Judith Butler, geboren 1956 in Cleveland/Ohio, ist eine der profiliertesten Vertreterinnen poststrukturalistischer Theorien. Mit ihrem einflußreichsten Buch "Das Unbehagen der Geschlechter" (Gender Trouble, 1990), positioniert sie sich selbst als feministische Theoretikerin in der Geschlechterforschung. Sie setzt sich vor allem mit den Phänomenen Macht, Geschlecht, Sexualität und Identität auseinander und wendet sich an zweiter Stelle dem Gebiet der "queer studies", der Lesben- und Homosexualitätsforschung, zu.
Butler kritisiert vor allem die feministische Forschung, die Frauen, ihrer Meinung nach, fälschlicherweise als homogene Gruppe mit gemeinsamen Merkmalen und Interessen betrachte. Der Feminismus habe durch diese Voraussetzung das binäre System der Geschlechter, geteilt in zwei deutlich differenzierte Gruppen von Männern und Frauen, nur noch bestätigt und die Auffassung einer patriarchalen Kultur gefestigt, die ein binäres System der Zweigeschlechtlichkeit als naturgegeben hinstellt.
Butler dagegen beabsichtigt durch Aufdecken der Konstruktion von Geschlecht die Reintegration von ausgeschlossenen Individuen, die Erweiterung des gesellschaftlich Anerkannten und die Pluralisierung und Integration ausgegrenzter und verworfener Identitätsformen. Sie fordert außerdem eine selbstkritische feministische Analyse, die die Unterdrückungsstrategien nicht einfach nur umkehrt, sondern die grundlegenden Begriffe, die solch eine Unterdrückung hervorrufen, dekonstruiert. Durch ihren radikalen Gestus hat Judith Butler eine breite Debatte ausgelöst und gilt in der feministischen Theorie der Neunzigerjahre als "Superstar". Ihre Theorie provoziert vor allem dadurch, daß sie den Körper in seiner materiellen Existenz in Frage stellt. Sie nimmt dabei eine erkenntnistheoretische Position ein, die in die (de)konstruktivistische Geschlechterforschung einzuordnen ist. Butlers Theorie unterscheidet sich von vorherigen Theorien besonders durch ihre radikale Position in der sie nicht nur gender und desire, Geschlechtsidentität und Begehren, als ein kulturelles Konstrukt entlarvt, sondern auch den sex, das biologische Geschlecht, in Frage stellt und ihn ebenfalls als eine Konstruktion und Produkt der Maschinerien der Macht dekonstruiert.
Inhaltsverzeichnis
- Verortung Butlers Theorie
- Judith Butlers Theorie
- Macht
- Zwangsheterosexualität
- Materialisierung des Geschlechtskörpers
- Performanz, Anrufung, Zitat
- Butlers politisches Konzept
- Kritik an Butlers Theorie
- Kritik am Konzept des „Gender Trouble“
- Kritik an Butlers subjektfeindlichem Dekonstruktivismus
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Entstehung des Geschlechtskörpers nach Judith Butlers Theorie. Sie analysiert Butlers Konzept der Performativität, der Macht und der dekonstruktivistischen Kritik am binären Geschlechtssystem.
- Die Konstruktion von Geschlecht und Sexualität als soziale und kulturelle Prozesse
- Die Machtstrukturen, die das Geschlechtskörper formen, insbesondere Zwangsheterosexualität und Phallozentrismus
- Die Kritik an der essentialistischen Sichtweise von Geschlecht und der Betonung der Performativität
- Die Bedeutung von Sprache und Diskurs für die Konstitution des Körpers
- Die politische Implikation von Butlers Theorie für die queere Bewegung und die feministische Theorie
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel befasst sich mit der Verortung von Butlers Theorie in der feministischen und poststrukturalistischen Tradition. Es analysiert Butlers Kritik an der feministischen Forschung, die Frauen als homogene Gruppe betrachtet.
Das zweite Kapitel beleuchtet Butlers Theorie des Geschlechtskörpers. Es stellt das Konzept der Macht, der Zwangsheterosexualität, der Materialisierung des Geschlechtskörpers und der Performativität vor.
Das dritte Kapitel behandelt Butlers politisches Konzept, das auf die Dekonstruktion der Geschlechterordnung und die Inklusion von ausgegrenzten Identitätsformen zielt.
Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit der Kritik an Butlers Theorie. Es analysiert die Kritik am Konzept des „Gender Trouble“ und am subjektfeindlichem Dekonstruktivismus.
Schlüsselwörter
Die Arbeit widmet sich den zentralen Begriffen der Judith Butler Theorie: Performativität, Geschlecht, Sexualität, Macht, Diskurs, Zwangsheterosexualität, Phallozentrismus, Dekonstruktion, Körper, Materialisierung, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Judith Butlers Hauptthese in „Das Unbehagen der Geschlechter“?
Butler argumentiert, dass Geschlecht (Gender) kein biologisches Faktum, sondern eine soziale Konstruktion ist, die durch wiederholte Handlungen (Performativität) erst erzeugt wird.
Stellt Butler auch das biologische Geschlecht (Sex) in Frage?
Ja, im Gegensatz zu früheren Theorien dekonstruiert Butler auch den „Sex“ als ein Produkt von Machtstrukturen und Diskursen, nicht als naturgegebene Materie.
Was bedeutet „Performativität“ bei Judith Butler?
Performativität bedeutet, dass die Identität, die man zu haben vorgibt, erst durch die Handlungen und sprachlichen Anrufungen entsteht, die sie angeblich ausdrückt.
Warum kritisiert Butler die klassische feministische Forschung?
Sie kritisiert, dass der Feminismus Frauen oft als homogene Gruppe betrachtet und dadurch das binäre System von Mann und Frau unbewusst festigt, statt es aufzubrechen.
Was ist das politische Ziel von Butlers Theorie?
Das Ziel ist die Pluralisierung von Identitäten und die Integration von Menschen, die durch das binäre System der Zweigeschlechtlichkeit ausgegrenzt oder als „verworfen“ markiert werden.
- Arbeit zitieren
- Fabienne Krause (Autor:in), 2003, Die Entstehung des Geschlechtskörpers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47402