Allgemeines und spezielles Krafttraining für den Snowboard-Rennlauf


Diplomarbeit, 1998

33 Seiten, Note: Sehr Gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Aufgabenstellung

1. Theoretische Grundlagen des Krafttrainings
1.1. Training und Trainierbarkeit
1.2. Muskuläre Leistungsfähigkeit
1.3. Kraftformen
1.3.1. Die Maximalkraft
1.3.2. Die Schnellkraft
1.3.3. Die Kraftausdauer

2. Analyse der alpinen Slalom- und Riesenslalomtechnik
2.1. Besonderheiten des alpinen Snowboardrennsports
2.2. Muskuläre Anforderungen
2.2.1. Beanspruchte Muskulatur
2.2.2. Belastungsunterschiede Slalom - Riesenslalom

3. Trainingsplanung
3.1. Zur Periodisierung:
3.2. Vorbereitungsperiode
3.2.1. VP1 - Allgemeines Krafttraining
3.2.2. VP2 - Zielgerichtetes Krafttraining
3.2.3. VP3 - Spezielles Krafttraining
3.3. Wettkampfperiode
3.4. Übergangsperiode
3.5. Minimierung der Verletzungs- und Überlastungsgefahr

Schlußbemerkung

Aufgabenstellung:

Das Snowboarden - eine bis vor wenigen Jahren noch belächelte, von manchen Verbänden in ihrer Existenz sogar geleugnete Sportart, hat eine unglaublich rasche Entwicklung hinter sich. Von den ersten offiziellen Snowboard Europameisterschaften 1985 in Schliersee bis zu den bevorstehenden Olympischen Winterspielen, bei denen das Snowboarden erstmals als Disziplin geführt wird, hat sich unser Sport vom Freizeitspaß zum absoluten Spitzensport entwickelt.

Die Rede ist hier speziell von den alpinen Wettkampfdiziplinen Riesentorlauf und Slalom. Die Zeiten, in denen ambitionierte Hobbysportler bei internationalen Rennen um die vorderen Plätze mitfahren konnten, sind längst vorbei; zu hart ist die Leistungsdichte bei den Spitzenfahrern.

Dieser Sachverhalt bedingt also ein zielgerichtetes, optimiertes Training in all seinen Facetten zur Steigerung der sportlichen Leistung (Kondition, Bewegungstechnik, Taktik). Einen Teil dieses Trainings, nämlich das speziell auf den Snowboardwettkampf ausgerichtete Krafttraining, möchte ich nun in dieser Arbeit darstellen. Dabei soll getrennt nach den Disziplinen Riesentorlauf und Slalom ein Katalog der leistungsbestimmenden Faktoren und danach ein möglichst zielgerichtetes und effektives Trainingskonzept erstellt werden. In diesem Sinne ist die Unterteilung einer Trainingssaison in verschiedene Etappen (sogenannte Periodisierung) unumgänglich. Eben diese Periodisierung stellt einen wesentlichen Faktor für den Erfolg eines langfristigen Trainings dar und soll deshalb besonders beachtet werden.

Neben den sportartunabhängigen Methoden zur Verbesserung der motorischen Kraft, die vorrangig auf physiologischen und anatomischen Bedingungen basieren, wurde das sogenannte spezielle Krafttraining entwickelt (Djatschkow 1977, WERCHOSHANSKIJ 1972). Dabei wird die Wettkampfübung unter erschwerten Bedingungen aber in ihrer richtigen räumlich-zeitlichen Struktur nachvollzogen.

Das Problem, das sich dabei allerdings ergibt ist, daß die zusätzliche Gewichtsbelastung nur im Bereich weniger Prozent der Wettkampfbelastung liegen sollte, da ansonsten eine koordinative Beeinträchtigung der Bewegungstechnik die Folge ist (Linser, 1994). Es erscheint deshalb sinnvoll, diesem Problem durch eine geeignete Kombination des allgemeinen und des speziellen Krafttrainings zu begegnen.

1. Theoretische Grundlagen des Krafttrainings

1.1. Training und Trainierbarkeit

Training ist ein komplexer Handlungsprozeß mit dem Ziel der planmäßigen Einwirkung auf die sportliche Leistungsentwicklung. Im Breitensport dient es der Erhaltung beziehungsweise der Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Gesundheit, im Spitzensport der Verbesserung der individuellen Höchstleistung.

Die Kriterien des sportlichen Trainings sind dabei:

- Planmäßigkeit (Plan, Organisation, Dokumentation)
- Gesetzmäßigkeit (physiologische Gesetzmäßigkeiten berücksichtigen)
- Zielorientierung (Trainingsmaßnahmen führen direkt zum gesetzten Ziel)
- Individualität
- Langfristigkeit

Die Trainierbarkeit gibt den Grad der Anpassung (Adaptation) an Trainingsbelastungen wieder. Sie hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Körperbau, dem Alter (endogene Faktoren), aber auch der Ernährung und den Umweltbedingungen (exogene Faktoren) ab (Weineck, 1994 a).

Die Trainierbarkeit von sportmotorischen Eigenschaften ist auch vom Alter abhängig. In bestimmten Phasen der Entwicklung können ganz bestimmte sportmotorische Eigenschaften besonders gut trainiert werden; man nennt diese Entwicklungsabschnitte auch „sensitive Phasen“ (Weineck, 1994 a).

1.2. Muskuläre Leistungsfähigkeit

Die Muskuläre Leistungsfähigkeit ist als ein Teilgebiet der sportlichen Leistungsfähigkeit, welche Ausdruck der gesamten Persönlichkeit und „Handlungskompetenz“ eines Athleten ist, zu sehen.

Die Leistungsfähigkeit hängt, abgesehen von morphologischen Gegebenheiten, zunächst einmal vom Training ab. Durch körperliches Training verschiebt sich die sogenannte Mobilisationsschwelle nach oben. Diese Mobilisationsschwelle stellt den Grenzbereich zwischen den gewöhnlichen Einsatzreserven und den autonom geschützten Reserven, welche nur in absoluten Notfallsituationen abrufbar sind, dar. (siehe dazu Abb. 1). Wird also durch entsprechendes Training die Mobilisationsschwelle nach oben verschoben, erhöht sich die willentlich abrufbare Energie und die Leistungsfähigkeit steigt.

Die Verschiedenen Leistungsbereiche sowie die Mobilisationsschwelle werden in Abbildung 1 dargestellt.

Abb. 1: Die Leistungsbereiche (nach Hettinger 1972)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit ist also entsprechendes Training notwendig. Dazu müssen adäquate Belastungsreize gesetzt werden. Durch diese Belastungsreize wird das biochemische Gleichgewicht des Organismus (= Homöostase) gestört und es kommt zu einer Anpassung an die neuen Anforderungen. Die Folge ist eine erhöhte Leistungsfähigkeit. In der Sportwissenschaft wird dieser Effekt auch als Superkompensation bezeichnet.

Um diese Homöostase des Organismus zu stören, muß die Gesamtbelastung im Training gewisse Kriterien erfüllen. Für die Wirkung des gesetzten Trainingsreizes sind sowohl quantitative, als auch qualitative Aspekte von entscheidender Bedeutung.

Einen Überblick über diese Aspekte gibt Abbildung 2.

Abb. 2: Komponenten der Trainingsbelastung: (nach Weineck 1994 a)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Die Reizintensität gibt die Stärke eines einzelnen Reizes an. Meist wird sie in Prozent der individuellen maximalen Leistungsfähigkeit gemessen. Die Intensität bestimmt entscheidend, welche Muskelfasern aktiviert werden. Beim Krafttraining ist sie von eminenter Bedeutung für den Trainingseffekt.
- Die Reizdichte gibt das Verhältnis zwischen Belastung und Erholung an. Es werden dabei gewisse Pausenzeiten festgelegt.
- Die Reizdauer gibt den Zeitraum an, in welchem ein einzelner Reiz oder eine Reizfolge einwirkt.
- Der Reizumfang stellt die Summe aller in einem Training gesetzten Reize dar.
- Die Trainingshäufigkeit (Reiz-) gibt die Anzahl der Trainingseinheiten in einem Zeitintervall (meist eine Woche) an.

Für die Qualität eines Trainings, d.h. das Erreichen eines speziellen Trainingseffektes, ist die dem Trainingsziel entsprechende Auswahl der aufgelisteten Belastungskomponenten von ausschlaggebender Wichtigkeit!

1.3. Kraftformen

Will man den Begriff Kraft genauer definieren, so muß man grundsätzlich zwischen der physikalischen und der biologischen Betrachtungsweise unterscheiden.

- Kraft im physikalischen Sinn ist laut dem 2. Newton’schen Axiom das Produkt aus Masse mal Beschleunigung, gemessen in Newton. Sie stellt ein Maß für die Einwirkung eines Körpers auf einen anderen dar.
- Kraft im biologischen Sinn ist eine motorische Grundeigenschaft. Sie entsteht aus dem System Nerv / Muskel. Sie kann nicht direkt gemessen, sonder nur an der Peripherie erhoben werden.

Demnach ergibt sich also eine ganze Reihe von Faktoren, die die motorische Kraft beeinflussen:

Abb. 3: Leistungsbestimmende Faktoren der motorischen Kraft (nach Ehlenz, Grosser, Zimmermann 1985)

1. Biologische Bedingungen

Muskelstruktur

Muskelfaseranzahl

Muskelfaserquerschnitt

Intermuskuläre Koordination

Intramuskuläre Koordination

Energiebereitstellung

Biochemische Prozesse

2. Physikalisch- mechanische Bedingungen

Achsen - Hebel - Ebenen

Zugwinkel

Drehmomente

3. Alter und Geschlecht

4. Trainingsalter und Trainingszustand

5. Motivation und situative Bedingungen

Anhand der obigen Aufstellung wird ersichtlich, wie mannigfaltig und komplex das Thema Kraft zu betrachten ist.

Es gibt noch weitere Unterscheidungen bezüglich einer Strukturierung der Muskelarbeit nach mechanischen Kriterien:

* exzentrische-

* konzentrische-

* statische-

* kombinierte Muskelarbeit.

Zusätzlich wird noch nach Arten der Muskelspannung nach physiologischen Kriterien unterschieden in:

* isometrische-

* isotonische-

* auxotonische Muskelspannung.

Es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, auch diese Unterscheidungen noch detailliert zu beschreiben.

Es ist jedoch unumgänglich die angesprochenen physiologischen und mechanischen Begriffe als Trainingsbeschreibungen im weiteren Verlauf dieser Arbeit zu verwenden. (Als günstiges Nachschlagewerk erweist sich hier Weineck 1990, 1994a)

Aus der Sicht des praktische Trainings hat sich eine generalisierende Betrachtungsweise der Kraft entwickelt, wobei nach den unterschiedlichen Erscheinungsformen Maximalkraft, Schnellkraft und Kraftausdauer differenziert wird. Allerdings tritt die Kraft in den verschiedenen Sportarten nie in ihrer theoretischen Reinform, sondern stets in einer Kombination der konditionellen Leistungsfaktoren auf (nach Bührle 1985, Weineck 1984 a).

Abbildung 4 zeigt einen Einteilungsversuch der Kraft nach ihren Haupterscheinungsformen.

Abb. 4: Differenzierung der Kraft nach den Haupterscheinungsformen und ihren Kraftfähigkeiten (vereinfacht nach Letzelter/Letzelter 1986, S 66)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zugkraft Zugkraftausdauer

Stoßkraft Haltekraft Stoßkraft Stoßkraftausdauer

Zugkraft Zugkraft Sprintkraft Sprintkraftausdauer

Schubkraft Druckkraft Wurfkraft Wurfkraftausdauer

In der heutigen sportwissenschaftlichen Auffassung steht fest, daß ein Zusammenhang zwischen den drei Erscheinungsformen der Kraft besteht, und diese nicht isoliert trainiert werden können. Ein Training einer der Erscheinungsformen trägt also zu einer Teilverbesserung einer anderen bei (Letzelter 1986). So ist es unter Umständen möglich, mit dem gleichen Trainingsinhalt und der gleichen Trainingsmethode verschiedene artverwandte Ziele zu realisieren.

1.3.1. Die Maximalkraft

Die Maximalkraft stellt die höchste aus dem System Nerv - Muskel willkürlich produzierbare Kraft dar (vgl. Letzelter, Letzelter 1986).

Sie hängt von folgenden Parametern ab:

- Muskelquerschnitt
- Intramuskuläre Koordination
- Intermuskuläre Koordination

Durch Training jeder einzelnen dieser Faktoren kann die Maximalkraft gesteigert werden.

Es ist bekannt, daß unter isometrischen Bedingungen höhere Maximalkraftwerte erzielt werden können, als unter konzentrischen, unter exzentrischen wiederum höhere als unter isometrischen. Allerdings ist die Korrelation zwischen den eben genannten Maximalkraftformen so hoch (r»0,95; Bührle 1985, S 89), daß diese Größen eindeutig mit ein und dem selben motorischen Vermögen zu tun haben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Allgemeines und spezielles Krafttraining für den Snowboard-Rennlauf
Veranstaltung
Staatliche Trainerausbildung - BafL Innsbruck
Note
Sehr Gut
Autor
Jahr
1998
Seiten
33
Katalognummer
V47374
ISBN (eBook)
9783638443364
ISBN (Buch)
9783638659376
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Trainer-Diplomarbeit zum Thema: Krafttraining für den Snowboard-Wettkampfsport
Schlagworte
Allgemeines, Krafttraining, Snowboard-Rennlauf, Staatliche, Trainerausbildung, BafL, Innsbruck
Arbeit zitieren
Mag. Hans-Christian Miko (Autor), 1998, Allgemeines und spezielles Krafttraining für den Snowboard-Rennlauf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47374

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