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Erving Goffmann. Konzept totaler Institutionen

Title: Erving Goffmann. Konzept totaler Institutionen

Term Paper , 2004 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Verena Stockmair (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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Angesicht des derzeitigen Bekanntwerdens von Folterungen in Kriegsgefängnissen im Irak, aber auch durch die Offenlegung von Misshandlungen in der Haftanstalt Brandenburg an der Havel, wird deutlich, welche Brisanz das Konzept totaler Institutionen auch mehr als vierzig Jahre nach seiner Veröffentlichung durch Goffman noch hat.
In seinem erstmals 1961 erschienen Werk Asylums fasst Erving Goffman (1922-1982) in vier Aufsätzen seine mehrjährigen soziologischen Studien über die Insassen psychiatrischer Kliniken zusammen. Von 1954 bis 1957 lehrte Goffman als Gastdozent am National Institute of Mental Health in Bethesda, Maryland. Während dieser Zeit verbrachte er über ein Jahr mit Feldstudien im St. Elisabeths Hospital (Washington D.C.), das damals ca. 7 000 Insassen umfasste. Goffmans eigene Erfahrungen im direkten Umgang mit den Insassen des St. Elizabeths Hospital gingen in das Buch ebenso ein wie unzählige Schilderungen anderer bekannter und weniger bekannter AutorInnen (z.B. George Orwell, Herman Melville), die einige Jahre ihres Lebens im Gefängnis, im Kloster, im Internat, im Waisenhaus, beim Militär oder in ähnlichen Institutionen verbrachten.
Einen ersten Kontakt mit dem Begrifftotale Institutionhatte Goffman 1952 in einem Graduierten Seminar über Institutionen. Der von Everett Hughes geprägte Begriff muss Goffman vom ersten Moment an fasziniert haben. Burns schreibt dazu: „It is clear from Goffman’s course notes (he gave me a copy of them) that ist must have been a remarkable teaching enterprise - enlivened with allusions, encyclopedic in ist coverage, and radically critical and innovative in ist approach.“.
Doch während Goffman den Begriffsoziale Institutionin einer von Hughes abweichenden Weise dachte, übernahm er die Bezeichnungtotale Institutionim Sinnes Hughes. Bei Hughes waren dies „social institutions which were much more shut off from the outside world“ - als Beispiel nennt er Nonnenklöster - Goffman bezieht seine Beobachtungen dementsprechend auf „the situation of those ‚extruded’ from society’.
In dieser Arbeit soll es nun zunächst darum gehen, GoffmansKonzept totaler Institutionenvorzustellen und dabei auf die Blickpunkte der Insassen, des Personal sowie die Berührungspunkte beider Gruppen einzugehen. Anschließend soll das Konzept hinsichtlich seiner Anwendungsmöglichkeit untersucht und beurteilt werden und es sollen Möglichkeiten gefunden werden, das Konzept weiter auszudifferenzieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Konzept totaler Institutionen

2.1 Goffman: Über die Merkmale totaler Institutionen

2.1.1 Definition

2.1.2 Die Insassen

2.1.3 Das Personal

2.1.4 Berührungspunkte beider Gruppen

2.2 Beurteilung des Konzepts

2.2.1 Möglichkeiten der Anwendung

2.2.2 Notwendige Ausdifferenzierung des Konzepts

2.2.2.1 Variable Offenheit der Institution

2.2.2.2 Variable Zweck der Institution

2.2.2.3 Variable Willfährigkeitsmaßnahmen der Institution

3 Abschließende Bemerkung

4 Literaturangabe

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Erving Goffmans soziologisches Konzept der totalen Institution, analysiert dessen Anwendbarkeit auf verschiedene Einrichtungstypen und erarbeitet auf Basis kritischer Sekundärliteratur eine notwendige Ausdifferenzierung des Modells zur Erhöhung seiner wissenschaftlichen Präzision.

  • Darstellung der Kerneigenschaften totaler Institutionen nach Goffman
  • Analyse der sozialen Dynamiken zwischen Insassen und Personal
  • Kritische Beurteilung der idealtypischen Anwendung auf unterschiedliche Anstaltstypen
  • Entwicklung eines differenzierten Modells anhand von Schlüsselvariablen wie Offenheit und Zweck
  • Reflektion über die moralische Arbeitsteilung und Anstaltszeremonien

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Definition

Gleich an den Anfang seiner Einleitung setzt Goffman seine Begriffsbestimmung, indem er beginnt:

„Eine totale Institution läßt sich als Wohn- und Arbeitsstätte einer Vielzahl ähnlich gestellter Individuen definieren, die für längere Zeit von der übrigen Gesellschaft abgeschnitten sind und miteinander ein abgeschlossenes, formal reglementiertes Leben führen.“ (S. 11).

Dabei unterscheidet er fünf verschiedene Gruppen von totalen Institutionen. Zunächst diejenigen, die zur Fürsorge als unselbständig und harmlos geltender Menschen dienen, wie Blinden- oder Altersheime. Außerdem Fürsorgeinstitutionen für Personen, von denen angenommen wird, dass sie unfähig sind für sich selbst zu sorgen und eine unbeabsichtigte Bedrohung der Gesellschaft darstellen. Hierzu zählt er Tuberkulose-Sanatorien oder Irrenhäuser. Gefängnisse, Kriegsgefangenen- und Konzentrationslager untergliedert er in die Gruppe der totalen Institutionen, die zum Schutz der Gemeinschaft vor Gefahren dienen. Dabei ist das Wohlergehen der auf diese Weise abgesonderten Personen höchstens mittelbarer Zweck. Eine weitere Gruppen bilden Institutionen zum Zweck der verbesserten Durchführung bestimmter Aufgaben, wie Kasernen, Schiffe, Internate, Arbeitslager, große Gutshäuser usw. Und als letztes nennt er zumeist religiöse Einrichtungen, die als Zufluchtsort vor der Welt dienen, wie Klöster oder Abteien. (Vgl. Goffman, 1973, S. 16). Zwar bekennt Goffman, dass nicht alle totalen Institutionen in gleicher Weise allumfassend sind (Vgl. S. 15), doch indem er von der Methode der Idealtypen Gebrauch macht (Vgl. S. 17, sowie Burns, 1992, S. 144), bestimmt er als zentrales Merkmal aller totalen Institutionen, dass die für die moderne Gesellschaft grundlegende Trennung von Schlafplatz, Arbeitsplatz und Freizeit aufgehoben ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die anhaltende Relevanz von Goffmans Konzept totaler Institutionen und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Arbeit.

2 Das Konzept totaler Institutionen: Dieses Kapitel definiert totale Institutionen, analysiert die Rollen von Insassen und Personal sowie deren Interaktionen und bewertet das Konzept kritisch hinsichtlich seiner Anwendbarkeit und notwendiger Differenzierung.

3 Abschließende Bemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Fokussierung des Konzepts auf geschlossene, zwangsorientierte Anstalten wie psychiatrische Kliniken und Gefängnisse ab.

4 Literaturangabe: Hier werden sämtliche für die Analyse verwendeten Primär- und Sekundärquellen aufgeführt.

Schlüsselwörter

Totale Institution, Erving Goffman, Asylums, Insassen, Personal, moralische Karriere, Privilegiensystem, Rollendistanz, Looping, Engagement-Zyklus, Anstaltszeremonien, Idealtypen, soziale Kontrolle, Institutionenanalyse, Soziologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Erving Goffmans theoretisches Konzept der „totalen Institution“ und untersucht dessen Anwendbarkeit sowie Grenzen durch eine kritische Auseinandersetzung mit Sekundärliteratur.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die Definition totaler Institutionen, die psychologische Situation der Insassen, die Rolle und Arbeitsweise des Personals sowie die Möglichkeiten, das Goffmansche Konzept für eine präzisere Analyse weiter auszudifferenzieren.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, das Konzept totaler Institutionen vorzustellen, dessen Anwendungsmöglichkeiten zu beurteilen und durch die Einführung von Schlüsselvariablen wie Offenheit und Zweck des Modells eine wissenschaftlich präzisere Klassifikation zu ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf der hermeneutischen Auseinandersetzung mit dem Primärwerk von Goffman und einer kritischen Rezeption einschlägiger soziologischer Sekundärliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Goffmanschen Merkmale (Definition, Insassen, Personal, Interaktion) sowie eine kritische Evaluation, die durch den Vergleich mit anderen Institutionstypen und die Einführung von Differenzierungsvariablen erweitert wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem: Totale Institution, moralische Karriere, Rollendistanz, Privilegiensystem, Anstaltszeremonien und idealtypische Analyse.

Inwiefern unterscheidet sich die Rolle des Personals von herkömmlicher Arbeit?

Das Personal arbeitet nicht mit Objekten, sondern mit Menschen als Arbeitsmaterial, was zu ständigen Konflikten zwischen humanitären Standards und der administrativen Effizienz der Institution führt.

Warum ist eine „Ausdifferenzierung“ des Goffmanschen Konzepts notwendig?

Da Goffmans Idealtypen sehr heterogene Einrichtungen (vom Kloster bis zum Konzentrationslager) unter einem Begriff vereinen, schlägt die Arbeit vor, Variablen wie Offenheit, offiziellen Zweck und Willfährigkeitsmaßnahmen zu nutzen, um die analytische Trennschärfe zu erhöhen.

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Details

Title
Erving Goffmann. Konzept totaler Institutionen
College
University of Regensburg
Grade
1,3
Author
Verena Stockmair (Author)
Publication Year
2004
Pages
16
Catalog Number
V47419
ISBN (eBook)
9783638443722
ISBN (Book)
9783668342446
Language
German
Tags
Erving Goffmann Konzept Institutionen totale Institution
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Verena Stockmair (Author), 2004, Erving Goffmann. Konzept totaler Institutionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47419
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