Ein Kennzeichen von dynamischen Prozessen ist der Wandel. Arbeit ist ein dynamischer Prozess und somit erklärt es sich fast von selbst, dass der Wandel von Arbeit nichts Neues ist. Arbeit und Ökonomie standen schon immer in einem gewissen Veränderungsverhältnis. Jedoch nicht nur dieses Verhältnis der Gesellschaft verändert sich. Die gesamte Gesellschaft befindet sich in einer Situation des fundamentalen Wandels. Deutlich zu erkennen ist dies an dem Beispielsmerkmal der Entgrenzung, der Tatsache, dass moderne Gesellschaften funktional differenziert sind und sich weiter differenzieren. Eine der Abgrenzungen in diesem Prozess der Differenzierung besteht zwischen Arbeit und Kultur. Gibt es diese Abgrenzung jedoch wirklich noch, oder ist diese, gerade in den letzten Jahrzehnten nicht stark verschwommen? Diese Frage, inwieweit es zu einer Ökonomisierung der Kultur beziehungsweise auch einer Kulturalisierung der Ökonomie in den modernen Gesellschaften gekommen ist und welche Bedeutung in diesem Prozess dem Projektmanagement zukommt, soll Gegenstand dieser Arbeit sein.
Die grundlegenden Ideen, die dahinter stehen lauten in etwa: Was passiert mit der Kultur, wenn diese durch Arbeit bzw. Ökonomie durchdrungen wird? Ist diese Veränderung kompatibel mit dem eigentlichen Wesen der Kultur? Gibt es Dinge, welche die Ökonomie von der Kultur lernen könnte und müssen sich ökonomische Prinzipien beim Zusammentreffen mit der Kultur vielleicht auch modifizieren bzw. anpassen?
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Grundlegende Fragestellung
2. Annäherung an das Thema
II. Kulturmanagement
1. Zum Begriffverständnis
2. Der Kulturbetrieb
2.1 Das Profit-Unternehmen
2.2 Das Non-Profit-Unternehmen
3. Wirtschaftliche Bedeutung der Kultur
3.1 Zunehmende Bedeutung der Kultur in der Gesellschaft
3.2 Kultur als Wirtschaftsfaktor
3.3 Kultur als Standort und Imagefaktor
4. Kultur und Management gleich Kulturmanagement?
III. Projektmanagement
1. Was ist ein Projekt?
1.1 Komplexität von Projekten
1.2 Projektziele
2. Was ist Projektmanagement?
2.1 Warum Projektmanagement?
2.2 Entwicklung des Projektmanagement
IV. Projektmanagement im Kulturbetrieb
1. Chancen des Projektmanagement
1.1 Kosten und Zeitersparnis
1.2 Erschließung neuer Finanzierungsquellen
1.3 Erreichung neuer Zielgruppen
2. Entwicklungsprozesse
2.1 Personalentwicklung
2.2 Organisationsentwicklung
2.3 Exkurs: „Das virtuose Unternehmen“
3. Probleme bei der Umsetzung
4. Kulturmarketing
4.1 Begriffliche Eingrenzung
4.2 Bedeutende Einflussfaktoren
4.3 Vermarktung eines Kulturprojekts
4.4 Notwendigkeit von Marketing-Management-Techniken
V. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Seminararbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Rationalität und dem Eigensinn künstlerischer Produktion. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwieweit klassische Projektmanagement-Methoden auf Kulturbetriebe übertragen werden können, ohne deren spezifischen kulturellen Auftrag und die künstlerische Autonomie zu gefährden.
- Analyse der Schnittstellen zwischen Kulturmanagement und Betriebswirtschaftslehre.
- Untersuchung der Anwendbarkeit von Projektmanagement-Methoden in Kultureinrichtungen.
- Bewertung von Chancen und Risiken durch Organisations- und Personalentwicklung im Kulturbereich.
- Vergleich von Profit- und Non-Profit-Modellen hinsichtlich ihrer Marketingstrategien.
- Kritische Reflexion über die Ökonomisierung von Kunst und Kultur in modernen Gesellschaften.
Auszug aus dem Buch
2.3 Exkurs: „Das virtuose Unternehmen“
Das Beispiel verdeutlicht, inwiefern innerhalb eines Kulturunternehmens durch einen neuen kooperativen Managementstil enorme wirtschaftliche und qualitative Erfolge erzielt werden können.
1972 gründete der amerikanische Cellist Julien Fifer eines der besten Orchester der Welt, das Orpheus Chamber Orchestra. Die Besonderheit dieses Orchesters besteht darin, dass es ohne Dirigent spielt. „Anders als man annehmen könnte, wenn man einem typischen Sinfonieorchester zuschaut, fließt großartige Musik nicht aus dem Taktstock des Dirigenten, sondern sie kommt aus den Herzen und dem Geist und den Seelen der Musiker [...] jeder Musiker ist ein Führer.“ (Seifter, Economy 2001, S. 14) Folglich steuern alle Beteiligten durch eigene Kreativität, Ideen, Leidenschaft und Engagement zur musikalischen Interpretation bei. Musikalische Auslegungsmöglichkeiten, aber auch organisatorische Angelegenheiten wie zum Beispiel Tourplanung, Programmgestaltung, Einstellung von neuen Musikern etc. erfolgen über demokratischen Diskurs und falls es zu keiner Einigung kommt wird abgestimmt. Durch ein organisiertes Rotationsprinzip und eine Aufteilung der Führungsbefugnis „wird jeder ermutigt, zu irgendeinem Zeitpunkt auf irgendeine Art und Weise zu führen“ (Seifter, Economy 2001, S. 35). Dadurch wird dem Anspruch, von den Erfahrungen und Fähigkeiten jedes Einzelnen zu profitieren, Rechnung getragen.
Der Nutzen eines derartigen Führungskonzepts besteht darin, dass durch das Fehlen einer autoritären und visionären Führungsperson jeder einzelne dazu angeregt wird sich kreativ, und engagiert zu beteiligen. Das Orchester kann daher beileibe nicht als führungs- oder machtlos bezeichnet werden. Die Inspiration der Mitwirkenden des Orchesters überträgt sich vor allem durch das persönliche „tiefe Empfinden“ der Musiker auch auf das Publikum, so dass dieses „zu neuen emotionalen Höhepunkten gelangt.“ (Seifter, Economy 2001, S. 27)
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel und das Spannungsverhältnis zwischen Arbeit, Ökonomie und Kultur, um die Relevanz von Projektmanagement in diesem Kontext zu begründen.
II. Kulturmanagement: Dieses Kapitel definiert den Kulturbetrieb und untersucht die historische sowie wirtschaftliche Bedeutung von Kultur, um die Notwendigkeit von Managementtechniken in diesem Sektor zu erläutern.
III. Projektmanagement: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Projektmanagements erörtert, insbesondere die Aspekte Komplexität, Zielhierarchien und die Herkunft des Managementbegriffs.
IV. Projektmanagement im Kulturbetrieb: Dieses Hauptkapitel analysiert die praktischen Chancen, Entwicklungsprozesse und Probleme bei der Anwendung von Projektmanagement sowie Ansätze des Kulturmarketings.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert kritisch über die fortschreitende Ökonomisierung von Kultur und die Vereinbarkeit ökonomischer Prinzipien mit künstlerischen Werten.
Schlüsselwörter
Kulturmanagement, Projektmanagement, Kulturbetrieb, Ökonomisierung, Kulturmarketing, Non-Profit-Organisation, Projektziele, Organisationsentwicklung, Personalentwicklung, Kreativität, künstlerische Autonomie, Wirtschaftsfaktor, interdisziplinäre Kooperation, Managementtechniken, Erfolgsfaktoren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Übertragung von Projektmanagement-Methoden aus der Wirtschaft auf den Kulturbetrieb und die damit verbundenen Herausforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Kulturmanagement, die Definition und Steuerung von Projekten sowie die spezifischen Marketingstrategien für Kulturprojekte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, inwieweit klassisches Projektmanagement im Kulturbereich angewendet werden kann, ohne das eigentliche Wesen und die Autonomie der Kunst zu untergraben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis von Fachliteratur, die durch Praxisbeispiele wie das Orpheus Chamber Orchestra veranschaulicht wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Projektmanagements und dessen Anwendung im Kulturbetrieb, ergänzt um Aspekte des Kulturmarketings.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kulturmanagement, Projektmanagement, Ökonomisierung, Organisationsentwicklung und künstlerische Autonomie.
Was genau ist ein "virtuoses Unternehmen" laut dem Exkurs?
Es beschreibt ein Modell, bei dem durch einen kooperativen Managementstil ohne Dirigent (wie beim Orpheus Chamber Orchestra) enorme Effizienzsteigerungen und kreative Impulse freigesetzt werden.
Warum ist die Anwendung von Projektmanagement im Kulturbetrieb problematisch?
Probleme entstehen vor allem durch die begrenzte Planbarkeit künstlerischer Prozesse, die sich von den zielgerichteten, rationalen Abläufen der klassischen Industrie unterscheiden.
- Quote paper
- Thomas Luister (Author), Anna Ehrmann (Author), 2005, Projektmanagement im Kulturbetrieb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47334