Franz von Assisi und die Natur


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1.0. Das Naturverständnis von Franziskus
1.1. Das Naturverständnis in den Legenden
1.2. Der Sonnengesang

2.0. Franziskus der Umweltschützer

3.0. Zusammenfassungen

Literaturliste

Einleitung

Als Franziskus, Sohn von Pietro Bernadone und Donna Pieca, im Jahre 1182 in Assisi geboren wurde, war es ihm vorausbestimmt, eines Tages das erfolgreiche Tuchgeschäft seines Vaters zu erben und somit fortzuführen. Seine Familie war wohlhabend und so ermöglichten die finanziellen Mittel des väterlichen Hauses Franziskus eine sorglose, freuden- und genussreiche Jugendzeit.[1] Alles schien seinen bürgerlichen Weg zu nehmen. Und dennoch entschied er sich eines Tages, ein völlig anderes Leben führen zu wollen, welches sich nicht nur von seinen bisherigen familiären Verhältnissen abwendete, sondern im ganzen, auf die damalige Gesellschaft bezogen, etwas Besonderes darstellte. Dieser neue Lebensstil war durch strenge Armut, Friedenseifer, Liebe zum Nächsten, und handlungsbewusste Frömmigkeit gekennzeichnet.

Die Gründe für seine Wandlung sind sicherlich vielschichtig und können im Rahmen dieser Einleitung natürlich nur kurz umrissen werden. Sicherlich waren seine Erfahrungen aus dem Kleinkrieg zwischen Perugia und Assisi mit förderlich. Immerhin musste er nach der Niederlage von Assisi ein Jahr lang in Gefangenschaft gehen. Während dieser fiel er besonders durch seine Fröhlichkeit auf, was von seinen Mitgefangenen bisweilen als „verrückt“ empfunden wurde.[2] Überhaupt war Franziskus ein sehr heiterer Mensch, der sehr oft mit Humor durchs Leben ging, egal wie schwierig sich die äußeren Umstände gestalteten. Oft brachte er sich sogar selbst in solch missliche Lagen, weil er immer wieder bereit war, auch noch das zu geben, von dem er selbst nicht genug besaß. Und wie schon während seiner Gefangenschaft waren die Leute über seine ständige Heiterkeit verwundert, weil sie so weltfremd erschien.

Ebenso wird eine schwere Krankheit, die ihn kurz nach der Gefangenschaft ans Bett fesselte, die Entscheidung zu seinem folgenreichen Lebenswandel mit begünstigt haben. Franziskus erholte sich von dieser Krankheit nie vollständig, sondern war lebenslänglich, mit zunehmendem Alter in stärkerem Maße, ein kranker Mensch.[3]

Es ist überdies vielleicht eine ständig intensive Suche nach einem Sinn im Leben bei dem jungen Franziskus vorhanden gewesen. Immer wieder plante er Abenteuerliches, um seinem Leben die richtige Wendung zu geben. Hier wäre zum Beispiel der Versuch zu nennen, der ihn zum erfolgreichen Ritter werden lassen sollte. Mit 22 Jahren zog es ihn mit einigen anderen Adligen nach Apulien, wo er das Rittertum erlangen wollte. Jedoch verhinderte ein Traum sein Vorhaben, in welchem ihm Gott anwies nach Assisi zurückzukehren und statt eines weltlichen Rittertums ein geistiges zu erwägen. Einige Zeit später vollzieht er den vollständigen und radikalen Bruch mit seinen bisherigen Lebensverhältnissen und sollte eine der bedeutensten Ordensbruderschaften der Geschichte gründen, die Franziskaner. Schon kurz nach dessen Gründung erfreute sich der Orden großem Zulauf und verbreitete sich enorm schnell. Dabei verlief bei weitem nicht alles reibungslos ab. Franziskus hatte anfangs mit vielen Problemen zu kämpfen. Vor allem der Konflikt mit seinem Vater stellte für Franziskus eine große Belastung dar.[4] Doch Franziskus war hartnäckig und bereit auf alles zu verzichten. Und gerade diese neu gewonnen Unabhängigkeit machte ihn so stark.

Indem er sich vom bürgerlichen Leben verabschiedete, wandte er sich intensiv dem für viele nebensächlich Erscheinenden hin, unter anderem auch der Natur mit all ihren Elementen und Geschöpfen.

In diesem Aufsatz soll nun genau dieses Verhältnis, das zwischen Franziskus und der Natur, herausgearbeitet werden. Wie nahm Franziskus die Natur wahr und welches Naturverständnis liegt dem zugrunde? Wie war seine Beziehung zu den Tieren und Pflanzen? Worin unterschied er sich von seinen Mitmenschen und welche Personen haben ihn in seinem Verständnis geprägt? Und warum war das Naturverständnis des Franziskus so besonders, so das er von Johannes Paul II. zum Patron des Umweltschutzes ernannt wurde?

Franziskus war keineswegs der erste Christenmensch, der einen besonderen Umgang mit der Natur pflegte. Insbesondere die ersten Eremiten, wie Paulus von Theben oder Antonius der Grosse, welcher oft als der erste Mönch bezeichnet wird, waren unter anderem aufgrund ihrer Nähe zur Natur bekannt. Von Antonius wird uns von seinem Biograph Athanasius berichtet, dass er stets bemüht war, mit den Tieren in der Wüste in Frieden zu leben. Nachdem einige Tiere seinen Garten ruiniert hatten, wandte er sich enttäuscht an diese, um sie zu ermahnen. Und von Paulus wird uns überliefert, dass er einen Raben als Freund hatte, der ihm jeden Tag ein halbes Brot brachte. Auch die Wandermönche im 7. und 8 Jahrhundert, vornehmlich die irischen und englischen, haben viel Zeit im Einklang mit der Natur verbracht. Doch worin unterschied sich Franziskus von diesen in seiner Sicht zur Natur? Was machte ihn so einzigartig? Oder war er das gar nicht?

Um diese Fragen beantworten zu können, helfen uns verschiedenste Quellen. Als besonders aufschlussreich gelten die Legenden des Thomas von Celano, ein Weggefährte von Franziskus, wobei der ersten Vita[5] des Celano eine besondere Stellung zukommt, weil sie die erste Legende überhaupt war und somit eine sehr authentische biographische Schrift über Franziskus darstellt. Sie wurde in den Jahren 1228-29, also kurz nach der Kanonisation des Franziskus, erstellt. Vor allem die Unberührtheit durch theologische Reflexionen, wie sie etwa bei Bonaventuras Viten auftauchen, macht diese Quelle so wertvoll. Aber auch andere Legenden, wie die Legenda Perusina, werden für die Bearbeitung dieser Thematik herangezogen. Die biographischen Werke, die für dieses Thema verwendet werden, stammen größtenteils aus der „Analecta Franciscana“. Sie stellt für viele Franziskanerquellen die maßgebende kritische Edition dar. Die Übersetzung tätigte Michael Bihl in Zusammenarbeit mit einigen Mitbrüdern aus dem Franziskanerorden.

Leider hat uns Franziskus selbst nur wenig Geschriebenes hinterlassen, was sich auf sein Verhältnis zur Natur bezieht. Bis auf ein paar wenige Stellen in seinen Gebeten haben wir nur ein einziges Werk von ihm, welches uns Auskunft gibt. Die Rede ist vom Sonnengesang. Wenn wir sogar nur das Verhältnis zu den Tieren betrachten, hinterlässt uns Franziskus kein einziges Zeugnis. Und dabei gibt es unzählige Legenden von ihm, wie er einen besonderen Umgang mit den Tieren pflegte.

Zusammengefasst sind wir also vor allem auf die Berichte von Lebensgefährten und andere Überlieferungen angewiesen, wobei die Fontis Franciscani, die von Franziskanermönchen geschriebenen Lebensbeschreibungen, am gewichtigsten sind.

1.0. Das Naturverständnis von Franziskus

Will man Franziskus verstehen lernen, um so sein Verhältnis zur Natur rekonstruieren zu können, hilft es nur wenig, in den Quellen nach theologisch-theoretischen Reflexionen zu suchen. Vielmehr muss man die Handlungen des Franziskus innerhalb vieler Ereignisse auf sich wirken lassen, um sie dann deuten zu können. Oft ist die sehr bildhafte Sprache in den Legenden der Schüssel zur richtigen Auffassung. Denn wie schon Franziskus die Wissenschaft aufs strengste verurteilte[6], so kommt man bei dieser Thematik mit einem sensiblen Umgang der Quellen der Wahrheit am nächsten, statt in den Tiefen der Naturphilosophie zu suchen. Franziskus lebte nämlich nach dem Prinzip: magis exemplo quam verbo[7]. Bei seinem Tun scheint es so, als ob er die Dinge oft mit unbewusster Dramaturgie schmückte, um auf anschauliche Weise zu zeigen, worauf es ihm ankam. Es gelang ihm somit häufig sein Anliegen zu artikulieren, ohne dabei auf Worte zurückgreifen zu müssen.[8]

Demnach kann man das Naturverhältnis des Franziskus nicht einfach als Schwärmerei oder romantischen Übereifer vorab bewerten.[9] So würde man nicht die Ernsthaftigkeit und die durchaus vorhandene Pflicht in dem Tun des Franziskus erkennen. Raoul Manselli schreibt dazu sogar, dass man sich von den „romantischen praeraffaelitischen Überwucherungen“ befreien muss, um Franziskus überhaupt verstehen zu können. Er verurteilt alle Kommentare und Kommentatoren, die mit mehr oder minder „tränenfeuchten Gefühlen“ einen pantheistischen Mystizismus bis hin zum Realismus in der Kunst in Franziskus erkannt haben wollen. Besonders die fehlende Einordnung in den geschichtlichen Zusammenhang wirft er ihnen entschieden vor.[10]

Die Naturansicht von Franziskus beruht auf feste Regeln und einem gereiften Weltbild. Feld bezeichnet die Beziehung zwischen Franz und der Natur als „durchdachte und religiöse Beziehung“[11]. Wobei er auf diesen Grundfesten dann durchaus im hohen Maße bereit ist, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen, ohne dabei unkontrollierbaren Gefühlen Vorrang zu geben.[12] Doch was sind diese Grundfesten? Die Forschung ist sich in den wesentlichen Punkten darüber einig, wenn es um die Interpretation seiner geschilderten Handlungen geht, obwohl die Legenden oft keine klare Trennung zwischen „Fiktion und Wirklichkeit“[13] zulassen. Vor allem Helmut Feld hat zu diesem Thema viel beigetragen und stellt eine wichtige Orientierung für diesen Aufsatz dar. Anschließend soll der Sonnengesang etwas genauer betrachtet werden und ob er als ein Abbild des Naturverständnis des Franziskus in den Legenden gelten kann.

[...]


[1] Feld 2001, S. 18.

[2] Feld 2001, S. 19.

[3] Feld 2001, S. 19.

[4] 1 Celano 14 ( Anal. Fr. 14)

[5] Thomae de Celano Vita prima s. Francisci

[6] Werner 1986, S. 13. vgl. auch 2 Celano 166 (Anal. Fr. 226).

[7] 1 Bonaventura 8, 1.

[8] Werner 1986, S. 14-15.

[9] Feld 1994, S.

[10] Manselli, S. 330.

[11] Feld 1993, S. 10.

[12] Feld 1993, S. 10.

[13] Werner 1986, S. 17.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Franz von Assisi und die Natur
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Veranstaltung
Franz von Assisi
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V47422
ISBN (eBook)
9783638443753
ISBN (Buch)
9783638764131
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Franziskus war ein Mensch der oft weltfremd auf seine Mitmenschen gewirkt hat. Dazu gehört auch sein Verhältnis zur Natur. Beim genaueren Hinschauen jedoch lässt sich ein bemerkenswerter Zugang zu seiner Persönlichkeit entdecken. Wie glaubte er, dachte er und fühlte er? Diese Hausarbeit wird es anhand seines Naturverständnisses versuchen zu rekonstruieren.
Schlagworte
Franz, Assisi, Natur
Arbeit zitieren
Peter Ameis (Autor), 2005, Franz von Assisi und die Natur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47422

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