Die Führung eines Unternehmens wird in einem sich ständig ändernden Unternehmensumfeld immer schwieriger. Unternehmen müssen sich auf neuen Märkten behaupten und sich mit neuen Technologien zurechtfinden. Durch das Zusammenspiel dieser und weiterer Faktoren erhöht sich die Komplexität, mit der Führungskräfte konfrontiert sind. Oftmals hat sie ein Maß erreicht, das die Kosten überdurchschnittlich steigen lässt (Vgl. Schuh/ Schwenk (2001), S. 3). Es stellt sich dabei nun die Frage, ob es möglich ist, die Komplexität auf ein verträgliches Maß zu senken, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern. Ein Mittel, mit die Komplexität im Unternehmen reduziert werden kann, ist der Einsatz von Modellen in verschiedenen Teilbereichen der Betriebswirtschaft. Modelle vereinfachen Problemstellungen, blenden überflüssige Informationen aus und ermöglichen so eine gute Entscheidungsunterstützung für das Management.
In der vorliegenden Arbeit wird zunächst der Begriff der „Komplexität“ erläutert. Dabei werden Charakteristika des allgemeinen Komplexitätsbegriffes aufgezeigt, sowie die Erscheinungsformen von Komplexität im Unternehmen beleuchtet. Abschließend werden die Folgen der Komplexität untersucht, woraus sich die Notwendigkeit zur Reduzierung der Komplexität ergibt.
In Kapitel 3 wird zunächst der Begriff „Modell“ erläutert und seine Eigenschaften im Hinblick auf die Möglichkeit zur Komplexitätsreduktion untersucht. Im Anschluss daran werden verschiedene Modelltypen vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Unterscheidung zwischen mentalen und formalen Modellen. Im letzten Schritt wird verdeutlicht, welche Aspekte bei der Bildung eines Modells beachtet werden müssen bzw. welche Eigenschaften den Modellbildungsprozess beeinflussen.
In Kapitel 4 werden schließlich beispielhaft verschiedene Modelle aufgezeigt, so wie sie in Unternehmen eingesetzt bzw. an der Universität entwickelt worden sind. Dabei wird Modellen aus unterschiedlichen Teilbereichen der BWL Beachtung geschenkt. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Komplexitätsbegriff
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Komplexität im Unternehmen
2.3 Folgen der Komplexität
3 Reduktion der Komplexität durch Modellbildung
3.1 Grundlagen und Anforderungen der Modellbildung
3.2 Mentale und formale Modelle
3.3 Der Modellbildungsprozess
4 Modelle in der Betriebswirtschaftslehre
4.1 Modelle im Controlling: Die Balanced Scorecard
4.2 Modelle im Operations Research: Produktionsprogrammplanung
4.3 Die Unternehmung als Modell: Die Unternehmenshierarchie
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Modellbildungen als zentrales Instrument zur Komplexitätsreduktion in Unternehmen. Im Fokus steht die Frage, wie durch die Anwendung mentaler und formaler Modelle Entscheidungsprozesse unterstützt und durch die Ausblendung irrelevanter Informationen die Beherrschbarkeit komplexer betriebswirtschaftlicher Systeme nachhaltig gesichert werden kann.
- Grundlagen des Komplexitätsbegriffs und dessen Auswirkungen auf das Management
- Die methodische Abgrenzung und Anwendung mentaler versus formaler Modelle
- Strukturierung des Modellbildungsprozesses zur Problemlösung
- Einsatzmöglichkeiten der Balanced Scorecard im Controlling
- Mathematische Optimierung in der Produktionsprogrammplanung
- Hierarchische Dekomposition als organisatorisches Modellinstrument
Auszug aus dem Buch
3.2 Mentale und formale Modelle
Wie in Kapitel 3.1 erwähnt, spielen Modelle beim Denken eine herausragende Rolle. Jegliche rationale Entscheidung basiert auf Modellen, die aus Erfahrungen bzw. Lernprozessen aufgebaut werden (Vgl. Größler (2002), S. 239). Diese Erfahrungen werden im Gedächtnis gespeichert. Stehen Menschen nun vor einem ähnlichen Problem, wird die gespeicherte Information wieder abgerufen und auf das neue Problem angewendet. In diesem Fall spricht man von mentalen Modellen. Modellbildung in Entscheidungsprozessen läuft demzufolge häufig ausschließlich in den Gedanken der Modellbauer ab, also nur mental.
Der große Vorteil der Verwendung mentaler Modelle ist die Vereinfachung und Komplexitätsreduktion, die „effizientes Handeln in komplexen Situationen erst zulassen“ (Größler (2002), S. 241). In Entscheidungssituationen werden irrelevante Informationen vernachlässigt, was die Entscheidungsfindung in einer schwierigen Situation beschleunigt. Mentale Modelle sind weiterhin dadurch gekennzeichnet, dass sie ständigen Plausibilitätskontrollen unterliegen, was verhindert, dass man sich bei der Entscheidungsfindung in Nebensächlichkeiten verliert (Vgl. Milling (1984), S. 508).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Komplexität in Unternehmensumfeldern und motiviert den Einsatz von Modellen zur Entscheidungsunterstützung.
2 Der Komplexitätsbegriff: Dieses Kapitel definiert Komplexität, differenziert sie von "komplizierten" Systemen und analysiert ihre internen und externen Ursachen sowie Folgen für Unternehmen.
3 Reduktion der Komplexität durch Modellbildung: Hier werden Grundlagen, Modelltypen und der iterative Modellbildungsprozess theoretisch erarbeitet, wobei der Schwerpunkt auf der Unterscheidung mentaler und formaler Modelle liegt.
4 Modelle in der Betriebswirtschaftslehre: Das Kapitel präsentiert praktische Anwendungsbeispiele der Modellbildung durch die Balanced Scorecard, das Operations Research und die Unternehmenshierarchie.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Erkenntnisse über den Nutzen von Modellen zur Reduktion von Komplexität und der Erzielung von Wettbewerbsvorteilen ab.
Schlüsselwörter
Komplexitätsmanagement, Modellbildung, Mentale Modelle, Formale Modelle, Balanced Scorecard, Operations Research, Produktionsprogrammplanung, Organisationsstruktur, Entscheidungsunterstützung, Wettbewerbsfähigkeit, Komplexitätsreduktion, Unternehmensführung, Systemdenken, Strukturgebung, Kennzahlensysteme
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Seminararbeit?
Die Arbeit behandelt die Modellbildung als Instrument zur Beherrschung und Reduktion der zunehmenden Komplexität in betriebswirtschaftlichen Entscheidungsprozessen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind der theoretische Komplexitätsbegriff, die methodische Einordnung von Modellen (mental vs. formal), der Modellbildungsprozess sowie Praxisbeispiele aus Controlling, OR und Organisation.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch gezielte Modellbildung irrelevante Informationen ausgeblendet werden können, um eine effektive Entscheidungsunterstützung für das Management zu gewährleisten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, die theoretische Definitionen mit Anwendungsbeispielen aus der Betriebswirtschaftslehre verknüpft.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Erläuterung von Modellierungskonzepten und eine anschließende Übertragung auf reale betriebswirtschaftliche Anwendungsfälle.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Komplexitätsmanagement, Modellbildung, Balanced Scorecard, Entscheidungsunterstützung und hierarchische Dekomposition.
Wie unterscheidet der Autor zwischen einem komplizierten und einem komplexen System?
Ein kompliziertes System hat definierte Inputs und Outputs, während bei einem komplexen System der Output selbst bei definiertem Input aufgrund vieler Zustandsmöglichkeiten nicht sicher vorhersehbar ist.
Warum wird die Balanced Scorecard als Modell zur Komplexitätsreduktion angeführt?
Die BSC reduziert Komplexität, indem sie die Datenflut eines "Kennzahlenfriedhofs" auf wenige, strategisch steuerungsrelevante Kennzahlen beschränkt.
Welche Rolle spielt die Matrixorganisation in der Arbeit?
Sie wird als Modellbeispiel für ein Mehrliniensystem dargestellt, das komplexe Anforderungen durch gleichzeitige Gliederung nach Funktionsbereichen und Produktsparten transparent macht.
- Quote paper
- Christian Rink (Author), 2004, Modellierung zur Reduktion von Komplexität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47255