Die Frankfurter Schule der Sozialökologie und ihr Nutzen für die Geographie


Seminararbeit, 2005
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Entstehungsgeschichte sozial-ökologischer Forschung

3. Was ist Soziale Ökologie?

4. Charakteristika sozial-ökologischer Forschung
4.1 Problemorientierung
4.2 Akteursorientierung
4.3 Interdisziplinarität

5. Probleme interdisziplinärer Forschung

6. Das Konzept der gesellschaftlichen Naturverhältnisse
6.1 Gesellschaftliche Naturverhältnisse
6.2 Regulierung gesellschaftlicher Naturverhältnisse
6.3 Perspektiven für die Forschung

7. Fazit

Literatur

1. Einleitung

„Geographie ist eine moderne Wissenschaft an der Schnittstelle von Natur- und Sozialwissenschaften, die das Ökosystem Erde und die Gesellschaft mit ihren Ansprüchen an den Raum untersucht“

So lautet die Definition von Geographie auf der Internetpräsenz des Geographischen Instituts der Universität Mainz (www.geo.uni-mainz.de, 24.06.2005). Der Begriff „Schnittstelle“ impliziert dabei, dass es einen Bereich der Überschneidung von Sozial- und Naturwissenschaften gebe, und genau im Bereich dieser Überschneidung soll also nun die Geographie Wissenschaft betreiben. Die Einschränkung folgt jedoch nur wenige Zeilen weiter:

„Das Geographische Institut besteht aus zwei Abteilungen: der naturwissenschaftlich ausgerichteten Physischen Geographie und der sozialwissenschaftlich ausgerichteten Humangeographie“

Wenn die Geographie denn nun an der Schnittstelle von Natur- und Sozialwissenschaften steht – warum besitzt das Geographische Institut dann zwei Abteilungen? Warum wird etwas, bei dem es anscheinend Überschneidungen gibt, getrennt untersucht? Die Behauptung, Geographie stehe an der Schnittstelle von Natur- und Sozialwissenschaften, wird mit der Unterteilung in eine „naturwissenschaftlich ausgerichtete Physische Geographie“ und eine „sozialwissenschaftlich ausgerichtete Humangeographie“ ins absurde geführt. Die Geographie besitzt zwei Ausprägungen, eine naturwissenschaftliche und eine sozialwissenschaftliche – sie steht damit aber noch nicht an der Schnittstelle zwischen beiden, solange diese beiden Bereiche nicht miteinander in Kontakt treten. Die Frage die sich nun stellt ist, was nötig wäre, um diese Trennung zu überwinden. An diesem Punkt kommt die Frankfurter Schule der Sozialökologie ins Spiel: Hier wird etwas ganz ähnliches versucht, die Integration von Sozialwissenschaften und Naturwissenschaften, allerdings eingegrenzt auf das Feld der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung. Lassen sich trotz dieser Einschränkung Ideen für eine Geographie übernehmen, die wirklich an der „Schnittstelle“ von Natur- und Sozialwissenschaften steht? Dies soll im Folgenden zu klären versucht werden. Hierzu soll zunächst die Entstehungsgeschichte sozial-ökologischer Forschung beschrieben und eine Definition von Sozialer Ökologie gegeben werden, bevor einige Charakteristika sozial-ökologischer Forschung und das Konzept der gesellschaftlichen Naturverhältnisse als theoretischer Rahmen vorgestellt werden.

2. Entstehungsgeschichte sozial-ökologischer Forschung

Die Entstehungsgeschichte sozial-ökologischer Forschung reicht bis in die 11970er Jahre zurück. Zu dieser Zeit etablierte sich die Umweltforschung sowohl auf politischer als auch auf wissenschaftlicher Ebene, jedoch wurde gegen diese Umweltforschung von Anfang an Kritik vorgebracht. Diese Kritik betraf vor allem den Glauben an technische Lösungsansätze zur Behebung von Umweltproblemen und die Konzentration der Forschungsansätze auf sektorale und angeblich isolierbare Problembereiche. Mit dieser Sichtweise könne lediglich eine Symptombekämpfung erfolgen und keine Erfassung der komplexen Beziehungsmuster zwischen Gesellschaft und Natur, wie sie für eine nachhaltige Entwicklung für nötig gehalten wurde. Als Folge auf diese unbefriedigende Situation wurden in Deutschland seit Ende der 1970er Jahre mehrere unabhängige Umweltforschungsinstitute gegründet, die die ökologische Krise als ein gesamtgesellschaftliches Problem begreifen und nach angemesseneren Lösungsansätzen suchen wollten. Hierdurch kam es zu einer stärkeren Einbeziehung der sozialwissenschaftlichen Disziplinen in die Umweltforschung. Seit Ende der 1980er Jahre entstand im Fokus dieser Institute das Konzept einer sozial-ökologischen Forschung. Hier ist insbesondere auf die Gründung des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt / Main im Jahre 1989 zu verweisen. Seit 1999 schließlich gibt es einen eigenen Förderschwerpunkt „Sozial-ökologische Forschung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (vgl. Balzer/Wächter 2002: 1f.).

3. Was ist Soziale Ökologie?

Im Rahmenkonzept für den neuen Förderschwerpunkt „Sozial-ökologische Forschung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird soziale Ökologie wie folgt definiert:

„ Soziale Ökologie ist die Wissenschaft von den Beziehungen der Menschen zu ihrer jeweiligen natürlichen und gesellschaftlichen Umwelt. In der sozial-ökologischen Forschung werden die Formen und die Gestaltungsmöglichkeiten dieser Beziehungen in einer disziplinübergreifenden Perspektive untersucht. Ziel der Forschung ist es, Wissen für gesellschaftliche Handlungskonzepte zu generieren, um die zukünftige Reproduktions- und Entwicklungsfähigkeit der Gesellschaft und ihrer natürlichen Lebensgrundlagen sichern zu können“ (Becker/Jahn/Schramm 1999: 13).

Als Forschungstyp gehört die Soziale Ökologie demnach in den Bereich der problemorientierten interdisziplinären Forschung. Als Gegenstandsbereich der Forschung werden die Beziehungen der Menschen zu ihrer gesellschaftlichen und natürlichen Umwelt genannt, und der Verweis auf die Sicherung der zukünftigen Reproduktions- und Entwicklungsfähigkeit der Gesellschaft bindet die Forschung an das Konzept der Nachhaltigkeit (vgl. Becker 2003: 172).

Soziale Ökologie gehört damit zu einem neuen Typus einer interdisziplinären, an gesellschaftlichen Problemen orientierten Forschung, die an der Schnittstelle von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit steht, und ist damit Teil eines neuen Modus der Wissensproduktion („mode 2“). Dieser Modus ist dadurch gekennzeichnet, dass die gesellschaftliche Wissensproduktion immer weniger in einem disziplinären, durch akademische Institutionen geprägten Kontext stattfindet, sondern verstärkt in verschiedenen gesellschaftlichen Anwendungskontexten. Sie ist demnach auf außerakademische gesellschaftliche Probleme gerichtet, inter- oder transdisziplinär verfasst und erfolgt in vielfältig vernetzten und heterogenen organisatorischen Formen und in Kooperation von Wissenschaft mit verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren. Die Wissensproduktion wird dabei in bewusster sozialer Verantwortung betrieben und bedarf einer spezifischen Reflexivität und spezielle Formen der Qualitätskontrolle (vgl. Gibbons et al. 1994, zit. nach: Becker 2003: 169).

4. Charakteristika sozial-ökologischer Forschung

4.1 Problemorientierung

Gegenstand der sozial-ökologischen Forschung ist weder ein fest definiertes wissenschaftliches Objekt, noch eine empirisch geklärte Tatsache. Es handelt sich vielmehr um gesellschaftliche Probleme, die diskursiv erzeugt und wissenschaftlich bearbeitet werden sollen. Erzeugt werden sie durch Störungen im Verhältnis zwischen Gesellschaft und Natur, den so genannten gesellschaftlichen Naturverhältnissen. Dies bedeutet, dass in der sozial-ökologischen Forschung eine spezifische Problemdynamik und deren Entwicklung durch das Zusammenwirken von gesellschaftlichen und natürlichen Prozessen untersucht wird. In der Forschungspraxis wird dabei eine existierende gesellschaftliche Problemlage, beispielsweise die Wasserver- und –entsorgung, in eine umfassende wissenschaftliche Fragestellung übersetzt wird, beispielsweise die Frage nach dem heutigen und zukünftigen Umgang der Gesellschaft mit der Ressource Wasser (vgl. Jahn 2003: 550.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Frankfurter Schule der Sozialökologie und ihr Nutzen für die Geographie
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V47250
ISBN (eBook)
9783638442428
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frankfurter, Schule, Sozialökologie, Nutzen, Geographie, Proseminar
Arbeit zitieren
Lars Koch (Autor), 2005, Die Frankfurter Schule der Sozialökologie und ihr Nutzen für die Geographie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47250

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