmöglich macht. Erst als sie sich als Erbin des Titels und des Reichtums des Condes herausstellt, willigt er einer Hochzeit mit Nachdruck ein. Doch an diesem Punkt der vollkommenen Überlegenheit, lehnt Matilde ihn schließlich ab, da sie seine rein materialistischen, egoistischen Absichten durchschaut hat.

4. Frauenrollen

Um nun die Besonderheiten und den teilweise sehr emanzipatorischen Charakter in Matildes Verhalten im Stück zu verdeutlichen, wird zuerst die für das 19.Jahrhundert traditionelle Rolle der Frau dargestellt und diese mit ein paar anderen weiblichen Charakteren des Werkes verglichen. Am Ende dieses Abschnittes sollen schließlich die Aktionen und Überlegungen von Matilde selbst betrachtet und ausgewertet werden.

4.1. Die traditionelle Rolle der Frau

Die meisten Frauen hatten sich im 19.Jahrhundert gänzlich dem privaten, häuslichen Bereich zu widmen. Am öffentlichen Leben waren sie nicht beteiligt. Sie waren für die Pflichten des Haushaltes, die Versorgung und teilweise Erziehung der Kinder sowie für die Aufheiterung und Stimulierung des Mannes zuständig. Severo Catalina legt fest: „[...] le basta con brillar por su humildad como hija, por su pudor como soltera, por su ternura como esposa, por su abnegación como madre, por su delicadez y religiosidad como mujer“.[1]

Die Frau muss sich also ständig nach anderen richten, im Interesse anderer handeln. Vor allem wird sie immer aus der Sicht des Mannes betrachtet, sei es in der Rolle als Mutter, Tochter oder Ehefrau. Luisa S. Hoberman beschreibt deshalb das Bild der Frau wie folgt:

She is passive, yielding to the wishes of others, and takes care of their needs before her own. She is clever and perceptive but incapable of abstract, disciplined thinking or witing. She is devoted to her home and family and cannot act in the name of, even conceive of, a broader goal.[2]

Sie handelt also nie aus eigenem Interesse heraus, sondern bleibt meist passiv. Sie ist nicht ehrgeizig oder strebt nach Höherem, sondern ist völlig zufrieden mit dem privaten Familienglück. Im Hinblick auf ihren Mann hat sie zu gehorchen und zu resignieren. Oft hatte sie sowieso keinerlei Einflussmöglichkeiten, zumal mittelständischen Frauen nicht einmal das Recht auf Eigentum zustand, da aller Besitz bei der Hochzeit dem Mann

zugesprochen wurde. Ihre Ehegatten konnten sich die meisten Frauen ebenfalls nicht selbst aufgrund ihrer Zuneigung auswählen, sondern dieser wurde von den Eltern nach Kriterien wie Abstammung und Reichtum bestimmt. Den Männern oblag dann die völlige Kontrolle.

[...]


[1] Garfield, Evelyn Picon: Poder y sexualidad. El discurso de Gertrudis Gómez de Avellaneda. Amsterdam-Atlanta. Rodopi. 1993: 26

[2] Pastor, Brígida: El discurso de Gertrudis Gómez de Avellaneda. Identidad feminina y otredad. Alicante. Universidad. 2002: 19

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Matilde als emanzipatorischer Charakter in Gómez de Avellaneda's "Tres Amores"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Romantische Subjektentwürfe
Note
2,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V47230
ISBN (eBook)
9783638442251
ISBN (Buch)
9783640876464
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Verhältnis Matilde - Victor, Fraunerollen (traditionell - Matilde), Matilde und die Kunst, Kritikpunkte
Schlagworte
Matilde, Charakter, Gómez, Avellaneda, Tres, Amores, Romantische, Subjektentwürfe
Arbeit zitieren
Stefanie Brunn (Autor), 2005, Matilde als emanzipatorischer Charakter in Gómez de Avellaneda's "Tres Amores", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47230

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