Das Devisengeschäft - Strukturen und Preise


Hausarbeit, 2003

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

A Die Evolution des internationalen Währungssystems
I Der Gold Standard, 1880-1914
II Die Zwischenkriegzeit, 1919-1939
III Der Golddevisenstandard von Bretton Woods, 1944-1973
IV „Free Floating Period“, 1971 bis heute

B Konstitutive Eigenschaften und strukturelle Kennzeichen der Devisenmärkte
I Grundlagen: Devisen und Preise
1 Devisenbegriffe
2 Der Wechselkursbegriff
II Institutionen und Struktur: Teilnehmer, Motive und Instrumente
1 Klassifizierung und Einbettung der Marktteilnehmer
2 Ursachen und Beweggründe. für Devisenmarkttransaktionen
3 Wichtigste Devisenmarktinstrumente

C Theorien der Bestimmung der Wechselkurs
I Vorüberlegungen
II Langfristige Bestimmungsgründe der Wechselkurse
1 Das „Law-of-one-price“ und die Kaufkraftparitätentheorie
2 Ergänzungen zur Kaufkraftparitätentheorie
III Kurzfristige Bestimmungsgründe der Wechselkurse
1 Zinsparitätentheorie
2 Ergänzungen zur Zinsparitätentheorie

D Aktuelle Entwicklung und Trends
I Die Europäische Union und der Euro
II Ausblick

Einleitung

Angenommen, in unserer Welt gäbe es nur eine Währung. Folglich gäbe es keine Fremdwährungen, keine Wechselkurse und schließlich keine Devisenmärkte. Doch wir leben in einer multinationalen Welt, in der die meisten Länder eine eigene nationale Währung besitzen. Sei es Dollar, Yen, Peso, Zloty – nationale Währungen können zur Zahlung in der Regel lediglich in den Grenzen des eigenen Landes oder Währungsraumes genutzt werden. Dagegen gibt es gute Gründe, diese „Zahlungsgrenzen“ zu überwinden. Früher machte es vor allem der Handel notwendig, gegen Güter auch Zahlungsmittel über Landesgrenzen hinweg zu bewegen. Heute geht diese Notwendigkeit weit über den internationalen Güterhandel hinaus. Viel bedeutender sind internationale Kapitalströme, deren Flussrichtung durch vielerlei Faktoren beeinflusst wird. Angesichts weltweit vernetzter Handels- und Kapitalmärkte haben sich hoch moderne und leistungsfähige Devisenmärkte etabliert. Sie erlauben den Kauf und Verkauf von Währungen gegen eine andere Währung und bieten die notwendigen Instrumente, um Zahlungen über Grenzen hinweg zu ermöglichen.

Gegenstand dieser Arbeit ist zunächst eine Betrachtung des internationalen Währungssystems der vergangenen 120 Jahre. In Anknüpfung an die Untersuchung jüngster Entwicklungen soll ein erster Schwerpunkt in der Beschreibung der Grundlagen, Struktur und Funktion heutiger Devisenmärkte liegen. Dabei sind auch die heutigen Marktteilnehmer, ihre Motive und wichtigste Instrumente zu prüfen. In einem weiteren Schwerpunkt soll die Entstehung und Bedeutung der Wechselkurse analysiert werden. Elementare Preisfindungsmechanismen sind zu erläutern. Im Anschluss sollen kurz aktuellste Entwicklungen und Trends beleuchtet werden.

A Die Evolution des internationalen Währungssystems

Das internationale Währungssystem ist der institutionalisierte Rahmen aus Gesetzen, Regelungen, Normen, Instrumenten und Organisationen, in dem die Devisenmärkte operieren. Die Technik des Devisenhandels geht bereits auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück, als es die Referenzwährung Gold ermöglichte, Zahlungen über ein Konto im Ausland problemlos abzuwickeln.

In den vergangenen 120 Jahren traten gleichermaßen evolutionäre und revolutionäre Veränderungen auf. Verschiedene politische und wirtschaftliche Kontexte erfordern unterschiedliche Instrumente und Institutionen, um die Ansprüche an ein funktionierendes Währungssystem zu decken. Im Folgenden soll ein Überblick der vier wichtigsten Währungssystemperioden gegeben werden.

I Der Gold Standard, 1880-1914

Die Goldwährung war das zwischen dem Beginn des 19. Jahrhunderts bis 1914 gültige Weltwährungssystem. Der Kernpunkt dieses Systems war eine feste Bindung der Geldmenge eines Landes an seine Goldreserven. Das umlaufende Papiergeld musste jederzeit durch Gold ersetzt werden können. Wollte ein Land also die Geldmenge erhöhen, musste es auch die Goldreserven erhöhen. Über den Goldpreis und die fixierten Relationen zwischen Papiergeld und Gold konnten auch die Wechselkurse zwischen den einzelnen Währungen bestimmt werden. Es handelte sich also um ein System von festen Wechselkursen, die am Goldstandard ausgerichtet waren.

II Die Zwischenkriegzeit, 1919-1939

Die enormen Kosten des Ersten Weltkriegs erforderten eine erhöhte Geldschöpfung in nahezu allen europäischen Ländern. Dabei hatten stark unterschiedliche Inflationsraten in den einzelnen Ländern zur Folge, dass das internationale Preisgefüge instabil wurde. Ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise, wurde ab dem Jahre 1931 in verschiedenen Staaten Europas die Ein- und Ausfuhr von Devisen ständig kontrolliert. Dies waren die beiden Hauptmerkmale des „Devisenbewirtschaftung“ genannten Zustands:

Auf der einen Seite bestand ein Verbot oder die Beschränkung der Kapitalausfuhr. Auf der anderen Seite gab es die Verpflichtung, dem Staat die aus Export- oder Finanzgeschäften anfallenden ausländischen Devisen abzutreten. Der Ausbruch des 2. Weltkriegs verstärkte diese Situation.

III Der Golddevisenstandard von Bretton Woods, 1944-1973

Bereits 1943 begannen die USA und Großbritannien die Planung für ein freies, multilaterales und stabiles Währungssystem. Unter der Führung John Maynard Keynes wurde 1944 in Bretton Woods, New Hampshire, USA ein Vertragswerk entworfen, dass die Errichtung eines internationalen Währungssystems mit stabilen Wechselkursen, den Abbau der noch vorhandenen Devisenrestriktionen, die Einführung der Konvertibilität aller Währungen und die Institutionalisierung des international neutralen Währungshüters IWF (Internationaler Währungsfonds) vorsah. Jedes Mitglied des IWF verpflichtete sich, für seine Währung eine bestimmte Parität gegenüber dem Gold bzw. dem Dollar zu fixieren. Darüber hinaus sollten Kursschwankungen durch Interventionen der Notenbanken innerhalb einer Spanne von ± 1% der Parität gehalten werden. Länder, die Schwierigkeiten hatten, die Parität aufrecht zu erhalten, erhielten Zugriff auf einen Kreditfonds. Äußerstes Mittel zur Aufrechterhaltung der internationalen Währungsstabilität war der Beschluss der Auf- oder Abwertung einer Währung gegenüber den anderen Währungen. In der Folge mehrerer Währungskrisen während der Sechziger und frühen Siebziger Jahre wurden US-Dollar, Französischer Franc und Britisches Pfund massiv abgewertet. Da die Dollarkrise anhielt, konnte die Goldkonvertibilität des Dollars 1971 nicht länger aufrechterhalten werden. Der Kapitalzustrom aus währungsschwachen Ländern belastete die währungsstarken Länder erheblich. Ab 1973 sagten sich alle währungsstarken europäischen Staaten und Japan von der Interventionspflicht los. Damit hatte das System von festen Währungsparitäten praktisch aufgehört zu existieren.[1]

IV „Free Floating Period“, 1971 bis heute

Jeder Staat konnte wählen, ob er allein oder gemeinsam mit anderen Staaten fixe oder flexible Wechselkurse anwenden will. Einzige Bedingung des IWF war das Streben nach geordneten wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnissen. Die meisten Industriestaaten betrieben ein kontrolliertes Floating. Die Wechselkurse werden dabei nicht völlig dem freien Markt überlassen, sondern durch Interventionen der Notenbanken bei großen Schwankungen „geglättet“ und vor der Auf- oder Abwertung bewahrt.

Die zunehmende weltweite Verflechtung der Wirtschaft und Gesellschaft spiegelt sich in dem starken Wachstum der Devisenmärkte bzw. ihrer Umsätze in den vergangenen drei Jahrzehnten wider. Ermöglicht wird ihr anhaltendes Wachstum im Wesentlichen durch laufende Entwicklungen der Marktliberalisierung und durch Einführung neuer oder verbesserter Transaktions-Technologien und -Instrumente. So führen die laufende Liberalisierung vieler Finanz- und Handelsmärkte sowie umfassende Finanzsektorreformen zu einem Abbau von Devisenhandelsschranken und -hemmnissen. Andererseits sorgt umfassende Institutionalisierung und Internationalisierung von Anlage- und Investmentmöglichkeiten durch Finanzinstitute und andere Organisationen für hohe Marktliquidität bei größeren Möglichkeiten der Kapitaldiversifikation.[2]

Die Neu- und Weiterentwicklung von Technologien zur elektronischen Transaktionsabwicklung führt zur Beschleunigung des Devisenhandelhandels, dessen Preisfindung nach den Prinzipien von Angebot und Nachfrage auf Echtzeitbasis bei weltweiter Synchronisation stattfindet. Die Bedeutung von Raum und Zeit wandelt sich. Neue Finanzprodukte und –Mechanismen bedienen die Bedürfnisse und Ziele der Händler. Heute werden auf den Devisenmärkten durchschnittlich US$ 1.5 Billionen täglich umgesetzt, was etwa dem jährlichen Welt-Güterhandel eines Jahres entspricht.[3] Der Außenhandel von Gütern und Dienstleistungen und die damit verbundenen Zahlungsströme ist nicht mehr „Zugpferd“ der Devisenmärkte.

[...]


[1] Dieser Abschnitt bezieht sich vor allem auf:

- Reuters Limited: An Introduction to Foreign Exchange & Money Markets. Singapore u.a.: Wiley, 1999, S. 18.
- Sam Y. Cross: All about the Foreign Exchange Market in the United States. New York, Federal Reserve Bank of New York, 1998, S. 97ff.

[2] Vgl. REUTERS, S. 18.

[3] ebenda

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Devisengeschäft - Strukturen und Preise
Hochschule
Universität Erfurt  (Staatswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Finanzmärkte: Funktionen und Analyse
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V47381
ISBN (eBook)
9783638443432
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Devisengeschäft, Strukturen, Preise, Finanzmärkte, Funktionen, Analyse
Arbeit zitieren
Thorsten Lampe (Autor), 2003, Das Devisengeschäft - Strukturen und Preise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47381

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