Das Wachstum europäischer Hafenstädte war jahrhundertelang eng mit der Hafenentwicklung verbunden. Erst in diesem Jahrhundert begannen sich Stadt und Hafen im Zuge vielfältiger Strukturwandel physisch wie ökonomisch zu trennen.
Die seit den siebziger Jahren einsetzende „Rückkehr der Innenstadt an das Wasser“ ist kein hamburgspezifisches Phänomen: das Zusammenwachsen von City und Hafenrand ist weltweit beobachtbar. Mit der Verlagerung der Hafenfunktionen in die Peripherie gewannen von Raumnot geplagte Städte, wie Liverpool, Boston, Barcelona oder London, entwickelbare, innenstadtnahe Flächen zurück.
Seit Anfang der achtziger Jahre wird der Hamburger Hafenrand am nördlichen Elbufer zum Vorzeigeobjekt der Stadtentwicklungspolitik. Die sog. „Perlenkette“ am Elbufer ist eine Mischung aus Gewerbe- und Wohnbauten, die mit einer auch für den Tourismus attraktiven Neugestaltung des Elbufers einhergeht.
Das bauliche und planerische Potential zwischen Baumwall im Osten und Neumühlen im Westen ist inzwischen weitgehend ausgeschöpft. Erklärtes Ziel weiterer Cityexpansion sind nunmehr die Freihafenflächen zwischen Norderelbbrücken und Speicherstadt.
Die südliche Neustadt und südliche Altstadt sind die Stadtteile an der Schnittstelle zwischen City und Hafenrand. Sie sind damit von der Entwicklung unmittelbar betroffen. Über die strukturellen Veränderungen in den Quartieren gibt es bisher vorwiegend Mutmaßungen und Befürchtungen. Soll-Ist-Analysen können nicht aufgestellt werden, da es kein über die baulichen Maßnahmen hinausgehendes Konzept für die Quartiere gibt.
Ziel dieser Arbeit ist es, den Strukturwandel in den Stadtteilen seit Anfang der achtziger Jahre bis in die Gegenwart darzustellen und auf dieser Grundlage Anregungen und Strategien für eine zukünftige Stadtteilentwicklung aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG UND UNTERSUCHUNGSINTERESSE
2. PROBLEMATIK UND FRAGESTELLUNG
3. AUFBAU DIESER ARBEIT
3.1. STRUKTURWANDEL UND STADTGEOGRAPHIE
3.2. ZUM BEGRIFF DER STRUKTUR
3.3. ABGRENZUNG DES BEGRIFFES CITY
3.4. ABGRENZUNG DES BEGRIFFES HAFENRAND
3.5. MATERIALIEN UND DATENGRUNDLAGEN
4. HAMBURGER STADTGESCHICHTE - EIN HISTORISCHER ÜBERBLICK
4.1. EINTAUSEND JAHRE STADTENTWICKLUNG ZWISCHEN ALSTER UND ELBE
4.2. TRENNUNG VON INNENSTADT UND HAFEN
4.3. SANIERUNG UND TERTIÄRISIERUNG - ENTWICKLUNG DER INNENSTADT BIS 1939
4.4. DIE AUSDEHNUNG DES FUNKTIONALEN ZENTRUMS AB 1945
4.5. DIE WIEDERBELEBUNG DER CITY AB DEN ACHTZIGER JAHREN
5. DEMOGRAPHISCHE UND SOZIOÖKONOMISCHE TRENDS IN HAMBURG
5.1. BEVÖLKERUNG
5.2. BESCHÄFTIGUNG
5.3. EINKOMMEN
5.4. WOHNEN
5.5. GENTRIFICATION - AUFWERTUNG INNENSTADTNAHER WOHNGEBIETE
5.6. WAHLVERHALTEN
6. STRUKTURWANDEL AM CITYRAND
6.1. RÄUMLICHE ABGRENZUNG DER UNTERSUCHUNGSGEBIETE
6.2. SOZIOÖKONOMSCHE DATEN DER UNTERSUCHUNGSGEBIETE
6.2.1. BEVÖLKERUNG
6.2.2. WOHNEN
6.2.3. ARBEITSSTÄTTEN, BESCHÄFTIGTE, EINKOMMEN
6.2.4. DATENKRITIK
6.3. AUSSTATTUNGSMERKMALE DER UNTERSUCHUNGSGEBIETE
6.3.1. STRAßENVERKEHR
6.3.2. ÖFFENTLICHER PERSONENNAHVERKEHR
6.3.3. VERSORGUNG, FREIZEIT UND KULTUR
6.3.4. GEWÄSSER UND GRÜNANLAGEN
6.4. BAULICHE ENTWICKLUNG SEIT 1980
6.4.1. ENTWICKLUNG DER BODENPREISE
6.4.2. SÜDLICHE NEUSTADT: DIE WIEDERENTDECKUNG DES HAFENRANDES
6.4.3. SÜDLICHE ALTSTADT: VERHARREN UND VERSCHÖNERN
6.5. GEBÄUDEBESTAND UND GEBÄUDENUTZUNG IN DEN UNTERSUCHUNGSGEBIETEN
6.5.1. BEGRÜNDUNG DER ERHOBENEN MERKMALE
6.5.2. DURCHFÜHRUNG DER ERHEBUNG
6.5.3. AUSWERTUNG DER GEBÄUDEERHEBUNG
6.5.3.1. Baujahrsklassen
6.5.3.2. Gebäudenutzung
6.5.3.3. Die City wächst zum Hafen
6.5.3.4. Leerstand und Parterregewerbe
6.5.3.5. Branchen und Hafenrelevanz
6.5.4. ZUSAMMENFASSUNG DER GEBÄUDEERHEBUNG
6.6. EINWOHNERBEFRAGUNG IN DER SÜDLICHEN NEUSTADT
6.6.1. BEGRÜNDUNG DES FRAGEBOGENS
6.6.2. KRITIK AM FRAGEBOGEN
6.6.3. DURCHFÜHRUNG DER ERHEBUNG
6.6.4. AUSWERTUNG DER INTERVIEWS
6.6.4.1. Alter, Geschlecht und Staatsbürgerschaft
6.6.4.2. Berufstätigkeit, Lebensunterhalt, Bildungsabschluß und Einkommen
6.6.4.3. Wohnen und Mieten
6.6.4.4. Zusammenfasung der soziostrukturellen Daten
6.6.4.5. Die Entwicklung und Situation des Ortsteils aus der Sicht der Bewohner
7. HAFENRAND: SPANNUNGSFELD ZWISCHEN HAFEN UND CITY
7.1. DIE HISTORISCHE ENTWICKLUNG DES HAFENRANDES NACH HOYLE
7.2. DER HAFENRAND ALS SPANNUNGSFELD NACH RILEY UND SHURMER-SMITH
7.3. EINSTELLUNGSWANDEL UND TECHNISCHER FORTSCHRITT NACH HAYUTH
7.4. RÜCKZUG UND WIEDERBELEBUNG NACH PINDER, HOYLE UND HUSAIN
8. STRUKTURWANDEL UND DER HAMBURGER HAFENRAND
9. HAFEN - CITY
9.1. INTERNATIONALE HAFENRANDENTWICKLUNGSPROJEKTE
9.2. RISIKEN UND CHANCEN DER HAFENRANDENTWICKLUNG
10. AUSBLICK UND EMPFEHLUNGEN
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Strukturwandel in den Hamburger Stadtteilen südliche Neustadt und südliche Altstadt seit Beginn der achtziger Jahre bis in die Gegenwart. Das zentrale Ziel ist es, die räumlichen, sozialen und ökonomischen Veränderungen an der Schnittstelle zwischen City und Hafen aufzuzeigen, ihre Ursachen auf verschiedenen Ebenen zu analysieren und auf dieser Grundlage Anregungen für eine zukünftige Stadtteilentwicklung zu formulieren.
- Strukturwandel und räumliche Abgrenzung von City und Hafenrand
- Historische Entwicklung der Hamburger Innenstadt und ihrer Trennung vom Hafen
- Sozioökonomische Trends und deren Auswirkungen auf die Bewohner
- Detaillierte Analyse des Gebäudebestands und der Gebäudenutzung
- Bewertung der Standortentwicklung durch Einwohnerbefragungen
Auszug aus dem Buch
6.4.2. Südliche Neustadt: Die Wiederentdeckung des Hafenrandes
Bis Anfang der achtziger Jahre war für die Entwicklung des Quartiers zwischen Ludwig-Erhardt-Straße und Elbe die Verkehrsplanung aus den fünfziger Jahren bestimmend. Nach wie vor war eine Nord-Süd-Straßenverbindung vom Dammtor über den Gänsemarkt bis zum Eingang des geplanten Elbtunnels am Baumwall im Gespräch.
Der Verlag Gruner und Jahr war 1980 auf Standortsuche für ein neues Bürogebäude und scheiterte am politischen Widerstand der Einwohner sowohl am Standort Hafenstraße als auch am Fischmarkt [MENSCH MIETER 1981]. Um eine eventuelle Abwanderung des bedeutenden Verlagshauses zu verhindern, sah sich der Senat in Zugzwang, dem Verlag ein attraktives Grundstück anzubieten. Vor diesem Hintergrund wurde erstmals konkret erwogen, auf den Bau des dritten Elbtunnels am Baumwall zu verzichten und das freie Gelände dem Verlag zur Verfügung zu stellen [HA 1981]. Dieser Vorstoß sollte die Planungsunsicherheit für die gesamte, überwiegend brachliegende sog. Fleetachse (entlang des Herrengrabenfleets) beenden und in der Folge zur Initialzündung für die Hafenrandentwicklung am nördlichen Elbufer werden. Im März 1982 fiel per Senatsbeschluß die endgültige Entscheidung für den Neubau. Mit dem Bau wurde 1987 begonnen, die Fertigstellung erfolgte 1990.
Die Wirtschaftsflaute und die innenpolitische Unsicherheit aufgrund der fehlenden Mehrheiten bei den Bürgerschaftswahlen trugen dazu bei, daß erst ab 1985 die schrittweise Umsetzung der ehrgeizigen Planungen erfolgte. Beschlossen wurde die Bebauung der Fleetinsel mit einem Hotelkomplex, der Bau von Bürohäusern am Herrengraben nördlich der Ludwig-Erhard-Straße, sowie der Büroneubau von Transnautic (Admiralitätsstr. 60) und Wohnungen am Herrengraben südlich der Ludwig-Erhard-Straße [HA 1985]. Zudem stellte Oberbaudirektor KOSSAK im Dezember 1985 die Pläne für den Hafenrand zwischen Deichtorhallen und Neumühlen vor [DIE WELT 1985].
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG UND UNTERSUCHUNGSINTERESSE: Diese Einleitung führt in die historische Verbundenheit und spätere Trennung von Stadt und Hafen in europäischen Hafenstädten ein und benennt das Ziel der Arbeit, den Strukturwandel in den Untersuchungsgebieten darzustellen.
2. PROBLEMATIK UND FRAGESTELLUNG: Es wird die Problematik des Funktionsverlusts in hafennahen Gebieten thematisiert und zentrale Fragestellungen zu den räumlichen, sozialen und ökonomischen Veränderungen seit den achtziger Jahren abgeleitet.
3. AUFBAU DIESER ARBEIT: Dieses Kapitel erläutert die systematische Einordnung der Untersuchung, definiert grundlegende Begriffe und stellt die Datengrundlagen der Arbeit vor.
4. HAMBURGER STADTGESCHICHTE - EIN HISTORISCHER ÜBERBLICK: Es erfolgt eine historische Betrachtung der Stadtentwicklung Hamburgs, wobei die Entwicklung der Innenstadt und ihre funktionale Trennung vom Hafen im Zentrum stehen.
5. DEMOGRAPHISCHE UND SOZIOÖKONOMISCHE TRENDS IN HAMBURG: Hier werden demographische und ökonomische Entwicklungen für ganz Hamburg analysiert, die als Überleitung zu den spezifischen Untersuchungsgebieten dienen.
6. STRUKTURWANDEL AM CITYRAND: Dieses umfangreiche Kapitel widmet sich der detaillierten Analyse des Strukturwandels in der südlichen Neustadt und südlichen Altstadt mittels erhobener Daten und Befragungen.
7. HAFENRAND: SPANNUNGSFELD ZWISCHEN HAFEN UND CITY: Es werden theoretische Ansätze und Modelle zur Hafenrandentwicklung vorgestellt, um die Hamburger Situation in einen globalen Kontext einzuordnen.
8. STRUKTURWANDEL UND DER HAMBURGER HAFENRAND: In diesem Kapitel werden die Besonderheiten der Hamburger Stadtgeschichte und deren Einfluss auf den Hafenrand zusammenfassend bewertet.
9. HAFEN - CITY: Der Fokus liegt auf der Entwicklung des ehemaligen Hafengeländes zur heutigen „Hafen-City“ und den damit verbundenen Herausforderungen.
10. AUSBLICK UND EMPFEHLUNGEN: Abschließend werden die Ergebnisse interpretiert und Empfehlungen für eine zukünftige, sozialverträgliche Stadtteilplanung gegeben.
Schlüsselwörter
Strukturwandel, Hafenrand, Innenstadt, City, Hamburger Neustadt, Hamburger Altstadt, Stadterneuerung, Hafen-City, Stadtgeographie, Demographie, Sozioökonomie, Gentrification, Flächennutzung, Stadtentwicklung, Bewohnerbefragung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den räumlichen, sozialen und ökonomischen Strukturwandel an der Schnittstelle zwischen der Hamburger Innenstadt und dem Hafenrand seit den achtziger Jahren.
Welche Stadtteile werden untersucht?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die südliche Neustadt (Ortsteil 104) und die südliche Altstadt von Hamburg.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Strukturwandel in den betroffenen Gebieten seit den achtziger Jahren darzustellen und auf dieser Basis Anregungen und Strategien für eine künftige Stadtteilentwicklung zu entwickeln.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Analyse vorhandener statistischer Daten, eine eigene Gebäudeerhebung sowie eine Einwohnerbefragung in der südlichen Neustadt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst den historischen Hintergrund, die Analyse aktueller sozioökonomischer Trends, eine detaillierte Erfassung von Gebäudebestand und -nutzung sowie die Auswertung der Einwohnerbefragung.
Welche zentralen Themenfelder prägen die Analyse?
Zentrale Themen sind die Gentrification-Effekte, die Tertiärisierung, die städtebauliche Neugestaltung des Hafenrands sowie die Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil.
Wie beurteilen die Bewohner der südlichen Neustadt die Entwicklung?
Die Mehrheit der Befragten (90%) ist mit der Lebenssituation zufrieden, nennt jedoch eine hohe Verkehrsbelastung und eine unzureichende Parksituation als signifikante negative Aspekte.
Welche Rolle spielt die Hafen-City in der Untersuchung?
Die Hafen-City wird als Beispiel für die aktuelle, großflächige Umnutzung des Freihafengeländes angeführt und hinsichtlich der Risiken für eine ausgewogene Stadtentwicklung kritisch hinterfragt.
- Quote paper
- Mathias Fritze (Author), 1998, Strukturwandel am Hamburger Cityrand und seine Verzahnung mit den Problemen des Hafenrandes - aufgezeigt an der südlichen Hamburger Neustadt und der südlichen Altstadt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47269