Parzivals Erziehung im dritten Buch von Wolframs von Eschenbach "Parzival"


Seminararbeit, 2005
13 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Buch und Autor
1.1 Wolfram von Eschenbach
1.2 Der Parzival Stoff

2. Parzivals Erziehung
2.1 Erziehung durch die Mutter
2.2 Erziehung am Artushof
2.3 Erziehung durch Gurnemanz

3. Parzivals Wertesystem im dritten Buch

Fazit

Literaturangaben

Anmerkung zur Zitierweise der Primärliteratur: Ich gebe die Textstellen im Parzival in der Fußnote und mit Zeilenangabe an.

Einleitung

Der Parzival von Wolfram von Eschenbach gehört sicher neben dem Nibelungenlied zu einem der größten deutschsprachigen Werke des Hochmittelalters. Die höfische Literatur wurde zur damaligen Zeit zur Unterhaltung und zum Zeitvertreib an den Fürsten – und Königshöfen geschrieben. Hauptaufgabe des Werks sollte daher vorrangig die Unterhaltung des Hofes sein. Wer jetzt im Parzival eine relativ eindimensionale Abenteuergeschichte erwartet, wird überrascht über die Tiefe der damaligen Literatur aus dem 12. Jahrhundert. Die Taten von Wolframs Parzival werfen bei der Lektüre Fragen auf, über die der Text den Leser im Unklaren lässt und Interpretations – und Diskussionsspielraum eröffnet.

Einer der wesentlichsten Diskussionsansätze in der Wissenschaft ist die Frage nach der Schuld und der Sünde, die Parzival begeht. Parzivals Verhalten im Werk ist erklärungsbedürftig. Eine entscheidende Rolle scheint dabei die Erziehung des jungen Parzivals im dritten Buch zu spielen, auch wenn jene Erziehung oder mangelhafte Erziehung Parzivals Taten nicht vollständig erklären können.

In der vorliegenden Hausarbeit untersuche ich, welche Einflussfaktoren erzieherisch auf Parzival im dritten Buch eingewirkt haben und welche Effekte sie womöglich in dem jungen Helden erzielt haben. Ziel soll es sein im abschließenden dritten Kapitel der Hausarbeit ein Werte- und Moralsystem Parzivals aufzuzeigen, mit dem er nach dem dritten Buch in seine Abenteuer zieht.

1. Buch und Autor

1.1 Wolfram von Eschenbach

Wolfram von Eschenbach ist als einer der bedeutendsten Epiker der mittelalterlichen Literatur anzusehen. Benannt hat sich Wolfram wohl nach dem fränkischen Over-Eschenbach[1]. Von seiner Abstammung her war Wolfram mutmaßlich nicht adeligen Stands. Viele Adelstitel, die man im Zusammenhang mit Wolfram von Eschenbach in der Literatur findet, wurden nach Bumke[2] in späteren Jahrhunderten dazugedichtet. Wolfram war mit den höfischen Sitten und Gebräuchen vertraut, wie man dem Parzival entnehmen kann und ihm war auch die zeitgenössische höfische Epik wohl bekannt, auf die er im Parzival Bezug nahm. Außer dem Parzival schrieb Wolfram noch zwei epische Werke, den Titurel und den Willehalm, sowie mehrere höfische Tage – und Minnelieder.[3]

1.2 Der Parzival-Stoff

Der Parzival orientiert sich wie sein französisches Vorbild der „Perzeval“ von Chrétien de Troyes an der keltischen Sage über König Artus und dessen Tafelrunde. Kindlers Neuem Literaturlexikon nach muss der Stoff zwischen 1200 und 1210 entstanden sein, möglicherweise in Wolframs fränkischer Heimat.[4]

Wolframs Parzival hat drei Helden zum Inhalt: Parzivals Vater Gahmuret, Parzival und Gawan.

Die ersten beiden Bücher des Romans behandeln die Vorgeschichte und erläutern die Familienverhältnisse Parzivals. Parzival steht in den Büchern drei bis sechs, neun und fünfzehn bis sechzehn im Vordergrund. Die Bücher sieben und acht und zehn bis vierzehn widmen sich den Abenteuern Gawans. Die Bucheinteilung ist willkürlich in der Neuzeit durch Karl Lachmann vorgenommen worden, entspricht jedoch dem Paradigma der aktuellen Wolfram-Forschung.[5] In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem dritten Buch, das maßgeblich die Entwicklung Parzivals aufzeigt.

2. Parzivals Erziehung

2.1 Erziehung durch die Mutter

Die Entscheidung von Herzeloyde in „relativer“ Armut und Abgeschiedenheit zu leben, nimmt maßgeblichen Einfluss auf die Erziehung Parzivals. Die selbst gewählte Abgeschiedenheit würde für ein religiöses Eremitentum sprechen, in dem nur christliche Werte vermittelt werden sollen. Jene christlichen Werte sind bei Parzival jedoch nur in ihrer einfachsten Ausprägung durch die Mutter angelegt worden. Das Glanzvolle und Schöne steht für Gott und das Dunkle steht für den Teufel. Jene beiden Pole lassen viel Raum unausgefüllt in Parzivals Erziehung. Gott wird ihm durch die Mutter als herrschaftlich und strahlender als der Tag geschildert[6], was Parzival auf den nahenden Ritter Karnachkarnanz überträgt. Karnachkarnanz ist unterwegs, um eine entführte Jungfrau zu retten. Obwohl Parzival die Ritter für göttlich hält, besitzt er keine Scheu die Ritter anzusprechen. Ein Indiz dafür, dass Parzivals Mutter ihn in religiöser Hinsicht sehr rudimentär erzogen hat.

[...]


[1] Vgl. Bumke (2004), S.1

[2] Vgl. Bumke (2004), S.4ff

[3] Ibid., S.19

[4] Vgl. Kindler, Bd.17, S.808

[5] Ibid., S.808

[6] Parzival, 119,19

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Parzivals Erziehung im dritten Buch von Wolframs von Eschenbach "Parzival"
Hochschule
Universität Mannheim  (Lehrstuhl für Mediävistik)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V47370
ISBN (eBook)
9783638443333
ISBN (Buch)
9783656878148
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Parzivals, Erziehung, Buch, Wolframs, Parzival, Proseminar
Arbeit zitieren
Christian Heinzelmann (Autor), 2005, Parzivals Erziehung im dritten Buch von Wolframs von Eschenbach "Parzival", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47370

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