Ab dem Lebensalter von sechs kommen die Kinder in die Schule und beginnen die Welt zu erkennen, in dem sie diese mental auffassen und für sich selbst verarbeiten. Nach Vollmer(1991) benutzen sie dafür sogenannte Denkzeuge, die dazu dienen das Erkannte auf Richtigkeit hin zu überprüfen.
Bereits die Tradition des Abendlandes und René Descartes(1596-1650) haben Erkenntnistheorien hervorgebracht. Sie unterscheiden zwei verschiedenen Bereiche in der Welt: Zum einen gibt es den mentalen (Descartes:denkender; Abendland: geisteswissenschaftlicher)und zum anderen den materiellen (Descartes:cartesianisch; Abendland: naturwissenschaftlich)Teil des Weltbildes. Da diese sich kaum mit Emotionen befassen, sind sie der Bindungsforschung jedoch nicht sehr nützlich.Oeser(1987) schuf hierzu den „Kreislauf der Erkenntnis“. Hiernach vollzieht sich die Erkenntnis in folgender Reihenfolge:
Anschauung eines Ereignisses in der Umwelt - Information - Schlüsse werden gezogen (Induktion) - Hypothesen werden aufgestellt - Ein Weltbild wird konstruiert und mit einer Theorie verbunden (dieses kann falsch sein) - Konsequenzen werden gezogen (Deduktion) -Die Folgen werden überdacht, eine Prognose für zukünftiges Verhalten entwickelt - Das Ganze wird auf die ursprüngliche Information zurückgeführt
Vorraussetzung für diesen Erkenntnisweg ist der „innere Kreis der Erkenntnis“, in dem sich Vernunft, analytischer und synthetischer Verstand befinden.
In den frühen Jahren der Kindheit bekommt ein Kind Mitteilung der Eltern, ob etwas wahr ist oder nicht. Hierfür ist das Gespräch mit Erwachsenen notwendig. Auch muss das Kind den Zusammenhang zwischen Geschehnissen in der Umwelt und den damit verbundenen Emotionen feststellen. Erst wenn eine Übereinstimmung von Subjektivität und der Welt erfahren wird, kann das Kind aktiv in seinem Umfeld mitwirken.
„Wenn all dies gelingt, dann entsteht ein kohärentes, realitätsnahes, verinnerlichtes Weltbild“ Doch funktioniert dies alles auch bei einem „psychisch unsicheren“ Kind? Die Bindungstheorie besagt, dass ein „kohärentes Weltbild“ besser bei Kindern in sicheren Bindungsbeziehungen entsteht. Gefühle und ihre Ursachen werden bereits im Säuglingsalter wahrgenommen, sprachlich umgesetzt werden können sie aber erst, wenn in der Familie darüber gesprochen wird. „Gefühlsbetonte Anfänge des Erkennens“ erfolgen beim Kind bereits sehr früh durch sinnliche Wahrnehmung, vor allem durch die Interpretation der Stimme der Bindungsperson (z.B. Intonation).
Inhaltsverzeichnis
1. Der Kreislauf der Erkenntnis
2. Erkenntnis über Sprache in Bindungsbeziehungen
3. Anfänge zur Erfassung von Bindungsverhalten bei Sechsjährigen
4. Bindung mit 6 Jahren: Beschreibung und längsschnittliche Vergleiche
4.1 Bindungsverhaltensmuster von sechsjährigen Kindern
4.2 Vergleiche mit den Bindungsverhaltensmustern derselben Kinder in der fremden Situation mit einem Jahr
4.3 Vergleiche mit dem Verhalten der Kinder im Kindergarten
4.4 Das interaktive Verhalten der Mütter im Vergleich zu der Bindungsqualität der Kinder
5. Bindungsrepräsentation im Alter von 6 Jahren in symbolischen Darstellungen
5.1 Familienzeichnungen von Kindern
5.2 Der Umgang mit Bindungsgefühlen – Der Trennungsangst-Test bei 6 jährigen
5.2.1 Das Verhalten, die geäußerten Gefühle und die Lösungsvorschläge bindungssicherer und –unsicherer Kinder
5.2.2 Diskurs über Bindungsthemen und „konstruktive interanale Kohärenz“
6. Schlussfolgerungen
7. Eigene kritische Würdigung des Textes
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Ausprägung von Bindungsqualitäten bei Kindern zu Beginn des Schulalters, wobei der Fokus auf dem Zusammenhang zwischen frühkindlichen Bindungserfahrungen, der Sprachsozialisation und der internen Arbeitsmodelle von Bindung liegt. Die Forschungsfrage widmet sich der Frage, wie sich Bindungssicherheit in Verhaltensmustern, symbolischen Darstellungen und der Fähigkeit zur emotionalen Kohärenz widerspiegelt.
- Der Einfluss von Bindungstheorie auf das Weltbild und die Erkenntnisfähigkeit
- Methoden zur Erfassung von Bindungsverhalten im Alter von sechs Jahren
- Bedeutung der Sprache und elterlicher Feinfühligkeit für die Bindungsqualität
- Analyse der Bindungsrepräsentation durch Familienzeichnungen und Trennungsangst-Tests
- Das Konzept der "konstruktiven internalen Kohärenz" als Indikator für Bindungssicherheit
Auszug aus dem Buch
1. Der Kreislauf der Erkenntnis
Ab dem Lebensalter von sechs kommen die Kinder in die Schule und beginnen die Welt zu erkennen, in dem sie diese mental auffassen und für sich selbst verarbeiten. Nach Vollmer (1991) benutzen sie dafür sogenannte Denkzeuge, die dazu dienen das Erkannte auf Richtigkeit hin zu überprüfen.
Bereits die Tradition des Abendlandes und René Descartes (1596-1650) haben Erkenntnistheorien hervorgebracht. Sie unterscheiden zwei verschiedenen Bereiche in der Welt: Zum einen gibt es den mentalen (Descartes: denkender; Abendland: geisteswissenschaftlicher) und zum anderen den materiellen (Descartes: cartesianisch; Abendland: naturwissenschaftlich) Teil des Weltbildes. Da diese sich kaum mit Emotionen befassen, sind sie der Bindungsforschung jedoch nicht sehr nützlich.
Oeser (1987) schuf hierzu den „Kreislauf der Erkenntnis“. Hiernach vollzieht sich die Erkenntnis in folgender Reihenfolge: Anschauung eines Ereignisses in der Umwelt – Information – Schlüsse werden gezogen (Induktion) – Hypothesen werden aufgestellt – Ein Weltbild wird konstruiert und mit einer Theorie verbunden (dieses kann falsch sein) – Konsequenzen werden gezogen (Deduktion) – Die Folgen werden überdacht, eine Prognose für zukünftiges Verhalten entwickelt - Das Ganze wird auf die ursprüngliche Information zurückgeführt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Kreislauf der Erkenntnis: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Erkenntnisprozesses bei Kindern und grenzt diese von klassischen philosophischen Strömungen ab, wobei die Bedeutung des Austauschs mit Bezugspersonen hervorgehoben wird.
2. Erkenntnis über Sprache in Bindungsbeziehungen: Es wird untersucht, wie die sprachliche Interaktion zwischen Mutter und Kind Aufschluss über die Bindungserfahrung gibt und welche Rolle die emotionale Offenheit dabei spielt.
3. Anfänge zur Erfassung von Bindungsverhalten bei Sechsjährigen: Dieses Kapitel beschreibt die methodischen Ansätze der Untersuchung von Mary Main, Nancy Kaplan und Jude Cassidy, die 189 Familien beobachteten, um Bindungsverhaltensmuster bei Schulanfängern zu erfassen.
4. Bindung mit 6 Jahren: Beschreibung und längsschnittliche Vergleiche: Hier werden Bindungsverhaltensmuster detailliert beschrieben und mit früheren Beobachtungen (im Alter von einem Jahr) verglichen, um Stabilitäten und Veränderungen aufzuzeigen.
5. Bindungsrepräsentation im Alter von 6 Jahren in symbolischen Darstellungen: Das Kapitel analysiert, wie Kinder Bindungsgefühle in Zeichnungen und Trennungsangst-Tests ausdrücken und wie diese mit ihrer internen Kohärenz korrespondieren.
6. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei die zentrale Bedeutung elterlicher Feinfühligkeit für die Ausbildung sicherer internaler Arbeitsmodelle bekräftigt wird.
7. Eigene kritische Würdigung des Textes: Die Autorin reflektiert die Stärken und Schwächen der zitierten Forschungsarbeiten und merkt insbesondere die Unterrepräsentation der Vaterrolle und die Subjektivität von Fremdbeurteilungen an.
Schlüsselwörter
Bindungstheorie, Bindungssicherheit, internales Arbeitsmodell, Schulanfänger, emotionale Kohärenz, Sprachsozialisation, elterliche Feinfühligkeit, Trennungsangst, Familienzeichnungen, Bindungsverhaltensmuster, Konstruktive internale Kohärenz, Bindungsforschung, Entwicklungspsychologie, Emotionsregulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung, wie sich Bindungserfahrungen bei Kindern im Schulalter äußern und welche Rolle kognitive sowie emotionale Prozesse dabei spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung von Bindungsstabilität über die Zeit, die Bedeutung der Sprache in Bindungsbeziehungen und die Analyse von Bindungsrepräsentationen durch symbolische Ausdrucksformen wie Zeichnungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen frühen Bindungserfahrungen und der Fähigkeit eines Kindes zu verstehen, seine Umwelt zu explorierten und eigene Gefühle sowie die anderer kohärent zu versprachlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es werden verschiedene längsschnittliche Beobachtungsstudien und psychologische Tests, wie der Trennungsangst-Test und die Analyse von Familienzeichnungen, zusammengefasst und kritisch reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die empirischen Befunde zu Bindungsverhaltensmustern bei sechsjährigen Kindern, vergleicht diese mit Daten aus dem Kleinkindalter und analysiert die Bedeutung von Dialogen und symbolischen Darstellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Bindungssicherheit, internales Arbeitsmodell, konstruktive internale Kohärenz, Schulanfänger und elterliche Feinfühligkeit sind die prägenden Begriffe.
Was genau bedeutet der Begriff „konstruktive internale Kohärenz“?
Dies bezeichnet die Fähigkeit eines Kindes, in belastenden Situationen angemessene Emotionen zu zeigen, diese zu versprachlichen und lösungsorientierte Gedanken zu entwickeln, die der Situation angemessen sind.
Wie korrespondieren Familienzeichnungen mit der psychischen Sicherheit?
Untersuchungen legen nahe, dass bindungssichere Kinder ihre Familienbilder realistischer, detailreicher und emotional differenzierter gestalten, während unsichere Kinder oft mit Strategien wie Abstraktion oder Vermeidung reagieren.
- Quote paper
- Claudia Bartos (Author), 2005, Bindung zu Beginn des Schulalters - ein kurzer Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47243