Die aktuelle Debatte um die geplante Rundfunkgebührenerhöhung im nächsten Jahr wirft in der öffentlichen Diskussion zahlreiche Fragen auf, denn es geht um weit mehr als um eine Erhöhung um 1.09 Euro, wie von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) vorgeschlagen, oder um 87 Cent, wie sechs Ministerpräsidenten am 20. September 2004 forderten!
Besonders die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) wird seit Einführung des dualen Rundfunksystems in der BRD 1984 - aber besonders während der letzten Dekade - heftig kritisiert (Springer 2000, S. 7). Es geht dabei nicht nur um die Erfüllung des klassischen Programmauftrags bei der allgegenwärtigen Grundversorgungsaufgabe sondern auch um die Finanzierung und die Strukturen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.
Während der derzeitige Vorsitzende der ARD, Jobst Plog, die Gemeinschaft als ein „Kind des Föderalismus“ preist und den föderalen Leistungsfaktor, der kein Selbstzweck, sondern „historisch bedingt, politisch gewollt und gesellschaftlich akzeptiert“ ist (Plog 2003, S. 11f), hervorhebt, nehmen Kritiker gerade die föderale Struktur zum Anlass für Reformvorschläge. In der vorliegenden Hausarbeit wird die föderale Struktur der ARD in ihrem historischen Entstehungskontext beschrieben. Von den Machern der ARD als „modernes Mediensystem“ gefeiert (ebd., S. 16), sucht der Sendeverbund im Zeitalter von Internet und Digitalisierung seine Position im europäischen Mediensystem. Doch wie modern ist die ARD wirklich? Auch dieser Frage nähert sich diese Arbeit.
Im Jahr 2004 nahm die ARD knapp fünf Milliarden Euro an Gebührengeldern ein. Doch erfüllt sie damit „nur“ ihren Grundversorgungsauftrag? Kritiker monieren beispielsweise, dass die ARD zu viele Hörfunk- und Fernsehprogramme anbietet. Genauso wie sie für Auftritte von Prominenten und Sportübertragungsrechte horrende Summen bezahlt (Meyn 2004, S. 164). Entwickelt sich die Gemeinschaft damit wirklich zum „MilliARDen-Grab“, wie es die „Bild am Sonntag“ zu Beginn diesen Jahres behauptete (Betz / Saure 2004, S. 26)?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die ARD - Ein Kind des Föderalismus
- Gründungsgeschichte der ARD
- Organisation und Struktur der ARD
- Finanzausgleich zwischen den Landesrundfunkanstalten
- Beziehung zwischen Politik und den Landesrundfunkanstalten
- Die ARD - „Ein modernes Mediensystem“?
- Grundversorgung als Programmauftrag – Begrifflichkeit
- Grundversorgung aus Sicht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
- Zweifel an der Erfüllung des Grundversorgungsauftrags
- Regionalisierung als Programmstrategie
- Gemeinschaftsprojekte
- Technische Neuerungen
- Digitalisierung
- Die Online-Strategie der ARD
- Vielfaltsicherung
- Die ARD - Ein „MilliARDen-Grab“?
- Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
- Debatte zur geplanten Rundfunkgebührenerhöhung
- Ruf nach Reformen
- Resümee der letzten zehn Jahre
- Schlusswort
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit befasst sich mit der ARD, der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland. Im Zentrum stehen die föderale Struktur der ARD, ihre Rolle im europäischen Mediensystem und die Diskussion um ihre Finanzierung. Die Arbeit analysiert die Gründungsgeschichte der ARD, untersucht ihre Organisationsstruktur und die Beziehung zur Politik sowie die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
- Die Geschichte und Entwicklung der ARD im Kontext des deutschen Föderalismus
- Die Organisation und Struktur der ARD sowie die Aufgaben und Herausforderungen der Landesrundfunkanstalten
- Die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und die Debatte um die Rundfunkgebührenerhöhung
- Die Bedeutung der ARD im europäischen Mediensystem und die Frage nach ihrer Modernität
- Die Rolle der ARD in der digitalen Medienlandschaft
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel führt in das Thema der ARD ein und beleuchtet die aktuelle Debatte um die Rundfunkgebührenerhöhung. Kapitel 2 widmet sich der föderalen Struktur der ARD, beleuchtet die Gründungsgeschichte und beschreibt die Organisation und Struktur der einzelnen Rundfunkanstalten. Kapitel 3 analysiert die Rolle der ARD als „modernes Mediensystem“, befasst sich mit der Grundversorgung als Programmauftrag, der Regionalisierung als Programmstrategie und den technischen Neuerungen wie Digitalisierung und Online-Strategie.
Schlüsselwörter
ARD, öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Föderalismus, Grundversorgung, Digitalisierung, Online-Strategie, Finanzierung, Rundfunkgebühren, Medienlandschaft, europäisches Mediensystem.
Häufig gestellte Fragen
Warum wird die ARD als 'Kind des Föderalismus' bezeichnet?
Die ARD besteht aus eigenständigen Landesrundfunkanstalten. Diese Struktur ist historisch bedingt und politisch gewollt, um eine zentrale staatliche Medienmacht zu verhindern und regionale Vielfalt zu sichern.
Was beinhaltet der Grundversorgungsauftrag der ARD?
Die ARD ist verpflichtet, Programme für alle Bevölkerungsgruppen anzubieten, die Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung umfassen. Kritiker streiten oft darüber, wie weit dieser Auftrag im digitalen Zeitalter gehen darf.
Wie wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk finanziert?
Die Finanzierung erfolgt primär über Rundfunkgebühren. Die Höhe des Bedarfs wird von der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs) geprüft und von den Ministerpräsidenten der Länder festgesetzt.
Warum gibt es Kritik an der föderalen Struktur der ARD?
Kritiker bemängeln Doppelstrukturen und hohe Verwaltungskosten. Sie befürchten, dass der Föderalismus zu einem "MilliARDengrab" führt, wenn zu viele parallele Programme und teure Sportrechte finanziert werden.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung für die ARD?
Die ARD muss sich im Zeitalter von Internet und Digitalisierung neu positionieren. Dazu gehören Online-Strategien und Mediatheken, um auch jüngere Zielgruppen außerhalb des klassischen linearen Fernsehens zu erreichen.
Was ist der Finanzausgleich innerhalb der ARD?
Da die Einnahmen der Landesrundfunkanstalten je nach Einwohnerzahl der Bundesländer stark variieren, gibt es einen internen Finanzausgleich, um die Funktionsfähigkeit kleinerer Anstalten (wie Radio Bremen oder SR) zu sichern.
- Quote paper
- Anne Lehwald (Author), Lars Kühl (Author), 2004, Die ARD - Ein 'Kind des Föderalismus' - 'Modernes Mediensystem' oder 'MilliARDengrab'?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47362